Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 2 › Seite 19

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 20. Januar 1914, Seite 19

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r„VutßberaneE

19

Nacht den Vers: Soll diese Nacht die letzte sein usw. Ich war

erst neun Jahre alt. Mein Bruder, der älter war als ich, über⸗

kam die Mühle. Ich konnte also nicht Müller wer⸗
Eden. Meine Schwester heiratete einen Schullehrer, Thomas
Bräutigam. Ich wurde zu meinem Schwager gebracht, um

dort den Dienst eines „Kindermädchens“ zu versehen und zur

Schule zu gehen. Das war 1841. Man meinte, da ich nicht

Müller werden könne, solle ich für das Schulmeisteramt ausge⸗

bildet werden. Bald wurde aber mein Schwager nach Kulm⸗

der hieß Bachmann. Diesem wurde

seligen Prof. Gräbner vorgestellt.
NUNissionar werden. Doch war ich zu jung.

brachte mich zu Löhe, und ich trat nun in Löhes Haus ein.“

Er machte rasche Fortschritte.

*V

bach versetzt. Ich ging mit. Dort war ein gläubiger Pfarrer,
ich von den Vorfahren des
Bachmann wollte, ich solle
Pfarrer Bachmann

Löhe stand damals wohl. in seiner besten Zeit. Der ihm

* anvertraute vierzehnjährige Knabe zeigte feine Gaben. Welche
Schatten auch der herrschende Rationalismus etwa auf sein
Glaubensleben geworfen haben mochte, hier lebte er bald in
Gottes Wort, und kaum sechzehn Jahre alt, wurde er schon in
umliegende Dörfer geschickt, um Erbauungsstunden zu leiten.
Er reifte schnell. Löhe
Amerika, damit er dort seine weitere Ausbildung erhalte.

sandte ihn daher schon 1846 nach

Unsere Anstalten waren damals eigentlich erst im Werden. In
dem durch Löhes Mithilfe in Fort Wayne errichteten Seminar
durfte der Jüngling zwei Jahre lang seine Sprachkenntnisse
erweitern, aber auch — und es war die Zeit der ersten Liebe —
sein heißes Verlangen nach Weisheit zur Seligkeit mehr stillen.
So sandte man ihn nach Alten⸗
burg, in das Blockhüttlein. Mancher Segen ist aus jener
Hütte über uns gekommen. Mit D. Wunder ist nun der letzte
geschieden, der dort seine letzte Ausbildung erhielt. Hier im

kleineren Kreise, im Unterricht und Umgang des gediegenen

Theologen und geschickten Professors H. Löber, lebte er förmlich
in der Theologie. Das war seiner Seele Lust. Gott fügte es
so, daß der junge Kandidat seinem gläubigen, erfahrenen Pro⸗

fessor auf dessen Sterbelager Trostsprüche vorsagen durfte; ja,

examen,

in Wunders Arnien entschlief Prof. Löber.
Die Predigernot war damals groß. Das Zeugnis der

wackeren Gründer unserer Synode trug schon Frucht. Gemein⸗

den schrien um Versorgung durch wirklich lutherische Pastoren.
So mußte denn D. Wunder schon 1849, als neunzehnjähriger
Jüngling, ins Amt, nachdem er sein theologisches Maturitäts⸗
wie das noch vorhandene betreffende Dokument be⸗
zeugt, „glänzend“ bestanden hatte. D. Walther reiste selbst
mit dem jungen Kandidaten, der einen Beruf nach Mill⸗
stadt, Ill., angenommen hatte, in diese Gemeinde und führte
ihn in deren Mitte am 16. Dezember 1849 ein. Unterwegs
redete Walther mit seinem jungen Freunde — als solcher hatte
er ihn in sein Herz eingeschlossen — auch über das Hände⸗
auflegen bei der Ordination in Scherz und Ernst. Er erklärte,
der junge Pastor dürfe nicht meinen, durch das Händeauflegen
würden Wundergaben mitgeteilt, so daß er nun als ein wirk⸗
licher Wundermann durch allerlei Zeichen Leute von der Wahr⸗
heit seiner Botschaft überzeugen könne. Er habe allerdings
ein Mittel im Amt, das die größten Wunder verrichte, das
Evangelium von JEsu, aber sonst nichts. „Predigen Sie das
Evangelium und halten Sie an mit Lesen!“ Das Evangelium

ist die Kraft Gottes, selig zu machen, Gemeinden zu bauen.

