Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 3 › Seite 40
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 4. Februar 1913, Seite 40
Scan: from a 2009 DVD; the same scans are on the Internet Archive as DerLutheraner69_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
40
ben an Christum. Sie lehren einen Weg zum Himmel ohne
Christum. Siehe Joh. 14, 5. 6. 10 ff. Sie preisen Werke, aber
nicht Werke der zehn Gebote, sondern Werte gegen die Union.
Ihre ganze Lehre lautet: „Tu Gutes!“ Nach ihrer Meinung
kann der Mensch auch nach dem Fall Gutes wirken und durch
seine Werke sich den Himmel verdienen. Siehe 2 Kor. 3, 5
Röm. 3, 12; Joh. 15, 5; Röm. 10, 4; Gal. 2, 16 und andere
Schriftstellen.
Im Ritual wird der Kandidat gefragt:
das höchste Wesen?“ — in der Konstitution: „ein höchstes
Wesen“. Unter diesem höchsten Wesen ist nicht zu verstehen der
wahre Gott, drei in Personen, aber einig im Wesen, der Vater,
der Sohn und der Heilige Geist, 5 Mos. 6, 4; Matth. 28, 19.
20, 2 Kor. 13, 14; 4 Mos. 6, 24—26; Matth. 3, 16. 17.
Denn „eine weiße Person, ein arbeitsamer Indianer“ usw.
werden gefragt: „Glaubst du an das (oder ein) höchste
Wesen?“ Nicht alle Weißen, nicht alle fleißigen Indianer aber
glauben an den wahren Gott. Der Ungläubige spottet über
einen solchen Glauben, und der Jude verwirft Christum. Jenes
höchste Wesen ist ein deistischer, heidnischer Götze. Der soge⸗
nannte Deist kann Gott nennen und ihn auch nicht nennen. Er
hat nur einen abstrakten Glauben an Gott. Er kennt keine
außerordentlichen Offenbarungen. Gott ist der Urheber der
bestehenden Welt, der große Baumeister des Weltalls, aber
ohne in einem lebendigen inneren Verhältnis zur Welt zu
stehen. Deshalb kennt der Deist auch nur eine natürliche Reli⸗
gion. Sein Ziel ist eine Religion der Tugend und alles
Schönen, aber nur für das Diesseits. Der Gedanke und Glaube
an eine zukünftige, ewige Vergeltung trübt in seinen Augen
die Sittlichkeit. — Christen dürfen zu keiner Union gehören,
in welcher der wahre Gott verleugnet wird, Jes. 42, 8.
In dem Ritual lesen wir: „Ein tugendsames, erleuchtetes
Volt kann nie in Knechtschaft geraten“; dazu vergleiche die
Geschichte der Kinder Israel, Davids und Salomos. Siehe
Matth. 20, 16; 1 Kor. 10, 12. In Ritual steht der Satz:
„Denn Erfolg und Gewalt werden aus der Erkenntnis ge⸗
boren, aber Mangel an Erkenntnis macht ein Volk hilflos in
dem Kampf ums Dasein.“ Siehe Pf. 127, 1. 2; ferner Petri
Fischzug, Luk. 5,. 1—11. — Abermals lesen wir: „Glücklich
sind die, deren Macht, ihre Rechte zu erzwingen, nicht in Abrede
gestellt wird.“ Ein Christ darf sein Recht suchen auf erlaubtem
Wege, wie denn auch Paulus sich auf den Kaiser berief, Apost.
25, 11. Kommt unter Christen Mißhelligkeit vor, so kann
auch da der beleidigte Christ sein Recht suchen nach Matth. 18
Aber sein Recht erzwingen, sich selbst rächen, das darf ein Christ
nicht, Röm. 12, 19. Findet ein Christ auf Erden sein Recht
nicht, so kann er das Gericht getrost dem anheimstellen, der
da recht richtet, 1 Petr. 2, 23. — Wir lesen weiter: „deren
Pfade erleuchtet sind mit dem Licht der Vernunft, geheiligt
durch der Hoffnung übernatürliche Herrlichkeit“. Sind Leute,
die nur das Licht der Vernunft haben, wirklich glücklich? Siehe
Eph. 4, 17—19.
