Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 2 › Seite 22
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 20. Januar 1914, Seite 22
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eigene Tun zu Gnaden annimmt, kann nicht bestehen neben der
Lehre von der Erwählung und Bekehrung in Rücksicht auf das
gute menschliche Verhalten. F. P.
Folgenden Gruß der Nördlichen Konferenz unserer indi⸗
schen Missionare an unsere Glaubensbrüder in Australien finden
wir im „Kirchenboten“ vom 27. November vorigen Jahres:
„Krishnagiri, Salem District, South India, 23. September 1913.
Teure Brüder im HErrn! Gottes Gnade und Gruß zuvor!
Bruder Küchle hat uns über seine Reise nach Australien berichtet
und uns Eure Grüße überbracht. Mit Freuden haben wir ver⸗
nommen, daß Ihr mit regem Interesse unsere Arbeit verfolgt
und auch fernerhin bereit seid, im Gebet und mit Euren Gaben
unserer Mission zu gedenken. Hierfür sowie für die durch Bruder
Küchle uns übersandte Hilfe sagen wir Euch von Herzen Dank.
JEsus Christus, der HErr der Kirche, wolle auch Eure Arbeit
reichlich segnen und sein Wort unter Euch reiche Früchte tragen
lassen. Er befestige uns alle je mehr und mehr in der Erkenntnis
der Wahrheit und in der Einigkeit des Glaubens. Es war uns
eine große Freude, zu hören, wie Bruder Küchle allerorten so
freundlich aufgenommen worden ist und so herzliche Teilnahme
für unsere Mission gefunden hat. Hocherfreut hat uns die Aus⸗
sicht, daß der ehrwürdige Herr Präses uns besuchen will. Er
soll uns herzlich willkommen sein. — Kürzlich haben sich auch auf
unserer ältesten Station, hier in Krishnagiri, eine kleine Anzahl
Leute zum Taufunterricht gemeldet. Das Feld ist reif zur Ernte.
Betet mit uns, daß die Saat reife und uns zur Einheimsung auch
tüchtige Arbeiter geschenkt werden.“ F. P.
Erzbischof Ireland von St. Paul wurde kürzlich im Lutheran
als ein „staunch Jesuit“ bezeichnet. Das ist nicht zutreffend.
Ireland ist nicht Jesuit, sondern steht sogar in einem sehr ge⸗
spannten Verhältnis zum Jesuitenorden. In seinem Erzbistum
ist, nach dem neuesten katholischen Directory, auch nicht ein
Jesuit in kirchlicher Stellung. Eine bittere Fehde kämpfte Ire⸗
land mit den Jesuiten vor etwa zwanzig Jahren aus. Es han⸗
delte sich damals um den sogenannten Faribault⸗Plan. In Fari⸗
bault hatte ein Priester mit der Schulbehörde des Ortes das
Übereinkommen getroffen, daß die Kirche das Gebäude und die
Lehrkräfte stelle, der Staat aber die Lehrkräfte, also in diesem
Falle die unterrichtenden Nonnen, besolde. Ireland hieß die
Sache gut, und man traf diese Einrichtung in Faribault und
Stillwater. Doch wurden Proteste laut gegen diese Vermischung
von Kirche und Staat, und der Plan wurde bald wieder fallen
gelassen. Aus irgendeinem Grunde war Ireland schon damals
den Jesuiten verhaßt, und sie benutzten den Faribault⸗Plan, um
ihn in Rom als Ketzer zu verdächtigen. Er habe nämlich durch
diese Einrichtung gegen den römischen Grundsatz gesündigt, daß
die Erziehung durchaus Sache der Eltern und nicht des Staates
sei. Ireland ist damals nach Rom und hat es verhindert, daß
seine Stellung in der Schulsache den Tadel des Papstes erfuhr.
Er ist, außer Kardinal Gibbons, der gefährlichste Feind der
Religionsfreiheit, wie wir sie in unserm Lande genießen. Und
doch ist das Verhältnis dieser beiden römischen Würdenträger zu⸗
einander ein äußerst gespanntes. Gibbons arbeitet mit den
Jesuiten Hand in Hand, während Ireland auf eigene Faust und
mit eigenen Mitteln seine ehrgeizigen Pläne verfolgt. G.
Mit ihrer Absicht, den Schulfonds des Staates anzuzapfen,
haben die Römischen im Staate Minnesota seit dem Mißlingen
des Faribault⸗Planes im Jahre 1891 geruht. Jetzt wird aus
den Counties Stearns und Morrison gemeldet, daß in den dortigen
Staatsschulen nicht nur Nonnen angestellt sind, sondern daß sie
auch religiösen Unterricht, und zwar während der Schulzeit, er⸗
teilt haben. Ihr Gehalt floß natürlich ohne Abzug in die Kasse
des Benediktinerordens, dem sie angehören. An vier Ortschaften
wurde dieser Unfug getrieben. Jetzt hat die Hochschulbehörde
des Staates folgende Verordnung erlassen: In den öffentlichen
Schulen darf weder während der Schulzeit noch unmittelbar nach
oder vor derselben durch irgendeine Person religiöser Unterricht
erteilt werden. Die öffentliche Schule soll nicht im Interesse
irgendeiner Kirche oder eines religiösen Ordens gebraucht werden.
