Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 17 › Seite 269
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 19. August 1913, Seite 269
Scan: from a 2009 DVD; the same scans are on the Internet Archive as DerLutheraner69_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
269
Aber der Wirt wollte ihn nicht. Da schaut ein Herr aus dem
ersten Stock hinunter und sieht das mit an. Plötzlich eilt er
hinunter und sagt: „Ich werde den Mann aufnehmen; es ist
mein Verwandter.“ Der Wirt mußte sich fügen, und der Herr
ließ den Sterbenden in sein Zimmer tragen, legte ihn in sein
Bett und pflegte ihn. Die ersten Tage vergingen in Bewußt—
losigkeit für den Kranken. Als er aber die Augen aufschlug,
sprach er: „Bitte, sagen Sie mir doch, wie Sie mit mir ver—
wandt sind!“ „Ach“, sagte der andere, „lassen Sie das jetzt
noch; ich werde es Ihnen später sagen, jetzt sind Sie noch zu
schwach dazu.“ Von da an fuhr er ihn täglich ins Bad, und der
Kranke genas von Tag zu Tag. Als er endlich nach wochenlanger
Pflege gesund geworden war, fragte er wieder. Da nahm jener
die Bibel, schlug das Gleichnis vom barmherzigen Samariter auf,
las es ihm vor und sagte: „Sehen Sie, so sind Sie mit mir ver—
wandt — aus dem Evangeliuni des Heilandes heraus!“
— ⁊ kUuæuat vm œę
Todesanzeigen.
Es hat dem HErrn der Kirche gefallen, wieder einen treuen
Diener in seinenr Weinberge aus voller Arbeit abzurufen und in
die ewige Ruhe zu versetzen, nämlich P. Arthur Karl Enge,
Seelsorger der Gemeinden Santa Colleta und Serrita in Rio
Grande do Sul, Brasilien. Der Entschlafene erkrankte am
18. März anr Typhus. Am 7. April trat eine stundenlange
Blutung ein, die sich am folgenden Tage wiederholte. Infolge
dieses starken Blutverlustes nahmen seine Kräfte rasch ab, und
schon am 10. April ist er im Glauben an seinen Heiland sanft
entschlafen. — Der Entschlafene wurde geboren am 22. April
1887 zu Röhrsdorf in Sachsen. Nach seiner Konfirmation im
Jahre 1901 besuchte er die Realschule in Chemnitz und im Herbst
des Jahres 1902 trat er in das Predigerseminar zu Springfield
ein, um sich auf das heilige Predigtamt vorzubereiten. Nachdem
er im Jahre 1908 sein theologisches Examen bestanden hatte,
nahm er einen Beruf an die Gemeinde in Santa Colleta, Brasi—
lien, an. Am 5. August desselben Jahres verehelichte er sich mit
Anna Theiß, Tochter des Lehrers J. A. Theiß in Milwaukee.
Ende Dezember kam er in Brasilien an und konnte am 4. Sonn⸗
tag des Advents in seiner Gemeinde von P. F. W. Brandt ein—
geführt werden. Dieser Gemeinde hat er bis zu seinem Tode
treu gedient. Am ersten Ostertage hielt er seine letzte Predigt.
— Die Beerdigung fand statt am Nachniittag des 11. April.
In Trauerhause und in der Kirche amtierte P. W. Pennekamp.
Er redete auf Grund von 1 Mos. 48, 21. Der Unterzeichnete
amtierte am Grabe. Der Grabrede lagen die Worte Luk. 2,
29. 30 zugrunde. A. O. Flor.
Es hat dem SErrn über Leben und Tod gefallen, unsern
lieben Bruder, P. Peter Klindworth, nach längerer Krank⸗
heit (Nierenentzündung) am Morgen des 26. Juli aus der
streitenden in die triumphierende Kirche zu rufen. Nahezu
42 Jahre hat der Heimgegangene an verschiedenen Gemeinden
unserer Synode als Missionar, Prediger und Lehrer der Kinder
gearbeitet. Er war ein treuer Arbeiter, dem es am Herzen lag,
die ihm anvertrauten Seelen zur Erkenntnis des Heilandes zu
bringen und mit Gottes Trost, Licht und Kraft zu erfüllen. In
seinem Wandel war er allen, die ihn kannten, ein Vorbild. In
seiner Gemeinde gewann ihm sein frommer Wandel, seine Lauter—
keit und Gewissenhaftigkeit die Liebe und Achtung aller. Auch
seine Amtsbrüder, mit denen er fleißig, auch unter schwierigen
Ortsverhältnissen, die Konferenzen besuchte, lernten ihn als einen
treuen Freund schätzen. Alle gaben ihm das Zeugnis: Er ist
ein rechter Fsraelit, in dem kein Falsch ist. In seiner letzten
Krankheit, in der er von Prof. Schaller und dem Unterzeichneten
besucht wurde, bekannte er, solange ihm noch Sprache und Be—
wußtsein verliehen war, daß er, obwohl ein armer Sünder, doch
des Verdienstes Christi und der dadurch erworbenen Gnade Gottes
sich tröste. — Geboren wurde der Entschlafene am 12. Februar
1849 zu Klein-Sittensen, Anit Zeven, Hannover. In seiner
frühen Kindheit schon verlor er beide Eltern durch den Tod. Als
Knabe besuchte er die Dorfschule zu Sittensen bis zu seiner
Konfirmation im vierzehnten Lebensjahre. Als achtzehnjähriger
Jüngling kam er nach Amerika und bezog das theologische Semi—
nar zu St. Louis. Als Student tat er ein Jahr lang Vikariats⸗
dienste in der Nähe von Jefferson City, Mo. Nach bestandenem
Examen folgte er im Jahre 1871 einem Rufe der Gemeinde zu
Post Oak, in der Nähe von Brenham, Tex., wo er von P. A. D.
