Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 2 › Seite 24
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 20. Januar 1914, Seite 24
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Zeitſchriften 2
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S Der „TutheraneEN.
Der Wert einer kirchlichen Zeitschrift im Hause.
Eine oft gestellte Frage in bezug auf kirchliche Zeitschriften
ist die: Von welchem Wert sind kirchliche Zeitschriften in den
Häusern unserer Christen? Darauf wäre viel zu antworten, doch
wollen wir uns auf das Wesentlichste beschränken.
Zunächst sind sie von gar keinem Wert, wenn sie nicht ge⸗
lesen werden. Um Nutzen stiften zu können, müssen sie regel⸗
mäßig bestellt, regelmäßig gelesen, und dem Gelesenen muß die
nötige Beachtung geschenkt werden. In dieser Beziehung ist es
mit den kirchlichen Zeitschriften wie mit der Bibel. Die Bibel
ist der reichste Schatz, den man aufs Bücherbrett stellen kann.
Jedoch, mag man auch seine ganze Bibliothek mit lauter Bibeln
angefüllt haben, sie werden keinen Nutzen stiften, es sei denn, man
mache davon rechten Gebrauch. So auch mit den kirchlichen Zeit⸗
schriften. Sie müssen gebraucht, gelesen werden, wenn sie von
Wert sein sollen. Wo eine kirchliche Zeitschrift in einem Christen⸗
hause recht gebraucht wird, da dient dies folgenden Zwecken:
1. Die Glieder der Familie halten Fühlung mit der Kirche
und ihrer hohen Aufgabe, wodurch das Interesse an dieser Auf⸗
gabe fort und fort genährt wird.
2. Es fördert das Bewußtsein der Zugehörigkeit zur Kirche.
3. Es wirkt der Gefahr entgegen, hin und her geworfen
zu werden von allerlei Wind falscher Lehre.
4. Es hilft das Interesse am Werk des HErrn wachhalten
und vermindert so die Gefahr, den Dingen Interesse zuzuwenden,
denen keins gebührt.
5. Es wirft viel Licht auf so manche Probleme, die die
Wohlfahrt des christlichen Hauses betreffen.
6. Es stellt immer wieder die glaubensbrüderliche Ver⸗
bindung her mit denen, die des Tages Last und Hitze im Wein⸗
berg des HErrn tragen, und ermuntert uns zu tun, was wir
können, ihre Bürde zu erleichtern.
7. Es gibt so manche Aufklärung über Schriftwahrheiten
und auch über Schwierigkeiten, mit denen die Kirche Gottes auf
Erden zu kämpfen hat.
Nächst der Bibel, dem Katechismus und einem Gebetbuch ge⸗
bührt deiner kirchlichen Zeitschrift der erste Platz unter dem Lese⸗
stoff in deinem Hause. Wollte Gott, unsere Christen würden der
Schund⸗ und Schandliteratur je länger, je mehr die Tür ver⸗
schließen, hingegen aber ihre unschätzbare Bibel und kirchliche recht⸗
gläubige Zeitschriften je länger, je mehr lesen und beherzigen!
L. M.
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Ein Mann, vor dem man Respekt haben muß.
Ob das wahr ist, möge der Leser selbst beurteilen. Kommt
der alte Gemeindehelfer S. eines Tages zu einem ungläubigen
Arbeiter ins Haus. Der Mann ist am Essen und hat gerade einen
großen Knochen vor, von welchem er eifrig die letzten Fleischreste
absucht. S. grüßt und bietet seine Bücher an: Neue Testamente
und anderes. „Fromme Bücher?“ sagt der Mann verächtlich,
ohne auch nur aufzusehen; „an Gott ist mir geradesoviel gelegen
wie an diesem Knochen.“ „Bitte, sehen Sie mal da zum Fenster
hinaus“, erwidert S., „der Hund da draußen hält auch mehr von
seinem Knochen als vom lieben Gott.“ „Unsereins hat's schlim⸗
mer als so'n Hund.“ „Das ist zwar nicht wahr, aber ich ver⸗
stehe, daß Sie sich mit einem Hunde vergleichen; in Wirklichkeit
aber erniedrigen Sie sich tief unter das unvernünftige Vieh, wenn
Sie nichts Höheres kennen als einen Knochen.“ „Sie sind ein
Grobian.“ „Nein, ein Grobian bin ich nicht, aber ein Mensch,
der die Wahrheit liebt, und einen Gotteslästerer kann ich nicht
leiden.“ „Ein Grobian sind Sie trotzdem; aber so'n Kerl wie
nicht weis; du kannst alles, was du willst.
