Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 17 › Seite 268
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 19. August 1913, Seite 268
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S. Tutperanesse
Gott haben sollten. Diese Religion ist auch „möglich“, nicht
freilich durch menschliche Vernunft und Kraft, sondern weil der
Heilige Geist durch das Evangelium den Glauben an den Sün⸗
derheiland wirkt und erhält. Wie der Apostel Paulus bezeugt:
„So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch
das Wort Gottes“, Röm. 10, 17. F. P.
Der Kampf des Staates wider die Papstkirche. In mehreren
Zeitschriften finden wir die Frage angeregt, ob der Staat ein
Recht habe, wider die Papstkirche zu kämpfen. Die Frage ist
ganz entschieden mit Ja zu beantworten. Der Staat hat nicht
nur das Recht, sondern auch die Pflicht, gegen die Papstkirche zu
kämpfen, weil und insofern die Papstkirche ein Reich von dieser
Welt ist, die Herrschaft über den Staat beansprucht und in
mannigfacher Weise in die Rechte des Staates eingreift. Diese
Eingriffe in sein Gebiet durch Gesetzgebung und andere Maß—
regeln abzuweisen, hat der Staat nicht nur das Recht, sondern
auch die Pflicht. Luther gibt daher in seinen Schriften auch sehr
oft Ratschläge, wie die weltliche Obrigkeit mit Gesetzen und andern
Mitteln dem Papsttum entgegentreten könne. Freilich ist der
Staat der Papstkirche gegenüber fast ohnmächtig. Er kann mit
äußeren Machtmitteln nur bei den Katholiken etwas ausrichten,
die eigentlich keine Katholiken mehr sind. Bei den eigentlichen
Katholiken, denen das Papsttum im Gewissen steckt und die
in ihrem irrenden Gewissen dafürhalten, daß sie nur unter dem
Papsttum selig werden können, versagen alle Machtmittel des
Staates. Die Anwendung solcher Mittel hat bei diesen armen,
betrogenen Menschen nur die Wirkung, daß sie um so eifriger für
den „Heiligen Vater“, die Kardinäle, Erzbischöfe und das übrige
Anhängsel des Papsttums eintreten. Wirkliche Hilfe kommt dem
Staat in seinem Kampfe wider das Papsttum nur von den
protestantischen Kirchengemeinschaften, die mit Gottes Wort
wider das Papsttum kämpfen. Diese beweisen aus Gottes Wort,
daß die Herrschaft des Papstes über die Gewissen eine ange⸗
maßte Herrschaft und von Gott verboten ist. Alle diejenigen,
deren Gewissen vom Papsttum durch Gottes Wort also frei ge—
worden sind, weigern sich dann auch, die kirchlichen Greuel der
Papstkirche und ihren Kampf gegen den Staat mitzumachen.
Welche Macht das Papsttum auch hierzulande über die Gewissen
ausübt, ist uns in diesen Tagen wieder in Milwaukee vor Augen
geführt worden. In Milwaukee waren nach dem Bericht der
Zeitungen die katholischen Gesellschaften Amerikas durch ihre
Delegaten versammelt. Es heißt in einem uns vorliegenden
Bericht: „Delegaten von allen Teilen der Vereinigten Staaten
und Canadas beteiligten sich an der Parade, der größten in der
Geschichte Milwaukees. Die Parade brauchte zwei Stunden, um
einen gegebenen Punkt zu passieren. Auf der Tribüne war —
nach der Aussprache des Festpräsidenten — zu sehen „die größte
Versammlung katholischer Würdenträger, die je bei einer Vereins⸗
versammlung zusammengekommen ist'. Da waren neben Kar⸗
dinal Gibbons fünf Erzbischöfe, zwanzig Bischöfe und zehn
Monsignori. Die Prozesfion bestand aus zehn Abteilungen.
Die drei ersten Abteilungen bildeten Vereine in Uniformen, die
von Goldbesatz glänzten; 5000 Columbusritter und 8000 Mit⸗
alieder des Catholie Order of Foresters nahmen an der Parade
teil; ebenso wenigstens 2000 Frauen.“ Man hat den Eindruck,
daß das arme katholische Volk von den römischen Betrügern wie
eine Herde Schlachtschafe durch die Straßen der Städte getrieben
wird. Hier erkennen wir unsere Aufgabe! Wir lutherischen
Christen kommen ja in unserm bürgerlichen Beruf fortwährend
mit Katholiken zusammen. Versäumen wir es nicht, ihnen ge⸗
legentlich mit einigen Worten klar das Evangelium von Christo
zu bezeugen. Das ist das einzige Mittel, die Macht des Papst⸗
tums wirklich zu brechen. Inwiefern der Staat hilflos ist, ist
oben dargelegt worden. ö F. P.
