Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 3 › Seite 42
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 4. Februar 1913, Seite 42
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Juden in Gegenwart des Herrn Weber, daß sie alles tun wür—
den, um die Mission zu zerstören. Herr Weber ermahnte sie,
den Missionar in Ruhe zu lassen, sonst müßten sie die Folgen
tragen. Sie aber antworteten: ‚„Wir haben eine große Gesell—
schaft hinter uns und fürchten uns nicht: Herr Weber sorgte
dafür, daß der Missionar am letzten Freitag ungehindert pre—
digen konnte, indem er mit Herrn Tietjen und mit einem christ—
lichen Rechtsanwalt zum Gottesdienst kam. Der Polizeikapi—
tän sandte zwei Polizisten, die vor dem Lokal Ordnung hielten
und bereit waren, jeden zu arretieren, der den Gottesdienst
stören würde.“
11. November 1912: „Mit Dank gegen Gott konnte der
Missionar der Kommission berichten, daß er auch im ver—
gangenen Monat viel Gelegenheit hatte, seinen Brüdern nach
dem Fleisch das Wort Gottes öffentlich und sonderlich zu ver—
kündigen. Obwohl die Antimissionsliga eine ganze Schar von
Agenten ausgesandt hatte, um das ganze Feld der Juden—
mission abzustreifen und die Juden in ihren Häusern zu be—
suchen, sie zu bitten und zu ermahnen, daß sie den Meschumeth
Friedmann nicht in ihre Häuser lassen, mit ihm überhaupt nicht
über Religion reden und seine Predigt nicht anhören sollten,
so hat dies alles doch nicht viel geschadet. Der Missionar ist
in den Judenhäusern nach wie vor freundlich empfangen, und
die religiösen Unterredungen sind nicht unterbrochen worden.
Freilich stehen die Agenten der genannten Gesellschaft immer
noch an jedem Freitagabend in der Nähe der Mission und
versuchen ihr Bestes, die Leute vom Besuch der Gottesdieuste
abzuhalten. Ein neues Zirknlar ist gedruckt worden, dessen
jiddischer Teil anhebt: „Juden! Rettet eure Kinder!' Es
wird den Besuchern unserer Mission in die Hände gedrückt mit
der Bitte, man solle es erst lesen, ehe man zu dem Méschumeth
hineingehe. Die Agenten drohen denen, deren Namen und
Adressen sie erlangen können, auch mit geschäftlichen Verlusten.
Dennoch fand sich an jedem Freitagabend eine Schar Ind
Inden
zum Gottesdienst ein. Leider fanden auch wieder Störungen
statt.
An einem Abend störte man den Gottesdienst dadurch,
daß man ein Pulver, das Missionar und Zuhörer zuni Husten
und Niesen reizte, ausstreute. An einem andern Abend stellten
sich dieselben Leute ein, die im vorigen Monat als Zeugen der
angeklagten Störenfriede vor Gericht fungierten. Während
der Predigt verhielten sie sich einigermaßen anständig. Nach
dem Segen aber stand einer unter ihnen auf und fragte den
Missionar, ob nun der Gottesdienst zu Ende sei. Der Missio—
nar verstand sofort, was der Fragesteller wollte. Dieser
glaubte nämlich, nach Schluß des Gottesdienstes könne er nicht
mehr wegen Störung verklagt werden, sondern tun, was er
wolle. Daher antwortete ihm der Missionar, daß zwar der
Gottesdienst zu Ende sei, daß aber dennoch niemand das Recht
habe, hier in dieser Halle ohne Erlaubnis zu reden. Der Jude
erklärte frech, daß er mit dem Missionar über die gehaltene
Predigt debattieren wolle, und da dies ein öffentliches Lokal
sei, müsse ihm in Gegenwart der ganzen Versammlung gestattet
sein zu reden. Er fühlte sich sicher, da gerade kein Polizist
anwesend war, und schrie aus Leibeskräften: Schwestern und
Brüder, glanbet nicht ein einziges Wort, das dieser Mann heute
gepredigt hat!' Der angestellte Türwächter ging hinaus, um
