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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 2. September 1913, Seite 277

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Cuangelium, zu verkündigen
denen, die auf Erden sihen
Nund mahnen, und allen Hei-
den, und Oeschlichtern, und
Kprachen, und Välkern, und
sprach mit groher Stimmt:
kürcher Golt, und gebet
ilmni die Ehrt; denn die Zeit
i seines Gerichts is kommen,
und hetel an den, der geinacht
hat Himmel, und Erde, und
Meer, und die Wasstr⸗

brunnen. Offb. Joh. 14, 6.7. [

2 .

—

Herausgegeben von der Deutschen Evangelisch⸗Lutherischen Synode von Missouri, Ohio u. a. Staaten.
Redigiert von dem Lehrerkollegium des theologischen Seminars in St. Lonis.

69. Jahrgang.

Nr. 18.

Mosis Gesetz und Christi Gesetz.

Darüber werden viele verkehrte, irreführende Reden ge—
führt, in denen Moses ein Schimpf angehängt wird, den er
nicht verdient, und Christo in guter Meinung eine Ehre gegeben
werden soll, die er gar nicht haben will, in denen er zu etwas
gemacht werden soll, was er gar nicht ist und nicht sein will.

Kürzlich hat ein Richter in unserm Lande eine Rede ge—
halten, in der er sich über unser Strafwesen aussprach und be—
hauptete, es diene seinem Zwecke nicht, weil es den Verbrecher
strafe, statt ihn zu bessern. Dabei sagte er: „Wir rühmen uns,
Christen zu sein; aber in diesem Stück sind wir es nicht. Das
Gesetz Mosis und nicht das Gesetz Christi ist unser Gesetz. Ange
für Auge, ja oft zwei Augen für eins, eine ganze Reihe Zähne
für einen Zahn, das ist unser Gesetz. Der Christen Gesetzgeber
ist also Moses, nicht Christus.“ Dann sagte er sogar: „Mosis
Gesetz ist primitiv, grausam und verkehrt. Deswegen kann es
nicht Gottes Gesetz sein. Deswegen ist unser Strafwesen,
welches das System Mosis ist, viertausend Jahre hinter der
Zeit zurück. Ja, noch schlimmer: Mosis Strafgesetzbuch hätte
nie verfaßt werden sollen.“

In diesen Sätzen ist so ziemlich jedes Wort verkehrt. Und
doch hört man dergleichen Reden oft. Gottes Wort sagt uns
sehr oft und deutlich, daß das von Mose gegebene Gesetz Got—
tes Gesetz ist, das Gott durch Mose gegeben hat. Die zwei
steinernen Tafeln „waren geschrieben mit dem Finger Gottes“,
2 Mos. 31, 18. „Gott hatte sie selbst gemacht und selbst die
Schrift dreingegraben“, 2 Mos. 32, 16. Nicht nur das Sitten—
gesetz in den zehn Geboten, sondern alle durch Mose gegebenen
Gesetze waren Gottes Gesetze. Wie oft redet Gott von all den
Ordnungen in Israel als von „meinen Geboten, Rechten
und Satzungen“. Auch die einzelnen Vorschriften des Zeremo—
nialgesetzes waren von Gott, die Vorschriften über den Bau der
Stiftshütte, über die mancherlei Opfer, die priesterliche Klei—
dung usw. Auch die Polizeigesetze, die Verordnungen für den
jüdischen Staat, waren von Gott gegeben. Israel war eine

Theokratie, ein Gottesstaat, in dem Gott selbst König war und
durch seine Diener, wie Moses, seinen Willen kundtat, und
zwar in dem Maße, daß, als Israel mit Gewalt einen König
haben und Samuel nicht darauf eingehen wollte, sie einen
wählen zu lassen, Gott zu Samuel sagte: „Gehorche der Stimme
des Volks in allem, das sie zu dir gesagt haben; denn sie haben
nicht dich, sondern mich verworfen, daß ich nicht soll König
sein über sie“, 1 Sam. 8, 7.

Wie steht es nun damit, daß Christus Mosis Gesetz auf⸗
gehoben hat? Er hat sich selbst aufs deutlichste darüber aus⸗
gesprochen. „Ihr sollt nicht wähnen, daß ich kommen bin, das
Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht kommen
aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn ich sage euch: Wahrlich,
bis daß Himmel und Erde vergehe, wird nicht vergehen der
kleinste Buchstabe noch ein Tüttel vom Gesetz, bis daß es alles
geschehe. Wer nun eins von diesen kleinsten Geboten auflöset
und lehret die Leute also, der wird der Kleinste heißen im
Himmelreich; wer es aber tut und lehret, der wird groß heißen
im Himmelreich“, Matth. 5, 17—19. Der eigentliche Kern des
durch Mose gegebenen Gesetzes Gottes, das Sittengesetz, das
bei der Schöpfung den Menschen ins Herz geschrieben war und
auch bei den Heiden im Gewissen sich noch meldet, Röm. 2,
14. 15, gilt allen Menschen zu allen Zeiten, vergeht nicht, bis
HSimmel und Erde vergehen. Das hat Christus nicht abgetan
und er droht jedem, der sich unterstehen wollte, es abzutun.
Man beruft sich wohl auf die Bergpredigt, wo Christus so stark
das „Ich aber sage euch“ in Gegensatz stellt zu dem, „was zu
den Alten gesagt war“. Aber damit verwirft er nicht das
alte Gesetz und gibt ein neues, sondern was so zu den Alten
gesagt war, das sind die menschlichen Zutaten, die Auslegungen
und Verkehrungen der Schriftgelehrten, die Gottes Gesetz nach
Belieben verschärften oder abschwächten. Davon hat Christus
das Gesetz gereinigt, es gewaltig ausgelegt und seinen geistlichen
Sinn hervorgekehrt. Auch das, was in Christi Bergpredigt
das Größte und Erhabenste ist, die Einschärfung der Feindes—
liebe, die von vielen als etwas Neues angesehen wird, steht im

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