Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 26 › Seite 410

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 23. Dezember 1913, Seite 410

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Ser 2utheraness

des HErrn, wir 19,000 kommunizierenden Glieder des Kansas—
Distrikts! — Die Synode setzte auch ein Komitee ein, das sich
erkundigen soll, ob uns in Oklahoma unter den vielen India—
nern eine Tür offen stehe.

Sehr förderlich wäre es für unsere Innere Mission, wenn
unsere Kirchbaukasse besser bestellt wäre. Gerade jetzt sollte sie
51800.00 mehr haben, als sie hat, um armien kleinen Gemein—
den den Bau einer Kirche zu ermöglichen. Dieser Kasse kann
nebst Gaben und zinsfreien Darlehen auch dadurch geholfen
werden, daß man dem Verwalter, P. C. Hafner in Haven,
Kans., schreibt, daß man bereit ist, Geld zu niedrigem Zinsfuß
auszuleihen gegen gute Sicherheit.

über unsere Lehranstalt, das St. Johns-College in Win—
field, müssen wir uns wirklich freuen. Dort sind jetzt 94
Schüler; und 72 von diesen wollen sich dem Dienst der Kirche
widmen. Weil im College nicht genug Raum ist, mußten noch
zwei Gebäude in der Stadt gemietet werden, um die Studenten
alle unterzubringen. Hätten wir doch erst unser neues Ge—
bäude! Dafür müssen wir Kansaser aber noch etwa §2000.00
aufbringen, ehe genug Geld da ist. Außerdem besteht noch eine
alte Schuld von etwa §900.00. Soll die noch älter werden?

In der Unterstützungskasse ist auch kein Geld. Sie hat
5500.00 Schulden. Lies Matth. 25, 40 und laß dir sagen,
was der Heiland von dieser Kasse denkt!

Der Glanzpunkt der ganzen Synodalwoche war entschieden

der Jubelgottesdienst, der am Sonntagnachmittag gehalten
wurde. Während in River Forest unser neues Lehrerseminar

eingeweiht wurde, feierten wir das 25jährige Jubiläum des
Kansas⸗Distrikts, der sich am 25. September 1888 zu Leaven—
worth, Kans., organisiert hatte. Die deutsche Jubelpredigt hielt
der erste Präses des Distrikts, P. F. Pennekamp. Er zeigte
aus 1 Kor. 1, 4—9, was wir der Gnade Gottes verdanken
und wessen wir uns zu der Treue Gottes versehen dürfen.
Darauf hielt der erste Lehrer unsers St. Johns-College, Prof.
H. Stöppelwerth, eine englische Jubelpredigt über 1 Kor. 1,
17—21 und zeigte, was der Inhalt und die Wirkung des
Evangeliums von dem gekreuzigten Christus ist, das der Kansas—
Distrikt während der 25 Jahre seines Bestehens gepredigt hat.
Das Jubel⸗ und Dankgebet sprach P. C. Hafner, der erste
Vizepräses und später jahrelanger Präses des Distrikts.
vielen eingelaufenen Glückwünsche verlas Präses Th. Jüngel
am Montagabend nach dem Pastoralgottesdienst. Ein schönes
Jubiläumsbüchlein mit einer kurzen Geschichte des Distrikts
wird in allen Gemeinden verteilt.

Am Donnerstagabend hielt P. Theo. Hoyer eine Schul—
predigt. Am Sonntagvormittag predigte P. F. Drögemnüller.
Im Pastoralgottesdienst am Montagabend hielt 5'. C. Hafner
die Beichtrede und P. P. Stolp die Pastoralpredigt. Das
waren schöne Gottesdienste! Mit Gesang und Gebet vertagte
sich die Synode am Nachmittag des 14. Oktober. C. F. L.

Die

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Zur kirchlichen Chronik.

Das Verhältnis der lutherischen Kirche zu andern Kirchen⸗
gemeinschaften. Beim Herannahen des Reformationsjubiläums
im Jahre 1917 finden wir in amerikanischen und deutschländischen
Zeitschriften Betrachtungen über die Vorzüge der verschiedenen
Kirchengemeinschaften. Jeder Kirchengemeinschaft werden be⸗

