Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 18 › Seite 284
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 2. September 1913, Seite 284
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Wunder 2 · Sozialismus 3 · Sozialismus
284
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bloßen Schaugepränge. Diese Wunder sollten die Beglaubigung
seiner Boten sein, die er in alle Welt sandte. So heilen die
Apostel, wo es gilt, dem Evangelium Beglaubigung zu geben,
rechts und links Kranke. Aber in der christlichen Gemeinde, wo
es der Beglaubigung durch Wunder nicht bedurfte, da hat sogar
ein Timotheus, ein Diener des Wortes und Gehilfe des Apostels,
der, wie kein Zweiter, des Apostels Sinn hat, einen schwachen
Magen und ist oft krank, 1 Tim. 5, 23. Da läßt der Apostel
den Trophimus zu Mileto krank, 2 Tim. 4, 20. Er schreibt an
die Philipper, daß Epaphroditus krank, sogar todkrank gewesen
war, und dankt Gott, daß der ihn wiederhergestellt habe, Phil.
2, 26. Für falsche Lehre tut Gott überhaupt keine Wunder,
sondern wenn da überhaupt „Wunder“ geschehen, dann tut sie der
Teufel. Und weil in den letzten Zeiten nach des HErrn Wort
„falsche Christi und falsche Propheten aufstehen und große Zeichen
und Wunder tun“, Matth. 24, 24, so gibt es zu unserer Zeit nur
eine stichhaltige Probe der Lehre, und das ist die, welche die
Beroenser vornahmen: „Sie forschten täglich in der Schrift, ob
sich's also hielte“, Apost. 17, 11. E. P.
Katholische Blätter machen den Vorschlag, einigen der besse⸗
ren Schüler in katholischen Schulen, die sich durch ihre Leistungen
eine Prämie verdienen, als solche ein Jahresabonnement auf ein
katholisches Blatt zu geben. Es heißt: „Wenn das Kind, das
dem alten Sprichwort gemäß der Vater des Mannes ist, in der
Jugend zur Lektüre eines katholischen Blattes ermuntert wird, so
kann man sich bestimmt darauf verlassen, daß es in späteren
Jahren der katholischen Presse gegenüber seine Pflicht erfüllen
wird. Ein Abonnement auf seinen eigenen Namen wird es mit
einem Interesse an ein katholisches Blatt erfüllen, das man sonst
bei ihm bermissen würde, und es wird außerdem mit katholischen
Gedanken und katholischer Aktivität in ständiger Berührung ge⸗
halten.“ „Es müsse etwas geschehen, in unserm jungen Volke
das Interesse an der katholischen Presse zu erwecken, wenn anders
diese Presse weiterleben und sich als starke Stütze der Kirche in
Amerika erweisen soll.“ — Aus diesem Vorschlag und dessen
Begründung geht zweierlei hervor: einmal, wie sehr Rom
darauf bedacht ist, seine Lehre dem Volk zugänglich zu machen,
und zum andern, wie sehr Rom, das in seiner Weise ein Expert
ist, weiß, was für eine Macht die kirchlichen Blätter sind.
katholische Blatt, dem wir diese Nachricht entnehmen, macht an
anderer Stelle die Bemerkung, die wir hierhersetzen: „Vom
Feinde kann man lernen.“ E. P.
über die Erfolge der sozialdemokratischen Jugenderziehung
schreibt ein sozialdemokratisches Vereinsblatt: „An anständigem
Benehmen und solidem Wissen fehlt es zumal bei unsern jüngeren
Mitgliedern sehr. Sie fassen die Zugehörigkeit zur Organisation
so auf, daß sie glauben, frech sein zu müssen wie eine Wanze.
Diese Frechheit erstreckt sich nicht nur auf die Werkstatt, sondern
überall gegen Meister und Mitarbeiter, gegen Kollegen in und
außer der Versammlung. Sieht man so einen Kollegen an und
betrachtet ihn näher oder stellt ihm einige Fragen, dann gewinnt
man die überzeugung, daß er oft nur ein dummer Plauderer ist,
der ohne jegliche Erfahrung seinen Schnabel überall dreinmischt.“
— Es scheint, ihnen graut vor der Ernte ihrer eigenen Aussaat.
Sozialismus und der Farmer. Unter dieser überschrift be⸗
richtet der „Katholische Glaubensbote“, daß der namhafte Sozialist
Viktor L. Berger bekannt habe, daß das sozialistische Programm
in bezug auf die Ackerbaufrage im Stich lasse, weil Marxä, der
große „Apostel“ sozialistischer Lehre, sich darüber nicht ausspreche.
