Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 12 › Seite 189

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 10. Juni 1913, Seite 189

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Tanz 8

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Trauerbotschaft aus Brasilien. Soeben kommt folgende
Nachricht durch Präses Vogel: „Blutenden Herzens und aufs
tiefste erschüttert greife ich zur Feder, um Ihnen eine kurze, aber
schmerzliche Mitteilung zu machen. Vor zwei Stunden lief die
kurze Nachricht ein: „Herr P. Arthur Enge starb am Sonn⸗
tag, den 13. April, am Typhus. Ich glaubte meinen Augen nicht
trauen zu dürfen, und doch ist es bittere, schmerzliche Wahrheit.
O Gott, was führst du uns für dunkle Wege! Unsere arme
brasilianische Mission trifft ein Schlag nach dem andern. Wir
bitten fortwährend: HErr, sende uns doch mehr Arbeiter! und
statt dessen nimmt er uns einen der tüchtigsten und treuesten weg.
Fürwahr, unser Gott ist ein verborgener Gott! Wüßten wir
nicht, daß er trotzdem im Regimente sitzt und der SErr seiner
Kirche ist, so müßten wir verzagen. Nur der Glaube an seine
gnädige Führung kann uns aufrechthalten. So beugen wir uns
unter seine allmächtige Hand und sprechen, so schwer es dem
Fleisch auch fällt: Es ist der HErr; er tue, was ihm wohlge⸗
fällt.y — Der selige P. Enge stand seit etwas mehr als vier
Jahren in Santa Colleta im Sao Lourenço-Gebiet. Er wurde
seinerzeit mein Nachfolger im Amt. Er arbeitete dort unter
reichem Segen, mit überaus großer Treue und großem Geschick.
Auch als Visitator sowie als Synodalsekretär hat er der Mission
große Dienste getan, die ihm der treue Gott in der seligen Ewig⸗
keit jetzt lohnen wird. Kurz, sein Abscheiden bedeutet für uns
einen schier unersetzlichen Verlust. Unsere Kommission ver⸗
handelte gerade darüber, den Entschlafenen an eine andere,
größere Parochie zu berufen, wo er der Kirche nach menschlichem
Ermessen noch besser hätte dienen können, und nun hat ihn Gott
der HErr schon in die triumphierende Kirche berufen. Dein Wille,
o HErr, geschehe! — Durch diesen Todesfall ist nun wieder eine
neue Lücke entstanden. Bitte, tun Sie, was in Ihren Kräften
steht, daß unsere Kandidaten recht bald abreisen. Sollte es nicht
möglich sein, noch einen dritten Kandidaten nachträglich zu be⸗
kommen?“ K. S.

„Wehe der katholischen Kirche“, sagte kürzlich der italienische
Premierminister in einer Rede, „wenn meine Landsleute durch
das Lesen der Heiligen Schrift einmal den Unterschied ausfinden
zwischen IEsus Christus und dem Papst, der sich selbst den Statt⸗
halter Christi nennt.“ — Ja, das würde eine Entdeckung geben!
Aber der italienische Minister ist nicht der erste, dem das klar
geworden ist. Das weiß der Papst selbst sehr gut. Deswegen
ist er darauf aus, den Christen das Lesen der Bibel zu verbieten,
zu verleiden, als überflüssig, gefährlich und wer weiß was dar⸗
zustellen. Wenn ein Apostel predigte, dann durften Leute täg⸗
lich forschen in der Schrift, ob sich's also hielte. Und weil sie
durch solches Forschen in der Schrift Pauli Lehre als recht er—
kannten, „nahmen sie das Wort auf ganz williglich'. Und dafür
bekommen sie das Lob: „Sie waren die edelsten unter denen zu
Thessalonich“, Apost. 17, 11. Wenn die Christen im Papsttum
forschen wollten in der Schrift, „ob sich's also hielte“, dann
würden ihnen die Augen auf⸗ und übergehen ob der vielen Dinge,
die sich gerade umgekehrt verhalten. Und das Zeugnis, das sol⸗
chen Leuten gegeben würde, würde auch kaum auf „edelste“ lauten.
Es gibt Geschäfte, die sich nicht gern nachwiegen und nachmessen
lassen. Man kann sich natürlich gar nicht denken, e nicht!

„über Gewissenszwang“ klagen in Deutschland die liberalen,
das heißt, ungläubigen Pastoren, wenn ihnen zugemutet wird,
daß sie die Bibel für Gottes Wort halten, sich in ihrem Lehren
an die Bekenntnisschriften der Kirche halten, ja auch nur die drei
Artikel hersagen sollen. Dann setzen sie eine sehr feierliche Miene
auf und erklären, sie könnten das doch nicht sagen und predigen,
was sie nicht glaubten; und das von ihnen zu fordern, sei Ge⸗
wissenszwang. Die Leute müssen ein sonderbares Gewissen haben.

