Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 15 › Seite 232

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 22. Juli 1913, Seite 232

229 230 231 232 233 234 235 236 237 238

Scan: from a 2009 DVD; the same scans are on the Internet Archive as DerLutheraner69_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription machine transcription, uncorrected

⤓ Download .txt · copy text

232

Der v.„Lutheraness

* „ 1 —

mehr angebracht worden. Zerschlagene Fensterscheiben und
zerstörte Türschlösser sind ein Item unter den Ausgaben unserer
Mission. Die Verbreitung jüdischer Pamphlete gegen unsere
Mission auf den Straßen wird von der Polizei verhindert, so—
weit es ihr möglich ist. Zuweilen steht ein Polizeikapitän mit
zwei Polizisten vor unserm Lokal während des Gottesdiensies.
Missionslokale anderer Denominationen sind noch viel schlechter
weggekommen als bisher das unsrige. Man erhob den Vor—
wurf, unser Missionar hätte jüdische Kinder ohne Vorwissen der
Eltern in seine Schule aufgenommen. P. Schönfeld ging mit
dem Missionar und einem Polizisten in das Haus eines Juden,
von dessen Kindern solches behauptet wurde (der ganze Juden—
schwarm ging mit), und es stellte sich heraus, daß die Kinder
drei Jahre lang die Missionsschule besucht hatten, daß die
Eltern bei der Weihnachtsfeier zugegen gewesen waren und sich
über die Beschenkung ihrer Kinder gefreut hatten. Man hielt
den Juden endlich vor, wenn ihr Verfahren weiter bekannt
würde, welchen Haß sie dann leicht gegen sich erregen könnten.
Jedoch die Waffen unserer Ritterschaft sind nicht fleischlich, und
wir müssen mit Geduld und Gebet ausharren, bis die Gegner
müde werden.“

In den letzten Worten des vorstehenden Berichts haben
wir den Schlüssel zum Verständnis der Tatsache, daß trotz alle⸗
dem die Judenmission als ein Teil der Missionspflichten der
Christenheit erkannt wird, und daß sie auch zuweilen gar herr—
liche Früchte zeitigt. In allen Weltteilen gibt es sogar Hun⸗
derte von Dienern des Evangeliums, die geborene Jsraeliten
sind. Sollten diese und andere Judenmissionare alle ganz ver—
geblich arbeiten und ihre Kräfte unnützlich zubringen? Wie
könnte dann noch die feierliche göttliche Zusage Jes. 55, 10. 11
zu Recht bestehen? Außerdem haben wir ja noch die besondere
Verheißung, daß Gott auch in Israel bis an den Jüngsten
Tag ein Volk der Wahl hat, das gewiß selig wird. Zu allen
Zeiten hat es darum auch einen kleinen Rest gegeben, der durch
seinen Glauben eine Ausnahme von dem Unglauben der Masse
machte. Wenn wir Christen dies bedenken und noch dies hin—
zunehmen, daß doch auch unser Heil überhaupt von den Juden
kommt (Joh. 4, 22), daß ohne Christgläubige aus Jsrael keine
christliche Kirche entstanden wäre (die christlichen Erstlings—
gemeinden waren doch jüdische), so sollte uns dies ja eine
Ermunterung sein, die Judenmission immer reichlicher zu unter—
stützen, damit sie immer eifriger betrieben werden könne. Daß
unsere große Synode nur einen einzigen Judenmissionar hat,
ist doch eigentlich recht jämmerlich. Wieviel leichter ist es, hier
und da einmal einige Cents zu opfern, damit etwa §2200.00
für Gehalt, Wohnungsmiete, Missionslokal, Neue Testamente,
Traktate usw. zusammenkommen, als täglich selbst in der so
schweren und auch gefahrvollen Arbeit (wie oben beschrieben)
zu stehen!

Im Jahre 1912 wurden im Missionslokal 51 Predigten
vor durchschnittlich 35 Zuhörern gehalten; 57mal wurde Sams—
tags⸗ und Sonntagsschule gehalten mit je etwa 23 Kindern.
Taufkandidaten wurden 74 Stunden Religionsunterricht er—
teilt; 490 Religionsunterredungen fanden in Judenhäusern
statt; 418 Besuche wurden in jüdischen Familien gemacht; 609
Personen wurden im Missionslokal und 150 in der Wohnung
des Missionars empfangen. 1551 Traktate, 335 Testamente
und 12 Bibeln wurden verteilt. Im Interesse der Mission pre⸗
digte der Missionar einmal auswärts.

