Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 26 › Seite 411

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 23. Dezember 1913, Seite 411

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Weihnacht 3 · Weihnacht 4

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Kirche und Staat, so auch von der Steuerfreiheit des Kirchen⸗
eigentums den größten Vorteil hat. über Steuerfreiheit des
Kircheneigentums in Milwaukee liegen uns die folgenden An-
gaben vor: „Außer dem Eigentum der Stadt, auf das keine
Steuern bezahlt zu werden brauchen, gibt es noch Eigentum im
Werte von §13,683,460 in Milwaukee, das nach den Gesetzen
steuerfrei ist; dies ist das Eigentum der verschiedenen Kirchen—
gesellschaften. Obenan in der Liste stehen die Katholiken mit
Eigentum im Werte von §6,822,250, wovon anderthalb Millio⸗
nen auf Grundeigentum und der Rest auf Gebäulichkeiten ent—
fallen; dann konmnen die Lutheraner mit Eigentum in der Höhe
von §1,854,170; mit §900,770 folgen die Bischöflichen Metho⸗—
disten und die Episkopalen mit §683,960. Protestantische Wohl⸗
tätigkeitsinstitute, die ebenfalls steuerfrei sind, besitzen nach der
Abschätzung Eigentum im Werte von §1,517,500. Eingeschlossen
sind die Erziehungsinstitute der verschiedenen Kirchengemein—
schaften, welche solche unterhalten, die besonders bei den Katho—
liken und Lutheranern eine große Rolle spielen.“ ÜUhnlich stellt
sich das Verhältnis in bezug auf steuerfreies Kircheneigentum in
St. Louis. Die römische Kirche, die jedes Staatswesen im Inner⸗
sten untergräbt, hat den größten Vorteil von dem steuerfreien
Kircheneigentum. Gleichmäßige Besteuerung alles Kircheneigen—
tums sowie des Eigentums aller Vereine, die jetzt unter dem
Namen der Benevolent und Charity Associations eine zweifel⸗
hafte Tätigkeit entfalten, würde auch die allgemeine Steuerrate
herabsetzen. Was wir als Bürger mehr an Steuern für unser
Kircheneigentum zahlen würden, würde uns an den Steuern für
unser Privateigentum zugute kommen. F. P.

Aus Panama kam vor einigen Tagen nach allerlei Umwegen
infolge mangelhafter Adresse folgender Brief in unsere Hände:
„In Panama leben eine Anzahl deutsche Leute, Christen, welche
ohne Kirche und ohne Prediger sind. Oft sehnt man sich, das Wort
Gottes zu hören. Ich möchte nun gern zu Weihnachten einen
Abend abhalten und wenigstens eine Laienpredigt halten. Ich
brauche zu diesem Zweck Ihre Hilfe. Erstens möchte ich eine
Bibel, ein Predigtbuch, ein Gebetbuch und ein halbes Dutzend
Gesangbücher sowie ein Notenbuch für Kirchengesänge. Eine
Orgel bekommen wir geborgt, und dafür, daß die deutschen Leute
kommen, wird unser Heiland sorgen. Da die Zeit sehr kurz ist,
bitte ich um umgehende Erledigung. Ich schicke das Geld sofort
ein für die Sachen. Eventuell schreiben Sie mir, bitte, eine
Predigt vor. . . . Wir haben uns natürlich sofort der Sache
angenommen. Unser Concordia Publishing IIouse hat die
Büchersendung besorgt, und dem Briefschreiber ist eine längere
Antwort geworden mit kurzer Anweisung, wie der Lesegottesdienst
gestaltet werden könnte. Auch ist er ersucht worden, weitere Mit—
teilungen zu machen. Wir bringen dies zur Kenntnis unserer
Leser, damit sie in der Festzeit auch dieser zerstreuten Glaubens—
genossen gedenken. Vielleicht öffnet sich uns auch eine Tür in
Panama, wo sich ohne Zweifel auch jüngere Männer aus unsern
eigenen Gemeinden auf kürzere oder längere Zeit aufhalten.

Wenn die Welt versucht, christliche Feste mitzufeiern, so gerät
ihr das, um einen Ausdruck Luthers zu gebrauchen, etwa so wohl
wie dem Esel das Singen. Die Welt versuchte kürzlich wieder,
Danktag mitzufeiern. Sie nennt den Tag jetzt allgemein “turkey
day“ (Truthahntag) und feiert ihn im besten Fall mit Essen und
Trinken, häufiger jedoch mit Schlemmen und Prassen, mit Fressen
und Saufen. Das nennt sie dann Danktag. Gelingt es ihr,
einen Danktag ohne Danken zu feiern, so ist es ihr noch viel
leichter, Christfest ohne Christkind zu feiern; noch leichter, denn
vom Danken hat sie noch einen Begriff, von der Bedeutung des
IEsuskindes gar keinen. Es ist Tatsache, daß ein großer Teil
unsers Volkes überhaupt nicht an die Geburt Christi denkt, wenn

