Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 15 › Seite 238
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 22. Juli 1913, Seite 238
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S er 2„utferanebe
Todesanzeigen.
Am 21. März entschlief im Glauben an seinen Heiland
P. Ferdinand Friedrich Wilhelm Vahl bei Maple
Lake, Minn., an den Folgen eines Lungenleidens. Er hat sein
Lebensalter auf 52 Jahre, 2 Monate und 13 Tage, sein Amts⸗
alter auf etwa 21 Jahre gebracht. — Der Entschlafene wurde am
8. Januar 1861 in Pumber, Pommern, geboren als jüngster
Sohn der Eheleute Ferdinand Vahl und seiner Ehefrau Karolina,
geb. Syring. Dort wurde er getauft und konfirmiert. Dann be⸗
suchte er das Gymnasium in Treptow und studierte später in
Berlin. Im Jahre 1889 wanderte er nach Amerika aus und
kam nach St. Louis, um hier auf unserm Predigerseminar sein
theologisches Studium zu vollenden. Nach bestandenem Examen
nahm er im Jahre 1892 einen Beruf an die Gemeinde bei Ger⸗
mantown, Nebr., an, wo er etwa dreizehn Jahre lang treu diente.
Dann folgte er einem Beruf in den Minnesota- und Dakota⸗
Distrikt und bediente die Parochie Anamoose, N. Dak.⸗North
Branch, Minn., und zuletzt, seit 1910, die Gemeinde bei Maple
Lake, Minn. Nur mit Aufbietung aller Kräfte konnte er noch
bis zuletzt sein Amt verwalten. Am Palmsonntag mußte er sich
in die Kirche tragen lassen; aber er wollte die noch von ihm unter⸗
richteten Katechumenen einsegnen. Am Montag wurde er auf das
Krankenlager gelegt, das sein Sterbelager wurde. Nach Genuß
des heiligen Abendmahls starb er am Karfreitag fein sanft und
stille. Am ersten Ostertage, nachmittags um 2 Uhr, fand das
Begräbnis statt. P. C. Lüker sen. amtierte im Trauerhause und
hielt eine tröstliche Ansprache. Am Grabe amtierte der Unter⸗
zeichnete und hielt in der Kirche die Leichenpredigt über Luk. 2,
29. 30. Auf dem Kirchhofe wurde das Lied 417 gesungen, wobei
die Pastoren den Gegenruf sangen. Hier ruht nun sein müder
Leib in der Grabesgruft, bis ihn sein HErr Christus ruft.
Der Entschlafene hinterläßt seine trauernde Witwe, Auguste, geb.
Teckemeier, von St. Louis, mit der er seit 1892 in glücklicher Ehe
lebte, und neun unmündige Kinder, von denen das jüngste nur
einige Monate alt ist. Gott mache auch an diesen Hinterbliebenen
seine herrliche Verheißung wahr und schenke ihnen ein fröhliches
Wiedersehen mit dem Entschlafenen in der Seligkeit!
Dem SErrn der Kirche hat es gefallen, wieder einen tüch—
tigen Arbeiter in seinem Reiche auszuspannen. Es ist dies
FP. Johannes Fackler von Adrian, Mich. Die folgenden
Mitteilungen über sein Leben schließen sich eng an seine eigenen
Aufzeichnungen. Der Verstorbene wurde geboren am 29. Mai
1846 in Berg, Bayern, unweit der Stadt Memmingen. Er war
eines Zimmermannes Sohn. Seine Eltern waren ernste, treue
Christen. Er erhielt zunächst mit seinen sieben Geschwistern eine
christliche Erziehung in der Heimat; dann bezog er die Volks—
schule in Memmingen, hierauf die Lateinschule daselbst und sodann
das Gymnasium in Augsburg, welche Anstalt er mit Ehren absol—
vierte. Hierauf bezog er die Universität Erlangen. Zu den
Füßen großer Lehrer studierte er von 1867 bis 1871 Theologie.
