Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 19 › Seite 299

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 16. September 1913, Seite 299

293 294 295 296 297 298 299 300 301 302

Scan: from a 2009 DVD; the same scans are on the Internet Archive as DerLutheraner69_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription machine transcription, uncorrected

⤓ Download .txt · copy text

S Der I utheranet

299

ist, und daß in den vorhergehenden 25 Jahren die jährliche Aus⸗
gabe durchschnittlich 1,.500,000 betrug, so ist die große Zunahme
höchst bedeutungsvoll und in sich selber ein Beweis für die Lebens⸗
kraft der Heiligen Schrift. Von der Totalzahl wurden 2,107,859
durch das Bible House in New York herausgegeben, eine Zunahme
von 270,503 gegen das vorhergehende Jahr, und 1,941,751 durch
die auswärtigen Agenturen der Gesellschaft, die auf den Missions⸗
und andern Pressen in der Türkei, in Syrien, Siam und Japan
gedruckt wurden. Die ganze Zahl aller durch die Gesellschaft in
den 97 Jahren ihres Bestehens herausgegebenen Bibeln, Testa⸗
mente und Teile von Bibeln betrug 98,268,175.“ — Dazu
kommit natürlich noch die Arbeit anderer Bibelgesellschaften, be⸗
sonders der Britischen. Es hat heutzutage niemand eine Ent—
schuldigung, wenn er keine Bibel hat. So ziemlich in jede Sprache,
in der überhaupt geschrieben und gelesen werden kann, ist jetzt die
Bibel übersetzt und wird von den Gesellschaften massenhaft ver⸗
breitet, verkauft und verschenkt, die ganze Bibel und Teile der—
selben. Wenn nur alle, denen diese Bibeln in die Hand gegeben
werden, sie lesen und beherzigen würden! Daran wird es in
sehr vielen Fällen natürlich fehlen. E. P.
Ernste und wahre Worte über die wahre Aufgabe der Kirche
hat ein namhaftes amerikanisches Kirchenblatt den Kirchen zu
sagen, die mehr für Unterhaltung der Leute sorgen als für deren
ewige Seligkeit und dabei Gottes Wort liegen lassen. Es sagt:
„Es muß eine gewaltige Veränderung vor sich gehen in dem
Treiben unserer Pastoren und in der Art von Wahrheiten, die
von unsern Kanzeln verkündigt werden. Es muß weniger Ge—
fühlsduselei sein, und das eruste „So spricht der HErrs muß mehr
zu seinem Rechte kommen. Den Leuten müssen die ernsten Wirk⸗
lichkeiten des Lebens und die Gewißheit der zukünftigen Welt
nahe vor die Seele gerückt werden. Die Religion muß einen
festeren Halt an der Ewigkeit gewinnen. Man befaßt sich jetzt zu
viel mit diesem gegenwärtigen Leben. Wir versuchen den Leuten
einzureden, daß die Religion in einem guten Leben auf Erden
bestehe, und sagen ihnen weniger, daß dies der Ort und der
einzige Ort ist, sich auf die Ewigkeit vorzubereiten. IEsus kam,
um den Menschen das ewige Leben zu verkündigen. Das ist aber
das ewige Leben, daß sie dich, daß du allein wahrer Gott bist,
und den du gesandt hast, IEsum Christum, erkennen.“ Alles
andere, was nicht eine persönliche Erkenntnis des persönlichen
Christus ist, führt nicht ins ewige Leben, sondern endet mit dem
ewigen Tod.“ — Unter uns trifft man auch zuweilen Leute, die
an dem Kirchespielen mancher Sekten Wohlgefallen bekommen
haben und meinen, wir seien mit der schlichten Predigt des Evan—
geliums zur Seligkeit zu altertümlich. Wenn wir da nun sehen,
wie diese Spielerei sich abgewirtschaftet hat, wie manche anfangen,
sich dieses Treibens zu schämen und sich auf den wirklichen Beruf
der Kirche zu besinnen, dann soll uns das stärken, ja auf der
alten Bahn zu bleiben. Die Kirche hat nun einmal keine andere
Aufgabe, als das Evangelium zu predigen aller Kreatur, daß,
wer glaubt und getauft wird, selig wird, Mark. 16, 15. Und
der einzelne Prediger hat nur die Aufgabe, sich selbst selig zu
machen, und die ihn hören, 1 Tim. 4, 16. E. P.
Unausgesetzt arbeitet die römische Kirche darauf hin, die
Trennung von Kirche und Staat, wie sie in unserm Lande be—
steht, zu untergraben. In einem Beschluß, der auf dem großen
Katholikenkonvent in Milwaukee gefaßt wurde, findet sich hierfür
ein neuer Beleg. Der katholische „Glaubensbote“ berichtet dar—
über: „Die in dieser Konvention anwesenden Delegaten beschlossen
als Vertreter und im Namen von drei Millionen amerikanischer
Katholiken, die der „Ainerikanischen Föderation der Katholischen
Vereine“ angehören, an den Präsidenten Wilson und den Kongreß
eine Petition abzusenden mit der Bitte, daß die Regierung der
Vereinigten Staaten gegen die Beraubung der Kirche in Portugal

