Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 15 › Seite 231

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 22. Juli 1913, Seite 231

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Verhalten, sondern allein nach Gottes Gnade in Christo richtet.
Wir haben im Gnadenwahlstreit die Erfahrung gemacht, daß
gerade die einfältigen Laien sowohl der göttlichen Wahrheit
zufallen, als auch von hier aus verkehrte Reden verwer—
fen, wenn ihnen die Sache klar und einfältig nach der Schrift
vorgelegt wird.

Wir können aus den vorliegenden Berichten noch nicht
klar erkennen, wie weit nun die „Vereinigungssache“ innerhalb
der Norwegischen Synode gediehen ist. Aber so viel steht fest,
daß durch die Beschlüsse von Minneapolis die kirchliche Einig—
keit nicht gefördert worden ist. Für den Majoritätsbericht
traten ein: P. K. Björgo, Red Wing, Präses des Minnesota—
Distrikts der Synode; P. Thomas Nilsson, Decorah, Jowa;
P. O. P. Vangsnes, Colton, S. Dak., Präses des Jowa⸗
Distrikts; P. Torger H. Dahl, Minneapolis; D. Laur. Larsen;
P. G. T. Lee, Glenwood, Minn.; P. C. S. B. Hoel, Jola, Wis.;
O. Lund, Northwood, Jowa; l'. G. Smedal, Roland, Jowa;
D. H. G. Stub; gewesener Senator L. O. Thorpe. Für die
Minorität redeten: Prof. Elling Hove; P. R. O. Brandt,
MeFarland, Wis.; Prof. O. E. Brandt; D. Johannes Ylvis⸗
aker; P. Geo. Gullixron, Chicago; Präses C. K. Preus, Luther—
College, Decorah, Jowa; P. Markus Thorsen, River Falls,
Wis.; P. P. A. Hendrickson, Valley City, N. Dak., Präses des
Nordwestlichen Distrikts; D. C. S. Everson, Brooklyn, N. Y.;
P. A. J. Lee, Lake Mills, Jowa; P. F. A. Möller, Nelson,
Wis.; Prof. Z3. Ordal. Daß die Majorität beschlossen hat,
über Differenzpunkte hinwegzusehen, schafft diese nicht aus der
Welt. Jede Vereinigung, die — wenn auch nur teil—
weise — auf Zweideutigkeiten gegründet ist, ist schon an sich
eine neue Trennung. Hoffen wir, daß die von der Ma—
jorität angenommene Trennung noch beseitigt wird, wenn die
„Vereinigungssache“ nun in neuer Form nochmals vor die
norwegischen Gemeinden kommt. F. P.

Unsere Missionen.

8. Die Judenmission.

Unsere lieben Christen dürfen nicht vergessen, daß wir auch
eine Judenmission haben, und zwar in der Weltstadt New York,
wo beinahe eine Million Juden wohnen, mehr als jemals in
Jerusalem wohnhaft waren. Die Zahl aller Juden in der
ganzen Welt wird zurzeit auf 11,000,000 geschätzt. Von diesen
sind in den letzten 25 Jahren nicht weniger als 2,200,000 aus⸗
gewandert von Land zu Land, 1,800,000 nach Amerika. Wäh—
rend vor 50 Jahren noch die orthodoxen Juden, die an dem
Glauben der alttestamentlichen Väter festhalten wollen, in der
Mehrzahl waren, sind es nun die sogenannten Reformjuden.
Bei allen Reformen vergeht aber dies Geschlecht doch nicht
(vergleiche Matth. 24, 34). Die Zionistenbewegung, die eine
Rückwanderung aller Juden nach Palästina ins Werk setzen will,
weil dadurch allein das Judentum am Leben erhalten werden
könne, hat trotz allen Eifers und aller Opfer, die gebracht
wurden, das zerstreute Volk nicht zu sammeln, ja nicht einmal
die weitere Zerstreuung aufzuhalten vermocht.

