Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 15 › Seite 234

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 22. Juli 1913, Seite 234

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SDer 2„Tutheraness

Otjen berichtete über Minnesota. 28 Parochien mit etwa 8000
Seelen stehen hier unter der Obhut der Kommission. Be⸗
sonders im Norden des Staates nimmt die Arbeit fortwährend
zu. Die gegründeten Gemeinden erstarken nach und nach und
werden selbständig. P. C. F. Walther berichtete über das
westliche Canada an Hand einer großen Landkarte, auf der
die einzelnen Parochien durch blaue Punkte bezeichnet waren.
Dies Gebiet ist ein kolossales; es erstreckt sich von Ost nach
West in einer Länge von 1900 Meilen und von Süd nach Nord
100 Meilen und darüber in die Breite. Die Einwanderung
war in den letzten Jahren riesig und ist noch im Steigen be⸗
grissen. Jeden Tag im Jahre ziehen tausend Menschen nach
dem Westen Canadas, unter diesen viel Lutheraner, auch aus
unsern Gemeinden. Allerdings sind nur 3 Prozent aller Ein—

wanderer Lutheraner, aber die lutherische Einwohnerzahl West⸗

canadas hat im letzten Jahrzehnt um 150 Prozent zugenom—
men. Namentlich die Städte wachsen schnell. Winnipeg ist
in wenigen Jahrzehnten aus einem Militärposten zur Groß—
stadt geworden. Regina hatte im Jahre 1901 2200 Einwoh⸗
ner, 1911 jedoch bereits 30,200. Da gibt es viel Missions-—
material, mehr Arbeit, als wir bewältigen können. Wir haben
in Canada 84 Gemeinden und 143 Predigtplätze mit 12,800

Seelen, 6900 Kommunizierenden und 1551 Stimmberech⸗

tigten. Wenn alle berufenen Kandidaten in die Arbeit treten,
werden wir in Canada 60 Pastoren und 4 Lehrer haben.
Mit der Ausbreitung der Mission steigen auch die Aus—
gaben. Trotz möglichster Einschränkung seitens der Missions⸗
kommission und selbstverleugnender Genügsamkeit unserer Mis⸗
sionare belief sich die Ausgabe für Mission im Minnesota⸗Distrikt
im verflossenen Jahre auf §28,652.57. Dagegen hatten wir
eine Einnahme von §24,748.42; davon kamen §866.00 aus
der Allgemeinen Kasse, das übrige aus dem Distrikt. Unsere
Missionskasse mußte daher mit einem Defizit von 53904.15
schließen. Unsere Netze reißen. Obwohl unsere Gemeinden —
die meisten waren vor wenigen Jahren selbst noch Missions⸗
gemeinden — sich redlich anstrengen, übersteigen die zunehmen⸗
den Anforderungen unsere Kräfte. Da müssen die Brüder in
den andern Distrikten uns ziehen helfen durch Zusendung von
Missionsgeldern. In etlichen Monaten wird der Distrikt gegen
100 Mann auf der Gehaltsliste haben, und die Ausgaben wer⸗
den sich im laufenden Jahre auf §35,000 belaufen. Dabei
mußte von einer so nötigen Erhöhung der Gehälter unserer
Reiseprediger abgesehen werden, so gern sie sonst gewährt wor⸗
den wäre. Gewiß tun wir unter den Umständen keine Fehl⸗
bitte um Hilfe. Schon hat die Allgemeine Kirchbaukasse kräftig
mitgeholfen. Der Vertreter Canadas hob hervor, welch große
Hilfe im Werke es war, daß die Allgemeine Kirchbaukasse, wo
sie nur irgend konnte, arme Missionsgemeinden in Canada durch
ein Darlehen unterstützte. Dies sollte ferner, wo immer mög⸗
lich, geschehen. Die Synode beschloß einmütig im Vertrauen
auf Gottes Beistand und die Liebe der Christen unserer Synode
zu ihrem Heiland und seiner Reichssache, die Mission solle, wie
bisher, kräftig weitergeführt werden. Zu dem Ende wird in
einer Eingabe an die nächste Allgemeine Synode um die Ein⸗
richtung einer Kasse für Innere Mission nachgesucht werden.
Doch die Synode beschäftigte sich nicht bloß mit der Inne⸗
ren Mission des Distrikts. Hand in Hand mit der Betreibung
unserer Missionen geht die Gründung und Erhaltung unserer
Lehranstalten zur Heranbildung von Lehrern und Predigern.

