Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 19 › Seite 296

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 16. September 1913, Seite 296

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Sozialismus · Sozialismus 1

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ließen wir schnell von dem eingebornen Gärtner etliche Stuben
flüchtig reinigen und ein prasselndes Feuer in dem Herd machen.
Jawohl, wir ließen uns Feuer machen, denn wir froren ganz
gehörig. Aber das ist eine wahre Lust, einmal wieder frieren
zu dürfen, nachdem man monatelang in der Bratpfarme der
Ebene Tag und Nacht geschmort hat. Und diese herrliche, kräf—
tige Luft! Mit vollen Zügen atmet man sie ein und man
merkt, daß sich die schlaffen Lebensgeister wieder regen. Und
noch etwas anderes regt sich, nämlich der Appetit; man wird
so hungrig wie ein Bär. Ja, das Klima da oben ist wirklich
herrlich. Im Sommer ist die höchste Temperatur im Schatten
76 Grad, im Winter die niedrigste 42 Grad. Die Aussicht von
oben hinab in die weite Ebene ist ganz reizend. Unter uns
sehen wir rechts ein blendend weißes Wolkenmeer; da drüben
schlängelt sich ein Fluß wie ein silbernes Band durch die Ebene;
in weiter Ferne ragen die mächtigen Gipfel des Ghatgebirges
hoch in die Lüfte.

Doch sehen wir uns nun unser Bergheim etwas näher an.
Unser Eigentum umfaßt etwa 6½ Acker und liegt auf einer
sanften Anhöhe beinahe mitten in der Ansiedlung, ganz nahe
bei einem prächtigen künstlichen See. Auf dem Grundstück
stehen mächtige Eukalyptusbäume. Auch ein Obstgarten ist
da, in dem eine Anzahl Birn⸗, Äpfel⸗ und Zitronenbäume stehen.
Die Wege im Garten sind auf beiden Seiten mit Zierhecken
eingefaßt. Im Blumengarten sind Beete mit Rosen und son⸗
stigen Ziersträuchern. Auf dem Grundstück stehen zwei Wohn—
häuser, bungalows. Das eine, Loch End“, steht auf dem
höchsten Punkt. Es ist ein ziemlich alter Bau, hat sieben oder
acht Zimmer, mehrere Badestuben, Küche und in einem Anbau
sechs kleinere Zimmer. Etwas abseits stehen die nötigen out-
houseés. Dieses Gebäude, welches zwei große oder drei kleine
Familien beherbergen kann, war zur Zeit meines Besuchs recht
reparaturbedürftig. Das andere bungalow, Dumnere“, liegt
am Fuß der Anhöhe. Es ist das bessere und neuere der beiden
Häuser. Da es zur Zeit meines Besuches von zwei englischen
Danien bewohnt war, so habe ich das Innere nicht gesehen.
Doch glaube ich, daß im Notfalle zwei Familien darin unter—
kommen könnten. Am Abhang nach dem See zu steht ein
Lehmhaus mit Strohdach. Hier wohnte damals der eingeborne
Gärtner und, wie es uns scheinen wollte, seine ganze Verwandt⸗
schaft. In der Nähe einer jeden Wohnung ist ein feines ténnis
court. Ein Brunnen ist leider nicht auf dem Eigentum; es wird
aber jetzt eine städtische Wasserleitung gebaut, von der dann
auch unser Bergheim versorgt werden wird. Ganz in der Nähe
des Bergheims ist die englischen Amerikanern gehörende High
Clere School. Für das ganze Eigentum haben wir 27,000
mupien oder 89000.00 bezahlt. Ich habe mich bei mehreren
Personen, die in Kodaikanal gut bekannt sind, erkundigt, ob
wir einen annehmbaren Kauf gemacht hätten. Alle erklärten
einstimmig, daß wir das beste Bergheim in Kodaikanal haben.
Da ja, wie bekannt, im Bergheim eine Schule für unsere
Missionarskinder eingerichtet und ein Lehrer, der mit seiner
Frau an den Kindern zugleich Elternstelle vertritt, berufen
werden soll, so wird der vorhandene Raum nicht genügen. Um
dem abzuhelfen, hat die Kommission beschlossen, auf dem Berg—
heim noch zwei neue Wohnungen zu bauen. Die Arbeit an
denselben hat bereits begonnen. Das Eigentum wurde am
1. Dezember 1912 an unsere Synode übertragen. Welch ein
Segen das Bergheim für unsere lieben Missionare ist, das hat

