Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 19 › Seite 298
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 16. September 1913, Seite 298
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Sozialismus 1
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heute gültig in allem, was sozialistische Grundsätze betrifft,
als der Text, als das Fundament, worauf alle guten sozialisti—
schen Reden und Schriften sich gründen. Nach Marx werden
als Klassiker, als mustergültige sozialistische Schriftsteller, zum
fleißigen Studium dringend empfohlen: E. Engels, W. Lieb—
knecht, A. Bebel, Karl Kautschky und andere, alte und neue,
aber alles Anhänger von Marx. Sie blasen daher auch alle
in ein Horn: „Marx!“ Und wenn sie auch bei dem Thema
über Mittel und Wege verschiedene Töne hervorbringen, so
lautet doch der Grund⸗ und Schlußton: Die sichersten Mittel
zum Siege wollen wir gebrauchen, einerlei welche sie sind; den
geradesten und kürzesten Weg zum Ziele wollen wir gehen,
einerlei wodurch er führt; wir sehen nur darauf, was am
zweckdienlichsten erscheint.
Aus einer großen Menge von Belegen, die hier gebracht
werden könnten, nur die folgenden. Kerr schreibt in seinem
letzten Heft: What to Read on Socialism“, Seite 1: „In
unsern Tagen erwachen die zahllosen Millionen Arbeiter über
die ganze Welt hin zu einem neuen kräftigen Leben, beseelt
von einer neuen Hoffnung; und der gewaltigen Revolutions—
bewegung haben sie den Namen „Sozialismus“ gegeben. Diese
Weltbewegung hat sich gesammelt um die Schriften von Karl
Marx, weil er der erste große Schriftsteller war, der zu einem
klaren Verständnis der sozialen Mächte, welche die Gesellschaft
umwandeln, kam, und weil er zuerst den Arbeitern der Welt
zeigte, wie sie von der Welt Besitz ergreifen und sie genießen
können.“ Dann führt er Prof. Veblen an: „Der Sozialismus,
welcher heute Hoffnung und Furcht einflößt, ist der aus der
Schule von Marx. Keiner ist ernstlich besorgt um irgendeine
andere sogenannte sozialistische Bewegung, und keiner geht mit
Ernst daran, die Lehren irgendeiner andern „sozialistischen“
Schule zu kritisieren oder zu widerlegen.“ Ferner heißt es in
dem genannten Heft, Seite 19: „Die Sozialistenpartei, in
Amerika und sonstwo, ist da, nicht um eine Reformation, son—
dern eine Revolution zu bewirken, da sie dafürhält, daß dem
Regiment der Kapitalistenklasse ein Ende gemacht werden muß,
und daß die Arbeiter die Regierer werden müssen. Betreffs
der Mittel, durch welche die Revolution herbeigebracht werden
soll, ist die einzig wichtige Frage, welche Mittel sich am wirk—
samsten erweisen werden.“
Derselbe Kerr sagt in einem kurzen Vorwort zu einer
langen Liste von Büchern, die man studieren soll, in der
Nceνειεeο von 1912, S. 195: „Der Sozialismus ist es wert,
studiert zu werden, und keiner, der ihn nicht studiert hat, kann
darüber verständig reden oder schreiben. Alle die billigen
Witze über die „57 Verschiedenheiten des Sozialismus fallen
dahin, wenn man bedenkt, daß die Prinzipienerklärung ein—
mütig von dem neulichen Sozialistenkonvent angenommen
wurde, und zwar von solchen Delegaten, die sonst grundver—
schiedene Meinungen hatten betreffs gewisser Fragen der Kamp—
fesweise (tactics). Wenn es sich handelt um sozialistische
Grundsätze, so gibt es nur zwei verschiedene Arten von So—
zialisten, nämlich solche, die wissen, und solche, die nicht wissen“
— nämlich was Sozialismus ist.
Robert R. La Monte schreibt in derselben Rerien in einem
langen Artikel über den neuen Sozialismus, Seite 210:
„Schließlich ist der Streit zwischen den Leitern der Sozialisten—
parteien und den Vertretern des neuen Sozialismus mehr
scheinbar als wirklich. Denn in den Zeiten tatsächlichen ernsten
Kampfes mit dem Kapitalismus finden wir sie zusammen
kämpfen, Schulter an Schulter.“ Dafür führt er dann schla⸗—
gende Beweise an von hiesigen und von ausländischen Kämpfen.