Sie gefällt mir doch ein wenig.“ „Ob ich Ihnen gefalle oder
nicht, das ist einerlei; aber das sage ich Ihnen: Hüten Sie sich,
je wieder den heiligen Gott zu beleidigen! Adieu!“ Damit
verläßt S. das Haus; die Frau aber, welche alles in der Kam⸗
mer nebenan mit angehört hat, kommt hinter ihm hergelaufen.
„Ach, bitte, besuchen Sie uns doch bald mal wieder! Es ist so
nötig für meinen Mann, daß ihm jemand die Wahrheit sagt;
und ganz so schlimm, wie er scheint, ist er doch nicht.“
Ein andermal tritt S. zu einem Bergmann herein, der
gerade im Begriff ist, sich zur Einfahrt zu rüsten. „O“, sagt S.,
„Sie haben eine ernste und schwere Arbeit da unten in der Erde,
fern vom lieben Sonnenlicht. Wohl dem Bergmann, der beten
kann!“ „Beten?“ sagt der andere, „das habe ich schon lange
nicht mehr getan. Wozu auch? Wenn man Glück haben soll,
kriegt man's doch.“ „O was sind Sie für ein armer Mann; das
weiß ich doch aus vieler Erfahrung, daß Beten hilft, ja, daß es
der einzige Trost ist in der größten Not, wenn alle andere Hilfe
aus ist. Adieu!“
Abends kommt der Mann zurück, setzt sich mit einem be⸗
denklichen Gesicht in den Lehnstuhl hinter dem Ofen und sagt kein
Wort, beim Essen auch nicht und hinterher desgleichen; und die
Frau schweigt auch, denn sie kennt ihren Mann. Schließlich
sagt er: „Frau, wir wollen zu Bett gehen, ich bin müde.“
Aber der Schlaf will nicht kommen, unruhig wirft sich der Mann
von der einen Seite auf die andere und stöhnt dabei. „Mann,
was fehlt dir, bist du krank?“ „Krank bin ich nicht, aber ich
kann das Wort von heute morgen mit dem Beten nicht wieder
los werden.“ „Ja, das ist wahr“, sagt die Frau, „gebetet haben
wir nicht, seit wir verheiratet sind. Sollen wir nicht heute an⸗
fangen? Willst du nicht beten?“ „Ich?“ sagt der Mann, „ich
kann nicht beten.“ „O“, sagt die Frau (es war eine kluge Frau,
die ihren Mann wohl zu nehmen wußte), „das machst du mir
Fang nur an, wir
wollen zusammen beten.“ Und in der Tat fängt er an — sie
beten zusammen zum erstenmal. Und war's auch nur ein küm⸗
merlich Gebet von wenig Worten, mit Seufzen unterbrochen, so
hat es doch der gehört, der ins Verborgene sieht. Und sie haben
wieder beten gelernt, je länger, je mehr, und haben's gesehen,
daß Beten hilft, und daß wir einen treuen Gott und Vater im
Himmel haben, der das Flehen seiner Kinder erhört, und sind
dankbar und glücklich geworden in ihrem Vertrauen auf den leben⸗
digen Gott, der nicht will, daß jemand verloren gehe, sondern
daß der Sünder sich bekehre und lebe.
„Dein Wort ist unsers Herzeus Frende und Trost.“
Alle Tröstungen für unser armes Erdenleben liegen im
letzten Grunde im Worte Gottes. Jeder, der in seiner Bibel
zu Hause ist und von Gottes Wort sich leiten läßt, wird fröhlich
und getrost sein.
Der hernach so berühmt gewordene Maler Ludwig Richter
reiste als zwanzigjähriger Jüngling nach Rom, um sich dort weiter
auszubilden. In Salzburg traf er mit einem schiffbrüchigen
Holländer zusammen, der von Triest nach Hause marschierte und
von ihm eine Unterstützung empfing. Seinem Dank fügte der
Beschenkte die Worte hinzu: „Ich habe einen langen Weg vor
mir, aber ich habe einen guten Reisegefährten.“ „Wer ist es
denn?“ „Es ist der liebe HErrgott selber, und hier“ (er zog
ein kleines Neues Testament hervor) „habe ich seine Worte; wenn
ich mit ihm rede, so antwortet er mir daraus. So wandere ich
getrost, lieber junger Herr.“ Diese Rede traf Richters Herz, und
er fand den Frieden Gottes, den er schon lange vergeblich ge⸗
sucht hatte.
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