Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 12 › Seite 190

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 10. Juni 1913, Seite 190

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Anhang · Tanz 8

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SE Ver 2 utheraned

peln“ und „ausrutschen“ sind heute im öffentlichen Ballsaale so⸗
wohl als auch in den Salons der sogenannten guten Gesellschaft
mehr oder weniger Trumpf. Die Berufstanzlehrer stehen dieser
bedauerlichen Erscheinung vollständig machtlos gegenüber. Wer
sich dagegen auflehnt, wird für krückständig erklärt und läuft Ge—
fahr, seinen Wirkungskreis zu verlieren. Es wurde beschlossen,
vom Verband aus den Versuch zu machen, durch die Presse und
durch persönliche Propaganda auf das Publikum zu wirken. —
Und da gibt es noch „Christen“, die das weltübliche Tanzen für
keine Sünde halten! (L. F. K.)

— 2

Phokas.

Zu Synope am Schwarzen Meer lebte in den ersten christ—
lichen Jahrhunderten ein frommer Christ namens Phokas. Er
hatte einen Garten vor der Stadt. Dieser bot ihm bei sorg⸗
fältiger Pflege nicht nur für sich selbst den nötigen Unterhalt
dar, sondern machte es ihm auch möglich, den Armen und Be—
drängten noch einige Unterstützung reichen zu können. Sein
kleines Haus stand allen offen, die darin Herberge nehmen wollten.
Gott belohnte die Mildtätigkeit seines Dieners mit der Gnade des
Märtyrertums.

Während einer heftigen Verfolgung der Christen wurde näm⸗
lich auch der Gärtner Phokas als Bekenner IEsu angezeigt und
ohne weiteres zum Tode verurteilt. Er war Christ — dies
reichte hin, ihn des Todes würdig zu erachten. Es wurden also
Schergen abgeschickt, die ihn aufsuchen und töten sollten. Die
Schergen forschten nach ihm, aber lange vergebens. Endlich
traten sie, um sich näher zu erkundigen, in das erste beste Haus;
dies war das Haus des christlichen Mannes, aber die Schergen
wußten es nicht. Phokas war eben mit seinen Blumen beschäftigt
und sang ein frommes Lied. Die Schergen näherten sich dem
Gärtner in der Absicht, ihn nach dem Wohnort und der Person
des Phokas zu fragen. Phokas aber, nichts Arges denkend, nahm
sie liebreich auf und bewirtete sie nach Kräften.

Während der Mahlzeit erkundigte er sich nach ihren Ge⸗
schäften. Da erfuhr er, daß sie einen Christen mit Namen
Phokas suchten, um ihn auf Befehl der Obrigkeit zu töten. Der
Märtyrerkrone sich freuend, sagte er zu den Schergen: „Ich kenne
ihn wohl, den ihr sucht, und will euch morgen früh Bescheid geben;
für heute pflegt, da es schon spät ist, der Ruhe.“ Die Schergen
nahmen gern das Anerbieten des freundlichen Mannes an.

Nachdem sie sich zur Ruhe begeben hatten, ging der Diener
Gottes hinaus unter seine Blumen, sich allda sein Grab zu machen.
Unter Gebet und frommen Betrachtungen verweilte er hier bis
zum Morgen. Dann ging er zu den Schergen und sprach zu
ihnen: „Phokas hat sich gefunden, ihr könnt ihn in Verhaft neh—
men.“ „Wo? Wo ist er?“ fragten sie begierig. „Er steht vor
euch“, antwortete Phokas fest und ruhig. „Ich selbst bin der, den
ihr sucht. Tut, wie euch befohlen ist.“ Erstaunt standen die
Schergen da und konnten sich lange nicht entschließen, einen Mann
zu töten, der sie so liebevoll aufgenommen, so gut bewirtet hatte.
Endlich machte ihnen seine Bereitwilligkeit Mut, den obrigkeit⸗
lichen Befehl zu vollziehen. Freudig empfing der heilige Mann
an dem Grabe, das er sich bereitet hatte, den Todesstreich. An
dieser Stätte wurde später eine Kirche erbaut und das Gedächtnis
des Märtyrers in hohen Ehren gehalten.

—— ——

Glaube und Aberglaube.

