Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 3 › Seite 39
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 4. Februar 1913, Seite 39
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8 Deu utheraned
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und daß wir sie tun. Vonn sittlichen Standpunkt aus betrachtet,
kann niemand etwas gegen einen solchen Ausschluß der Offent⸗
lichkeit eimvenden. Die Sittlichkeit fordert einen solchen Ans⸗
schluß. Wenn aber eine Anzahl Leute eine union bilden und
dann, während sie die Mehrzahl ihrer Mitmenschen und Mit⸗
bürger geflissentlich ausschließen, Dinge tun und treiben, von
denen diese nicht wissen, auch gar nicht wissen sollen, was sie
sind und worauf sie abzielen, so verträgt sich das nicht mit der
Liebe, die wir unserm Nächsten schuldig sind, Phil. 2, 4. Es
ist ein Vergehen gegen unsern Nächsten und deshalb unmora—
lisch zu nennen. Dabei brauchen die Dinge, die man tut, an
sich nicht notwendig unmoralisch zu sein.
Im Ritual wird ein feierliches Versprechen oder Gelübde
von dem Eintretenden verlangt. Es beginnt so: „I in the pres-
ence 0f God and these witnesses“ und schließt mit den Worten:
„So help me God.“ Der Präsident der Union gibt dem Ein—
tretenden allerdings die Versicherung, daß in dem Versprechen
nichts vorkomme, was mit den religiösen Ansichten des Kan⸗
didaten streite. Wie aber, wenn der Präsident nicht weiß,
was des Kandidaten religiöse Ansichten sind? Wüßte er sie,
dann müßte und könnte er auch wissen, daß das Ablegen irgend—
eines Eides unter den Umständen nicht nur gegen nusere reli⸗
giösen Ansichten, sondern auch gegen klare Stellen der Heiligen
Schrift ist, Jak. 5, 12; Matth. 5, 34.
Der Kandidat weiß bei seinem Eintritt nicht, wozu ihn
sein Eid verpflichtet, wenn er schwört, daß er gewisse Dinge
geheimhalten, tun oder ungetan lassen will; er kennt die von
ihm geforderten Dinge nicht. Er muß also in ungewissen Dingen
schwören. Das ist gegen die Bibel, Röm. 14, 23; Matth. 14,
6—10. Wir sollen Gott nicht zum Zeugen anrufen in einer
Sache, deren Bedeutung und Tragweite wir nicht kennen.
Wie kann auch einer, der in dieser Weise schwört, im
voraus wissen, ob er in der Union nicht Dinge erfahren wird,
die er um des Gewissens willen gar nicht verborgen halten darf?
Spr. 29, 24. Und solche Dinge mögen in der Union geschehen;
denn irgendeine weiße Person, ob Christ oder nicht, kann Glied
werden. Wer wollte aber für die Taten der Ungläubigen ver⸗
antwortlich gehalten werden? Und schwört jemand, er wolle
in Zukunft alle Geheimnisse der Union geheimhalten, so
gerät er in die Gefahr, lästerlich zu schwören, Apost. 23, 12;
2 Kön. 6, 31. In beiden Fällen haben wir einen Schwur zu
leisten, eine Tat zu begehen, die Gott in den Worten: „Du
sollst nicht töten“, klar und deutlich verboten hat.
Und sind die Dinge, wie man oft behauptet, trivialer
datur, weshalb wird dann ein Eid gefordert, sie stets geheim⸗
zuhalten und nie zu offenbaren? Alles leichtfertige Schwören
ist verboten. Siehe den Katechismus unter dem zweiten Gebot.
Im Ritual finden wir noch mehr Versprechen, zum Bei⸗
spiel diejenigen, bei der Konstitution, den Verordnungen und
Regeln dieser oder irgendeiner andern local union verharren,
das heißt, seine Zustimmung dazu geben zu wollen, jede
Einrichtung, welche die Farmers' Union treffen sollte, zu
unterstützen, und zwar nicht etwa solange das sich mit dem
Wort Gottes und dem Gewissen des Christen verträgt, sondern
mit den Grundsätzen dieses Ordens. Diese Grundsätze sind
aber, wie gezeigt, zum größten Teil offen gegen Gottes Wort.