Hier in Millstadt durfte unser Wunder nur zwei Jahre

Erfahrung klar dartut.

trug er große Geduld.

bleiben. Eine Gemeinde, die sich in trauriger Lage befand,
die aber in einem Missionsgebiet lag, das sich besonders später
zu einem äußerst fruchtbaren gestaltete, sandte ihm einen Beruf;
es war die St. Paulusgemeinde in Chicago. Auf Rat der
Synodalbeamten verließ er seine ihm so lieb gewordene erste
Gemeinde. Am 21. September 1851 führte ihn sein Vor⸗
gänger, der spätere Prof. Selle, feierlich in sein neues Arbeits⸗
feld ein. Hierhin hatte Gott ihn bestimmt, wie die spätere
Wir kurzsichtigen Menschen können
bekanntlich Gott nur nachsehen, wenn er an uns vorbeige⸗
zogen ist.

Und nun für diesmal einige kurze Bemerkungen darüber,
wie Gott diesen seinen Knecht für dieses wichtige Arbeitsfeld
ausgerüstet hat und ihn mehr und mehr ausrüstete. Zuerst
und vor allem war er ein von Herzen gläubiger Christ. Aus
der Luft des Rationalismus hinaus war er an das Licht des
reinen Evangeliums geführt worden und hatte darin JIEsum
als seinen Heiland geschaut; der war sein Leben geworden.
Er war deshalb ein Prediger des Evangeliums. Nur Schwär⸗
mer träumen, ein solcher habe mit dem Gesetze nichts zu schaffen.
Unser Wunder wußte das Gesetz zu handhaben, auch gewaltig
scharf, aber nur, recht verstanden, im Dienste des Evangeliums.
Gott hatte ihm eine schöne Predigtgabe mit auf den Weg ge⸗
geben. Er bereitete sich gewissenhaft auf jede Predigt vor und
hatte nicht selten einen Vorrat an Manuskripten für kommende
Sonn⸗ und Festtage bereit liegen. Nach 62 Jahren in einer
Gemeinde hörte ihm diese immer noch gern und aufmerksam zu.
Er verstand es, mit den Leuten umzugehen, und wußte bei aller
Ungeziertheit, sich Respekt und Vertrauen zu gewinnen; grobe
Unfläter konnte er auch derb geradezu verblüffen. Er klagte
dann gerne, daß er eben ein Bayer sei. Zum Organisieren
hatte Gott ihm besonderes Talent verliehen. Mit Schwachen
Vom Worte Gottes gab er, auch um
scheinbar große Dinge auszurichten, nicht einen Tüttel her. Er
hatte ein rasches Urteil, war aber nicht leicht aus dem Konzept
zu bringen. Er dachte scharf und überzeugte daher leicht andere.
Gott hatte ihn wahrlich nicht leer ausgehen lassen. — Es sei
hier gleich rundweg erklärt und zugegeben, daß D. Wunder
seine natürlichen und seine Gnadengaben, wie wir, in irdenem
Gefäße trug. Er klagte häufig über sich selbst; er konnte dar⸗
über in große Angst geraten. Bei seinem Heilande fand er
aber, was er auch hier bedurfte. Und dieser Hirte hatte ihn
gerade in ein solches Amt, in einen solchen Wirkungskreis ge⸗
setzt; er hatte ihn dafür ausersehen und ausgerüstet.

(Fortsetzung folgt.) L. H.

Zeugnis eines gewesenen Freimaurers gegen den
Freimaurerorden.

I.

Warum darf ein Christ nicht dem Geheimbund der Frei⸗
maurer beitreten? ö

Ein Christ darf nicht dem Freimaurerorden beitreten, weil
er schon beim Eintritt in die Loge seinen Heiland und die er⸗
kannte Wahrheit des Evangeliums verleugnen muß, weil er
bei solchem Eintritt einen gotteslästerlichen Eid schwören muß
und weil er damit die Verpflichtung übernimmt, Feinde des

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