Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 12 › Seite 185
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 10. Juni 1913, Seite 185
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Vorſehung
Ser 2TutßsranebS
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sagen jedem Menschen, daß es ein höheres Wesen geben muß,
das alles erhält und regiert. Man denke nur beispielsweise
an den Regen, an Wind, an Sonnenschein. Es ist nicht an
dem, daß heute die Sonne scheint, daß es morgen regnet, daß
übermorgen der Wind weht, und daß solches nun ganz regel—
mäßig abwechselt, sondern es zeigt sich die scheinbar größte
Unregelmäßigkeit. Da muß es ein höheres Wesen geben, das
dies alles lenkt und leitet. Und so steht es mit allen Dingen
in der Welt. Ja, „daß man weiß, daß Gott sei, ist ihnen offen—
bar; denn Gott hat es ihnen offenbart damit, daß Gottes un⸗—
sichtbares Wesen, das ist, seine ewige Kraft und Gottheit, wird
ersehen, so man des wahrnimmt an den Werken, nämlich an
der Schöpfung der Welt“, Röm. 1, 19. 20.
Unvergleichlich großartig zeigt uns nun die Heilige Schrift,
wer es ist, der die Welt erhält und regiert, nämlich der große
dreieinige Gott, der HErr aller Herren und König aller Könige.
Die Erhaltung und Regierung ist eigentlich nichts anderes
als fortgesetzte Schöpfung Gottes. Kraft des Wortes Gottes:
„Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das sich besame,
und fruchtbare Bäunie, da ein jeglicher nach seiner Art Frucht
trage und habe seinen eigenen Samen bei ihm selbst auf Erden“,
1 Mos. 1, 11, kraft dieses Gotteswortes geschieht es fort und
fort, daß Getreide reifen, daß Früchte wachsen. Schon bei
der Schöpfung hat Gott solche Kraft in die Natur hineingelegt.
Man nehme ein Weizenkorn. Es scheint kein Leben darin zu
sein und ist doch voll Leben. Das Körnlein gibt keinen Laut
von sich, es rührt sich nicht, es ist weder kalt noch warm, und
doch steckt eitel Leben darin. Man hat im alten Agypten Weizen⸗
körner gefunden, die vor 2000 Jahren eingeerntet worden sind,
und als man sie in die Erde legte, gingen sie auf so frisch und
grün wie Weizenkörner vom letzten Herbst. Das ist Gottes
Tun. Man nehme ein Ei. Es scheint kein Leben darin zu sein;
und doch steckt schon ein ganzer Vogel darin; kommt die nötige
Wärme dazu, dann entsteht eine neue Kreatur. Das ist Got⸗
tes Tun. Deshalb sagt Hiob: „Frage doch das Vieh, das
wird dich's lehren, und die Vögel unter dem Himmel, die
werden dir's sagen; oder rede mit der Erde, die wird dich's
lehren, und die Fische im Meer werden dir's erzählen. Wer
weiß solches alles nicht, daß des HErrn Hand das gemacht hat?“
Hiob 12, 7—9. Hiob will sagen: Die Vögel in der Luft, die
Fische im Meer, ja alles in und auf der Erde zeugt gewaltig
von dem großen Gott, dem Schöpfer, Erhalter und Regierer
der Welt. Besonders glaubensstärkend ist in dieser Hinsicht
Ps. 104. Immer wieder sagt David in bezug auf die Erhal—
tung und Regierung: Gott! — du, du, du! „Du lässest Brun⸗
nen quellen in den Gründen; du feuchtest die Berge von oben
her; du machest das Land voll Früchte, die du schaffest; du
lässest Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nutz den
Menschen, daß du Brot aus der Erde bringest; du machest
den Mond, das Jahr danach zu teilen; du machst Finster—
nis“ usw. Als einst der Apostel Paulus in Athen war, hätten
die Athener gern etwas Neues gehört; aber der Apostel kann
ihnen nichts Neueres bringen als die alte, ewig majestätische
Wahrheit: „Gott, der die Welt gemacht hat, . .. hat gemacht,
daß von einem Blut aller Menschen Geschlechter auf dem
ganzen Erdboden wohnen, und hat Ziel gesetzt, zuvor versehen,
wie lange und weit sie wohnen sollen. In ihm leben, weben
und sind wir“, Apost. 17, 24 ff. Ja, Gott trägt alle Dinge
mit seinem kräftigen Wort. Es bestehet alles in Gott.
