Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 15 › Seite 236
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 22. Juli 1913, Seite 236
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Unzucht
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SE „Tutheranet
die Besprechungen des Gliedes unserer Kommission mit den Mis⸗
sionaren betreffs unserer Arbeit unter den Stillen unsers Landes.
Am 29. Juni fanden drei Gottesdienste statt. Morgens predigte
Missionar Uhlig in einem Zimmer der V. M. C. A. über den
23. Psalm vor 43 Taubstummen. In diesem Gottesdienst wurde
das Lied „Rock of Ages“ von drei Taubstummen in der Zeichen⸗
sprache gesungen oder vorgetragen. Nach dem Gottesdienst richte⸗
ten die Missionare Uhlig und Jensen sowie P. Böster, Glied
unserer Kommission, ermunternde Worte an unsere Taubstum⸗
men. Am Nachmittag wurde ein gemeinschaftlicher. Gottesdienst
in St. Paul abgehalten. Achtzehn Taubstumme wohnten diesem
Gottesdienst bei. Am Abend fand ein ähnlicher Gottesdienst in
Minneapolis statt, zu welchem sich trotz der großen Hitze, die in
diesen Tagen herrschte, wieder 35 Taubstumme einstellten. Drei
Missionare und P. Böster hielten Ansprachen in diesen Gottes⸗
diensten. Auch wurde in diesen Gottesdiensten ein Lied, nämlich
„Josus, Lover of My Soul“, in der Zeichensprache vorgetragen
mit Orgelbegleitung und Chorgesang. P. Böster richtete einige
Worte an die Versammlung auf Grund des Schriftwortes
Gal. 4, 18. Am Montag fanden wieder Sitzungen statt, in
welchen besonders etliche Abschnitte der Heiligen Schrift in die
Zeichensprache übersetzt wurden, eine Arbeit, die oft mit großen
Schwierigkeiten verbunden ist. Nächstes Jahr versammelt sich die
Konferenz, so Gott will, zur Zeit der Synode in Chicago. —
Möge der liebe Gott nun allen Missionaren in dieser beschwer—
lichen, aber doch herrlichen Arbeit beistehen! Möge er recht viele
Taubstumme durch die Predigt seines Wortes in der Zeichen—
sprache zum Glauben bringen und alle Christen mit immer
größerem Eifer und immer größerer Liebe für dieses Werk er⸗
füllen zu seines Namens Lob, Preis und Ehre und vieler
Scelen Heil! J. S.
Mit den fahrenden Evangelisten und Erweckungspredigern
haben wir ja nichts im Sinn. Der Cyristian Herald hat an
eine Anzahl dieser Leute die Frage gerichtet: „Warum ist das
Evangelistentum am Aussterben?“ und veröffentlicht nun deren
Antworten. Die Besseren unter ihnen, wie z. B. Torrey, der
Nachfolger Moodys, geben zu, daß manche Kritik, die an den
„Evangelisten“ geübt wird, berechtigt ist. Er nennt als etwas
üͤberaus Anstößiges und Abstoßendes die Geldliebe mancher dieser
„Evangelisten“, die sich sehr gute Einnahmen zu verschaffen
wissen. Dann ihren Ehrgeiz und ihre Selbstverherrlichung, wo
ihnen weniger daran gelegen ist, Menschen vor dem ewigen Ver-
derben zu bewahren, als selber als große Redner und Volks⸗
männer zu glänzen. Ebenso ihre furchtbare Leichtfertigkeit und
Oberflächlichkeit. Wenn sie gepredigt haben, dann fordern sie
wohl Leute, die sich bekehren oder es mit Christo halten wollen,
auf, aufzustehen oder ihren Namen auf einen Zettel zu schreiben.
Die werden dann gezählt, und es wird in die Welt hinausposaunt:
So viele für Christum gewonnen! — Wir halten, abgesehen von
diesen, auch den natürlichen Menschen anekelnden groben Aus⸗
wüchsen, das ganze Treiben für eine Schande in mehr als einer
Hinsicht. Es ist eine Schande für einen Pastor, sich einen solchen
Erweckungsprediger in seine Gemeinde kommen zu lassen. Damit
bekennt er mit der Tat, daß er durch seine Amtswirksamkeit die
Memeinde tatgemacht hat. Da muß der fremde Mann wieder
Leben hineinbringen. Es ist eine Schande für eine christliche
Gemeinde. die vielleicht iabrelang Gottes Wort gehahbt hat, sich
als Material für Heidenmission ansehen zu lassen utis sich eitieni
fremden, unverantwortlichen Hanswurst auszuliefern. Wenn der
„Evangelist“ mit Gottes Wort die Gemeinde wieder beleben
will, dann ist es eine Schande für den Pastor. Warum kann er
das nicht? Was ist denn eigentlich sein Amt? Und wenn der
Evangelist durch andere Mittel als die schlichte Predigt „beleben“
will, dann ist es obendrein noch eine Schande für das Wort Gottes,
dem man nicht zutraut, daß es das ausrichte, was auszurichten
es doch gegeben ist. Der HErr Christus hat seine Gemeinde ganz
gut versorgt, indem er ihr sein Wort gegeben und das Anit des
Wortes gestiftet hat. Und wenn die Evangelisten den unwider⸗
stehlichen Drang haben zu predigen, dann steht ihnen die ganze
Heidenwelt offen. Da sind die Einnahmen jedenfalls nicht so
groß, die Arbeit ist schwieriger und gefährlicher, aber da können
sie wirklich Segen stiften, vorausgesetzt natürlich, daß sie Gottes
Wort predigen. Wollen sie das nicht, dann sollen sie überhaupt
schweigen, und dann werden genügend Pflüge und Schaufeln zum
Verkauf ausgeboten, mit denen man sein ehrliches Brot er⸗
werben kann. E. P.
