Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 17 › Seite 267
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 19. August 1913, Seite 267
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Wohltätigkeit 1
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S Ner „Tuthieranetsse
untergebracht. Auch beschloß die Liga, für das neue Lehrer-
seminar ein Zimmer zu stiften. — Die nächste Konvention soll,
so Gott will, im Jahre 1914 in Cleveland abgehalten werden.
Die Wohltätigkeitskonferenz war vom 29. bis zum 31. Juli
in dem prächtigen Schulgebäude der Gemeinde P. Succops in
Chicago versammelt. Es hatten sich dieses Mal mehr Vertreter
der verschiedenen Wohltätigkeitsanstalten und -gesellschaften inner—
halb der Synodalkonferenz eingefunden als je vorher, und ihnen
allen wurde Gelegenheit gegeben, die Fragen vorzulegen, über
die sie einen Gedankenaustausch wünschten, und sich die Erfah—
rungen, die man etwa in derselben Sache an andern Orten ge—
macht hatte, zunutze zu machen. Darin besteht unsers Erachtens
ein Hauptwert dieser Konferenz. So kann sie den verschiedenen
Wohltätigkeitsbestrebungen große Dienste leisten und viel dazu
beitragen, daß Mißgriffe verhütet werden. Die von der frühe⸗
ren Konferenz aufgegebenen Referate wurden vorgelegt. P. G.
W. Wolter referierte über die bisherigen Erfolge der Kinder⸗
freundmission mit Nutzanwendungen für den ferneren Betrieb
dieser Arbeit, der Unterzeichnete über gesunde Begeisterung für
christliche Wohltätigkeitsbestrebungen, P. J. Baumann über die
Aufgabe unserer lutherischen Hospitäler den Krankenpflegerinnen
gegenüber, daß sie der Kirche treu bleiben und ihren Christenberuf
in der rechten Weise an den Krankenbetten ausrichten, P. A. F.
W. Schlechte über die Arbeit eines Stadtmissionars an Ungläu⸗
bigen und Falschgläubigen. P. O. H. Restin verlas einen Be⸗
richt über die Segensarbeit unserer Synode unter den Emigranten
und Lehrer A. H. Ahrens über nötige Einrichtung christlicher
Herbergen in den Städten. Auch über die gesegnete Tätigkeit
unserer Liebesanstalt in Watertown für Schwachsinnige und Epi⸗
leptische wurde ausführlich berichtet. Einen eingehenden Bericht
über die Verhandlungen dieser Wohltätigkeitskonferenz wird der
„Bote aus Bethesda“ veröffentlichen. Am Dienstagabend wurde
in P. Succops Kirche ein feierlicher Gottesdienst abgehalten, in
welchem über verschiedene Werke unserer christlichen Wohltätigkeit
kurze Ansprachen gehalten wurden. Nach der Sitzung am Mitt⸗
woch wurden die Delegaten und Gäste der Konferenz auf einer
langen Reihe von Automobilen an vielen Sehenswürdigkeiten
Chicagos vorbeigeführt, und halt wurde gemacht bei der Haupt⸗
sehenswürdigkeit, für die wir uns am meisten interessierten, bei
unserm schönen neuen Lehrerseminar in River Forest. Für die
so reichlich erwiesene Liebe und ausgezeichnete Gastfreundschaft
sagte die Konferenz den lieben Glaubensgenossen in Chicago noch
zum Schluß ein herzliches „Gott vergelt's!“ Nächstes Jahr ver⸗
sammelt sie sich, will's Gott, in Milwaukee. R. K.
Kirchliche „Führer“ und die Einigkeit der Kirche. Der
Lutheran wünscht sich zur Herstellung der Einigkeit in der Kirche
große kirchliche „Führer“. Dann aber kommen ihm Bedenken, ob
man den Führern auch folgen werde. Diese Bedenken sind
berechtigt. Die großen kirchlichen Führer haben aus Schuld des
Neides der Menschen auch immer trennend gewirkt. Moses
war sicherlich ein großer Führer. Aber Mirjam und Aaron
redeten wider Mose und sprachen: „Redet denn der HErr allein
durch Mose? Redet er nicht auch durch uns?“ Gott mußte
den Aussatz zu Hilfe nehmen, um eine Spaltung zu verhüten.
Christus war sicherlich ein großer Führer. Aber anstatt ihm
anzuhangen, überantworteten ihn die Obersten „aus Neid“ dem
Pontius Pilatus, daß er gekreuzigt würde. Luther war auch
ein großer Führer. Aber Zwingli trennt sich von ihm, wirft ihm
Tyrannei vor und schreibt: „Du (Luther) willst je gesehen sein,
sam ( als ob! du die Bahn des Evangelii allein gereutet habest,
darin ich dir fast viel zugebe. Aber ich will dir vor die Augen
stellen, daß du den weiten herrlichen Schein des Evangelii nicht
erkannt hast.“ In dem Neid Zwinglis und anderer liegt der
tiefste Grund der Spaltung der Kirche zur Zeit der Reformation.