Der „Glaubensbote“ sagt: „Die Frage ist nun diese: Werden
diese sozialistischen Organisatoren den Farmern die jüngste Er⸗
Härung Viktor L. Rergeré unterbreiten? Dieselbe Jaufer: Der
Das
Sozialismus versagt, was die Ackerbaufrage anbetrifft.“ Dieses
großartige Geständnis machte Viktor L. Berger, als er sich über
die Mühseligkeiten erging, die man sand, als man die Farmer von
Wisconsin für die sozialistische Propaganda gewinnen wollte. Der
größte Trubel ist der‘, ertlärte Berger, ddaß Marx über die Acker—
baufrage sich einfach ausschweigt. Wir müssen das eingestehen.
Wir haben allerdings eine Art von Farmerprogramm. Es ist
gesagt worden, daß wir dem Farmer den Besitz seines Landes
garantieren.
stehen, daß unser Bruder Morgan sich geirrt hat. Es gibt näm⸗
lich keine solche Garantie. Frankreich hat allerdings eine Platt—
form angenommen, welche den kleinen Farmern den Besitz ihres
Landes unter dem Sozialismus garantiert, was jedoch falsch ist.
Denn erstens wäre diese Garantie wertlos, weil ja die Enkel in⸗
folge einer solchen Garantie nicht regiert werden könnten; zwei⸗
tens ist das nicht sozialistische Lehre.“ — Wo Marx sich nicht aus⸗
spricht, ist man ratlos. Ist denn alles, was Marx, dem man
nachredet, über den „Zukunftsstaat“ sagt, schon eben deswegen
ausführbar, weil Marx es sagt? E. P.
Die allgemeine Lage des jüdischen Volkes in der Gegenwart
schilderte auf dem 16. Zionistenkongreß der Präsident Dr. Wolf⸗
sohn in folgender Weise: „Blicken wir auf die allgemeine Lage
unsers Volkes in den letzten vierzehn Jahren zurück, so können
wir eine Besserung nicht konstatieren, viel eher eine bedeutende
Verschlechterung! In Rußland, wo die Hälfte unsers Volkes lebt,
seufzen noch sechs Millionen Juden unter fürchterlichem, uner⸗
träglichem Drucke. Die Lage hat sich dort bis zur Unleidlichkeit
verschlimmert, und die Aussichten in die Zukunft sind überaus
düster. In Rumänien, nach Rußland dem zweiten Leidenslande,
bestehen die Feindseligkeiten gegen die Juden noch zumindest in
demselben Maße wie zuvor. Noch werden unsere Brüder dort,
trotz des Berliner Vertrages, als Fremde behandelt, und zwar im
grausamen Gegensatz zum biblischen, zum jüdischen Prinzip, daß
selbst den Fremden Gastfreundschaft und gleiches Recht gewährt
werden muß. In Galizien, wo eine Million unserer Brüder lebt,
haben die Not und das Elend, trotz der staatsbürgerlichen Gleich—
berechtigung, immer noch nicht abgenommen. Die materielle Not
wächst dort ebenso wie die moralische Judennot, unter der wir in
vielen Ländern gemeinsam leiden. In Amerika und England,
den neuen Zufluchtsstätten der Juden, werden jetzt nach dem alten
ägyptischen Prinzip ‚Pen Jirbu' — „daß ihrer nicht zuviel werden—
— Absperrungsmaßregeln gegen die jüdische Einwanderung ge—
troffen. Der Antisemitismus findet auch in die Neue Welt seine
Wege und dringt in große Schichten der Bevölkerung ebenso ein
wie hier in der Alten Welt mit unsern alten Leiden. Nirgends
spüren wir eine Besserung. überall lauert der gleiche Haß gegen
uns, überall die Ausschließung. . . . Den einzigen Lichtpunkt,
die einzige Besserung, sehen wir in der Türkei. Dort haben
unsere Brüder nach den politischen Umwälzungen der letzten Jahre
die gleichen Vorteile von der errungenen Freiheit erhalten wie
die übrige Bevölkerung des ottomanischen Reiches. Die staats—
bürgerliche Gleichberechtigung, die dort den Juden gewährt wurde,
ist allem Anschein nach ernst gemeint.“ — Welcher Christ könnte
diese Schilderung von der bedrückten Lage des jüdischen Volkes
ohne innere Bewegung lesen? Ja, es ist ein schrecklicher Fluch,
der auf dem einst so hochbegnadigten Volke lastet, weil es Christum
und sein Wort verworfen hat. Verachtet von jedermann, lebt es
unter den Völkern und wird doch nicht vergehen, bis der HErr
kommt. „Sie sind zerbrochen um ihres Unglaubens willen; du
stehest aber durch den Glauben. Sei nicht stolz, sondern fürchte
dich! Hat Gott der natürlichen Zweige nicht verschonet, daß er
vielleicht dein auch nicht verschone“, Röm. 11. 20. 21.
(L. N. K.)
Ich habe die Sache genau studiert und muß ge⸗
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S*E————
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