Der Kandidat soll ferner versprechen, den Gliedern der
Union helfen und beistehen, kein Glied derselben vervor—
teilen, betrügen und verletzen zu wollen, nichts zu sagen oder
zu schreiben, was den Charakter eines Gliedes beeinträch⸗
tigt. Wo bleiben dabei die übrigen Menschen? Der Kandidat
verspricht ferner, er wolle in keiner Weise die Ruhe irgendeines
Heims stören. Für einen Christen versteht sich das von selbst,
und deshalb sind solche feierliche Gelübde, sich dergleichen Dinge
zu enthalten, ganz unnötig. Ein Christ soll seinen Nächsten,
einerlei ob er zur Union gehört oder nicht, lieben wie sich
selbst, Matth. 22, 39; 7, 12.
Im Ritual finden wir immer wieder den Ausdruck „Bru—
der“, „Brüder“. Diese Bruderschaft gründet sich nicht auf den
Glauben an Christum, wie diejenigen sich Brüder nennen, die
eins sind im Glauben; nein, diese Bruderschaft ist dem Um⸗
stand entnommen, daß alle Menschen Gott zu ihrem gemein⸗
samen Vater haben. Nun könnte man das hingehen lassen,
wenn jemand aus diesem Grunde alle Menschen Brüder nennen
wollte; man könnte das hingehen lassen, wenn es keine Bru⸗
derschaft in Christo gäbe, die einzig wahre, die Gott selbst
gestiftet hat, in die Völker wieder zu vereinigen, die er selbst
in der babylonischen Sprachverwirrung zerstreut und zertrennt
hat; wir könnten jenen Ausdruck hingehen lassen, wenn die
Union ganz andere Ansichten und Ideen damit verbände, als
wir es tun. Man könnte ihn hingehen lassen, wenn die natür—
liche Denkweise einen Menschen anleitete, alle Menschen
für seine Brüder anzusehen. Das ist jedoch nicht der Fall.
Die gebildetsten unter allen heidnischen Völkerschaften, denen
die bedeutendsten Philosophen entsprungen sind, die alten Grie⸗
chen, besonders die Athener, sind mit ihrer ganzen Philosophie
nie auf einen solchen Gedanken gekommen, sie kannten nur Hel—
lenen; alle andern Völker waren nach ihrer Ansicht Barbaren;
nichts band sie an diese Völker. Der natürliche Mensch fühlt
sich durchaus nicht mit allen Menschen verbrüdert. Für ihn
gibt es Kreise, Religionen, Rassen; hier vereinigt er sich, er
schließt sich von der ganzen Zahl aus. Hier ist manches, was
ihn von den vielen trennt. Diese Idee der Bruderschaft ist dem
Christentum entnommen und ist von der Union auf ganz andern
Boden verpflanzt worden. Die Bruderschaft dieser Union ist
ein Zerrbild der echten Bruderschaft. Wir sollen nur solche
für unsere Brüder halten, die das ganze Wort Gottes in allen
seinen Teilen rein und lauter haben, lehren und bekennen,
und bei denen die heiligen Sakramente der Einsetzung Christi
gemäß verwaltet werden, Matth. 28, 20.
Im Ritual finden wir auch religiöse übungen. Es wer—
den Lieder gesungen, Gebete gesprochen. Wer sind denn nun
die Leute, die sich in dieser Union zu gemeinschaftlichen reli⸗
giösen übungen verbinden? Es sind nicht Leute desselben
Glaubens und Bekenntnisses; nicht einmal alle Christen mit
andern Christen; nein, „ein weißer Mensch, ein arbeitsamer
Indianer“ usw. können Glieder werden und natürlich an diesen
religiösen übungen teilnehmen. Den Christen aber ist ver⸗—
boten, solche religiöse Üübungen mit Ungläubigen und Falsch⸗
gläubigen zu unterhalten, Joh. 8, 31. 32; Matth. 7, 15;
1 Joh. 4, 1; Röm. 16, 17 und besonders 2 Kor. 6, 14—18.
Gottesdienstliche übungen zu verrichten, ist Sache der
Kirche und der einzelnen Personen und nicht Sache irgend⸗
einer Organisation innerhalb oder außerhalb der Kirche. Ge⸗
rade auch deshalb, weil diese Union religiöse Uübungen hat und
haben will, ist sie verwerflich.
Das Eröffnungs- und Schlußlied ist uchristuslos. Keins
dieser Lieder enthält auch nur ein Wort von. Buße und Glau—
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