Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 17 › Seite 264

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 19. August 1913, Seite 264

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TuißeraneE

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sprachigen Missionen noch einmal die wichtigsten für die Zu-
kunft unserer lutherischen Kirche hierzulande werden?

Um unsere lieben Christen zu neuem, größerem Eifer auch
für die fremdsprachigen Missionen zu entflammen, seien aus
deren Gebiet noch einige besondere Mitteilungen beigefügt.
Als etwas recht Interessantes werden sie es gewiß bewundern,
daß in unserer St. Johanniskirche zu Philadelphia in sieben
verschiedenen Sprachen, in deutscher, englischer, litauischer, pol—
nischer, lettischer, estnischer und finnischer Sprache, regelmäßig
lutherischer Gottesdienst abgehalten wird. — „Die Lettenmission
in Boston macht gute Fortschritte. Es sind häufig etliche hun—
dert Zuhörer in der Kirche.“ Aus einer Lettenkolonie in
Canada schreibt ein einfacher Laie und drückt seine Freude dar⸗
über aus, daß ein lettischer Student von Springfield, den die
Kommission für die Sommermonate nach Canada abgeordnet,
der auch in Illinois und Wisconsin ausgeholfen und missio⸗
niert hat, ihnen Gottes Wort bringen und ihre Kinder taufen
und unterrichten werde. Vie Kommission hat dem Studenten
geraten, sich mit P. R. in W. in Verbindung zu setzen, damit
dieser das heilige Abendmahl austeile, während der Student
die Worte übersetzt und die Predigt hält, wie dies auch an
andern Orten schon geschehen ist.

Aus Philadelphia wird berichtet: „Die Missionsarbeit
unter den hiesigen Litauern hat in den letzten Jahren einen
solchen Aufschwung erfahren, daß die Kommission, durch die
Umstände gedrängt, P. B. nun hierher versetzt hat, so daß
er seiner so vielversprechenden Gemeinde hier mehr Zeit wid—
men kann. Somit wird Philadelphia fortan der Mittelpunkt
für die litauische Arbeit an der Ostküste sein. Gerade in dieser
Arbeit ist der Mangel an Arbeitern am empfindlichsten. Es
stehen absolut keine Kandidaten zur Verfügung, es sind auch
keine litauischen Studenten auf unsern Anstalten; und dabei
sind doch mehrere Kräfte so sehr nötig.“ — „Ein einzigartiges
Anit hat P. K. Er ist nämlich Finnenmissionar für ganz Nord⸗
amerika. Bisher stand er an einer finnischen Gemeinde in
Arizona, ist aber jetzt nach New Nork versetzt worden, um von
da aus auch Boston, Philadelphia, eine Kolonie in Florida,
Arizona, und wo sonst Finnen sein mögen, mit den Gnaden⸗
mitteln zu versorgen. Da er ein geborner Este ist, so sind
auch alle lutherischen Esten östlich von Chicago seiner Seelsorge
aupertraut.“

Die Persermission betreffend heißt es: „Daß wir auch
unter den eingewanderten Persern Mission treiben, hat zur
Folge gehabt, daß jetzt ein Beruf aus Perserland gekommen ist,
wir sollen ihnen einen Prediger schicken. Denkt euch, in jenem
fernen Heidenlande, wo einst der gewaltige König Cyrus
regierte, der das gefangene Volk Jsrael wieder freigab, in
jenem Lande wissen sie von unserer Missionsarbeit und bitten
um einen lutherischen Prediger!“ Die Mission unter den
Persern, die von Haus aus Mohammedaner sind, ist um so
wichtiger, als der Islam selbst (oder die mohammedanische
Religion) stark vordringt in den afrikanischen und asiatischen
„Heidenvölkern. Von bedenklichen Fortschritten des Islam in
immer weiteren Kreisen, und zwar insonderheit in Rußland,
meldet das „Evangelische Missionsniagazin“': „Mohammeda—
nische Priester sowie reiche Kaufleute und Großgrundbesitzer
gehen besonders unter den Nomadenstämmen der Tschermissen,
Mordwinen, Tschuwaschen und anderen, die zum Teil Heiden
sind, zum Teil offiziell der griechisch⸗-katholischen Kirche ange—