Die Anstellung von Personen, die ein Gelübde oder eine Ver⸗
pflichtung auf sich haben, die sie hindert, die Gelder, welche für
ihre Dienste als Lehrer bezahlt werden, persönlich entgegen⸗
zunehmen, und tatsächlich solche Gelder irgendeiner Kirche oder
einem kirchlichen Oberen geben müssen, ist anzusehen als eine
gesetzwidrige Verwendung öffentlicher Gelder. Keinem Lehrer
soll es erlaubt sein, die Uniform oder Tracht einer Verbindung
oder eines Ordens zu tragen, solange er als Lehrer in einer
öffentlichen Schule des Staates angestellt ist. — Damit ist diesem
neuesten Versuch der Römischen, die Trennung von Kirche und
Staat zu verwischen, ein Riegel vorgeschoben worden. Der Vor⸗
fall zeigt wieder, daß das Treiben der römischen Kirche hier⸗
zulande auf das schärfste bewacht zu werden verdient. G.
Ein Unterschied zwischen Amerika und Deutschland. Kirch⸗
liche Blätter haben, was die äußere Stellung zur Kirche betrifft,
wiederholt auf einen Unterschied zwischen Amerika und Deutsch⸗ 4
land hingewiesen. Während es drüben in den sogenannten ge⸗
bildeten Kreisen vielfach zum guten Ton gehöre, sich so zu stellen,
als ob man über Kirche und Kirchengehen hinaus sei, so sei hier
in Amerika gerade das Gegenteil der Fall. Wir glauben, daß
diese Bemerkung im allgemeinen zutrifft. Ein Ingersoll ist hier
in Amerika nie „salonfähig“ geworden. Er war von der „guten
Gesellschaft“ so ziemlich ausgeschlossen. Diese landesübliche
äußere Stellung zur Kirche hat, wie wir in mehreren Fällen be⸗
obachtet haben, bei den Nachkommen der eingewanderten un-—
gläubigen Deutschen eine merkwürdige Erscheinung gezeitigt.
Die eingewanderten „Achtundvierziger“ und andere „gebildete“
Deutsche gingen in keine Kirche. Die zweite Generation bleibt
zwar der Kirche auch noch fern, schickt aber ihre Kinder bereits
wenigstens in die Sonntagsschulen, zuweilen auch schon in die
Gemeindeschulen. Diese äußerlich kirchenfreundliche Haltung gilt
es auszunutzen. F. P.
Ein öffentlicher Aufruf zur Feier des vierhundertjährigen
Jubiläums der Reformation in Deutschland, der von der „Allge⸗
meinen Ev.⸗Luth. Konferenz“ kürzlich ausgesandt worden ist,
lautet in den Hauptpunkten also: „Unsere Kirche rüstet sich aller⸗
orten, das vierhundertjährige Jubiläum der Reformation zu be⸗
gehen. Aufs neue stellt sich ihr der unermeßliche Segen vor
Augen, den ihr Gott durch seinen Knecht Martin Luther ge⸗
schenkt hat. Aber sie kann sich nicht verhehlen, daß ihr reiches
Erbe in der Gegenwart schwer bedroht ist, und daß die Zeichen
der Zeit in eine noch ernstere Zukunft weisen. Schwere Sorge
liegt auf vielen, die unsere Kirche liebhaben. Aber mit Sorgen
ist nichts getan. Zu Taten ruft ein Jubiläum der Reformation
die Kinder der Reformation. ... Daher dünkt es uns eine
rechte und würdige Art der Jubiläumsfeier, eine Stiftung zu
gründen mit dem Zweck, die reine Lehre des Evangeliums zu
fördern und zu erhalten. Auf eins richten wir dabei vor andern
den Blick. Soll auch in Zukunft Gottes Wort im Geiste Luthers
rein und lauter in den Gemeinden gelehrt werden, so liegt alles
daran, daß an den Universitäten eine Theologie gepflegt wird,
die entschlossen und fähig ist, das alte, unverkürzte Evangelium
der Reformation mitten in die Fragen und Bedürfnisse der Gegen⸗
wart hineinzustellen. Wir bedürfen auf den akademischen Lehr⸗
stühlen Männer, die, im alten Glauben selbst festgewurzelt, auch
imstande sind, andere zu lehren und Zeugen des reinen Evan⸗
geliums heranzubilden. In erster Linie ist daher unsere Stiftung
als Stiftung für tüchtige junge Theologen gedacht, um ihnen die
Ausbildung für das akademische Lehramt und den Eintritt in
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