Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 2 › Seite 18
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 20. Januar 1914, Seite 18
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Taufe 49
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Der „Tutheranesss
nun da vor unserm Gott heilig und rein wie die Engel
Gottes.
Christus wird uns in der Taufe angezogen, das heißt,
mit einfachen Worten geredet: Gott schenkt uns in und bei
unserer Taufe den ganzen Christum mit seinem ganzen Leiden
und Sterben, mit seinem ganzen heilbringenden Verdienst. Als
wir getauft wurden, da hat Gott also den Fluch der Sünde und
des Gesetzes, unter dem wir geboren waren, um Christi willen
von uns genommen, da hat er uns um Christi willen von allen
Sünden reingewaschen, da hat er uns um Christi willen gerecht⸗
fertigt. Das alles ist wahr, ganz gewiß wahr, so klar, so
deutlich, so gewiß das Wort ist: „Wieviel euer getauft sind,
die haben Christum angezogen.“
Nun sag', mein lieber Leser, ist in der ganzen Welt, im
Himmel und auf Erden etwas zu fin den, worin mehr Trost,
mehr süßer, seliger Trost, zu finden wäre als in unserer Taufe?
Gibt es einen glücklicheren, reicheren, seligeren Menschen als
den, der mit fröhlichem, gottversöhntem Herzen sprechen kann:
Ich bin getauft auf deinen Namen,
Gott Vater, Sohn und Heil'ger Geist?
Laßt uns diesem Trost noch ein wenig weiter nachdenken!
Sieh, je ernster ein Christ es mit seinem Seligwerden
nimmt, je mehr er in der Erkenntnis wächst und gefördert
wird, desto mehr erkennt und empfindet er auch die Sünde,
die ihm, solange er in diesem Fleisch wandelt, noch anklebt und
immer und immer wieder zum Vorschein kommt. Das macht
ihm noch viel Not, macht ihm gar oft ein unruhiges Gewissen,
ein verzagtes Herz, und wenn er sieht, wie immer und immer
wieder die Sünde in allerlei Weise, oft in so häßlicher Gestalt,
sich an und in ihm zeigt, dann ist ihm oft um Trost bange, dann
heißt es oft in seinem Herzen: Ich bin gewiß kein rechtes Kind
Gottes, sonst würde ich doch schon freier sein von solchem sünd⸗
lichen Wesen. Gott hat gewiß seine Gnade von mir genommen,
und der Teufel ist meiner wieder Herr geworden! Und in
solchen Anfechtungen malt dann der Teufel dem Christen den
Berg seiner Sünden so groß und hoch vor Augen, daß er von
der Gnade und dem Erbarmen seines Gottes nichts mehr sieht
und empfindet.
Kennst, du solche Stunden, mein lieber Freund? Bist du
ein lebendiges Glied am Leibe Christi, dann ist dir solche
Sünden⸗ und Gewissensnot gewiß nicht fremd. Nun siehe,
was kann dich in solchen Stunden gewisser trösten, aufrichten,
dein Gewissen beruhigen und dich fröhlich und getrost im
Glauben an deines Gottes Gnade machen als das Wort: „Wie⸗
viel euer getauft sind, die haben Christum angezogen“? War⸗
um hat dir denn Gott bei deiner Taufe deinen ganzen Christum
geschenkt? Doch vor allem, um dich zu versichern und gewiß
zu machen, daß dieser Christus auch alle deine Sünden ge⸗
tragen und gebüßt hat. Er ist ja der allwissende Gott; er
hat schon von Ewigkeit her alle die sündlichen Lüste und Be⸗
gierden, Worte und Werke gesehen, die bei dir zum Vorschein
kommen, und gerade darum hat er dir in der Taufe Christum
angezogen, weil er mußte, wie nötig du ihn zeitlebens hast;
und damit dich deine Sünden nicht in Verzweiflung stürzen
sollten, hat er diesen Gnadenbund der Taufe mit dir gemacht
und dir da schon verheißen: „Es sollen wohl Berge weichen
und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir
weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht lüttt
spricht der HErr, dein Erbarmer.“
Darum, so gewiß du täglich noch sündigst, so gewiß soll
deine heilige Taufe auch täglich die Quelle sein, aus der du
Kraft und Freudigkeit schöpfest, in aller Sündennot dich zu dei⸗
nem Gott zu flüchten und bei ihm immer von neuem Gnade
und Erbarmung zu suchen und zu finden.
