Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 19 › Seite 295

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 16. September 1913, Seite 295

293 294 295 296 297 298 299 300 301 302

Scan: from a 2009 DVD; the same scans are on the Internet Archive as DerLutheraner69_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription machine transcription, uncorrected

⤓ Download .txt · copy text

29⁵5

46 Arbeiter, unter deren Wirksamkeit 2300 Seelen stehen.
Die bekehrten Neger haben im vergangenen Jahre selber gegen
55000.00 aufgebracht, um die kirchliche Arbeit zu fördern. —

Auch über die Mission in Brasilien wurde geredet, und Präses

Kunstmann aus der Deutschen Freikirche erwärmte die Herzen
für das Werk des HErrn im Lande unserer Vorfahren.

1 Wenn jemand der Meinung sein sollte, daß in den längst
1 besiedelten Gegenden des Mittleren Distrikts nicht niehr viel
Gelegenheit für Innere Mission geboten werde, so würde er

durch die Berichte über diesen Teil unserer Tätigkeit bald eines

Besseren belehrt worden sein. In den Städten und auf dem
Lande wird unter den unkirchlichen Bewohnern fleißig ge—
arbeitet, und schöne Erfolge sind zu verzeichnen. Mehr als
54000.00 wurde im verflossenen Jahre für diesen wichtigsten
Teil der Mission verausgabt, und 56000.00 hat der Kassierer
des Distrikts an den Schatzmeister der Allgemeinen Synode
für die Innere Mission in andern Distrikten abgeliefert. —
Auf die Empfehlung der Gemeindedeputierten hin wurde be—
schlossen, daß den Missionaren, die teilweise oder gänzlich auf
Unterstützung von seiten der Missionskasse innerhalb des Di—
strikts angewiesen sind, ein Minimalgehalt von wenigstens
5600.00 nebst freier Wohnung bewilligt werden solle. Die
Deputierten machten auch darauf aufmerksam, daß die Ge—
hälter der Pastoren und Lehrer in einer den jetzigen Verhält⸗
nissen entsprechenden Weise von den Gemeinden erhöht werden
sollten.

Obwohl der Mittlere Distrikt nur ein Teil der Allgemei⸗
nen Synode ist und daher nicht die Leitung der Lehranstalten
zu verwalten hat, so widmete er ihnen doch von seiner Zeit gar
manche Stunde. Für die vor zwei Jahren von der Allgemei—
nen Synode beschlossenen Bauten hat der Mittlere Distrikt
etwa §31,000 aufgebracht. Große Freude erweckte die Mit—
teilung, daß der Neubau in River Forest, wo ja ein neues
Lehrerseminar errichtet wird, schnell seiner Vollendung ent—
gegenschreite.

Über die Anstalt in Fort Wayne, wo die Synode tagte,
wurde längere Zeit verhandelt. Direktor Lücke berichtete, daß
das Gymnasium im vergangenen Jahre von 292 Schülern be—
sucht wurde, und daß der neue Eßsaal nunmehr vollendet ist.
Für die innere Ausstattung dieses neuen Eßsaals und der
Küche, deren Utensilien längst vergangenen Zeiten angehören
und für den Gebrauch nicht mehr ausreichen, werden gegen—
wärtig im Mittleren sowie im Michigan-Distrikt besondere freie
Kollekten erhoben.

Die Angelegenheiten der Allgemeinen Synode wurden von
Vizepräses P. Brand, der die Sitzungen mit einer trefflichen,
zu Herzen gehenden Predigt eröffnet hatte, zur Sprache
gebracht. Durch einstimmigen Beschluß empfahl der Distrikt
den Gemeinden, noch in diesem Herbst an einem sogenannten
Synodalsonntag eine besondere Kollekte zur Tilgung der Schnld
in der Synodalkasse zu erheben.

Der Stand der Finanzen im Mittleren Distrikt ist ein recht
erfreulicher. Vom 1. Januar 1912 bis zum 1. Januar 1913
hat dieser Distrikt für außergemeindliche Zwecke 582,648.93
aufgebracht. Es wurde darauf hingewiesen, daß man nicht
müde werden und in allen Beiträgen für das Reich Gottes
Eifer und Beharrlichkeit beweisen solle, da sich die Bedürfnisse
des Synodalwerkes fort und fort mehren.