Die Sache wiederholte sich innerhalb der lutherischen Kirche. Der
spätere Melanchthon meinte, daß er unter Luthers Führerschaft
„eine fast schimachvolle Knechtschaft getragen habe“. Das war
ein Hauptgrund der Lehrabweichung des späteren Melanchthon
und der Entstehung der Partei der Philippisten. Erst durch die
Konkordienformel wurde der Friede hergestellt. Aber auch in
bezug auf die Konkordienformel ist die Sage bis auf diesen Tag
noch nicht ausgestorben, daß sie wesentlich durch die Tyrannei der
Führer zustande gekommen sei. Auch Walther war ein großer
Führer innerhalb der lutherischen Kirche des 19. Jahrhunderts.
Nach seinem Tode haben ihn selbst seine Gegner als solchen ge—
priesen. Auch der Lutaeran weist wieder in diesem Sinne auf
Walther. Aber es ist auch Walther nicht gelungen, die ameri—
kanisch-lutherische Kirche zu einigen, so sehr er sich auch darum be—
mühte. Den einen war er zu mild, den andern zu hart. Unsers
Wissens ist aus der lutherischen Kirche Amerikas
heraus vor keinem Manne mehr gewarnt worden als vor
Walther. Wir erinnern uns eines Aufrufs, der in wirklich groß—
artiger Beredsamkeit alle Lutheraner vor Walther als einem
Tyrannen und Verführer warnte. Also Führer an sich tun's
nicht. Je größer der Führer ist durch Lehren des Wortes Gottes,
desto mehr sorgt der Teufel dafür, daß sein Werk durch Neid von
außen und innen verdächtigt und so die rechte Einigkeit gehindert
oder gestört wird. So steht's in den einzelnen Gemeinden, und
so steht's in den Synoden und den größeren kirchlichen Ver⸗
bindungen. Und hier greife — mit Luther zu reden — jeder
„in seinen eigenen Busen“ hinein. Selbst die Jünger stritten
unter den Augen Christi darüber, wer von ihnen der Größte im
Himmelreich sei. Wenn Gott den Neid stets so strafte wie an
Mirjam, dann würden die meisten Christen, vielleicht alle, aus⸗
sätzig wie Schnee umherlaufen. Der JVutneran führt den Aus—
spruch eines Irländers an, der die Unmöglichkeit eines aus
Irländern bestehenden Musikkorps damit begründete, daß jeder
von ihnen eader“ sein wolle. Diese Neigung ist, wie wir aus
dem Beispiel der Jünger Christi fehen, in der Kirche international.
Es ist daher trefflich eingerichtet, daß weder die Gliedschaft in
der unsichtbaren Kirche noch die Gliedschaft in der rechtgläubigen
sichtbaren Kirche vom „richtigen Verhalten“ des Menschen ab—
hängig ist. Wäre dies so, so gäbe es sicherlich weder überhaupt
eine Kirche noch eine rechtgläubige Kirche. Wir Menschen würden
sicherlich alles miteinander verderben. Darum hilft hier nichts
anderes als ein demütiges Gebet zu Gott, daß er
durch Wirkung des Heiligen Geistes die Herzen so mit Erkenntnis
der Wahrheit und mit Liebe zur Wahrheit erfüllen wolle, daß
dadurch das eigene menschliche Interesse, der Hochmut und Neid
niedergehalten werden. Das ist unsere einzige Hoffnung.
F. P.
Die wünschenswerte Universalreligion. In Paris war im
Juli der „Internationale Kongreß für religiösen Fortschritt“ ver⸗
sammelt. Auch amerikanische Unitarier, das heißt, Leute, die
die heilige Dreieinigkeit, die Gottheit Christi und die durch Chri—
stum erworbene Vergebung der Sünden leugnen, waren vertreten.
Am ersten Tage des Kongresses wurde über die Frage verhandelt:
„Ist eine allgemeine Religion möglich und wünschenswert? Wenn
dies der Fall ist, wie kann eine solche Religion beschafft werden?“
— Darauf ist zu sagen: Eine solche Religion braucht nicht erst
beschafft zu werden, sondern sie ist schon vorhanden. Das ist die
christliche, in Gottes Wort geoffenbarte. Diese Religion hat einen
ganz allgemeinen Erlöser. JEsus Christus, der menschgewordene
Sohn Gottes, ist das Lamm Gottes, welches der Welt Sünde
getragen hat. Diese Religion ist auch sehr „wünschenswert“
für alle Menschen, weil unter den Menschen kein Unterschied ist;
sie sind allymmal Sünder und mangeln des Ruhms, den sie an
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