Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 12 › Seite 186
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 10. Juni 1913, Seite 186
Scan: from a 2009 DVD; the same scans are on the Internet Archive as DerLutheraner69_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
186
8 Den „Wutgeranes⸗
der Menschen. Alle Gläubigen zusammen bilden die Kirche.
Wie herrlich hat der treue Gott durch alle Jahrhunderte hin—
durch seine liebe Kirche regiert, geschützt und geleitet, daß wir
auch heute noch trotz alles Wütens und Tobens Satans gegen
die Kirche jubeln können: „Dennoch soll die Stadt Gottes fein
lustig bleiben mit ihren Brünnlein.“ — Ja, das Referat war
überaus praktisch, ersprießlich und tröstlich, so daß wohl jeder
Synodale heimgegangen ist in dem fröhlichen Bewußtsein: Gott
führt mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Die gewöhnlichen Routinegeschäfte über Missionen, Kassen
und dergleichen nahmen die Nachmittagssitzungen in Anspruch.
Nur erwähnt soll werden, daß P. F. Brunn jetzt unser Präses
ist, da der bisherige Präses das Direktorat an unserm Schul—
lehrerseminar übernehmen wird. A. Pf.
Das Christkindlein kommt!
Ja, lieber Leser, in diesen Zeilen kommt das liebe Christ—
kindlein zu dir, aber nicht, um zu geben — dazu ist's noch
zu früh, sind's doch noch sieben Monate bis Weihnachten —,
sondern um zu nehmen. Nun höre, wie das kommt! In
Indien haben wir unsere Heidenmission. Zwölf Missionare
arbeiten dort in unserm Auftrage. An 49 Plätzen wird von
unsern Missionaren regelmäßig gearbeitet. In 37 Schulen
werden 1622 Schüler in Gottes Wort unterrichtet. In einem
Seminar werden 60 eingeborne Knaben für den Missionsdienst
ausgebildet. Auf diesem ausgedehnten Felde haben wir Mis⸗
sionarswohnungen, Kapellen, Schulgebäude, Kostschulen, Kran⸗
kenstuben, ein Seminar (Institut) und das Bergheim. Für
alles, was zur Führung dieses Missionswerks und für den
Unterhalt der Gebäude, Schulen usw. nötig ist, sind die lieben
Missionare fast gänzlich angewiesen auf die Liebe und Hilfe
unserer lieben Christen; denn die Leute in Indien, unter denen
wir arbeiten, sind so arm, daß sie nur sehr wenig tun können.
Und da es Gott allein ist, der die Christenherzen willig und
opferfreudig machen kann, so legen die lieben Missionare in
ihren täglichen Gebeten die Bedürfnisse der Mission dem lieben
Christkindlein ans Herz. Bei meinem Verweilen in den Mis—
sionarsfamilien habe ich zu meiner Beschämung gehört, wie sie
täglich in ihren Hausandachten für das Gedeihen der Mission
zum lieben Heiland beteten. (Tust du das auch?) Und das
liebe Christkindlein, dem ja auch diese Mission gehört, hört dieses
Geschrei, und die Not rührt ihm das Heilandsherz, und es
sagt: „Da muß ich helfen!“ Und es hilft auch, das liebe Christ⸗
kindlein, nämlich so, daß es bei seinen lieben Christen anklopft,
ihnen die Not der Mission vorlegt und dann durch seinen Hei—
ligen Geist die Herzen willig und opferfreudig macht. Und
so kommt es, daß es jährlich große Weihnachtskisten nach
Indien schicken kann, in denen die Gaben seiner dankbaren Kin—
der gesammelt worden sind. Das will das Christkindchen nun
auch in diesem Jahre wieder tun.