einen Polizisten zu rufen, konnte aber keinen finden. Herr
Berghorn, Glied von P. Steups Gemeinde, nahm sich des
Missionars an und forderte den Juden auf, sofort das Lokal
zu verlassen, sonst würde er ihn arretieren laͤssen. Viele aus
der Versammlung sprachen ihren Abscheu vor der Handlungs—
weise der Liga-⸗Agenten aus. Am letzten Freitag waren wieder
einige Agenten der Liga amvesend und wollten ihre Hüte nicht
abnehmen, obwohl der Missionar ihnen sagte, dies sei keine
Synagoge, sondern eine christliche Mission. Sie blieben ein—
fach mit den Hüten auf dem Kopf sitzen. Als aber der Missio—
nar zu beten anfing, standen sie der Reihe nach auf und schritten
mit dröhnenden Tritten hinaus, indem sie den andern Zu—
hörern winkten, ihnen nachzufolgen. Aber keiner folgte ihnen.“
Die Missionskommission, vollzählig vertreten, begab sich
am 14. Oktober nach der Polizeistation, damit man dort er—
fahre, daß der Missionar nicht verlassen dastehe. Es wurde
ihr versprochen, daß für jeden Gottesdienst unserer Inden—
mission ein Polizist zum Schutz vor Störung gesandt werden
solle. —
Warum nun, ihr lieben Mitchristen, machen wir solche
Mitteilungen?
Einmal, damit alle unsere Christen wissen, daß die vielen
Juden der Großstadt New Nork unsere Mission für eine so
starke und wichtige Sache ansehen, daß sie sich in Massen da—
wider zusammenrotten. Das Evangelium richtet Rumor an.
Zum andern, damit wir auch fleißig und andächtig für
unsere Judenmission und ihren Missionar beten.
Zum dritten, damit wir uns fragen: Sind wir so eifrig
für Christi Reich, opfern wir so viel Zeit, Einfluß, Hab und
Gut für des HErrn Christi Sache, wie die Feinde Christi Eifer
bezeigen und Opfer bringen zur Zerstörung seines Reiches?
Würden wir so eifrig und opferwillig sein für unsere Kirche,
wie die Feinde IEsu gegen unsere Kirche sind, wahrlich, in
allen unsern Synodal- und Missionskassen würde nie ein Defizit
sein! P. Rösener,
Sekretär der Indenmissionskommission.
—
Zur kirchlichen Chronik.
Aus der Synode. Anläßlich des plötzlichen Abscheidens des
sel. D. Stöckhardt sind sowohl der ganzen Fakultät als auch ein—
zelnen Gliedern derselben viele Beileidsschreiben und Beileids—
depeschen von Lehrerkollegien, Pastoralkonferenzen und einzelnen
Personen zugegangen. Wir sprechen dafür unsern herzlichen Dank
hiermit öffentlich aus. Gott wolle in Gnaden unserer Anstalt
bald wieder einen tüchtigen Mann nach seinem Herzen und Willen
zuführen! In mehreren Schreiben waren auch freundliche Worte
in bezug auf die bisherige Arbeit der Fakultät sowie Worte herz—
licher Ermunterung zu getroster Weiterarbeit enthalten. Auch
hierfür sprechen wir unsern Dank aus mit der Bitte, unserer
Fakultät auch fernerhin in der christlichen Fürbitte ein Plätzlein
einräumen zu wollen. Denn wenn wir bisher in etwas der Kirche
dienen konnten, so ist uns diese Gnade Gottes gerade auch durch
die Fürbitte unserer christlichen Brüder zugewendet worden. Gott
wolle uns und alle unsere Christen in ungeheuchelter Demut
erhalten, da Gott nun einmal nach der unverbrüchlichen Regel
handelt, daß er nur den Demütigen Gnade gibt, den Hoffärtigen
aber widersteht. Es ist merkwürdig und ohne Zweifel durch be—
sondere Leitung Gottes geschehen, daß Luther in der letzten Pre⸗
digt, die er zu Wittenberg vor seiner Abreise nach Eisleben ge—
halten hat (am 17. Januar 1546), in ernsten, ja ungewöhnlich
heftigen Worten sich gegen alle Lehrer wendet, die in ihres Her—
zens „Dünkel“ ohne Gottes Wort und über Gottes Wort hinaus
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