Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 17 › Seite 263
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 19. August 1913, Seite 263
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SE Der 2utheranetSse
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der auch andere ihre Kinder senden wollen. Auch hier wird
finanzielle Hilfe aus unserer Synode nötig sein, um den Bau
vollenden zu können. In dem Schulhaus wollen wir so lange
unsere Gottesdienste abhalten, bis wir genug erstarkt sein
werden, eine eigene Kirche neben die Schule zu bauen.
Es ist für den Missionar unmöglich, hierher mit Pferd
und Buggy in der Tropenhitze zu fahren. Da der Weg ein
weiter ist, wird dazu ein Automobil benutzt. Dies Gefährt
ist das gewöhnliche Beförderungsmittel auf unserer Insel und
schließlich billiger als Pferd und Wagen. Eine Eisenbahn gibt
es hier noch nicht. Da noch keine Straße quer durch unsere
Insel offen ist, die durch die Wälder und über die Flüsse führt,
so muß man von Santa Fe aus erst nördlich nach Nueva
Gerona und von da aus die Straße südwestlich nehmen, 32
bis 37 Meilen, je nachdem die Brücken in Ordnung sind oder
nicht. Aber mit Freuden macht sich der Missionar jedesmal
auf die Reise; denn in Santa Barbara ist viel Liebe zu Got—
tes Wort, und viele sind von Herzen dankbar, daß wir ihnen
Gottes Wort rein und lauter bringen.
In andern Kolonien der Insel, wie San Pedro und Los
Indios, haben wir noch keinen Anfang machen können, da das
Missionsmaterial dort zu fehlen scheint.
So viel von unserer Insel. Von unserer Arbeit auf Kuba
selbst soll erst später gelegentlich berichtet werden. Gott segne
sein Werk hier und dort und entzünde vieler Herzen zu fleißiger
Fürbitte! C. R. Ortel.
Unsere Missionen.
11. Die fremdsprachigen Missiouen.
„Der SErr wird predigen lassen in allerlei Sprachen“,
von dieser lieblichen Verheißung (Ps. 87, 6) hat auch unsere
Synode etwas abgekriegt, wie dies besonders zu sehen ist in
ihren sogenannten fremdsprachigen Missionen, die, alle im Osten
unsers Landes entstanden, in den letzten Jahren sich so weit aus—
gebreitet haben, daß sie nun bereits in 21 Staaten (von Maine
bis California hin) und in drei großen Provinzen des cana—
dischen Nordwestens bestehen. Auf diesem ungeheuer großen
und großartigen Gebiet von etwa 2000 Meilen Breite und
4000 Meilen Länge werden 96 Gemeinden und Predigtplätze
von 14 — sage und schreibe: 14 Pastoren bedient! Wie not—
dürftig solche Bedienung sein muß, zumal einige der Missionare
auch noch regelmäßig deutsch predigen, wieviel edle Zeit und
Kraft auf weite, zum Teil beschwerliche Reisen verwendet, also
der eigentlichen Missionsarbeit entzogen werden muß, läßt sich
leicht denken. Indes wird überall nach Kräften weiter ge—
arbeitet, und die Mission geht fein voran; ja, wir könnten noch
mehr Plätze haben, wenn wir nur die nötigen Arbeitskräfte
hätten.
Die fremdsprachigen Missionen umfassen zurzeit Missio—
nen in sieben verschiedenen Sprachen, nämlich unter den Esten,
Letten, Polen, Litauern, Persern, Finnen und Slowaken.