über die berufsmäßige Hurerei und die „weiße Sklaverei“
werden ja in letzter Zeit an manchen Orten Untersuchungen an⸗
gestellt; und was die zutage fördern, ist derart schändlich, daß es
in Sodom und Gomorra vielleicht nicht ärger war. Beim Lesen
der Berichte bekam man meist den Eindruck, als ob die unzüchtigen
Dirnen zum größten Teil arme, verführte Geschöpfe wären, die
wohl gar wider ihren Willen in dem Sündengewerbe festgehalten
würden. Da kann einen das vor viel falschem Mitleid bewahren,
was der Lutheran Standard berichtet. In Atlanta, Ga., besteht
eine Gesellschaft, die Southern Rescue Mission, die es sich zur
Aufgabe machte, solch bedauernswerten Mädchen zu helfen. Aber
ihr Präsident, A. W. Elliott, berichtet, daß die Gesellschaft vor—
habe, sich aufzulösen, weil sie etwas Unmögliches unternommen
habe. Die Dirnen liebten ihr schändliches Leben und wollten gar
nicht, daß man ihnen heraushelfe. Sie seien nicht arme, un⸗
schuldige Dinger, die ein solches Leben führen müßten, son⸗
dern eine gottlose Bande von Verbrechern, die so leben wollten.
Herr Elliott sagt, er habe in den letzten fünf Jahren persönlich
mit wenigstens 15,000 dieser Geschöpfe geredet und versucht, sie
aus den Häusern der Schande herauszuholen und ihnen zu einem
ehrbaren Leben zu verhelfen. Das sei ihm aber nur an einer
einzigen gelungen. Auch in Philadelphia hat man dieselbe Er—
fahrung gemacht. — Der Standard macht die richtige Bemerkung:
Mit bloßen Besserungsversuchen ist da nicht gedient. Das ein⸗
zige, was helfen kann, ist Mission, das Evangelium, weil das eben
Gottes Kraft ist. Mit dem Mittel hat ja der HErr Christus
vielen Zöllnern und Huren aus ihrem Jammer geholfen. Sein
Ruf zur Buße, sein Wort: „Deine Sünden sind dir vergeben“
und seine Ermahnung: „Gehe hin, sündige hinfort nicht mehr“,
die richteten aus, was lein menschliches Mittel ausrichten konnte.
Und das muß es immer noch tun. Man wird auch mit allen
Untersuchungen die Hurerei nicht aus der Welt schaffen. Nur
christlicher Unterricht, Zucht und Vermahnung mit Gottes Wort
kann die Jugend vor der Hurerei bewahren. „Die Hurer und
Ehebrecher wird Gott richten.“ Und das gilt natürlich dem männ⸗
lichen Geschlechte in demselben Maße wie dem weiblichen. Wer
Häuser der Unzucht besucht, ist um kein Haar besser als die Huren,
die die Sünde zum Gewerbe machen. Und zum Gehorsam auch
gegen das sechste Gebot gibt Willigkeit und Kraft der Glaube an
Christum, den Heiland. So ist die einzige wirkliche und erfolg—
reiche Besserungsgesellschaft die christliche Kirche mit dem Evan—
gelium. Sie ist und soll sein das Salz der Erde. Freilich, „wo
das Salz dumm wird, womit soll man salzen?“ Matth. 5, 13.
Wie kraß und ungescheut sogenannte liberale Pastoren in
Delltschland ihren Ungluuben uusschllumen können, zeigt das
Beispiel P. Falks in Berlin, der in einer Betrachtung über
Himmelfahrt und Pfingsten in seinem Nachrichtenblatt schrieb:
„Wir kirchlich Freien brauchen uns nicht erst den Kopf darüber
zu zermartern, wie wir das „Wunder“ der Himmelfahrt JEsu
vor unserm Verstande zu rechtfertigen haben. Wir haben diese
ganze Erzählung erkannt als ein ehrwürdiges Stück der alt⸗
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