Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 3 › Seite 45
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 4. Februar 1913, Seite 45
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sammengezählt wird, dann zeigt sich's, daß der Käufer die Last
der Sünde nicht anders bezahlen kann als mit der eigenen Seele.
Kain hatte, als sich zuerst der Neid bei ihm regte, gewiß nicht vor,
den Bruder totzuschlagen, wie denn überhaupt kein Mensch von
vornherein vorhat, ein Mörder und Meineidiger oder überhaupt
ein Verbrecher zu werden; aber hast du heute die Sünde, morgen
hat sie dich. Zwischen der ersten bösen Lust nach der verbotenen
Frucht und dem ersten Totschlag ist nur der Zwischenraum zwischen
Eltern und Sohn. Ehe du dich's versiehst, ist auch bei dir die
kleine Sünde riesengroß geworden.
Darum hüte dich vor der Sünde, auch der scheinbar kleinen,
damit sie dir nicht über den Kopf wachse! Reichst du dem Teufel
auch nur den Finger, er nimmt die ganze Hand. Die Sünde, die
du heute freiwillig tust, bist du morgen zu tun gezwungen, und
du mußt verzweifelt klagen: „Die ich rief, die Geister, werd' ich
nun nicht los!“ Nur zusehen wollte jener Mann dem Feuer, die
Entwicklung desselben beobachten und dann auch ein wenig sich
ausstrecken am freundlichen Kamine, und bald war er ein Aschen—
haufen. Darum noch einmal, hüte dich vor der Sünde, denn die
Sünde ist's, die dich friedlos, freudlos, unglücklich macht.
(Barmer Sonntagsblatt.)
Klage nicht so viel!
Ernst Gottlieb Woltersdorf, der Liederdichter, hatte in seiner
Gemeinde eine Frau, die fortwährend über Not, Trübsal und
Leiden aller Art zu klagen hatte. Sooft er auch zu ihr kam und
sie tröstete, jedesmal jammerte sie ihm wieder vor, wieviel gerade
sie zu leiden hätte. Eines Tages, als sie abermals anfing, ihr
altes Klagelied zu singen, fragte Woltersdorf: „Hat Sie Ihr
Gesangbuch in der Nähe?“ „Ja“, war die Antwort. „So geb'
Sie mir es einmal her!“ Die Frau ging und holte das Buch.
Woltersdorf schlug das Lied auf: „Was Gott tut, das ist wohl⸗
getan“, und dann nahm er das Blatt, auf welches das Lied ge—
druckt war, in die Hand und sagte: „So, das will ich jetzt heraus—
reißen!“ „Herr Pastor“, rief erschrocken die Frau, „Sie werden
doch das nicht tun?“ „Ei, warum knicht, Sie glauben das ja
doch nicht mehr; also heraus damit!“ erwiderte Woltersdorf.
Die Frau bat und weinte, und das Blatt blieb schließlich in dem
Gesangbuch. Aber dies einfache Verfahren hatte geholfen. Sie
schämte sich ihrer vielen Klagen, und gerade dieses Lied wurde
ihr von dem Tage an zum besonderen Segen.
Nicht Opfer, sondern Dankesschuld.
Als der berühmte Afrikaforscher und Missionar David
Livingstone (geb. 1813, gest. 1873) am 4. Dezember 1867 der
Universität Cambridge einen Besuch abstattete, rief er die Stu⸗
denten auf zu eifriger Mithilfe am Missionswerk. Seine Worte
sind wie ein Vermächtnis. Sie lauten:
„Ich für mein Teil habe nie aufgehört, mich zu freuen, daß
mir Gott diesen Dienst anvertraut hat. Man spricht so viel von
dem Opfer, das ich gebracht habe, indem ich Afrika mein Leben
weihte. Kann man das überhaupt Opfer nennen, wenn wir Gott
Nein klein wenig von dem zurückgeben, was wir ihm schulden?
Und unsere Schuld bei Gott ist so groß, daß wir sie nie begleichen
könnten. Ist das Opfer, was uns selbst am tiefsten befriedigt,
was unsere besten Kräfte zur Entfaltung bringt und zu den
größten Hoffnungen berechtigt? Hinweg mit diesem Wort!
Hinweg mit solch einem Gedanken! Es ist alles andere, nur
kein Opfer. Nennt es lieber ein Vorrecht. Angst, Krankheit,
Leiden, Gefahr, das Aufgeben so vieler uns scheinbar unentbehr—
lichen Bequemlichkeiten kann uns vielleicht einen Augenblick zurück—
schrecken und entmutigen, aber nur einen Augenblick. Es ist nichts
im Vergleich mit der Herrlichkeit, die an uns und in uns soll
offenbar werden. Ich habe niemals ein Opfer gebracht. ..
