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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 19. August 1913, Seite 261

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Und ich sahe einen Engel 5
lliegen mitten durch den C=
Himmel, der hatte ein ewig 7
Cvangelium, zu verkiindigen
denen, dit auf Erden sihen
und wohnen, und allen Hei-
den, und Geschlechtern, und
Sprachen, und Völkern, und
sprach mit großer Stimme:
Lürchter Galt, und gebel
ihm dit Ehre; denn die Zeit
seines Otrichts ist Konunen,
und betet an den, der gemacht
hat Himmel, und Erde, und
Meer, und die wasser⸗

brunnen. Ossb. Joh. 14, 6.7.
SSEEEE E

HZerausgegeben von der Deutschen Evangelisch⸗Lutherischen Zynode von Missouri, Ohio u. a. Staaten.

Redigiert von dem Lehrerkollegium des theologischen Seminars in St. Lonis.

Ur. 17.

69. Jahrgang.

St. Louis, Mo., den 19. Kugust 1913.

Ein Juselbrief an den lieben „Lutheraner“.

Jes. 51, 1 spricht unser HErr: „Die Inseln harren auf
mich und warten auf meinen Arm“, und der Prophet Zephanja
verkündet: „Und sollen ihn anbeten alle Inseln unter den Hei⸗
den, ein jeglicher an seinem Ort.“

Was der SErr damit verheißen hat, das fängt er an, auch
jetzt wieder unter uns zu erfüllen, die wir auf einer fernen
Insel wohnen und sein Werk hier seit Dezember 1911 treiben,
auf einer Insel, wo jahrhundertelang finsteres Papsttum unter
den Eingebornen die Herrschaft hatte, und wo erst seit wenigen
Jahren verschiedene Sekten unter den einwandernden Amieri—
kanern mit ihrer Arbeit begonnen haben. Sechzehn „Luthera—
ner“-Leser haben wir jetzt auf dieser Insel, wo man vorher vom
lieben „Lutheraner“ nichts wußte. Auch über das Meer hinaus,
auf den fernen Inseln, bildet der „Lutheraner“ ein Band
zwischen seinen Lesern durch das Bekenntnis der seligmachenden
Wahrheit. So senden wir durch den „Lutheraner“ Nachricht
von unserm Werke, zumal wir von verschiedenen Seiten dazu
aufgefordert worden sind.

Es ist die Isla de Pinos (Isle of Pines), die Perle des
Karibischen Meeres genannt, ungefähr sechzig Meilen südlich
von Kuba gelegen, auf der wir niit neuer Missionsarbeit be—
gonnen haben. Die Insel gehört zur Provinz Havana, steht
also unter kubanischer Obrigkeit. Die Landessprache ist ku⸗
banisch, und hier herrschen noch kubanische Sitten und Ge—
bräuche. Es ist keine der ganz kleinen Inseln, denn sie um⸗
faßt gegen 900,000 Acker Land; und es ist keine unbedeutende
Insel, denn viel Schönes ist auf ihr zu finden: hohe Berge
und fruchtbare Täler, breite Flüsse, viele Bäche, herrliche
Quellen, die verschiedensten Palmen und viele andere tropische
Gewächse und Fruchtbäume. Aber auch die Fichte (pine)
wächst hier im Tropenlande, und davon hat unsere Insel den
Namen „Fichteninsel“, Isla de Pinos. Hier ist es immer
Sommer, und es wächst das ganze Jahr.

Columbus entdeckte diese Insel im Juni 1492. Die

ersten Bewohner trieben hier Viehzucht und etwas Ackerbau.
Nach der amerikanischen Invasion, seit 1898, zogen aber auch
Amerikaner und einige Deutsche hierher, da sie die großen
Vorteile der Insel erkannten. Sie fingen an, Orangen, Zi⸗
tronen, grape-Kruit, Ananas, Bananen und verschiedene andere
Südfrüchte hier zu ziehen, wo kein Frost mehr zu befürchten
ist wie in California und Florida. Schöne Landstraßen wur—
den zwischen den bedeutenderen Ortschaften gebaut, welche die
Regierung in gutem Zustand erhält. Mehr Einwanderer solg—
ten, unter ihnen auch Deutsche aus den Vereinigten Staaten
und aus Europa, die aber jahrelang ohne eigene Kirche in der
Muttersprache dahinlebten, jetzt aber anfangen, sich inn Gottes
Wort zu sammeln, seit sie einen Pastor von unserer Synode
bekommen haben.

Der Einwandererstrom hört aber nicht auf, sondern geht
langsam weiter. Fast jedes Schiff bringt solche, die hier in
dent gleichmäßigen Klima Genesung von langer Krankheit
suchen oder sich nach einer neuen Heimat umsehen. Viele siedeln
sich auch an und unter diesen auch mancher Deutsche aus luthe—
rischen Kreisen. So herrscht hier noch rechtes Pionierleben.
Der Wald wird gelichtet und niedergebrannt, das Land wird
aufgebrochen und bepflanzt, Häuser werden gebaut, und wie
lange mag es noch dauern, dann ist die Insel ein großer, schö—
ner Garten geworden.

Die lieblichste Blume aber, die hier heranwächst, wenn sie
auch erst noch ein kleines, bescheidenes Blümlein im Verborge—
nen ist, an der mancher noch gleichgültig vorübergeht, die lieb—
lichste Blume auf unserer schönen Tropeninsel ist die kleine
Christenschar, die sich jetzt schon um Luthers Lehre, das heißt,
um das lautere Evangelium und die unverfälschten Sakra—
mente, gesammelt hat. Das ist rechter Gottessegen, für den
wir unserm SErrn gar nicht genug danken können. Freilich
leben hier noch eine ganze Anzahl unserer Landsleute, die dem
Reiche Gottes noch fernstehen, aber wir laden sie beständig
ein und hoffen, daß sie es noch erkennen werden, welch einen
unvergleichlichen Schatz wir ihnen bringen. Unsere Glaubens⸗

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