Die Generalsynode der reformierten Kirche in Anierika hat
beschlossen, an den Präsidenten der Vereinigten Staaten das Er-
suchen zu richten, „daß im Frühling ein Tag als Bettag festgesetzt
werde, daß Gott die Arbeit des Landmanns segne und jeden Zweig
der Tätigkeit des Volks, der das zeitliche Wohlergehen fördert“.
Dieser Vorschlag setzt, wie so manches andere, was viele Christen
von Staals wegen eingerichtet haben möchten, voraus, daß alle
Bewohner des Landes Christen sind. Wie der jährliche Danktag
allgemein gefeiert wird, das weiß man ja, nämlich zu allem
andern, nur nicht zum Danken. Und dem Bettag würde es nichts
besser ergehen. Wir haben im sonntäglichen Kirchengebet schon
die Bitte: „Fördere alle christlichen Handlungen, Nahrungen und
Hantierungen“ und: „Gib zum Wachstum der Früchte des Lan⸗
des dein göttliches Gedeihen; wende ab schädliches Ungewitter,
Mißwachs, Teurung, Krieg, Feuers- und Wassersnot und andere
Plagen.“ E. P.
Der Tod hat keine Hände.
In dem Dörfchen Omburo im Hereroland (Deutsch-Südwest⸗
afrika) stand im Jahre 1891 ein schwarzer Christ, Traugott mit
Namen, an der Leiche seines geliebten Töchterchens. Die heid—
nischen Herero waren herbeigekommen, unt nach ihrer Sitte ein
lautes Klagegeheul anzustimmen. Aber Traugott verbot es ihnen.
Er selbst grub seinem Kinde das Grab und legte es hinein. Um
das Grab herum zog er eine Mauer und ein Kreuz richtete er
darüber auf. darauf stand vorne der Name des Kindes geschrieben,
sein Geburtstag, und wann es gestorben war. Auf die andere
Seite aber schrieb er einen merkwürdigen Spruch: „Ondirr ka i
nomake“, das heißt: „Der Tod hat keine Hände.“
Der Missionar, der den Spruch las, wunderte sich. Hatte
denn nicht eben der Tod mit seinen kalten Händen dem armen
Vater sein Kind fortgenommen? Er fragte darum den Traugott,
was er mit dem Spruche meine. Der schwarze Vater antworlele:
„Ich weiß, daß der Tod mir mein Kind nicht nehmen kann. Der
Heiland hat es zu sich genommen, und bei ihm werde ich es einst
wiedersehen.“
„Der Tod hat keine Hände.“
aber die Heiden können sie nicht glauben, denn sie sagen: Das
sehen wir doch alle Tage, daß der Tod die Menschen packt! Ja,
ihr Heiden, ihr wißt aber nicht, wer den Tod überwunden hat.
Das hat JIEsus getan. Er hat mit dem Tode gekämpft. Der
Tod wollte ihn festhalten, aber er konnte nicht, denn IEsus war
stärker. Er hat das Haus des Todes zerbrochen; nun dürfen alle,
die darin gefangen saßen, in das ewige Leben eingehen, wo der
Tod nicht mehr herrscht, sondern IEsus, der Sohn Gottes.
Der Tod hat keine Hände! Hat denn die Sünde noch welche?
Darf sie dich noch packen? Sie ist ja die allerbeste Freundin des
Todes, denn sie bringt die Menschen in seine Gewalt. Aber der
auferstandene Heiland macht dich auch von der Sünde frei. Sprich
nur zu ihm mit aufrichtigem Herzen:
So nimm denn meine Hände
Und führe mich
Bis an mein selia Ende
Und ewiglich!
(K.⸗Bl. f. d. Niederlausitz.)
—
Saͤmaritersinn.
Es war vor etwa sechzig Jahren, daß ein todkranker öster⸗
reichischer Offizier nach einem Bade kam. Den sterbenden Mann
wollte kein Hotelwirt aufnehmen. Er fuhr von Hotel zu Hotel
und kam schließlich verzweifelnd wieder zu dem ersten zurück.
Das ist eine frohe Botschaft, 1
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