Summa, Marx ist der Mann, sein Sozialismus ist der
Sozialismus, der es jetzt mit der Welt zu tun hat und die
Welt mit ihm. Als ein mächtiges Feuer lodert er hoch auf
und sendet seine Rauchwolken nach allen Richtungen; und dies
Feuer wird' immer heftiger geschürt, damit es so schnell wie
nur möglich die ganze Welt in Brand setze.
Lieber Christ, graut dir? Wir haben Ursache dazu. Es
wäre nicht unmöglich, daß unsere Kinder, ja auch wir noch,
mitten in die volle Glut dieses Brandes kämen. Doch getrost!
Wir kennen den HErrn, der von seinem festen Throne im
Himmel sieht auf alle, die auf Erden wohnen, ohne dessen
Willen uns kein Haar vom Haupte fallen kann. Er wird
walten.
will, den, von dem 2 Petr. 3, 10 geschrieben steht?
bald, HErr JEsu!
Ja, komm
L. Schulze.
— ——
Zur kirchlichen Chronik.
Die Synode der Ev.-Luth. Freikirche in Sachsen und andern
Staaten hielt ihre 37. Jahresversammlung vom 16. bis 21. Juli
in Dresden ab. P. J. Kunstmann wurde als Präses, P. H. Stall⸗
mann als Vizepräses wiedergewählt. Gäste aus der Missouri⸗
synode sowie aus unsern Missionen in Brasilien und Indien
wohnten den Sitzungen bei. G.
Von der Versammlung des South Dakota-Distrikts unserer
Synode wird berichtet: Nachdem die Vertreter der Gemeinden
allein sich versammelt hatten, wurde „beschlossen, der
Ehrw. Synode den Vorschlag zu machen, den Gehalt der Reise—
prediger auf §700.00 zu erhöhen“. Diese Empfehlung der Ge—
meindedeputierten wurde einstimmig angenommen. G.
Unser Missionar auf der Isuπ o PIIIS, P. Ortel, hat jetzt
in der Person des Studenten Otto Müller von Lockwood, Mo.,
einen Assistenten erhalten. Herr Müller wird in Los Indios das
Werk der Mission treiben, insonderheit aber in Santa Barbara
Schule halten und dort predigen. Missionar SÖrtel bittet darum,
bei den Missionsfestkollekten auch dieser neuen Mission auf der
Isle of Pines zu gedenken. Auf der Station Santa Fe sollte in
nächster Zeit zum Kirchbau geschritten werden. G.
über Luther und sein Werk sagt der Presbyterian Banner:
„Der arme Dengbawersohn verrichtete eine gute Tagesarbeit, als
er damals jenes Stück Papier an die Kirchentür nagelte, und
wir alle ernten die Früchte von dem Samen der Freiheit, den er
gesät hat. Unsere lutherischen Brüder tun wohl daran, daß sie
seinen Namen und sein Werk in Ehren halten, und wir alle sind
ihm gleicherweise zu Dank verpflichtet und sollten das herrliche
Erbe, das er uns verschafft hat, ja hegen und pflegen.“ — Wenn
doch alle Protestanten nicht nur den Luther loben, sondern auch
seine Lehre annehmen wollten! C. P.
Der 97. Jahresbericht der Amerikanischen Vibelgesellschaft
zeigt wieder, welch gewaltige Ausdehnung das Werk der Bibel⸗
verbreitung angenommen hat. Wir teilen hier einen Abschnitt
aus dem Bericht mit, der die Zahlen angibt: „Die ganze Zahl
aller im In- und Auslande herausgegebenen Bibeln und Teile
derselben im verflossenen Jahre beträgt 4,049,610; davon sind
399,734 ganze Bibeln, 713,891 Neue Testamente, und 2,935,985
Teile der Bibel. Die letztjährige Bibelberbreitung war größer
als je seit dem Bestehen der Gesellschaft. Wenn wir bedenken,
daß dies mehr als das Doppelte der Ausgabe vor fünf Jahren
Ob er nicht bald einen andern Weltbrand entzünden
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