Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 12 › Seite 182
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 10. Juni 1913, Seite 182
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zu verbreiten, und pflegen dieses segensreiche Missionswerk
schon seit vielen Jahren durch einen besonderen „Schriften—
verein“, der sich an die Christen (also auch an uns) unter
anderm mit folgenden Worten wendet: „Was tust du, lieber
Leser, damit Gottes Wort auf Erden bekannt werde und an
den Mann komme? Siehst du die Bibelverbreitung, wie sie
unser Schriftenverein treibt, auch als deine Sache an? Und
liesest du selbst fleißig in deiner Bibel und zierst du ihre
heilsame Lehre mit einem gottseligen Wandel?“ Welches In⸗
teresse diese unsere deutschländischen Brüder den verschiedenen
Missionen unserer Synode entgegenbringen, ist daraus ersicht⸗
lich, daß unser Allgemeiner Kassierer allein in diesem Jahre
(1913) schon §1331.00 von drüben erhalten hat. Wenn wir
nun hören, daß unsere liebe europäische Freikirche trotz aller
Anstrengungen mit ihrer Synodalkasse in Schulden geraten ist,
so daß sie sich genötigt gesehen hat, die Unterstützungssummen
für arme Gemeinden um 20 Prozent zu vermindern (was
für manchen armen Pastor mit großer Familie 5 bis 8 Dollars
monatlich weniger bedeutet!), so muß uns das doch jammern,
und wir müssen darauf bedacht sein, wie unser überfluß ihrem,
Mangel abhelfen möge. Für uns ist die Summe nicht groß,
die dort große Hilfe bringen würde: etwa 6000 Dollars.
Eigentlich hätten wir aber vom vorigen Jahre noch etwas
nachzuholen; und so sollten es dieses Jahr wohl wenigstens
8000 Dollars sein.
In einigen unserer präsidialen Berichte wird uns gesagt:
„In Europa scheint Luthers Weissagung wahr zu werden:
„Hin ist hinl' Die Völker Europas haben die Zeit der Gnaden—
heimsuchung nicht auf die Dauer erkannt. Doch sind dort
Häuflein redlicher, heilsbegieriger Seelen. Die bitten uns um
Christi willen, wir möchten ihnen helfen, das Predigtamt in
ihrer Mitte aufrechtzuerhalten. Das können und wollen wir
tun. Im Vergleich mit ihnen sind wir reiche Leute.“ „In
Dänemark hat es bis jetzt trübe ausgesehen, so trübe, daß man
schon gemeint hat, die Gaben der Männer, die dort in der
Arbeit stehen, könnten besser verwertet werden. Allein jetzt
regt es sich schön, und besonders die Gemeindeschule in Kopen⸗
hagen ist segensreich.“ — Müssen unsere teuren Bekenntnis⸗
genossen in Deutschland und Dänemark auch unter den schwie—
rigsten Verhältnissen arbeiten, die ihnen keine glänzende irdische
Zukunft versprechen, so gilt doch auch ihnen das süße Ver—
heißungswort IEsu Christi: „Fürchte dich nicht, du kleine
Herde; denn es ist eures Vaters Wohlgefallen, euch das Reich
zu geben.“ Haben sie auch nur eine kleine Kraft, so müssen
sie doch, weil sie Christi Wort behalten und seinen Namen nicht
verleugnen, auch Anteil haben an dem köstlichen Psalmwort:
„Der Berg Zion ist wie ein schön Zweiglein, des sich das ganze
Land tröstet.“ — Vom 16. bis zum 22. Juli wollen sie wieder
ihre Synodalversammlung, und zwar in Dresden, abhalten,
wozu alle dann gerade in Deutschland weilenden Pastoren oder
sonstigen Glieder der amerikanischen Schwesterkirche bereits
öffentlich eingeladen sind. Solche werden gewiß berechtigt sein,
Grüße und Segenswünsche unserer Synode nebst Versicherung
unserer hilfsbereiten Liebe dann mündlich auszurichten.
