Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 19 › Seite 301
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 16. September 1913, Seite 301
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S Ver 2 utherane
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den Armen fragte, sondern er war ein Dieb und hatte den Beutel
und trug, was gegeben ward.“ Der SeErr ist sparsam. Er speist
die Tausende und läßt die übrigen Brocken aufheben. Aber wo
die Liebe ihm opfert, da segnet er sie noch immer mit dem Wort:
„Laßt sie mit Frieden!“
2. Ein Schuhmachermeister mußte es gelegentlich auch hören,
wie ein gebildeter Herr sich mit großer Entrüstung über das viele
Missionsgeld beschwerte, das außer Landes gehe; er meinte aber:
„Beruhigen Sie sich, lieber Herr; von Ihnen ist ja doch kein
Pfennig dabei!“
3. IEsus sagte einmal: „Was hülfe es dem Menschen, so
er die ganze Welt gewönne und nähnie doch Schaden an seiner
Seele?“ Nach seiner Schätzung ist also eine einzige Seele mehr
wert als die ganze Welt, und selbst einige Milliarden müßten
noch ein Spottpreis heißen, wenn damit eine Seele zu gewinnen
wäre. Von Milliarden aber weiß man in der Mission bislang
noch nichts.
4. Welche Unsummen verlangt und verschlingt die Sünde!
Millionen werden jährlich für Unzuchtssünden verausgabt, und
das Laster der Trunksucht verschlingt ebenfalls viele Millionen.
Liebe Herren, warum verdrießen euch solche Summen nicht?
Sie könnten gespart werden. Und warum sagt ihr nichts von den
ungeheuren Summen, die, abgesehen von Blut und Tränen, der
Krieg erfordert? Um nur eins zu nennen: Die Regierung der
Vereinigten Staaten hat vor einigen Jahren Millionen von
Dollars jährlich verlangt für militärische Operationen gegen die
Indianer. Mit dem Evangelium des Friedens würde man den—
selben Zweck gründlicher, schöner und — billiger erreichen. Und
übrigens spricht der allmächtige Gott, der die Mission befohlen
hat: „Mein ist beides, Silber und Gold“' — nicht euer.
Und die Gemeinde Christi weiß angesichts seines Kreuzes nur
von einem Kostenpunkt: „Daß mir nie komme aus dem Sinn,
wieviel es dich gekostet, daß ich erlöset bin.“ (G. u. W.)
———
Die drei Grundsätze.
Die Mitglieder einer Negergemeinde auf Jamaika hatten be⸗
schlossen, die nötige Summe zur Unterhaltung eines eingebornen
Evangelisten aufzubringen, um ihren noch unwissenden schwarzen
Brüdern das Evangelium predigen zu lassen. Zu diesem Zweck
wählten sie einen Kassierer und bestimmten einen Tag, um die
gewünschte Summe einzusammeln.
Als der Tag herankant und alle versammelt waren, nahm
der Kassierer, ein bejahrter Mann, das Wort und stellte drei
Grundsätze auf, die einstimmig angenommen wurden: 1. Wir
wollen alle etwas geben. 2. Wir wollen geben, soviel wir können.
3. Wir wollen fröhlich geben.
Aber diese Grundsätze waren mehr als eine bloße Form für
den alten Kassierer. Sie sollten auch durchgeführt werden. Nach—
dem schon mehrere Personen ihre Gaben gebracht hatten, trat ein
alter Neger, von dem man wußte, daß er reicher war als die
andern, vor und legte zwei Dollars auf den Tisch. Der Vor⸗
sitzende gab sie zurück und sagte: „Diese Gabe ist wohl nach dem
ersten Grundsatz gegeben, aber nicht nach dem zweiten.“ Der
Neger mußte sein Geld zurücknehmen und ging sehr verdrießlich
auf seinen Platz zurück. Nach einem Augenblick kam er wieder,
warf 20 Dollars auf den Tisch und sagte mürrisch: „Hier, ist
dies vielleicht genug?“ Ruhig gab ihm der Kassierer sein Geld
zurück und sagte: „Dies ist vielleicht nach dem ersten und zweiten
Grundsatz richtig, aber noch nicht nach dem dritten.“ Der Neger
nahm noch einmal sein Geld an sich und setzte sich in eine Ecke
der Kirche, voller Zorn über die ihm widerfahrene Behandlung.