um ihr rechtmäßiges Eigentum einen kräftigen Protest erhebe.
Der Hochw. Pater Jos. Nußlein, S. J., lenkte die Aufmerksamkeit
der Konvention auf die in Portugal herrschenden Zustände und
bemerkte, daß die Würdenträger der katholischen Kirche wie wilde
Tiere aus jenem Lande vertrieben, die katholischen Laien zu den
schmählichsten Strafen verurteilt und die Heiligenbilder in den
Kirchen verunehrt werden. Ferner berichtete er über die Er⸗
mordung der Lazaristenpatres Alfred Fragues und Barros Gomez.
Die Resolution ersucht den Präsidenten und den Kongreß, „Protest
zu erheben im Namen der fünfzehn Millionen Katholiken, die in
den Vereinigten Staaten ansässig sind, im Namen jedes wohlge⸗
sinnten Bürgers dieser Republik, im Namen der Zivilisation, im
Namen der Freiheit und im Namen der allgemeinen Menschheit,
die in Portugal zu Boden getreten und in ihren heiligsten Rechten
auf die abscheulichste Weise mißhandelt worden ist'. Die Reso⸗
lution verlangt ferner die Rückgabe des gesamten Kircheneigen—
tums an seine früheren Besitzer und schnelle Beendigung der
Schreckensherrschaft, Intoleranz und Verfolgung.“ Es ist nun
erstens eine grobe Lüge, wenn dieser Beschluß die Lage in
Portugal so darstellt, als handele es sich dort um eine „Schreckens⸗—
herrschaft, die alle heiligen Rechte der Menschheit mit Füßen tritt“.
Die „Schreckensherrschaft“ war vielmehr das Regiment der katho⸗
lischen Priester, unter dem das portugiesische Volk jahrhunderte—
lang geseufzt hat. Von diesem Priesterregiment hat sich Portugal
vor einigen Jahren durch eine Umwandlung der Regierungsform
in die einer Republik losgesagt. Weil die römische Kirche nicht
mehr portugiesische Staatskirche und somit auch der 86,000,000
verlustig gegangen ist, die sie bisher aus der Staatskasse jährlich
bezogen hat, auch alle Vorrechte, die sie vor andern Kirchen besaß,
verloren hat, veranlaßt der Jesuit Nußlein in Milwaukee die
Delegaten der Föderation zu einem Protest gegen die „Miß—
handlung der heiligsten Menschenrechte!! Auf Geschichtslügen
hat ja die Papstkirche ihre Macht aufgebaut. Doch hat sie ge⸗
wöhnlich ein Jahrhundert oder zwei verstreichen lassen, ehe sie
ihre Fälschungen an den Mann brachte. Wenn sie sich jetzt nicht
scheut, mit einem Gemengsel von Lügen über Vorgänge aus aller⸗
neuester Zeit vor das amerikanische Volk zu treten, so zeugt das
von Absichten und Zielen, deren Verwirklichung dem Jesuiten
Nußlein sehr wichtig erscheinen muß. Was diese Ziele, sagen
wir lieber, dieses Ziel der Römischen hierzulande ist, geht gerade
aus diesem Protestbeschluß wieder klar hervor. Man fordert die
Regierung der Vereinigten Staaten auf, gegen die „Zustände“
in Portugal „im Namen jedes wohlgesinnten Bürgers“ zu prote⸗
stieren und darauf zu bestehen, daß den Mönchs- und Nonnen⸗
orden Portugals nicht nur die Rückkehr in das Land, das sie an
den Bettelstab gebracht haben, gestattet, sondern daß der Kirche
auch ihre zusammengeraubten und -gebettelten Güter, die der
bankerotte Staat eingezogen hat, zurückerstattet werden. Glaubt
der Jesuit, und glaubt die Priesterschaft, die hinter diesem kühnen
Streich steht, etwa, daß unser Präsident und der Kongreß von
diesem Beschlusse Notiz nehmen werden? Wohl kaum. Man
weiß auch, daß der portugiesische Kongreß eine solche Einmischung
in die Angelegenheiten Portugals einfach ignorieren würde.
Selbst der unwissendste Föderationsbruder sieht wohl kaum im
Geiste das portugiesische Klostergesindel unter dem Schutze ameri—
kanischer Kriegsschiffe in die Heimat zurückkehren. Eins aber hat
er, nämlich der Föderationskatholik, durch den genannten Beschluß
wieder unter die Haut geimpft bekommen: das Bewußtsein, die
römische Kirche dieses Landes hat das Recht, ein solches
Ansinnen an die Regierung zu stellen, hat mit andern Worten
das Recht, die Macht des Staates zur Förderung ihrer Ziele
auszunutzen. Im Interesse der römischen Kirche soll unsere
Regierung jetzt im fernen Portugal ihre Macht geltend machen.
(Wieviel mehr also im eigenen Lande!) So wird dem römischen

U

English translation

Not yet translated.