Zu aller und jeder Zeit bis herunter zu uns haben Leute.
welche die Bibel verachten, zu den Karten gegriffen, um daraus
ihr Schicksal zu lesen; haben die, die das Gold des Glaubens ver⸗

loren, das Blei in der Neujahrsnacht gesucht; haben solche, die
nicht mehr schauten auf die Hände des lebendigen Gottes, auf die
Linien in ihrer Hand geschaut, auf den Lauf der Sterne geachtet
statt auf den, der sie regiert; nach den klopfenden Tischen und den
geträumten Zahlen, nach den Toten und ihrem finstern Verkehr
gefragt statt nach dem lebendigen Gott. Denn etwas muß der
Mensch glauben. An Moses und die Propheten glaubt der reiche
Mann nicht, aber Lazarus' Gespenst soll Wunder wirken. Vol⸗
taire, ein Meister im Spott über die Bibel, kam immer betrübt
nach Hause, sooft er zur linken Hand Raben auf dem Felde hatte
krächzen hören. Herzog Philipp von Orleans, der ein großer
Freigeist war und in der französischen Revolution mithalf, den
lieben Gott abzusetzen, und viele zum Tode brachte, kam zuletzt
selbst ins Gefängnis. Dort ließ er sich mit banger Seele aus dem
Kaffeesatze lesen, ob er freigesprochen oder hingerichtet würde!
Wie anders dagegen leuchtet das Bild des Landgrafen Wilhelm
von Hessen, der, als ihm das Buch eines Sterndeuters gezeigt
wurde, worin des Landgrafen Sterbetag bezeichnet war, ruhig
an den Rand jener Stelle schrieb, Ps. 31, 16: „Meine Zeit steht
in den Händen des HErrn.“ (Nachbar.)

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—— —

Für Eheleute.

Liebe Tochter, halt dich also gegen deinen Mann, daß er
fröhlich wird, wenn er auf dem Wiederwege des Hauses Spitzen
sieht. Und wenn der Mann mit seinem Weibe also lebt und um⸗
geht, daß sie ihn nicht gern sieht wegziehen, und fröhlich wird, so
er heimkommt, da steht's wohl. (Luther.)

——9——.

Neue Drucksachen.

Alle an dieser Stelle angezeigten Bücher, Musikalien, Bilder usw. kön⸗
nen durch das Concordia Publishing House, St. Louis, Mo., zu den bei⸗
gefügten Preisen bezogen werden. Wo eine andere Bezugsquelle angegeben
wird, wolle man, bitte, bemerken, ob zu besorgen, falls nicht vorrätig.

THEYOICE OF HISTORT. By Marlin S. Sommer. Concordia Pub-

lishing House, St. Louis, Mo. Price, 81.00.

In einem schmucken Band von 275 Seiten bringt dieses Buch 22 län⸗
gere geschichtliche Abschnitte aus den Werken der besten Geschichtschreiber in
englischer Sprache. Man kann es ein geschichtliches Lesebuch nennen. Der
Verfasser möchte unsern jungen Leuten, die lesen wollen und auch Englisch
lesen wollen und dabei viel Minderwertiges lesen, einen Geschmack bei⸗
bringen an besserer Ware, an Geschichte der Welt und der Kirche. Noch
eine andere Absicht ist bemerkbar. Es sind lauter solche Abschnitte aus—
gewählt, die zeigen, was für Verwirrung und Unheil entstanden ist, wo
man Kirche und Staat ineinandermengt. Das wird besonders an Bei⸗
spielen der römischen Kirche nachgewiesen. Vorangestellt ist jedem Abschnitt
eine kurze Einleitung des Verfassers, worin er entweder den betreffenden
Schreiber einführt oder den Zusammenhang angibt oder sonst Mitteilungen
macht, die den betreffenden Ausschnitt verständlich machen. Wir wünschen,
daß das Buch dazu helfe, den Geschmack an besserem, soliderem Lesestoff zu
entwickeln. E. P.

Die Kongregationalisten oder freien evangelischen Gemeinden. Von
Hermann Obenhaus. The German Pilgrim Press, 1612
Warren Ave., Chicago, III. Preis: 10 Cts.

Wir bringen dieses Büchlein zur Anzeige, aber wohl in etwas anderer
Absicht, als der Zusender wollte. Es wird in letzter Zeit viel Klage laut,
daß die Kongregationalisten besonders gern an Lutheranern ihre Mission
treiben. Wer da nun wissen möchte, wie sie Lutheraner zu verkehren suchen,
kann das aus diesem Büchlein erfahren. Vorgemacht wird ihnen, Luther
sei ein guter Kongregationalist gewesen; die spätere lutherische Kirche wisse
weiter nichts als Streit um die reine Lehre. Und geboten wird den Luthe⸗
ranern als besondere Lockspeise die Selbständigkeit und freie Verwaltung
der Gemeinden, Dinge, die unsere lutherischen Gemeinden längst haben.

E. P.

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English translation

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