5. Die Mission in Australien und Neuseeland.
Frisches kirchliches Leben und großer Eifer für die Aus⸗
breitung des Reiches Gottes herrscht auch in diesen unsern
Schwestersynoden, die teils in ihren gediegenen Zeitschriften
und Synodalberichten, teils in Briefen ihre Grüße aus so weiter
Ferne regelmäßig zu uns herübersenden. Sonderlich die „Ev.⸗
Luth. Synode in Australien“, die bereits in 4 Distrikte geteilt
ist, befindet sich in einem blühenden Zustande; sie erfreut sich
bereits eines einheimischen Prediger- und Lehrerstandes und
ist nun ziemlich selbständig geworden, so daß, was unsere Syn⸗
ode bisher nachgeholfen hat mit Missionsgeldern und Arbeits-—
kräften, jetzt die herrlichsten Früchte trägt, und wir einen recht
augenfälligen Beweis haben, wie Gott auch unsere Mission im
Ausland reichlich segnet. Die Synode hat schon längst ihr
eigenes Seminar, in welchem Arbeiter für Gottes Weinberg zu⸗
gerüstet werden, und letzten Winter konnten bereits die ersten
Kandidaten, 12 an der Zahl, ins Predigtamt entlassen werden.
Eigentlich hätte das erst diesen Sommer geschehen sollen, weil
jedoch der Predigermangel überall so sehr groß war, und dem—
selben von uns wegen der Not in unserer eigenen Mitte nicht
abgeholfen werden konnte, so mußte man sich zu obiger Maß⸗
nahme entschließen, obwohl auch damit nur die dringlichsten
Gesuche befriedigt werden konnten. Das Gemeindeschulwesen
hält die dortige Synode in hohen Ehren, und tüchtige Lehrer
für ihre Schulen werden in der Anstalt herangebildet. Wohl⸗
tuend und nachahmungswert ist die Sorgfalt, mit welcher in
öffentlicher Synodalversammlung die Missionsberichte bespro—
chen werden. Auch eine Kirchbaukasse wird gepflegt. Die Bei⸗
träge für einen Anstaltsneubau kamen im vorigen Jahre so
schnell und so reichlich ein, daß noch ein Überschuß blieb. Das
ist doch immer ein erfreuliches Zeichen in der Kirche, wenn in
den Lehranstalten der Raum zu enge wird, und wenn die Räum⸗
lichkeiten erweitert werden. Denn wenn viele rechtschaffene
Friedensboten in die Welt hinausgesandt werden können, so
wird des HErrn Werk ja fortgehen. — An der Westküste Süd⸗
australiens treibt die Synode Heidenmission unter den Papuas,
den Ureinwohnern, die mit zu den verkommensten Menschen auf
Erden gehören sollen. Wie Missionar Wiebusch berichtete, der
vor zwölf Jahren die Arbeit in Angriff nahm, belief sich vor
einem Jahre die Zahl aller Getauften auf 66, die der Kom—
munizierenden auf 26, die der Schulkinder auf 46. „Alle er—
wachsenen Glieder der Gemeinde bezahlen nach Kräften wöchent—
lich Pastor- und Lehrergehalt. Die sonntäglichen Kollekten sind
sehr zufriedenstellend.“ „So sichtbarlich ruht Gottes Segen auf
dem ganzen Missionswerk, daß dem Missionar ein Lehrer zur
Seite gestellt und ein zweiter Missionar berufen werden mußte.“
Missionar Wiebusch besuchte letztes Jahr auf einer Erholungs⸗
reise nach Deutschland und Amerika auch viele Glieder unserer
Synode und hielt an manchen Orten, wo es gewünscht wurde,
entsprechende Missionsvorträge. Glücklich und neugestärkt
langte er im Herbst wieder auf seiner Station an, wo er von
seiner schwarzen Gemeinde mit Freuden willkommen geheißen
wurde, und wo er seitdem wieder unter den Australnegern oder
Buschmännern in voller Arbeit steht.
Auf Neuseeland, jener Doppelinsel südöstlich von Austra—
lien, mitten im Stillen Ozean gelegen, ist die kirchliche Arbeit,
die ja auch ein Zweiglein unserer Mission ist, gleichfalls mit
Segen und Erfolg gekrönt, wenngleich nicht in demselben Maß
wie in Australien. Die Verhältnisse sind eben sehr verschieden.
Die „kleine Herde“ der europäischen Freikirche würde unsern
Neuseeländern groß erscheinen, wenn sie diese vor Augen hätten;
und sind jene weit und breit zerstreut — diese noch viel mehr!
Gottes Wort und Luthers Lehre ist ihnen aber so lieb und wert,
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