So war denn sein Wunsch und das Gebet seiner frommen Eltern
erfüllt. — Wie üblich in der Landeskirche, diente er zunächst einige
Jahre als Vikar bei älteren Pastoren oder als Verweser in
vakanten Gemeinden. Ehe er aber eine feste Anstellung als
Pfarrer bekam, geschah der Bruch mit der Landeskirche. So
reifte denn in ihm der Entschluß, nach Amerika zu ziehen und in
den Dienst der Missourisynode zu treten. Durch Publikationen
und Briefe, namentlich des seligen D. Walther, hatte er diese
Synode kennen und lieben gelernt. Im Jahre 1875 reiste er
über New York nach Fort Wayne und St. Louis, an welch letzte⸗
rem Orte er sechs Wochen lang die Gastfreundschaft D. Walthers
und seiner Gattin genoß. Nach bestandenem Kolloquium nahm
er den Beruf der ev.-luth. Gemeinde zu Lyons, Jowa, an und
diente ihr in Kirche und Schule sieben Jahre und versorgte daneben
auch die Gemeinde in Center Grove. Im Jahre 1882 erhielt er
einen Beruf an den Ort, wo er seine Hauptarbeit tun sollte, näm⸗
lich an die St. Johannesgemeinde in Adrian, Mich. Er wurde
der Nachsolger des seligen P. Trautmann. Einunddreißig Jahre
lang hat er dieser Gemeinde mit Aufbietung aller Kräfte treulich
gedient. — P. Fackler war ein mit gründlicher Gelehrsamkeit aus—
gestatteter Gottesmann und arbeitete mit unermüdlichem Fleiß.
Seine Predigten schrieb er bis ins Alter sorgfältig aus und
arbeitete sie nicht selten mehrmals um. Sie waren daher auch
sehr geistreich. Mit der Feder war er sehr gewandt. Nicht nur
seiner Gemeinde hat er gedient, sondern auch der Kirche im allge—
meinen. Er war zum Beispiel einer der Sekretäre auf der großen
Pastoralkonferenz in Chicago, lieferte das Referat in zwei Syno—
dalversammlungen des Michigan-Distrikts über die Lehre von
Christi Person, referierte auf Konferenzen und führte Korre—
spondenz über die Lehre mit deutschländischen Pastoren. Auf
Synoden und Konferenzen fehlte er nie ohne Ursache. Trotz
seiner Gelehrsamkeit war er demütig wie ein Kind. — Im Jahre
1876 verehelichte er sich mit Fräulein Magdalene Mehrmann und
wurde von D. Wunder, dem Senior unsers Ministeriums, getraut.
Der glücklichen Ehe entsprossen sechs Kinder, deren eins, Ernst,
Pastor einer unserer englischen Gemeinden in Detroit ist. — Ob—
wohl der Entschlafene schon längere Zeit krankte, versah er doch
bis zuletzt sein Amt und kam auch noch auf die Synode in Monroe.
Arn Sonntag predigte er noch und verrichtete andere Amts—
handlungen. Am Montag, den 7. Juli, rührte ihn der Schlag,
und am Mittwochmorgen mit Sonnenaufgang hauchte er seine
Seele aus. Die Beerdigung geschah am 12. unter großer Be⸗
teiligung der Gemeinde. Im Hause amtierte einer seiner näch—
sten Amtsnachbarn, P. Lübke. In der Kirche predigte Präses
Engelder über Hebr. 13, 7 und P. H. Frincke über Dan. 12, 3.
Am Grab amtierte P. R. Meyer. Der Entschlafene brachte sein
Alter auf 67 Jahre, 1 Monat und 10 Tage. Zweiundvierzig
Jahre hat er dem HErrn im Predigtamt gedient, davon 38 Jahre
in unserer Synode. Er hinterläßt seine trauernde Witwe, sechs
Kinder und andere Verwandte. — Dein HErrn sei Dank für die
Gnade, die er diesem seinem Diener und durch ihn seiner Kirche
erwiesen hat! Er helfe, daß wir nicht undankbar seien gegen ihn,
der uns Lehrer zur Gerechtigkeit gibt. O. Lübke.
Am 4. Juli ist uns wieder ein lieber, hoffnungsvoller Sex⸗
taner durch den Tod entrissen worden. Benjamin Dorn⸗
seif starb an der Rückenmarksentzündung im Collegehospital im
Alter von 15 Jahren, 3 Monaten und 13 Tagen. Am 6. Juli
wurde seine sterbliche Hülle in Gottes Acker gebettet. P. S.
Hassold amtierte im Hause und am Grabe, der Unterzeichnete in
der Kirche.
M. Lücke.
Ordinationen und Einführungen.
Im Auftrag der betreffenden Distriktspräsides wurden ordiniert:
Am 6. Sonnt. n. Trin.: Kand. E. Bölling in der St. Johannes⸗
kirche zu Vincennes, Ind., unter Assistenz der PP. Biester und Kretzmann
von P. P. Clausen.
Am 7. Sonnt. n. Trin.: Kand. T. A. Dautenhahn in der St.
Paulskirche bei House Springs, Mo., von P. M. M. Telle. — Die Kan—
didaten F. C. Pröhl und A. Hillert in der St. Johanneskirche zu
Plymouth, Wis., unter Assistenz P. P. Feltens von P. Mart. Schmidt.
Kand. K. Fickenscher in der St. Pauluskirche zu Aurora, Ill, unter
Assistenz der PP. W. J. Kowert und A. C. C. Meyer von P. A. M. Loth.
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