Im Ritual wird der Kaplan folgendermaßen angeredet:
„Mein Bruder, dir ist eine sehr verantwortungs und ehrenvolle
Stellung anvertraut. Du stellst in dieser amtlichen Befugnis
den großen Hirten dieser Union dar. Man erwartet von dir,
daß du alle gottesdienstlichen übungen der Union leitest und
durch deine Lehre und dein Vorbild alle zu einem besseren,
höheren Leben anspornst.“
„Glaubst du an
Wir haben hier eine union, die „weiße Leute, fleißige In⸗
dianer“ mit gutem sittlichen Charakter, und die an ein höchstes
Wesen glauben, als Glieder aufnimmt. Gehören nun Christen
zu dieser Union und helfen einen solchen Kaplan wählen, so
machen sie ihn zu ihrem geistlichen Ratgeber. In der Ge—
meinde, zu der sie gehören, haben sie ihren Pastor, dessen
Pflicht es ist, für das geistliche Wohl ihrer unsterblichen Seele
zu sorgen, der sie auf die grünen Auen des unverfälschten Wor—
tes Gottes und zu den lauteren labenden Quellen der von Gott
gestifteten Sakramente führen soll, und während dem so ist,
wählen sich solche Christen eine andere Person, die durch ihre
Lehre und ihr Vorbild, beides freilich christuslos, sie zu einem
besseren, höheren Leben anspornen soll. Setzt man damit seinen
Seelsorger nicht ab und nimmt man damit nicht den Kaplan
der Union als seinen Hirten und Seelsorger an? Ist es recht,
daß ein Christ so handelt und tut? Nein. Ein Christ muß
entweder dem einen anhangen oder den andern verlassen, aber
er kann nicht beiden zugleich folgen.
Im Ritual befindet sich auch eine Begräbniszeremonie.
Es wird darin keine Erwähnung getan, ob der oder die Ver—
storbene ein Christ oder eine Christin war, die in wahrer Buße
über ihre Sünden und im Glauben an IEsum Christum ge—
lebt hat und gestorben ist, wie das bei einem Christen der
Fall ist. Nein, das Ganze ist christuslos, und doch wird die
Hoffnung ausgesprochen, daß er oder sie bei dem sei, der ge⸗
sagt hat: Ich bin der Weg und die Wahrheit, die Auferstehung
und das Leben. Könnte wohl ein Christ ein solch abscheuliches
Ding verrichten? Wie könnte er am Grab eines Ungläu—
an eine solche Hoffnung aussprechen oder den für seinen
Kaplan (Seelsorger) anerkennen, der so etwas fertig bringt?
6 hristen können zu keiner union gehören, die den einigen Hei⸗
land aller Menschen so schnöde verleugnet, Matth. 10, 32. 33.
Nach dem nationalen Vorwort kennt diese Union nur die
Tränen der sich in Not Befindenden, das Blut der Märtyrer,
das Lachen unschuldiger Kindheit, den Schweiß ehrlicher Arbeit
und die Tugend eines glücklichen Heims als die köstlichsten! Ju⸗
wele und verrät damit ihren völlig weltlichen, irdischen Sinn.
Wir Christen kennen köstlichere Kleinodien als die vorhin er—
wähnten Dinge. Siehe Ps. 19, 9. 10; 1 Petr. 1, 18. 19. Ja,
Gottes Wort und die heiligen Sakramente, die geistlichen Güter,
die unser Heiland durch sein Leben, Leiden und Sterben so
teuer erworben, Gottes Gnade, die Vergebung unserer Sün⸗
den, das geistliche Leben, der Glaube, der Friede mit Gott, Er⸗
haltung im Glauben, Leben und Seligkeit: das sind unendlich
kostbarere Juwele als die im Vorwort der Union genannten.
Nur noch einige Bemerkungen. Daß die einzelnen local
unions manche Dinge nicht ausführen, welche die Union als
Ganzes treibt und empfiehlt, entschuldigt die einzelne Enion
nicht. Mit vollem Recht beurteilen wir die einzelne l'nion
nach dem, was die Union als Ganzes tut und getan haben will.
Das gilt auch von den einzelnen Gliedern. Die Sache steht so:
der Anschluß an die Union oder an irgendeinen Verein schließt
eine Zustimmung zu den Grundsätzen desselben in sich. Jedes
Glied wird von dem Augenblick seines Anschlusses an ein Mit⸗
bekenner des Union-Bekenntnisses und ein Mitarbeiter an dem
Werk, das die Union, die nicht für, sondern wider Christum ist,
treibt, und wenn es auch noch so hoch und teuer versichert, dein
sei nicht so.
Will ein Christ der Lehre dieser Union gegenüber die
English translation
Not yet translated.