Oder jagt dir der Teufel vielleicht den Zweifel ins Herz:
Ja, wer sagt mir, daß auch ich mich dessen so gewiß getrösten
darf? Meine Eltern oder Paten haben mich wohl zur Taufe
gebracht, aber weiß ich daraus gewiß, daß Gott auch mich da
an⸗ und aufnehmen und mir Christum anziehen wollte? —
Nein, daraus weißt du es nicht, aber daraus weißt du es, daß
geschrieben steht: „Gehet hin und lehret alle ⸗Völker und
taufet sie.“ Auf diesen Befehl Gottes hin hat man dich zur
Taufe gebracht. Sieh, dein Gott hat keinen Menschen ausge-
schlossen; allen Völkern will er in der Taufe das Kleid der
Gerechtigkeit Christi schenken, und zu diesen „allen“ gehörst doch
auch du!
Doch, in der heiligen Taufe liegt für uns Christen noch
mehr Trost. Will's Gott, reden wir darüber noch ein wenig
mehr in der nächsten Nummer. Efdt.
Etwas aus dem Leben und Wirken des seligen
D. H. Wunder.
Der „Lutheraner“ will über Leben und Wirken des letzten
Pioniers aus der Reihe der ehrwürdigen „Alten“, die von
Anfang an am Bau unserer Synode tätig waren, seiner Leser⸗
schar einige Notizen bringen, wie es ja Gottes Wort gemäß
ist, Hebr. 13, 7. Auf Ersuchen besonders der werten Hinter⸗
bliebenen und der Pastoralkonferenz von Chicago soll der X
Unterzeichnete seine ungeübte Feder dazu leihen. In Gottes
Namen denn einige Brocken, da es so sein soll! 13
Gottes allein soll alle Ehre sein. Aber wir Christen dür⸗
fen auch nicht in falscher Demut Gottes Gaben verleugnen. Der
SErr hat aus dem seligen Vater etwas gemacht zu seiner Ehre.
— Wie führte Gott den Knaben, daß er Pfarrer wurde? Er
selbst teilte seinem Schwiegersohn, P. Baumgärtner, wenige
Tage vor seinem Ende folgendes mit: „Es ist doch merkwürdig,
wie der liebe Gott oft die Menschen führt. Durch ein Unglück
hat Gott mich so geführt, daß ich Pastor geworden bin. Meine
Eltern waren Konrad Wunder und Barbara, geb. Müller.
Mein Vater war Müller auf der Wöhrtmühle bei Muggendorf,
Bayern. Meine Mutter war eine sehr lebhafte Person, schier
zu aufgeklärt. Es war damals eine rationalistische Zeit. In
dieser Zeit wurde ich geboren, am 12. März 1830. In Mug⸗
gendorf ging ich zuerst in die Schule. Als ich neun Jahre alt
war, passierte das, was die Veranlassung gab, daß ich Pastor
wurde. Mein Vater war gemütlich, ein Bayer, doch nicht un⸗
gläubig. Am 2. Mai 1839 verunglückte er. Er fuhr an diesem
Tage Steine ins Feld und auf dem Heimwege mußte er über
eine Brücke fahren. Hier wurden die Ochsen scheu und liefen
gegen das Geländer der Brücke, und dieses gab nach, so daß sie
hinunterstürzten. Mein Vater fiel zwischen die Räder und
wurde von einem Pfahl durchstochen. Obwohl er beinahe ver⸗
blutet war, hat man ihn doch noch lebend heimgebracht. Ein
Pfarrer wurde gerufen, der ihm das Abendmahl reichte. Ich
vergesse nie die letzten Worte, die ich aus dem Munde meines
Vaters hörte. In großen Schmerzen wiederholte er in jener
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