Familien haben sich da nämlich erholen können. Gegenwärtig
befinden sich die schulpflichtigen Kinder Missionar A. Hübeners
mit ihrer Mutter oben. Leider ist es bisher noch nicht gelungen,
Hauseltern für das Bergheim zu gewinnen, sonst wären auch
schon etliche Kinder Missionar Naumanns oben. Wollte Gott
uns doch recht bald tüchtige Hauseltern für das Bergheim
schenken, denn erst dann wird es seinen vollen Segen entfalten
können.
Gebern für diese schöne Gabe herzlich dankbar sind, das haben
sie ja schon im „Lutheraner“ durch ihren Konferenzsekretär
öffentlich bezeugen lassen. Jul. A. Friedrich.

——— —

Der Sozialismus.
Welcher denn?

Nicht wenige meinen, der Sozialismus sei mancherlei Art,
es gebe diesen und jenen. Wenn einer daher von Sozialismus
rede, so solle er auch, damit er nicht Luftstreiche mache, fein
unterscheiden und anzeigen, welchen Sozialismus er im Auge
habe. Etliche befürworteten allerdings einen Sozialismus, der
durchaus verwerflich sei, dem zumal kein Christ zufallen könne,
andere aber, die auch Sozialisten seien, lehrten nichts Unge—
schicktes, ja es gebe sogar einen christlichen Sozialismus, der
nicht allein auf vernünftiger, gesunder Politik, sondern auch
auf der Lehre Christi erbaut sei.

Das ist jedoch irrig. Es handelt sich in Wirklichkeit nur
um einen Sozialismus; es ist kein anderer, der etwas zu
bedeuten hätte, vor dem man sich fürchten müßte oder über den
man sich freuen könnte.

Und welches ist denn nun der Sozialismus, um den es
sich in unsern Tagen handelt? Es ist der, als dessen Vater
Karl Marx verehrt wird. Das ist der Sozialismus, den die
Sozialistenparteien der verschiedenen Länder, wie sonderlich in
Deutschland, Frankreich und England, so auch in Amerika ver⸗
treten. Er wird der internationale Sozialismus genannt, weil
er in allen Ländern wesentlich derselbe ist, weil er sich auch die
Aufgabe gestellt hat, die wirtschaftliche Lage und alle Ver
hältnisse der Völker der Erde neuzugestalten, den Kapitalismus
zu stürzen, die Arbeiter ins Regiment zu versetzen und ein
sogenanntes sozialisiertes System einzuführen, worin es keine
Herren und keine Knechte mehr geben soll, sondern nur Arbeiter,
nur Brüder und Schwestern, nur Gleiche. Das ist der Sozia⸗
lismus, von dem auch hier die Rede ist.

Aber die, welche sich Sozialisten nennen, bekämpfen sich
doch vielfach; wie können sie alle denselben Sozialismus haben
und doch so uneins sein? Das Rätsel ist leicht gelöst. Es ist
wahr, im sozialistischen Lager ist viel Krieg. Die Geister
platzen da oft heftig aufeinander; nicht bloß einzelne Personen
greifen einander grimmig an, sondern es sind auch Spaltungen
unter ihnen, da eine Seite die andere bitter befehdet.
sollte das freilich nicht erwarten, da sie ja alle so gerne mit
vollen Backen die Melodie „Brüderschaft“ singen und behaupten,
sie wollten und könnten alle Menschen zum schönsten Frieden
bringen. Jedoch folgt daraus nicht, daß sie mancherlei So⸗
zialismus haben, der eine diesen, der andere jenen. Es han⸗4
delt sich in ihren Zwistigkeiten nicht um den Sozialismus selbst,J

Daß unsere Missionare und ihre Familien den lieben

Man

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