Es ist überaus nötig, daß auch wir Christen uns diese
Wahrheit fest einprägen und fest glauben. Nach unserm alten
Adam haben wir die Unart an uns, daß wir uns immer etwas
stärker und sicherer fühlen, wenn wir neben Gott, dem einzigen
Erhalter und Regierer, noch etwas anderes haben, worauf wir
uns verlassen zu können meinen. O, lassen wir es nie aus
dem Auge, daß Gott allein es ist, der alles gibt und geben
muß. Neben Gottes Wort sollen die Christen zur Stärkung
ihres Glaubens auch fleißig solche Lieder lesen, beten und
singen, in denen Gottes Walten verherrlicht wird. Man denke
nur an das köstliche Lied Paul Gerhardts: „Befiehl du deine
Wege“! So hat sich Gerhardt getröstet und Mut gemacht,
als er in der Verbannung war. Und solchen Christenglauben
sollen wir denn auch fröhlich bekennen. Die Welt redet von
„Natur“, „Schicksal“, „Glück“ usw.; sie sagt, die Welt sei wie
eine große Maschine, die, einmal in Bewegung gesetzt, sich nun
von selbst fortbewege; sie sagt, die Arbeit sei die Quelle alles
Wohlstandes. Wir Christen aber sollen solchen Schwätzern
gegenüber fröhlich bekennen: Allein „von Gott und durch Gott
und zu Gott sind alle Dinge; ihm sei Ehre in Ewigkeit!“
Was erhält und regiert nun der große Gott? Alles.
Das bezeichnen wir mit einem Worte als die Vorsehung
Gottes. Gott sieht alle Dinge und sorgt für alle Dinge. Es
ist also kein bloßes Vorherwissen und kein bloßes Zuschauen,
sondern Gott ist die erhaltende, bewegende, treibende Kraft in
der ganzen Welt. Nicht nur um die großen Dinge, sondern
auch um das Kleinste und Geringste bekümmert sich Gott. Auch
die leblose Kreatur steht unter seinem Walten. Hiob spricht:
„Er versetzt Berge, ehe sie es innewerden; er weget ein Land
aus seinem Ort, daß seine Pfeiler zittern; er macht dem Regen
ein Ziel und dem Blitz und Donner den Weg“, Hiob 9. Wehe
der lebendigen Kreatur, wenn Gott nicht auch die leblose re—
gierte! Wer hätte dem Siegeslauf Napoleons Einhalt tun
können, wenn es nicht Gott getan hätte durch den sibirischen
Winter! überhaupt alle Naturkatastrophen: Tornados, Wasser⸗
fluten, Erdbeben, sind kein blindes Geschick, sondern gehören
zu Gottes Regierung. Sie sind Strafmittel Gottes für die
Ungläubigen, Lockmittel Gottes für die Menschen, daß sie be—
denken, was zu ihrem Frieden dient, Läuterungsmittel Gottes
für die Christen. Bei solchen Naturereignissen ruft Gott
gleichsam: „Land, Land, Land, höre des HErrn Wort! Tut
Buße und bekehret euch!“ Wenn wir bedenken, wie allgemein
der Abfall von Gott gerade auch in unserm Lande ist, wie
immer mehr Götzen aufgestellt und verehrt werden nach dem
Vorbilde der heidnischen Epheser: „Groß ist die Diana der
Epheser!“ dann brauchen wir uns nicht zu verwundern, daß
Gott unser Land so oft heimsucht. Sehen wir Christen nur
zu, daß wir den großen Gott, der nie um neue Strafmittel
verlegen ist, zu unserm Freunde behalten, dann brauchen wir
auch bei Unglücksfällen und schrecklichen Naturereignissen nicht
zu zittern, weil wir auch dann in der Hand eines gnädigen,
versöhnten Gottes stehen.
Da der Referent, Prof. Eifrig, ein großer Naturfreund
ist, zeigte er der Versammlung in glühenden Worten Gottes
wunderbares Walten im Mineral⸗, Pflanzen-⸗ und Tierreich.
O wie glaubensstärkend waren seine Ausführungen; denn „ihr
seid besser denn viel Sperlinge“.
Vornehmlich aber ist es der Mensch, den Gott erhält und
regiert. Und dabei ist das Hauptziel Gottes die Seligkeit
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