Freilich gibt es unter ihnen allen viele, die vom Glauben gänz—
lich abgefallen sind und nichts mehr nach Himmel oder Hölle
fragen; sonderlich Sozialisten und Atheisten (Gottesleugner),
die auch andere mit dieser Seuche anstecken (denn „ihr Wort
frißt um sich wie der Krebs“, 2 Tim. 2, 17), die unsere Arbeit
sehr erschweren und dafür sorgen, daß unsere Mission immier
mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hat; die, je seltener
unsere Missionare die einzelnen Orte besuchen können, desto
mehr Zeit haben, ihre giftige Drachensaat auszustreuen und
zu pflegen. Aber trotzdem wird das liebe Wort Gottes nicht
bloß von einigen wenigen, sondern von vielen mit Freuden
aufgenommen und trägt viele schöne Früchte bei solchen, von
denen die himmlische Weisheit sagt: „Wer von mir isset, den
hungert immer nach mir; und wer von mir trinket, den dürstet
immer nach mir.“ Sie halten unter anderm zum Teil schon
sehr auf christliche Gemeindeschule, über deren Nutzen und
Segen sie von den Missionaren belehrt werden, und hätten
wohl auch solche an einigen Orten schon gern eingerichtet. Aber
wer sollte die Schule halten, da die Missionare es doch unmög—
lich tun können? Sie halten auch mit ihren Beiträgen nicht
zurück; etliche Gemeinden zeigen sich sogar sehr opferwillig.
Aber die lieben Leute leben zumeist noch in recht armseligen
Verhältnissen; und welche Unsummen Geldes verschlingen
allein schon die regelmäßig wiederkehrenden Reisekosten ihrer
Missionare!
Die Kommission schreibt: „Unsere fremdsprachige Mis⸗—
sionskasse leidet Not. Schon seit längerer Zeit fließen die
Gaben für diese Missionen nicht im Verhältnis zu den Anforde⸗
rungen, die an diese Kasse gestellt werden. Das kann doch
wohl nur daran liegen, daß manche liebe Pastoren und Ge—
meinden entweder die große Wichtigkeit dieser Missionen nicht
recht erkennen oder nicht wissen, was deren Bedürfnisse sind.
Wir haben fort und fort mit Ebbe in unserer Kasse zu rechnen,
und diese Ebbe ist gerade jetzt bedenklich niedrig.“ .
Beim Jahresschluß hatte die Kasse eine Schuld von
5755.47. Am 22. April war der Kassenrückstand bereits auf
§1373.01 gestiegen (oder vielmehr gesunken), und die Kom⸗
mission mußte mit schwerem Herzen den Allgemeinen Kassierer
bitten, ihr weitere 5600.00 zu leihen, um die Gehälter und
Reisekosten für den Monat April zu bestreiten. kann
natürlich nicht so fortgehen. Die Kasse für fremdsprachige
Missionen, deren Ausgaben seit drei Jahren um beinahe das
Doppelte gestiegen sind, darf nicht von so vielen Gemeinden
jahraus, jahrein ganz übersehen werden. Es müssen für die⸗
selbe, damit sie nur einmal wieder frei aufatmen kann, diesmal
wenigstens 58000.00 angesetzt werden. Ja, es sollte noch mehr
geschehen: die fremdsprachigen Missionen sollten erweitert wer⸗
den. Unsere Kommission ist häufig angegangen worden, auch
noch in andern Sprachen, zum Beispiel Französisch, Italienisch,
Merikanisch, Ungarisch usw., Missionen in Angriff zu nehmen.
Das konnte jedoch nicht geschehen, weil nicht einmal genug ein⸗
kommt, unsere schon im Dienst stehenden Missionare nach Ge⸗
bühr zu besolden. Und doch winkt uns gerade auch auf dem
Gebiet der fremdsprachigen Missionen noch viel mehr Arbeit.
So wird zum Beispiel gemeldet, daß über eine Million Men⸗
schen fremdsprachiger Völker jährlich hier eimwandern, meist
Polen und Italiener, unter welch letzteren gerade jetzt beson⸗
ders gute Gelegenheit und Aussicht für eine lutherische Mission
sein dürfte. Auch ist es ganz erstaunlich, wie viele Perser nicht
nur, durch bittere Not getrieben, zu uns herübergewandert sind,
sondern auch wie viele Finnenkolonien im ganzen Lande sich
zerstreut finden. Unser Missionar hat sie auf einer Karte
angezeichnet. Welch ein Gebiet also für unsere Mission! Wäre
es nicht möglich, daß nächst der Inneren Mission die fremd—
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