Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 26 › Seite 412

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 23. Dezember 1913, Seite 412

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Zeit 3

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LutheranerSS&

erzogen wurde, zur Mutter und bittet: „Gib uns Geld; denn
der Herr Kandidat hat uns aufgefordert, armen Kindern eine
Christbescherung zu bereiten, und du weißt, drüben auf dem Hofe
wohnt die arme Witwe mit den beiden kleinen Kindern; die be—
kommen sonst gewiß keinen Christbaum.“ „Nicht doch“, ant—
wortete die Mutter, „ich war ja auch in der Kirche. Der Herr
Kandidat hat ja nicht gesagt, wir, sondern — ihr Kinder sollt
das besorgen.“ „Ja, Mutter, woher sollen wir es nehmen?“
„Verdienen“, ist der Mutter Antwort. Sie geht mit den Kindern
in ein Weißwarengeschäft, spricht mit dem Inhaber, und da die—
sem die Frau als ehrlich und wohlhabend bekannt ist, gibt er ihr
Garn usw., was zum Häkeln notwendig ist. Die beiden Mädchen
machten ihre Arbeitsversuche fürs Geschäft und haben in acht
Tagen 12½ Silbergroschen (man rechnete damals noch nach
Silbergroschen) verdient.

Nun geht es ans Einkaufen, vor allem ein Christbaum, Lichte,
Pfefferkuchen usw. Am Weihnachtsheiligabend schleichen sie sich
mit dem geschmückten Baume auf den dunklen Hausflur drüben;
da zünden sie ihn an. Das macht wohl etwas Geräusch, und
der kleine Sohn der Witwe kommt heraus; aber mit freudigem
Schreck geht er zurück: „Der heilige Christ, der heilige Christ!“
Die Freude soll groß gewesen sein, erreichte aber auch ihr Ende,
und die Töpferskinder gehen nach Hause.

Da wird der kleine Junge ernst und ernstlich fragt er die
Mutter: „Mutter, die Töpfersleute haben uns so viel geschenkt;
was schenken wir ihnen?“ „Ach, mein Sohn, wir sind arm und
können nichts schenken. Aber bete du nur, daß ihnen der liebe
HErrgott so viel Segen schenke, als Regentropfen vom Himmel
fallen.“ „Ach, wenn's doch recht viel regnen wollte!“ antwortet
das Kind. Damit wird es Abend und Nacht, und sie schlafen.

Am andern Morgen ist die Mutter schon früh heraus, um
den Fensterladen, der von außen geschlossen ist, aufzumachen.
Fritz ist aber auch ans Fenster gekrochen, klopft an und fragt:
„Mutter, regnet's schon?“ „Sehr, sehr, mein Junge!“ „Mutter,
dann werden die Töpfersleute auch viel Segen bekommen.“

Mir will's vorkommen, als wenn diese Worte das Amen zu
dem Gebete gewesen sind, das der Junge am Abend gebetet hat.
Auch will mir's scheinen, als ob das zwei köstliche Weihnachts⸗
feiern gewesen sind, sowohl bei der Witwe als auch bei den
Töpfersleuten.

An jenem Weihnachtsmorgen regnete es sehr, sehr; ich weiß
noch, daß mein Herz etwas von Murren empfand; denn ich hatte
einen weiten Weg nach der Kirche, in der ich predigen mußte.
Als ich aber diese Geschichte hörte, vergaß ich das Murren und
fing an zu loben und zu danken; und wenn jetzt das Herz ein—
mal unzufrieden werden will, fällt mir bald des Jungen Frage
ein: „Regnet's schon?“ und es wird allezeit Weihnacht.

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—*——

Kauft die Zeit aus!

Zeit, edle Zeit, wo eilst, wo fliehst du hin? Diese Frage
sollten die Sterblichen allezeit, aber besonders am Jahresschlusse
und am Anfang eines neuen Jahres sich ernstlich vorhalten. Jeden
Menschen sollte es ernst stimmen, wenn die Zeit, die Gott uns
gegeben hat, von uns Abschied nimmt. O wie rasch eilt der Strom
dahin! Wie viele unter den lieben Lesern müssen bei der Jahres⸗
wende mit einstimmen: „Ein großer Teil von meiner Zeit liegt
schon im Meer der Ewigkeit.“ Was ist uns im Blick auf die
Vergangenheit von den Tagen und Zeiträumen geblieben?

