Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 26 › Seite 408
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 23. Dezember 1913, Seite 408
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und so, wie die Erbauung der Kirche es erfordert. In diesem
Sinn und Geist soll nach allen Seiten hin von allen, die an
der Sache beteiligt sind, gehandelt werden.
Was das in Gottes Wort gefangene Gewissen nicht nach—
lassen kann, da gilt es feststehen, denn Gottes Wort und das
Halten ob demselben ist nötiger und wichtiger als Frieden haben.
Aber wo man mit gutem Gewissen weichen kann, da gebe man
lieber nach. Ja nicht das königliche Gebot der Liebe verletzen!
Hebr. 13, 1. Dann wird es bei uns gehen, wie es nach 1 Kor.
1, 10 sein soll.
Wenn sich Disput erhebt, und es scheint, daß man nicht
gut einig werden könne, dann rufe man lieber unparteiische
Brüder, zu denen man Vertrauen hat, zu Hilfe und höre ihr
Urteil. Man lasse nichts unversucht in der Furcht Gottes und
unter Gebet, wodurch ein Friedensbruch, gar eine Aufhebung
des glaubensbrüderlichen Verhältnisses verhütet werden kann.
Es stehe uns immer vor Augen, was St. Paulus Eph. 4,
1—3 schreibt: „Wandelt, wie sich's gebühret eurem Beruf,
darinnen ihr berufen seid, mit aller Demut und Sanftmut,
mit Geduld und vertraget einer den andern in der Liebe; und
seid fleißig, zu halten die Einigkeit im Geist durch das Band
des Friedens.“
Für die rechte, segensreiche, fruchtbare Behandlung von
Entlassungsfragen im praktischen Amts- und Gemeindeleben ist
bei allen Beteiligten nötig, daß sie in solche Verhandlungen
eintreten in rechter brüderlicher Eintracht und mit dem ernsten
Bestreben, nur das Beste des Reiches Gottes und der betreffen⸗
den Seelen, vor allem aber die Wahrheit des göttlichen Wortes
zu suchen. W. Lüssenhop.
——
Versammlung des Süd⸗Illinois-⸗Distrikts.
Dieser Distrikt hielt seine vierte Versanumlung vom 15. bis
zum 21. Oktober inmitten der Dreieinigkeitsgemeinde (P. W.
Hußmann) zu Centralia, Ill. Der Allgemeine Präses P. F.
Pfotenhauer hielt im Eröffnungsgottesdienst die Predigt über
Hebr. 13, 9: „Es ist ein köstlich Ding, daß das Herz fest
werde, welches geschieht durch Gnade.“ Diesem köstlichen Ding,
dem Festwerden des Herzens, dem Immerdarzunehmen in dem
Werk des HErrn, diente auch alles andere, was in diesen Tagen
verhandelt und besprochen wurde, so die von Präses J. Klein⸗
hans verlesene Synodalrede über 2 Kor. 2, 14—17 und vor
allem das von D. F. Pieper auf Grund von drei Thesen vor—
getragene Referat über die von Gott geordnete „Laienbe⸗
wegung“. Diese „Laienbewegung“ (im Anschluß an die
1906 erfolgte Organisation des Laymen's Missionary Move-
ment) behandelte D. Pieper zuerst in Hinsicht auf die Wort⸗
verkündigung. Er zeigte, was wir an jener „Bewegung“
tadeln und was wir anerkennen müssen. Tadeln müssen wir,
daß viele ihrer Redner und Wortführer das Wesen und die
Aufgabe des Christentums nicht erkannt haben und infolge⸗
dessen nur äußere Kultur und Zivilisation in der Welt an⸗
streben. Das Christentum ist aber dazu da, die Menschen zu
Christo zu führen und selig zu niachen. Und überall, wo dieser
Zweck erreicht wird, da erweist sich das Christentum als die
größte Kulturmacht, die es gibt, da kommen Kultur und Fort—
schritt als notwendige Frucht und Folge hinterher. Das Rich—
tige an jener „Laienbewegung“ ist aber, daß ihr der Gedanke
möglichst karg zugemessen wird.