Wenn sie das nicht glauben und predigen können, was die Christen
als göttliche Wahrheit glauben und gepredigt haben wollen, dann
sollen sie doch aus dem Predigtamt herausbleiben. Es ist auch
eine ganz gewissenlose Rücksichtslosigkeit gegen die Christen, die
Gottes Wort haben wollen. Schön sagt darüber die „Allg. Ev.⸗
Luth. Kirchenzeitung“ von Leipzig: „Es gehört zu den verhäng—
nisvollsten Irrungen der Gegenwart, daß man die Welt erfüllt
mit Klagen über ‚„Gewissenszwang“ der Pastoren; alles spricht nur
von den Pastoren, der winzigen Zahl der Pastoren! Die große
Gemeinde aber, der sie dienen sollen, zählt nicht mehr. Es wird
einer Kirchenleitung fast als Tugend angerechnet, wenn sie gegen
den neureligiösen Pastor nachsichtig ist; daß aber die Gemeinde
Gottes dabei verdirbt, wer fragt danach? Und doch ist die Ge—
meinde da und sie hungert nach Gottes Wort und sie kann nur
gespeist werden mit Gottes Wort und kann auch durch dieses
Wort allein am Leben erhalten und genährt werden. Hat schon
von der Theologie ein Theolog der Gegenwart gesagt: „Die Theo⸗
logie wird entweder Offenbarungstheologie sein oder sie wird auf—
hören zu sein“, so ist noch viel mehr das Leben der Gemeinde an
Gottes Wort gebunden. — Einer Gemeinde Gottes Wort neh—
men, heißt ihr Gott nehmen, denn alle Gemeinschaft Gottes wird
vermittelt durch sein Wort. Es ist eine Unbarmherzigkeit son⸗
dergleichen, um eines einzelnen Mannes willen eine Gemeinde
zu verkürzen und ihre Lebensader zu unterbinden. Daher ist
es ernstlichere Aufgabe als je für alle, die für die Kirche zu sorgen
haben, der Gemeinde Gottes Wort zu erhalten, so klar und unge-
brochen, wie es in der Heiligen Schrift geschrieben steht, und daß
niemand etwas dazu⸗ noch davontue. Die Sorge, ob damit die
Kirche bei den doch ganz andern Anschauungen der Gegenwart
noch Verständnis im Volke finden kann, hat wenig Grund. Die
modernen“ Anschauungen gab es immer; aber das Wort Gottes.
fand noch immer den Weg zu den Menschenherzen. Ob viele es
nicht aufnehmen, so sind andere da, die es aufnehmen. Denn
Gott will, daß allen Menschen geholfen werde, und in seinem
Worte hilft er. Er weiß, was hilft, und was die Menschen zu
ihm bringt. Trauen wir ihm das doch zu! Wir können wirklich
keiner Seele mehr helfen als nur mit dem Worte Gottes. Wir
handeln unverantwortlich an dem Geschlechte der Gegenwart,
wenn wir ihm in seiner Not diese Arznei schmälern oder vorent⸗
halten. Dann hat die Kirche je und je an Boden verloren, wo
sie auf menschliche Art versuchte, die Menschen zu gewinnen; dann
hat sie je und je gewonnen, wo sie die Stimme Gottes in unge⸗—
brochener Majestät dahin führen ließ; dann hörten die Menschen
Gott, und alle, die Gott suchten, kamen. Wenn wir, zurück⸗
schauend, die großen Zeiten ber Kirche an uns vorübergehen lassen,
so waren es immer die Zeiten des Wortes Gottes und des Glau—
bens an dies Wort. . .. Deshalb mehr Rücksichtnahme auf die
Gewissensnot der Gemeinde als auf die Gewissensnot der Pa⸗
storen!“ ö ö E. P.
Gegen die „Schiebe“⸗, „Wackel“⸗ und „Trippel“⸗Tänze.
Der Allgemeine Sächsische Tanzlehrerverband hielt am 26. März
in Zwickau seine 27. Jahresversammlung ab. Den Hauptpunkt
der Tagesordnung bildeten lange und eifrige Beratungen darüber.
welche Mittel und Wege den Tanzlehrern zur Bekämpfung der
modernen „Wackel⸗ und Schiebetänze“ zu Gebote stehen. Man
war sich allgemein darüber einig, daß sich der Gesellschaftstanz
von heute in allen Schichten der Bevölkerung auf einem solchen
Tiefstand befinde, daß ein weiteres Sinken kaum noch denkbar sei.
Die heutige Art zu tanzen, wenn man angesichts der läppischen
und die Grenze des sittlich Erlaubten beinahe streifenden Be⸗
wegungen überhaupt noch vom Tanzen reden kann, ist so unschön,
unfein und unästhetisch, daß man sich erstaunt fragen muß, wie es
nur möglich sein kann, daß sich auch höhere Gesellschaftskreise die⸗
sem Treiben ungeniert hingeben. „Schieben“, „wackeln“, „trip⸗

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