Damit wir alle, ohne Unterschied des Standes oder Berufes,
die köstlichen Augenblicke und Stunden nicht unbenutzt dahin⸗
streichen und vorübergehen lassen, mahnt Gott in seinem Worte
dringend: Kauft die Zeit aus! Das Gestern haben wir nicht

mehr und das Morgen noch nicht. Nur das Heute, das Jetzt, das
pfeilschnell entflieht, ist uns zugesagt. „Jetzt ist die angenehme
Zeit, jetzt ist der Tag des Heils.“ Für einige Leser wird dies,
wie zu erwarten steht, das letzte Jahr ihrer Pilgrimschaft hie—
nieden sein; für wen, das wissen wir nicht. Möchten wir daher
alle zu jeder Zeit bereit sein, durch das Verdienst unsers HErrn
IEsu Christi zur oberen und besseren Heimat einzugehen!

Todesanzeigen.

Am 20. November ging unser lieber P. Ph. Studt nach
längerem, überaus schwerem Leiden ein zur Freude des HErrn.
Sein Abscheiden betrauern seine Witwe, sechs Söhne, vier Ge⸗
schwister, drei Stiefkinder, dreizehn Enkel und eine große Anzahl
von Glaubensgenossen. — Der Entschlafene wurde am 7. Januar
1841 bei Belleville, Ill., geboren. Seine Eltern, Philipp und
Margarete Studt, zogen bald darauf nach Wartburg, Ill., wo
unser lieber Studt die Gemeindeschule besuchte und im vierzehnten
Lebensjahre konfirmiert wurde. Da er schon als Knabe schöne
Gaben sowie Lust und Liebe zu Gottes Wort und Reich zeigte,
erfüllte sich auch später der Wunsch des frommen Jünglings, ins
Predigtamt zu treten. Während der gefahrvollen Kriegsjahre
studierte er in St. Louis unter Walther und Crämer Theologie
und bereitete sich fleißig auf das Predigtamt vor. Vor Vollendung
seiner Studien wurde er im Herbst 1865 als Vikar P. J. F.
Döschers nach Jowa gesandt. Zwar hoffte er, bald nach St. Louis
zurückkehren und seine Studien vollenden zu können, aber diese
Hoffnung ging nicht in Erfüllung. Da die Arbeiternot groß war
in dem Gebiet der Inneren Mission, wurde er anfangs Mai 1866
von Präses Bünger im Beisein P. C. A. Mennickes im Rock
Islander Pfarrhaus kolloquiert und am 7. Mai 1866 von
P. Döscher in Luzerne, Jowa, ordiniert und eingeführt. Dort
hat er in großer Geduld, Treue und Selbstverleugnung, begleitet
vom Segen des SErrn, 39 Jahre dem SHErrn gedient, die ersten
sechzehn auch im Schulamt. Doch weit über die Grenzen seiner
eigenen Gemeinde erstreckte sich seine rastlose Tätigkeit im Werke
der Inneren Mission. In der Nähe und Ferne suchte er die zer—
streuten Glaubensgenossen auf unter viel Entbehrungen, Stra—
pazen und Gefahren. Er war einer der Pioniere unserer Synode
im Staate Jowa und hat viel dazu beigetragen, daß wir dort
festen Fuß gefaßt haben. Außer der Luzerner Gemeinde hat er
vier Gemeinden in Benton Co. und die Gemeinde in Cedar
Rapids organisiert und bedient bis zu ihrer Selbständigkeit.
Wegen seiner Treue und Fähigkeit stand er bei seinen Amts-⸗ und
Glaubensbrüdern in hohem Ansehen und wurde in verschiedene
Amter gewählt. Er diente öfters als Delegat zur Synodal—
konferenz, war langjähriger Vorsitzer seiner Konferenz, ferner
Glied der Kirchbaukommission und miehrere Termine hindurch
Vizepräses und Präses des Jowa-Distrikts. Im Mai 1905
mußte er sein ihm so liebgewordenes Amt wegen eines schweren
Halsleidens niederlegen. Er zog nach Rock Island und schloß
sich der dortigen Gemeinde an, deren treues Glied er war bis ans
Ende. Nachdem sich sein Halsleiden gebessert hatte, übernahm er
im Jahre 1907 den Predigtplatz Sherrard und dazu im Jahre
1909 den in Coal Valley, Ill. Auch in Silvis und East Moline
missionierte er eine Zeitlang. Am 7. September dieses Jahres
hielt er seine letzte Predigt. Bald darauf fing seine letzte Krank—
heit, Greisenbrand am Fuß, an, in der er durch ein schtiveres
Trübsalsfeuer mußte. — Zweimal war der Entschlafene ver—

heiratet. Am 10. November 1869 trat er mit Fräulein Sophie
Tatge in den heiligen Ehestand. Dieser Ehe entsprossen acht
Söhne. Am 17. Februar 1904 ging seine Gattin ein zur Ruhe

des Volkes Gottes. Am 5. Februar 1907 verehelichte er sich zum

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