„Was soll ich schenken?“ das ist nun die Frage, die ich
beantworten helfen möchte. Bei meinem Besuche in Indien
habe ich Gelegenheit gehabt zu sehen und zu hören, was sonder—
lich nötig ist. Also das Christkindlein bittet für die Weihnachts⸗
kisten sonderlich um folgende Gaben: Stoff für Altar⸗ und
Kanzelbekleidung, wenn möglich, von roter oder Purpurfarbe,
Borten und Fransen aus Gold oder Silber als Besatz für die
Bekleidung, Stoff für weiße Altardecken, Abendmahlsgeräte,
Taufbecken, Kruzifixe (aber ohne Christuskörper), Kerzen⸗
halter für Altar, Harmoniums für Kapellen und Schulen,
Hängelampen, bracket lamps mit Reflektoren, Studierlampen
und zu allen Lampen einen reichlichen Vorrat von Zylindern
und Dochten (weil es schwer halten würde, passende in Indien
zu bekommen), biblische Bilder zum Verteilen, biblische Bilder
zum Aufhängen in Kapellen und Schulen, Altarbilder, Serien
von biblischen Bildern für Anschauungsunterricht, andere Bil—
der für Anschauungsunterricht, Nachschlagewerke (Wörter—
bücher, Lexika, cyclopedias für die Distriktsbibliotheken), type⸗
writers, Vervielfältigungsmaschinen (Mimeographen usw.),
Geräte für Krankenstuben (Thermometer, graduated measures
for medicinc, medicated cotton, Gaze, Bandagen, Heftpfla⸗—
ster usw.), Schellen (hand-bells), Glocken für Kapellen und
Schulen. Für die 60 Schüler im Seminar zu Nagercoil ——
Alter acht bis zwanzig Jahre — wären Röcke sehr erwünscht,
entweder aus hellem Waschzeug oder aus schwarzem Alpaka oder
Brillantine. Aus guten Gründen werden Stehkragen (mili-
tary collars) vorgezogen. Bei dem Seminar ist ein Brunnen,
120 Fuß tief, aus dem täglich Wasser für etwa 90 Personen
zum Trinken, Baden usw. mit Strick und Eimer gezogen wer—
den muß. Das ist sehr mühsam und beschwerlich, sonderlich in
der schrecklich heißen Zeit. Dem möchte das Christkindlein ab—
helfen durch einen gasoline motor — Windmühle ginge zur
Not auch — mit einer guten force pump. Wer nimmt diese
Saͤche in die Hand? Motor und Pumpe könnten wohl in Ma⸗
dras gekauft werden.
Weiter! Der Allgemeine Kassierer in Indien hat wich⸗
tige Dokumente, Rechnungsbücher, auch wohl größere Geld⸗
summen in Verwahrung. Er sollte unbedingt einen
größeren Sicherheitsschrank (safe) haben. Auch
die beiden Distriktskassierer haben oft große Geldsummen im
Hause. Auch sie sollten jeder ein, wenn auch kleineres, safe
haben. Denn daß auch in Indien gestohlen wird, das habe ich
selbst zu meinem Leidwesen erfahren. Hat man sich doch nicht
gescheut, dem missourischen Missionsdirektor Rock und Hose vom
Leibe zu stehlen. Man denke sich! — Wer nimmt diese Sache
in die Hand? Auch diese sakes könnten wohl in Indien, viel⸗
leicht sogar second-band und billig, gekauft werden.
Und nun kommt der letzte Wurf, und den tue ich mit
ganz besonderer Freudigkeit. In Nagercoil haben wir, wie
schon gesagt, unser Institut oder Seminar. Sechzig schmucke
Knaben werden dort für den Missionsdienst ausgebildet. Aber,
aber — welch eine erbärmliche Baracke ist das! Könntet ihr sie
sehen, liebe Leser, wie ich sie gesehen habe, ihr würdet ausrufen:
„Ist doch eine Schande! Warum hat man uns das nicht ge—
sagt?“ In den letzten Monaten ist es euch gesagt worden,
aber vielleicht nicht deutlich genug. Diesmal soll's nun aber
ganz deutlich gesagt werden. Also wir — die Missionskommis⸗
sion — müssen in Nagercoil für unser Institut ein passendes Ge⸗
bäude errichten. Das müssen wir, das wollen wir auch.
Wir haben auch schon ein Stückchen Land neben dem bisherigen
Missionsgehöft erworben. Die Pläne für das Gebäude sind
schon in der Arbeit, aber — wir haben kein Geld! Ohne
Geld kann man aber nirgends bauen, am allerwenigsten in
Indien. Für diesen Bau brauchen wir §2500.00, fünfund—
zwanzighundert Dollars. Und nun kommt der freudige Wurf
(Gott gebe, daß er treffen möge!): Wer schenkt dem lie⸗
English translation
Not yet translated.