Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 26 › Seite 406

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 23. Dezember 1913, Seite 406

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406 S Ner „Tutheraners
einem. Aber darunter ist doch ein sonderliches vor andern, noch redlich abmüht, Tag und Nacht sorgt und arbeitet, um

bei dessen Anschaun lacht einem das Herz. Es ist ein Kupfer—
stich mit feiner Kleinarbeit. Du siehst ein altes deutsches
Gasthaus, schon rissig und baufällig, aber die kleinen Vögel
haben ihr munteres Dasein an Dach und Giebel, und unten
an der Hofseite ist ein vom Oberstock überragter Raum, offen
gleich einer Veranda, da kniet die Gottesmutter vor ihrem
Söhnlein. Im Hintergrund führt eine Stiege nach oben, und
hinter dieser ist ein Stall, dem Hause nahe, mit Ochslein und
Eselein. Ein alter Mann mit großem Bart und einem Stock
kniet hinten bei besagter Stiege als Zeichen, daß die Armen
diesem Kinde ganz recht kommen; der gute Joseph aber ist mit
nicht ganz sorgenfreiem Angesicht draußen im Hof am Zieh—
brunnen bemüht, ein Gefäß mit dem soeben heraufgezogenen
Wasser zu füllen. Eine deutsche Landschaft blickt durchs offne
Hoftor aus der Ferne herein, nichts von Palmien und Sl—
bäumen. Hoch oben endlich ein klein Ding, aber wichtig: aus
der Hauswand ragt ein Herbergsschild mit der Aufschrift:
A. D. 1504. Es ist alles deutsch und bayrisch und in des
Malers Zeit versetzt. Was der fromme, kunstreiche Mann
meinte, sagt er fast deutlicher mit dem Grabstichel, als diese
Worte es tun: „Das heilige Kind ist auch meinem Volk,
auch mik, dem Albrecht Dürer von Nürnberg, geboren und
in die Welt gekommen. ö

Ich freue mich in dir

Und heiße dich willkommen,
Mein liebstes IEsulein;
Du hast dir vorgenommen,
Mein Brüderlein zu sein;
Ach, wie ein süßer Ton!
Wie freundlich sieht er aus,
Der große Gottessohn!“

So laß uns die Weihnachtsgeschichte in unser Leben über⸗—
setzen, lieber Wandergefährte, als vollziehe sie sich in unserm
Hause und im Jahre 1913. Das gibt recht fröhlichen Sinn
zur weiteren Wanderschaft. W. S.

Ein passendes Weihnachtsgeschenk.

Weihnachten ist nahe herbeigekommen. Das ist die Zeit,
wo jedermann gerne Geschenke gibt. Wir Christen denken in
dieser Zeit ganz besonders an das wunderbare, herrliche Ge—
schenk, das der himmlische Vater seinen Kindern auf Erden ge—
geben hat — seinen eingebornen Sohn. über dieses Geschenk
freuen wir uns von Herzen und in dankbarer Liebe und inniger
Freude über dasselbe geben wir gerne wieder Geschenke.

Wem denn? Unsern lieben Freunden und Angehörigen,
und wer uns sonst als Christen am Herzen liegt, dem wir mit
einer Weihnachtsgabe eine Freude machen können.

Wer könnte uns aber näher stehen und mehr am Herzen
liegen als unsere Mutter, sonderlich wenn die Mutter
sich in Verlegenheit, ja in großer Not befindet? Welches recht⸗
schaffene Kind möchte da zurückstehen, wenn es gilt, der braven,
treuen Mutter aus einer Not zu helfen, und das Kind zu
solcher Hilfeleistung imstande ist?

Die Mutter, die der Schreiber dieser Zeilen im Sinne hat,
die Mutter, deren Söhne und Töchter wir alle sind, die Mutter,
die sich um uns alle so sehr verdient gemacht hat durch ihre
treue, mütterliche Fürsorge für uns, die Mutter, die sich jetzt

ihre zahlreichen Kinder treulich zu versorgen mit allem, was
sie nötig haben — diese Mutter ist die Synode, unsere
Synode.