Aber wenn auch die Mehrzahl aller Judenkinder schon
längst nicht mehr im jüdischen Glauben unterrichtet wird, so
sind doch auch die Erfolge aller christlichen Missionen unter den

Kindern Israel nur sehr gering. Die Judenmission heißt ein
„Schmerzenskind“; sie ist die schwierigste unter allen christlichen
Missionen, ja vor Menschenaugen fast erfolglos und im vollsten
Verstand eine „Saat auf Hoffnung“. Wer in Nr. 3 des „Lu⸗
theraner“ die Auszüge aus nur zwei Protokollen unserer Juden—
missionskommission gelesen hat (oder noch einmal liest), wird
von Grund seines Herzens entsetzt sein müssen über die sonst
ganz unerhörte Feindseligkeit, die das arme, verblendete Volk
allen wohlgemeinten Bemühungen unsers tapferen Missionars
und seiner ihm so treu zur Seite stehenden Kommission beharr—
lich entgegensetzt. (Vergleiche Apost. 7, 51.) Weitere Schilde⸗
rungen der Schwierigkeiten und Hindernisse, unter denen unsere
Brüder dort unverdrossen weiterarbeiten, bringt das folgende
Schreiben neueren Datums:

„Die Antimissionsbewegung jüdischer Synagogen und
Vereine gegen unsere Mission dauert an. Unsere Sabbats⸗ und
Sonntagsschule ist infolge davon unmöglich geworden. Den—
noch kommen noch Zuhörer in die Gottesdienste, bis zu 15;,
und viele Juden treffen den Missionar im Missionslokal oder
in seinem Hause, um sich mit ihm zu unterreden. Der Missio—
nar hat auch viele Unterredungen in Judenhäusern. Ein jüdi—
scher Hausvater ist jetzt vom Missionar zum Empfang der
heiligen Taufe vorbereitet worden und wird vor der Kommis—
sion geprüft werden. Die systematische Arbeit der Juden geht,
ob Regen oder schönes Wetter, so vor sich, daß Scharen von
Jünglingen und Jungfrauen der jüdischen Antimissionsliga
unsere Mission von allen Seiten bewachen und die Besucher un⸗
serer Gottesdienste zurückhalten. Ein Jude, der am Freitag—
abend unsere Missionsgottesdienste besuchen will, muß viele
Wachtposten passieren und Rede und Antwort stehen. Die erste
Frage, die an ihn gestellt wird, ist die: ob er weiß, daß der
Platz, nach dem er geht, eine christliche Mission sei, wo gepre⸗
digt wird, daß IEsus der Sohn Gottes und der wahre Messias
Israels sei. Antwortet der Gefragte, daß er wohl wisse, wohin
er gehe, so wird gleich die zweite Frage an ihn gerichtet: ob
er schon ein Meschumeth (das heißt, ein Abtrünniger) sei und
das glaube, was der Meschumeth Friedmann predige. Beharrt
ein solcher beim Besuch der Mission, so wird dafür gesorgt, daß
er seine Arbeit verliert.

„Die Kommission hat um besseren Polizeischutz nachgesucht
und war deshalb sogar bis zum eity mayor von New Nork vor—
gedrungen; aber auch die Polizei ist machtlos. Fanden Ver⸗
haftungen statt, so waren sofort die Advokaten der Juden zur
Hand und falsche Zeugen, und es erfolgte im Nachtgericht Frei—
sprechung. Wurde eine Geldstrafe auferlegt, so lachten sie und
sagten: „Was sind vier Dollars für uns? Wir sind Hundert—
tausende und haben viel Geld zur Verfügung.“ Die Juden
treiben es heute noch ebenso schamlos wie einst vor Pontius
Pilatus. Man hat unsererseits verschiedene Male versucht, mit
den Störenfrieden vernünftig zu reden. Sie erheben die Be—
schuldigung, unsere Mission sei irreleitend, weil vor dem Mis⸗
sionslokal kein Schild angebracht sei, das den christlichen Cha—
rakter unserer Mission anzeige. Wir ließen sofort ein großes
Stahlblech mit englischer und hebräischer Inschrift über der
Tür anbringen: Christian Mission for Israel under the
Auspices of the Ev. Luth. Synod of Missouri, Ohio, and
Other States. Dieses Schild, ungemein stark, ist heute schon
durchlöchert vom Wurf spitzer Steine. Weil alle früheren
Schilder von den Juden zertrümmert wurden, war eben keins

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