Auch für diese zeigt sich im Distrikt warmes Interesse.

noch nicht weiter verfolgt werden, da die Sache noch nicht ge

nügend gereift ist. Doch legte die Aufsichtsbehörde unsers Con-
cordia-College in St. Paul in einer Eingabe die Notwendigkeit

eines neuen Lehrgebäudes mit solch überzeugender Begründung
dar, daß die Synode beschloß, bei der nächsten Allgemeinen
Synode die Errichtung eines solchen zu beantragen. In Ver⸗
bindung damit hieß die Synode es gut, daß die ins Leben ge⸗

tretene Lutheran Education Association of the Northwest in 4

den Gemeinden des Distrikts Glieder werbe und Beiträge für
den Neubau sfanumle.

Die Berichte des Allgemeinen Präsidiums über die Lehr⸗
anstalten der Synode, ihre verschiedenen Missionen, die Syno⸗
dalkasse, die Synodalbaukasse usw. und deren Bedürfnisse wur⸗
den mit regem Interesse entgegengenommen und zum Teil ein⸗
gehend besprochen. Missionar Salvner hielt einen interessanten
Vortrag über Taubstummenmission. P. Kuntz berichtete über
die Negermission. Eine Emigrantenmission für Canada wurde
befürwortet und soll einstweilen durch die Missionskommisssion
unter Leitung des Allgemeinen Präses so gut als möglich be⸗
sorgt werden. Berichte über das Concordia⸗College in St. Paul
und die Anstalt für Epileptische in Watertown wurden abge—
stattet. In Saskatchewan wurde ein neuer Visitationskreis ein⸗
gerichtet, und P. Rotermund wurde zum Visitator gewählt.

Zur Hebung unserer herrlichen Synodalgottesdienste trug

der neugebildete Synodalchor von etwa 100 Stimmen unter

Leitung Herrn Lehrer Pipkorns wesentlich bei; auch wirkte
derselbe mit bei der Aufführung eines feinen kirchlichen Kon—
zerts, das am Sonntagabend von Synodalen veranstaltet wurde.
Ja, es war eine Synode reich an Segnungen für Geist, Herz
und Gemüt. Gott gebe zu allem in Gnaden seinen Segen, daß
sein Name geheiligt werde und sein Reich komme!
H. Meyer.

Auf nach River Forest!

Das neue Lehrerseminar zu River Forest, in der Nähe von

Chicago, geht rasch seiner Vollendung entgegen. Wenn nicht
unvorhergesehene Hindernisse eintreten, werden wir das kom⸗
mende Schuljahr in der neuen Anstalt anfangen können. Der
Unterzeichnete hat selten, wenn je, einen Bau beobachtet, bei
dem so wenig Störung durch ungünstige Witterung oder ver⸗
spätetes Eintreffen von Baumaterial vorgekommen wäre. Fast
den ganzen Winter hindurch konnte daran gearbeitet werden.
Ehe zum Beispiel die Kessel gebraucht wurden, waren sie schon
da; dasselbe gilt von den Säulen an der Fassade des Lehr⸗
gebäudes, den behauenen Steinen, den Wasserröhren sowie an⸗
dern Röhren und dergleichen. Wenn nicht alle Anzeichen trü⸗
gen, so wird das neue Lehrerseminar eine Anstalt, deren sich
die Synode freuen, ja worauf sie stolz sein kann. Man hat
Fehler, die sich an andern Anstalten herausgestellt haben, zu
vermeiden, die Vorteile hingegen aufzunehmen gesucht; man
hat lange hin und her beraten, wie man das meiste und Beste
für die zu Gebote stehenden Mittel erhalten könne. Und min
werden wir eine Anstalt bekommen, die so vorteilhaft zum
Unterrichten, Wohnen und Lernen eingerichtet ist, wie das bei

unsern Verhältnissen, ja man kann fast sagen überhaupt, mög

konnte der Plan, in Canada ein Progymnasium zu gründen,4

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