Einer unsorer lieben Emigrantenmissionare hat letztes V

Jahr — was uns allen zur Ermunterung dienen kann — fol—
genden schönen Beitrag zur Judenmission geliefert:
„Der Beamte, mit dem ich hauptsächlich zu tun habe, hat

kürzlich irgendwo Angriffe gegen die „Missourier“ gelesen, fragt 1
mich, was das für Leute sind, und ist verwundert, daß er schon
Ich erzähle ihm 4

so lange einen von der Sorte gekannt hat.
mit kurzen Worten von der Entstehung und der Arbeit der
Synode. Ein jüdischer Hotelwirt konimt dazu und vermehrt

die Hörerschaft. Als ich unsere verschiedenen Missionen anführe V

und auch die Judenmission erwähne, fragt er plötzlich da—
zwischen: „Was denken Sie über die Juden?“ Antwort: „Wir

haben alle Ursache, ihnen dankbar zu sein; denn das Heil
Sie kennen ja das Wort Noahs über —

kommt von den Juden.

Sem, Hani und Japhet. Japhet soll wohnen in den Hütten

Sems. Sie sind Sem, wir sind Japhet. Und wir wohnen in
Ihren Hütten. Unser SErr Christus und seine Apostel waren
Juden. Und sonderlich Ihr Volksgenosse Paulus hat uns

Europäer bei der Hand gefaßt und uns in die Hütten Sems

gebracht. „Hören Sie gut zul' ruft er den Beamten an, hier

können Sie lernen, was in der Bibel steht! Aber“, wendet er

sich wieder zu mir, warum treiben Sie Mission unter den
Juden?“

gegen Krebs, Schwindsucht oder gar gegen den Tod selbst?
Würden Sie nicht Ihren guten Freunden, ja allen Menschen
auch davon gönnen? Nun, das ist unser Fall. Wir wissen,
ja besitzen ein unfehlbares Mittel gegen den Tod in jeder Ge⸗
stalt, auch gegen den ewigen Tod. Das ist das Evangelium von
IEsu Christo, der dem Tode die Macht genommen und uns
ewiges Leben dafür gebracht hat. Über diese Arznei sind wir
froh und glücklich und gönnen andern Leuten auch davon, dem
Volke der Juden, von dem unser Heiland und unser Heil ge—
kommen ist, nicht zum letzten. Darum treiben wir Mission
auch unter Ihren Stammesgenossen. Gedankenvoll nickte er
mit dem Kopf.“ — Wir aber wollen den gnädigen und barm—
herzigen Gott um seinen Schutz und Segen auch für unsere
Judenmission ernstlich anflehen, wollen auch sonst mit Wort
und Tat ihr Bestes suchen.

9. Die Indianermission.

Welches Christenherz sollte nicht mit Freude erfüllt sein
darüber, daß unsere Synode auch einheimische Heidenmission
treibt, nämlich an dem Volke, das schon in diesem Lande wohnte,
ehe Weiße es eroberten, an den armen Indianern? Die ameri—
kanischen Rothäute agehen keineswegs wie vielfach angenommen
wird, dem Aussterben entgegen, sondern sind nach den letzten
offiziellen Zählungen von 1890 bis 1910, also innerhalb zwan—
zig Jahren, von 240,000 auf 305,000 angewachsen. Eine
rechtgläubige lutherische Indianergemeinde von 241 Seelen,
114 kommunizierenden und 32 stimmberechtigten Gliedern
haben wir in Red Springs, Wis., mit dem dazugehörigen Pre⸗
digtplatz Morgan Siding. Das ist ein überaus herrlicher Er⸗
folg auf dem Gebiet unserer Heidenmission, zumal die Leute
gute Erkenntnis und einen ernsten christlichen Sinn zeigen,

auch bereits 65 Indianerkinder unsere dortige christliche Ge⸗

meindeschule im letzten Jahre besuchten. Wer die Indianer
nur ein wenig kennt, weiß, wie es in bezug auf Reinlichkeit und
geordnete Lebensweise bei ihnen bestellt ist, und wird sich daher

„Ja, sehen Sie, Herr L., was würden Sie tun, wenn
Sie eine unfehlbar wirkende Medizin wüßten oder gar hätten 4

nicht
Leuf
die

Kini
unte
klein
560
derr
neus
woh
bere
nöti
spre
kön:
dem
Daj
rem
den

English translation

Not yet translated.