Eine ganz besondere, seltene Freude wurde der Synodal—

versammlung dadurch bereitet, daß Gäste aus fernen Landen
zugegen waren, die davon erzählen konnten, wie des HErrn
Sache auch in andern Weltteilen unter Gottes Segen vorwärts—
schreitet. Direktor Fr. Gräbner von der Anstalt unserer Glau—
bensbrüder in Australien hielt einen interessanten Vortrag
über die Geschichte und die jetzigen Verhältnisse der lutherischen
Kirche in Australien sowie über die Entstehung und das herr—
liche Wachstum der dortigen Anstalt, die in diesem Jahre
bereits zwölf Arbeiter in den Weinberg des SErrn stellen
konnte. Präses J. Kunstmann von der Freikirche in Deutsch—
land schilderte die Geschichte, die Kämpfe und die Siege der
freikirchlichen Gemeinden in Deutschland und ermunterte die
Brüder, auch fernerhin der armen freikirchlichen Gemeinden in
ihren Gebeten und mit ihren Gaben zu gedenken.

Es war eine herrliche, reichgesegnete Synode; dafür sei
Gott Lob und Dank! L. D.

Unser Bergheim.

Durch die Opferwilligkeit unserer lieben Frauen, Jung—
frauen und Schulkinder wurde es der Kommission für Heiden—
mission im letzten Jahre möglich gemacht, ein Bergheim für
unsere Missionarsfamilien in Indien zu kaufen. Obwohl nun
in unsern Zeitschriften gelegentlich schon Mitteilungen über
das Bergheim gemacht worden sind, so wird es die lieben Geber
doch gewiß interessieren, wenn ihnen etwas ausführlicher dar—
über berichtet wird. Der Unterzeichnete hat anfangs Dezember
letzten Jahres auch das Bergheim besucht und möchte nun kurz
berichten, was er da gesehen hat.

Unser wunderschönes Bergheim liegt etwas über 7000
Fuß über dem Meeresspiegel in der etwa 3000 Einwohner
zählenden Ansiedlung Kodaikanal auf den Palni oder
'ulney Hills im Madura⸗-Distrikt der Madras Présidency.
Um dahin zu gelangen, reist man auf der South India Railway
bis zur Kodaikanal Road Station, etwa 124 Meilen nördlich
von der Hafenstadt Tuticorin. Von Kodaikanal Road fährt
man mit einem zweirädrigen Ochsenkarren 32 Meilen westlich
bis Krishnamanqyakan Tope am Fuß des Gebirges. Im dor—
tigen Government Rest House oder Dak Bungalow erfrischt
man sich durch einen Imbiß, zieht recht warme Unter⸗ und
Oberkleider an und beginnt dann, etwa 3 Uhr morgens, den
Aufstieg. Der Reisende wird auf den Schultern von vier Kulis
(eingebornen Trägern) in einem Tragsessel, sein Gepäck da⸗
gegen von Kulifrauen auf den Köpfen getragen. Obwohl Ko⸗
daikanal nur 7000 Fuß über dem Meeresspiegel liegt, so muß
man doch zwölf bis 14 Meilen zurücklegen, um hinaufzukom—
men, da der Pfad eben im Zickzack bergan geht. Bei diesem
Aufstieg hat man die schönste Gelegenheit, das Gruseln zu
lernen. In stockfinsterer Nacht geht's hinein in den dichten
Dschungel, vorbei an rauschenden Wasserfällen, durch gurgelnde
Gebirgsbäche; auf der einen Seite steile Felswände, auf der
andern schwindelnde Abgründe. Nach Sonnenaufgang wird
es meist sehr heiß vor den hohen Felswänden. Doch merkt man
bald, daß hier oben eine andere Luft weht als unten in der
Bratpfanne.

Etwa um halb 10 Uhr vormittags kamen wir, Missionar
A. Hübener und ich, in einem leichten Regen bei unserm Berg—
heim an. Da das eine Wohnhaus (bungalow) leer stand, so

English translation

Not yet translated.