Bald jedoch kam er zurück, diesmal mit lächelnder Miene, und sich
dem Tische nähernd, legte er sanft eine Hundert-Dollarnote nieder
mit den Worten: „Ich gebe dies fröhlich im Namen IEsu.“ Der
alte Kassierer sprang auf, ergriff seine beiden Hände und rief:
„So ist's recht; das stimmt mit allen drei Grundsätzen überein!“
t.lu — ——⅛.e—
Todesanzeigen.
Zur himmlischen Ruhe eingegangen ist Hermann Daniel
ÜUhlig, viele Jahre treuverdienter Lehrer an unserer Taub—
stummenanstalt in North Detroit, Mich. Der Entschlafene wurde
am 8. November 1847 zu Frankenberg, Sachsen, geboren. In
seinem 24. Lebensjahr entschloß er sich, sich dem Studium der
Theologie zu widmen. Er studierte ein Jahr in Steeden bei dem
seligen Pfarrer Friedr. Brunn. Im August 1872 kam ser nach
Amerika und trat in das damals in St. Louis befindliche praktisch—
theologische Seminar ein. Eines verschlimmerten Augenleidens
wegen mußte er im letzten Studienjahr vom weiteren Studium
abstehen. Im Januar 1875 begann er seine Tätigkeit als Lehrer
an der Taubstummenanstalt, damals noch in Royal Oak, Mich.
Fast 31 Jahre diente er dem lieben Gott mit seinen Gaben unter
den armen taubstummen Kindern und lehrte sie, ihren Mund auf—
tun zum Lobe ihres Heilandes. Im Jahre 1905 legte er sein
Amt nieder und führte seitdem hier in Detroit ein Privatleben. —
Im Jahre 1876 verehelichte er sich mit Johanna Ahnert. Diese
Ehe segnete Gott mit sieben Kindern, von denen er einen Sohn
bereits zu sich gerufen hat. Der Entschlafene war ein demütig
gläubiger Christ und hat das stets und in allen Stücken entschieden
erkennen lassen durch Wort, Wandel, Hauswesen, Kinderzucht und
Treue in Amt und Beruf. Am Morgen des 15. August machte er
sich auf den Weg zur Arbeit. Weil es Freitag war, gedachte er
dessen, daß der liebe Heiland einst an einem Freitage Blut und
Leben zur Erlösung der Sünder gegeben hat, und mit den Worten:
„Der Freitag ist nun komm'n herbei, der uns von Sünden machet
frei“ trat er seinen Berufsweg an. Als er den Straßenbahn⸗
wagen verließ und die Straße zur Fabrik kreuzen wollte, wurde
er von einem Automobil getroffen und fast augenblicklich getötet.
Er brachte sein Leben auf 65 Jahre, 9 Monate und 7 Tage und
hinterließ die trauernde Gattin und sechs erwachsene Kinder. Am
18. August wurde er unter zahlreicher Beteiligung, auch seitens
der Herren Lehrer hiesiger Stadt und mehrerer Pastoren, zur
letzten Ruhe gebettet. Der Unterzeichnete hielt die Leichenpredigt
auf Grund von Joh. 11, 40. Der SErr, der nach seinem weisen
Rat eine so schwere Wunde geschlagen hat, verbinde sie auch und
tröste die Hinterbliebenen; er befestige sie durch den Glauben in
der gewissen Hoffnung eines freudigen Wiedersehens und einer
seligen Wiedervereinigung im Himmel! R. Smukal.
Am 12. August starb in Buffalo, N. Y., nach längerem
schweren Leiden Karl Kandt, Student der Theologie im
Concordia-Seminar zu St. Louis, Mo. Am 7. Mai 1887 zu
Lockport, N. Y., geboren, absolbierte er unser Concordia-College
zu Fort Wayne, Ind., im Juni 1908 und trat im September
desselben Jahres in unsere hiesige Anstalt ein. Im zweiten Jahre
mußte er sein Studium wegen Krankheit unterbrechen und, als er
sich längere Zeit erholt hatte und wieder eingetreten war, dies
zum zweiten Male tun. Er wollte so gern ein Diener der Kirche
werden und beabsichtigte noch im letzten Jahr, sein Studium fort—
zusetzen und zu vollenden, mußte jedoch um Weihnachten eine Heil—
anstalt in Buffalo aufsuchen, die er nach Gottes Willen nicht mehr
verlassen sollte. Bei seiner Beerdigung am 15. August in Lock—
port amtierten sein Seelsorger, P. P. Löber, P. A. T. Hanser und
ö L. Fürbringer.
der Unterzeichnete.
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