sondere Vorzüge, auch im Vergleich mit der lutherischen Kirche,
zuerkannt. „Das ist keine richtige Darstellung der Sachlage.
Alles das, wodurch sich die römische Kirche und die reformierten
Gemeinschaften von der lutherischen Kirche unterscheiden, sind
nicht Vorzüge, sondern Nachteile. Unter dem Papsttum werden
Leute selig. Aber das geschieht so, daß sie die papistische Werk⸗
lehre fahren lassen und vor Gott allein auf Christi Verdienst ver⸗
trauen, also in bezug auf den Weg zur Seligkeit lutherisch werden.
Ein bekanntes Beispiel hierfür ist Herzog Georg von Sachsen. Er
war ein wütender Bekämpfer Luthers und der Reformation. Als
es aber mit seinem Sohn zum Sterben ging, wies er diesen auf
Christi Verdienst allein, indem er ihn zugleich ermahnte, nicht
auf eigene Werke und die Werke der Heiligen zu bauen. Als es
mit ihm selbst zum Sterben kam, versuchte er es anfänglich noch
mit Anrufung der Heiligen. Als das aber keinen Trost ins Herz
bringen wollte, rief auch er aus: „Ei, so hilf mir, du treuer
Heiland, IEsu Christe; erbarme dich über mich und mache mich
selig durch dein bitter Leiden und Sterben!“ Ebenso steht es in
der reformierten Kirche und den reformierten Kirchengemein⸗
schaften. Da haben sich die reformierten Theologen, Zwingli
voran, über den „Buchstabendienst“ Luthers und der lutherischen
Kirche ereifert, weil wir festhalten, daß Gnade und Geist nicht
unmittelbar, sondern nur durch das Evangelium kommen. Aber
alles, was sie selbst in der Kirche und für die Kirche Gutes
ausrichten, richten sie nur durch das äußere Mittel des Evange⸗
liums aus. Ferner: die einen von ihnen sind Calbinisten, das
heißt, sie leugnen die allgemeine, auf alle Menschen sich er⸗
streckende Gnade. Aber wenn sie ein durch das Gesetz erschrecktes
Gewissen trösten wollen, müssen sie zur allgemeinen Gnade
greifen. Andere unter den Reformierten sind Arminianer, das
heißt, sie lehren, daß Bekehrung und Seligkeit nicht allein auf
Gottes Gnade, sondern auch auf der Mitwirkung und dem guten
Verhalten des Menschen stehe. Aber sofern sie Christen sind, ver—
trauen sie vor Gott doch allein auf Gottes Gnade, und sie sind
weit davon entfernt, Gnade und Seligkeit auch auf ihr Wirken
und gutes Verhalten zu stellen. Kurz, alles Gute, das in andern
Kirchengemeinschaften ausgerichtet wird, wird dadurch ausgerichtet,
daß man tatsächlich auf die lutherische Lehre zurückfällt. Die
lutherische Kirche verdient mit Recht den Namen „ökumenische“
oder „Universalkirche“. Nicht in dem Sinne, als ob es außer⸗
halb der lutherischen Kirche keine Christen gäbe, sondern in dem
Sinne, daß die Christen in den andern Kirchengemeinschaften
genau auf dem Wege und in der Weise selig werden, die wir
Lutheraner als die einzig richtige aus Gottes Wort öffentlich be—
kennen. Wollte Gott, daß wir auch allezeit den Eifer und den
Fleiß beweisen würden, den diese Stellung von Rechts wegen mit
sich bringt! F. P.

Die Steuerfreiheit des Kircheneigentums ist neuerdings, so⸗
weit wir wissen, namentlich in zwei Städten behandelt worden.
Kircheneigentum ist ja wohl in allen Staaten der Union steuer—
frei. Es ist dies eine Höflichkeit des Staates der Kirche gegen—
über, und diese Höflichkeit gründet sich zumeist auf die Voraus⸗
setzung, daß alle Kirchengemeinschaften für den Staat nützliche
Einrichtungen sind. Viele Steuerbeamte scheinen neuerdings
darauf hinzuarbeiten, daß die Steuerfreiheit des Kircheneigen—
tums abgeschafft werde. Wir Lutheraner sollten uns aus einem
doppelten Grunde dieser Neuordnung der Dinge nicht widersetzen.
Erstlich liegt in der Steuerfreiheit des Kircheneigentums eine Art
Vermischung von Staat und Kirche vor. Wir können und sollen
damit zufrieden sein, daß der Staat uns nicht als Kirche, son—
dern als Bürger und bürgerliche Gesellschaft im Staat ansieht.
schützt und behandelt. Der Staat schützt auch unser Kirchen—
eigentum wie unser persönliches Eigentum, und es ist nicht mehr
als recht und billig, daß wir dafür auch bezahlen. Zum andern
ist es die römische Kirche, die, wie von jeder Vermischung von

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