Alle treuen und rechtschaffenen Söhne und Töchter, die
den Brief der Mutter, genannt „Lutheraner“, den sie regel—
mäßig an ihre lieben Kinder aussendet, lesen, haben seit einiger
Zeit merken können, wie das Herz der treuen Mutter mit
Kummer erfüllt und ihr sonst so freundliches Angesicht mit
Trauer überzogen ist. Ja, sie hat die Sorgen, die sie quälen,
wiederholt in deutlichen Worten ihren Kindern offenherzig ge—
sagt: Eine große Schuld ist die Last, die sie niederdrückt und
ihr Angesicht traurig macht. Die Mutter hat ihren Kindern
auch offen mitgeteilt, wie groß die Schuld sei, und daß sie nicht
wisse, woher sie die Mittel nehmen solle, diese Schuld zu tilgen,
wenn nicht ihre lieben Kinder die nötigen Mittel darreichten.

Sollten da wir Kinder dieser unserer treuen Mutter, deren
Kasse anstatt mit Geld mit vielen Rechnungen gefüllt ist, die
sie nicht bezahlen kann, nicht eilends hinzuspringen mit einer
passenden Gabe in der Hand? Wir sollten gleichgültig schwei—
gen können zu der kummervollen Klage unserer lieben Mutter?
Das ist bei den Kindern der Mutter Missouri nicht möglich.
Wir wollen ihr mit fröhlichem Herzen und Munde zurufen:
Verzage nicht, liebe Mutter; sei getrost und freue dich; auch
du sollst ein fröhliches Weihnachtsfest feiern können! Denn
wisse, du hast viele treue Söhne und Töchter in diesem weiten
Lande. Im Osten und im Westen, im Norden und im Süden,
wo sie auch sein mögen, sie alle hangen dir in treuer, kindlicher
Liebe an und sind dir mit Herz und Hand treu ergeben. Das
wollen wir dir mit der Tat beweisen. In dankbarer Liebe
gegen dich wollen wir unsere Festgabe deinem treuen Schatz—
anitssekretär in die Hand drücken, damit er bald allen deinen
Kindern die frohe Mitteilung machen kann: Der Sorgenstein
ist abgewälzt; der lieben Mutter Antlitz leuchtet wieder vor
Freude über die treue Liebe und Anhänglichkeit ihrer Kinder;
denn die Schuld ist getilgt, gänzlich getilgt. Habt Dank, ihr
lieben Kinder, für euer passendes Weihnachtsgeschenk! Bleibt
der lieben Mutter auch in Zukunft treu ergeben und sorgt red—
lich für alle ihre Bedürfnisse! Gott wird euch dafür segnen
und alle eure dankbaren Liebesdienste euch reichlich lohnen.

Mork.

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———

Die rechte Praris bei Entlassung von Gemeinde⸗
gliedern.

——

X.

Kein Entlassungsbeschluß statthaft, wenn Leute weiterhin ohne
kirchliche Verbindung dastehen wollen.

Es kommt vor, daß Leute, die zu einer Gemeinde gehören,
aus der Gemeinde einfach ausscheiden und austreten wollen,
und ihre Absicht, die sie auch ausdrücklich erklären, ist, daß sie
von jetzt an zu keiner Gemeinde mehr gehören wollen. Infolge
dieser und jener Erfahrungen, die sie gemacht haben, meinen
sie etwa, sie seien besser dran, wenn sie jegliche Verbindung mit
einer Gemeinde lösten. Aber sie reden davon, daß sie ihre
„Entlassung“ aus der Gemeinde haben wollen. Aber wie, kann
eine christliche Gemeinde in einem solchen Fall eine Entlassung
ausstellen, eine Entlassung an die Welt!

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