hören, sehr energisch vor, um unter ihnen ihren Glauben zu
verbreiten. Auch die mohammedanische Presse ist dabek sehr
tätig. Zahlreiche Tagesblätter, in Kasan allein 30, Flug⸗
blätter und Traktate werden in tatarischer Sprache auf Kosten
reicher Moslems massenhaft gedruckt und verbreitet. Große
Pakete dieser Literatur werden in alle Städte und Dörfer
verschickt und an Markttagen zu niedrigen Preisen an die Leute
verkauft. Die Herausgeber haben keinen Profit davon, haben

einen solchen auch gar nicht im Auge, da ohne Zweifel die .

reichen Mohammedaner mit ihren Geldmitteln hinter der gan⸗
zen Bewegung stehen und sie unterstützen.“ Der Ausbreitung
des Islam dient auch in Agypten ein Seminar, an welchem
319 Lehrer 12,000 Studenten unterrichten sollen in der gott⸗
losen Religion Mohammeds, damit diese demnächst als Missio⸗
nare besonders Afrika durchziehen können. Wenn die An⸗—
hänger des Lügenpropheten auf Anstiften des Vaters der Lüge
solchen blinden Bekehrungseifer entwickeln, wieviel mehr sollten
Witt Chertsten alle Kräfte anstrengen, häs Wort bor Währhelt
auszubreiten und überall Seelen für das selige Reich JEsu
Christi, des Königs der Wahrheit, zu gewinnen! Die Britische
und Ausländische Bibelgesellschaft hat sich sogar am jetzigen
Balkankrieg durch fleißige Missionstätigkeit beteiligt, indem sie
etwa 100,000 Neue Testamente in bulgarischer, serbischer, grie—
chischer und türkischer Sprache auf dem Kriegsschauplatz ver⸗
teilen ließ. Der Druck einer weiteren Auflage von 70,000
Exemplaren in bulgarischer, serbischer und kroatischer Sprache
ist schon letzten Winter in Angriff genommen worden. In
Serbien haben Priester der griechisch-orthodoxen Kirche die Ver⸗
teilung selber in die Hände genommen. Und was tun wir?
Unsere Kommission erhebt mit Recht aufs neue die Klage,
daß es in den fremdsprachigen Missionen allzusehr an Arbei—
tern fehle: „Allenthalben öffnen sich Türen; aber wen sollen
wir senden? üÜberall ist das Feld reif zur Ernte; aber es
fehlt an Arbeitern. Die Arbeiter lassen sich wohl nicht durch
„Lutheraner“ Artikel beschaffen, wohl aber die Bitte um
Arbeiter, gerade für dies Erntefeld. Wir haben zurzeit in
Springfield zwei Studenten, die aus unserer Studentenkasse
unterhalten werden, den Letten B. und den Perser P. Aber
wir sollten mehr Studenten haben, besonders Letten und Fin⸗
nen und Litauer; wir haben noch keinen einzigen geborenen
Finnenmissionar.“ (Die finnisch-lutherische Synode hat bei 3
uns angefragt, ob sie nicht ihre Studenten auf einer unserer
Lehranstalten ausbilden lassen könnte.) Mehr Arbeiter und
mehr Geldmittel für die fremdsprachigen Missionen! Das sei
also die Bitte, die der „Lutheraner“ hiermit in die Häuser und
Herzen seiner Leser trägt, damit sie von dort aus weiter dringe,
hinauf zu Gottes Thron. Fr. S.

Versammlung des Michigan⸗Distrikts.

Unsere vom 25. Juni bis zum 1. Juli inmitten der gast⸗
freien Gemeinde b. Frinckes zu Monroe abgehaltenen Syno—

dalverhandlungen haben uns Gottes gnadenreiche Segnung

und Förderung des Werkes unserer Hände wieder lebendig
vor die Augen geführt. Nicht den vollen und ganzen Segen
— der steht nur in den Annalen des Himmels verzeichnet, und

da steht so manches ganz anders als in den Annalen der

Menschen hier anf Erden. Doch laßt euch, liebe Mitchristen,

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