es Weihnachten „feiert“. Es ist ihr lediglich das Fest, an dem
sie (mit mehr oder weniger Freudigkeit) Freunde und Verwandte
beschenkt. Wie wenig man dabei aber an das große Geschenk
denkt, das der Vater in der heiligen Nacht der ganzen Welt ge⸗
bracht hat, das lehrt uns schon ein Gang durch die Kaufläden einer
Großstadt zur Weihnachtszeit. Von Darstellungen der Geburt
des Heilandes findet sich da weder in den reichen Ladendekorationen
noch unter den unzähligen ausgestellten Bildern und Karten eine
Spur. Man mag die großen Läden an State Streéet in Chicago
stundenlang durchsuchen, ohne auch nur eine Andeutung zu finden
an den Sinn des bevorstehenden Festes. Kein Christkind, keine
Krippe, keine Darstellung der Hirten zu Bethlehem, kurz, nichts,
was an die Geburt des Heilandes auch nur erinnerte. Offenbar
wissen die Eigentümer dieser Läden auch in diesem Falle ganz
genau, was das Publikum will und was es nicht will. Zudem
hat man ja auch einen so schönen Ersatz für das IEsuskindlein —
den Santa Waus! In ihm verkörpert sich der amerikanischen
Jugend die Weihnachtsfreude. Sein Bildnis wird deshalb auch
in der Zeit vor Weihnachten bis zum überdruß vervielfältigt und
blickt uns aus allen Zeitungen, in allen Kaufläden in allen Größen
und Farben entgegen. Kein Weihnachtsgruß, kein Weihnachts⸗
programni, keine Anzeige von „Weihnachts-Bargains“ ist voll⸗
ständig ohne ein Bild des rotnasigen Heiligen. Welch ein Raub
mit diesem Zurückdrängen des Christkindes durch den Pelznickel
an unserer amerikanischen Jugend begangen wird, läßt sich gar
nicht aussagen. Selbst in den Kirchen werden am Heiligen Abend
den Kindern Aufführungen veranstaltet, in denen Santa Claus
die Hauptrolle spielt, ja, es werden Lieder gesungen zu Lob und
Preis des „dear old Santy“, und jetzt werden sogar Santa Claus-
Kantaten — „Foxy Santa“, „Santa on a Strike“, “„Santa Santa-

planée'' in den Sonntagsschulen der Sekten zur Kinderweihnacht
eingeübt. Ganz gewiß darf man in diesem Verdrängen des Christ—

kindes durch die sinnlose Figur des Santa Claus einen Betrug des
Erzlügners erkennen. G.
Eine Reihe von Artikeln über die rechte Praxis bei der Ent⸗
lassung von Gemeindegliedern findet in dieser Nummer unsers
Blattes ihren Abschluß. Darin sind die Grundsätze, nach denen
christliche Gemeinden bei der Entlassung von Gliedern zu handeln
haben, aus Gottes Wort mit großer Schärfe dargelegt worden.
Gewiß sind es gerade solche Lehrartikel, die den „Lutheraner“ so
vielen unserer lutherischen Christen zu einer nahezu unentbehr—
lichen Lekrüre gemacht haben. Ein alter Leser schrieb uns kürz—
lich: „Ich bin nun seit zweiunddreißig Jahren Leser des Luthe—⸗
raner“ und will es auch bleiben, solange mir der liebe Gott das
Augenlicht läßt. Er ist mir nächst der Bibel einer der besten
Lehrmeister gewesen, und die Ewigkeit wird es einst offenbaren,
welche Dienste er dem Reich Gottes geleistet hat. Es wäre zu
wünschen, daß jeder Christ in unserer Synode ihn nicht nur lesen,
sondern auch beherzigen würde, was darin zu lesen ist.“

„Regnet's schon?“

Fast dreißig Jahre sind verflossen, so erzählt jemand im
„Hausfreund“, da wurde mir, der ich damals noch Kandidat
war, die Verwaltung einer vakanten Stadtpfarrstelle übertragen.
Gottes Gnade deckte meine Schwachheit zu, und ich erlebte viele
Freude. Unter anderm richtete ich auch einen Kindergottesdienst
ein, in welchem den Kindern ein Schriftwort durch eine Geschichte
dentlich gemacht wurde. Zur Adventszeit kamen natürlich Weih—
nachtsgeschichten an die Reihe.

Als Frucht eines solchen Advents-Kindergottesdienstes er—
lebte ich folgendes: einzige Töchterchen wohlhabender
Töpfersleute kommt mit seiner Cousine, die mit ihm im Hause

Das

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