Greif ordiniert und eingeführt wurde. Zu Anfang des Jahres
1874 verzog er nach William Penn, Tex., wo er etwa achtzehn
Jahre seines Amtes wartete. Krankheit nötigte ihn dann, sich
etwa zwei Jahre zur Erholung in Independence, Kans., aufzu—
halten, wohin anfangs der siebziger Jahre seine Stiefeltern aus
Deutschland eingewandert waren. Im April des Jahres 1893
nahm er wieder einen Beruf ins Predigtamt an, und zwar nach
Fryburg. O., von wo aus er im Mai 1897 einem Rufe der Ge—
meinde zu Feuersville, Mo., folgte. Von dort zog er im Jahre
1906 an die Gemeinde bei Lincoln. Mo. Im September 1909
wurde er an die Gemeinde zu Little Rock, Mo., berufen, wo er
bis zu seiner letzten Krankheit dem HErrn diente. — Im Jahre
1873 trat er in den heiligen Ehestand mit Johanna Regina Volt—
mer aus New Orleans, La., die ihm eine treue Gehilfin gewesen
ist und Freude und Leid mit ihm geteilt hat. Neun Kinder hat
Gott ihnen beschert, die alle mit der Mutter nebst einem Bruder,
einem Schwager, drei Schwiegersöhnen, zwei Schwiegertöchtern
und fünfzehn Enkelkindern den Entschlafenen überleben. Am
28. Juli fand im Pfarrhause und in der Kirche zu Little Rock
die Trauerfeier statt. P. A. W. Müller leitete die Feier im
Hause, worauf die Professoren Bäpler, Schaller und Schöde und
die Vorsteher der Gemeinde den Sarg in die Kirche trugen. Hier
hielten die Pastoren Demetrio und Brust die Leichenpredigten,
Direktor Käppel versah den Altardienst, und der Unterzeichnete
verlas den Nekrolog. Nach diesem Gottesdienst reiste die Familie
und einige Glieder der Gemeinde mit der Leiche nach Indepen—
dence, Kans., wo auf dem Gottesacker der Gemeinde P. R. Mieß—
lers die Beerdigung stattfand. Die Zeit seiner Wallfahrt hat der
Entschlafene gebracht auf 64 Jahre, 5 Monate und 14 Tage. —
Unser HErr und Heiland aber, der stets auf das Heil seiner
Kinder und seiner Kirche bedacht ist, wolle den trauernden Hinter—
bliebenen mit seiner Hilfe und mit seinem Beistande nahe sein!
Ernst Runge.
Am 29. Juli führte Gott seinen Diener P. Hermann
Friedrich Ferdinand Krause aus seinem irdischen Elend
ein zur ewigen Ruhe des Volkes Gottes. Der Entschlafene wurde
am 30. März 1850 in Freienwalde, Pommern, geboren. Er be—
suchte die Schule seiner Vaterstadt bis zur Konfirmation und nach
derselben noch eine Privatschule. Im Jahre 1868 kam er nach
Amerika, wo Gott den Entschluß in ihm erweckte, seiner Kirche
zu dienen. Infolgedessen trat er 1873 in das praktische Pre—
digerseminar, derzeit noch in St. Lonis, ein. Im Jahre 1877
bestand er sein Examen und wurde im September desselben
Jahres in Pleasant Valley, Kans., als Reiseprediger ordiniert und
eingeführt. Im Jahre 1879 folgte er einem Rufe nach Ellin—
wood, Kans. Während seiner Amtstätigkeit daselbst trat er im
Jahre 1882 mit Lydia Scholz in den heiligen Ehestand. Im
Jahre 1884 nahm er einen Beruf an die Gemeinde zu Sadorus,
Ill., an, und 1893 wurde er nach Danvers, Ill., berufen. Hier
English translation
Not yet translated.