zugrunde liegt: alle Christen (auch die Laien) sollen tätig
sein für die Ausbreitung des Reiches Gottes (nicht nur die
berufenen Pastoren); denn alle Christen sind nach der Schrift
geistliche Priester. „Wiewohl anzuerkennen und festzuhalten
ist, daß das öffentliche Predigtamt, zu dessen Ausrichtung eine
besondere Tüchtigkeit und ein besonderer Beruf gehört, nicht
bloß kirchliche Einrichtung, sondern göttliche Ordnung ist, so
ist doch auch anzuerkennen und festzuhalten, daß die Wort—
verkündigung durch alle Christen sowohl göttliche Ordnung
als auch für die Kirche von der größten Wichtigkeit sei.“ Und
dann redete der Referent zum Schluß dieser ersten These über
das gerade heutzutage und hierzulande so zeitgemäße Thema
der „Wortverkündigung durch Frauen in ihrer Berechtigung
und in ihrer Beschränkung“. Im Lehren der Kinder, im Be—
lehren der jüngeren Weiber (Tit. 2, 4) ist die Frau in ihrem
Element, aber in öffentlicher Versammlung vor Männern soll
sie nicht lehrend auftreten, 1 Tim. 2, 11—14; 1 Kor. 14, 34.
35. Gegen solchen Unfug sollen wir zeugen. Wir dürfen dem
verkehrten Zeitgeist auch hierin keine Zugeständnisse machen.
In der zweiten These behandelte D. Pieper die finanzielle
Seite der „Laienbewegung“. „Wiewohl die alttestamentliche
Ordnung des Zehnten den Christen des Neuen Testaments nicht
auf das Gewissen gelegt werden darf (wie es die Mormonen
und die Siebenten⸗Tags-Adventisten tun), so ist und bleibt
es doch göttliche Ordnung, daß die Christen des Neuen Testa⸗
ments sich mit ihrem ganzen irdischen Gut Christo zu eigen
geben und ihm davon jederzeit und willig für seine Kirche so
viel zur Verfügung stellen, als er bedarf.“ Gerade am Geld—
punkt wird es offenbar, daß wir ganz verderbt sind von Natur.
Unser Fleisch ist geizig. In der Erwartung, daß wir so viel
als möglich geben sollen, hat uns Gott das Joch des Zehnten
abgenommen, er hat uns die Größe der Gabe freigestellt; aber
min täuschen wir ihn, mißbrauchen unsere Freiheit und geben
so wenig als möglich. Daher kommt dann der traurige Stand
vieler Kassen in unserer Synode und auch in der Gemeinde.
Aber wer hier kärglich sät, der wird auch kärglich ernten,
2 Kor. 9, 6.
Was nun die „finanzielle Beziehung“ zwischen Pastor und
Gemeinde betrifft, so redete D. Pieper am Schluß der zweiten
These über die zwei Lektionen, welche die Heilige Schrift für
beide enthalte. Der Pastor muß an seinem Teile so gesonnen
ein, daß er nicht um Gewinns und Geldes willen arbeitet; er
muß bereit sein, unter Umständen auch unsonst zu dienen, wie
der Apostel Paulus der Gemeinde zu Korinth. Auf der andern
Seite aber hat der HErr befohlen, „daß, die das Evangelium
verkündigen, sollen sich vom Evangelio nähren“ und: „Ein
Arbeiter ist seines Lohnes wert.“ Es ist eine Schande für
Arbeiter und Arbeitgeber, wenn dieser Lohn vorenthalten oder
„Ein jeder lern' sein' Lek⸗
tion“ — und wo man in diesem Stück auf jeder Seite seine
Pflicht tut, da „wird es wohl im Hause stohn“.
Thesis 3: „Wiewohl die Christen vor allen Dingen durch
die christliche Wortverkündigung Christi Reich bauen sollen, so
ist es doch göttliche Ordnung, daß alle Christen auch jederzeit
durch ihren christlichen Wandel in allen Lebensverhältnissen für
die christliche Kirche mit großem Fleiß tätig seien.“ Der christ⸗
liche Wandel besteht darin, daß wir fleißig sind in guten Werken.
Mit ihrem Wandel dürfen sich Christen nicht in Gegensatz stellen
zu ihrem Glauben. Es ist ihre Pflicht, das Wort, welches sie
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