Ich weiß, daß ich in wenigen Jahren mein Leben für Afrika dahin—
geben werde. Afrika ist jetzt offen. Laßt nicht zu, daß es wieder
verschlossen werde! Ich gehe nach Afrika zurück und werde ver—
suchen, dort dem Christentum einen Weg zu bahnen. Führt das
Werk weiter, das ich begonnen habe! Ich hinterlasse es euch.“
So sollen auch wir das Missionswerk ansehen lernen, wir
alle. Es müßte viel mehr brennender Eifer, viel mehr opfer—
bereite Liebe unter uns zu finden sein.
Bei der großen Welt-Missionskonferenz in Edinburgh 1910
hieß es: „Im 20. Jahrhundert christlicher Geschichte dürfte es
keine unbesetzten Missionsgebiete mehr geben. Jedenfalls sind
wir verpflichtet, alles daranzusetzen, daß diesem beklagenswerten
Zustand abgeholfen werde.“
ͤ ⁵ͤlZ.
Todesanzeige.
Am 17. Dezember 1912 entschlief nach etwa vierwöchiger
Krankheit im Glauben an seinen Heiland Lehrer Louis Appelt.
Der Entschlafene wurde am 18. April 1848 in Leipzig, Königreich
Sachsen, geboren. Hier besuchte er zuerst die Volksschule bis zum
14. Lebensjahre und sodann ein dortiges Gymnasium. Nach
etlichen Jahren begab er sich in die Vorbereitungsanstalt zu Stee⸗
den, die er im Jahre 1867 verließ. In diesem Jahre wanderte
er nach Amerika aus und trat ins Lehrerseminar zu Addison ein.
Schon nach einem Jahre wurde er ins Schulamt entlassen und am
2. August 1868 in der ev.⸗-luth. St. Johannisgemeinde zu Chi—⸗
cago, Ill., als Lehrer eingeführt. Im Jahre 1871 organisierte
sich die Bethlehemsgemeinde zu Chicago und berief Lehrer Appelt
an ihre Schule, an der er bis kurz vor seinem Tode mit großer,
unverkennbarer Treue gearbeitet hat. Ununterbrochen hat er
44 Jahre die Lämmer Christi geweidet. — Am 22. Dezember
fand unter großer Teilnahme von seiten der Gemeinde und vieler
Freunde sowie der Lehrerschaft von Chicago das Begräbnis statt.
Im Hause amtierte P. A. Reinke, in der Kirche der Unterzeichnete.
Der Entschlafene erreichte ein Alter von 64 Jahren, 7 Monaten
und 29 Tagen. Er hinterläßt nebst seiner tiefbetrübten leidenden
Gattin drei Söhne, zwei Töchter und fünf Enkelkinder. Sein An⸗
denken bleibe unter uns im Segen! E. Reinke.
———
Einführungen.
Im Auftrag der betreffenden Distriktspräsides wurden eingeführt:
Am 24. Sonnt. n. Trin.: P. F. Heumann in der Gemeinde zu
Johnsfield, Mich., von P. W. F. Hagen.
Am Neujahrstag: P. O. W. Matthies in der Salemsgemeinde
bei Hampton, Nebr., unter Assistenz P. Timtens von P. C. F. Brommer.
Am 1. Sonnt. n. Epiph.: P. P. J. Leyhe in der Gemeinde zu
Maryland Heights, Mo., von P. C. F. Drewes. — P. J. E. A. Müller
jun. in der St. Paulusgemeinde zu Mount Prospect, Ill., unter Assistenz
P. Schlechtes von P. W. F. Pieper. — P. M. Niermanun in der Chri⸗
stusgemeinde zu Lincoln, Nebr., unter Assistenz der l'P. Brakhage, Möller
und Riedel von P. W. Bäder. — P. H. W. Kowert in der Zions⸗
gemeinde zu Hiawatha, Kans., von P. H. Schmidt.
Am Sonnt. Septuagesimä: P. E. T. Coyner in der Gracegemeinde
zu Los Angeles, Cal., unter Assistenz der PP. Tietjen und O. J. H. Preus
von P. J. W. Theiß. — P. H. W. Müller als zweiter Pastor an der
St. Pauluskirche zu Albany, N. Y., unter Assistenz der PP. G. A. Schulze
und Shlschläger von P. G. Fr. Stutz. — P. H. Brochmann in der Ge⸗
meinde bei Menno (Odessa), Wash., von P. J. Gihring.
Am Sonnt. Sexagesimä: P. J. Marcis als Slowakenmissionar in
Detroit, Mich., unter Assistenz der PP. Claus und R. Meyer von Präses
Pelikan.
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