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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 12. Mai 1914, Seite 156

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Theater 3 · Theater 6

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8 Tutperante

patrol-Wagen erscheinen und die ganze Gesellschaft sowie auch
den Eigentümer des Theaters nach der Polizeistation bringen.“

In einem andern Theater Chicagos wurde vor einem
Jahre ein Stück gegeben, dessen Name schon so schändlich ist,
daß wir ihn hier nicht wiederzugeben wagen. Ein Kritiker
in der Daily Veus bezeichnete das Stück als „in Fäulnis über⸗
gegangen“, „schlüpfrig“, „empörend scheußlich“, „gemein“, als
ein „Gossenstück“, „unkeusch“, „lasterhaft“, „niedrig“, als einen
„Schweinetrog“, „sewage“ usw. Und das Stück, dem der
Kritiker diese Ehrentitel beilegte, wurde nicht etwa in einer
Spelunke im Chinesenviertel, sondern in dem neuesten Theater
und einem der schönsten Chicagos, an einer Hauptstraße im
Geschäftszentrum gelegen, aufgeführt. Man wird dabei an
das Urteil des Berliner Polizeipräsidiums erinnert, das vor
einigen Jahren entschied, gegen die Aufführung unsittlicher
Stücke im „Residenztheater“ sei nichts einzuwenden, denn es
gingen da doch nur Leute hin, „die sittlich nicht mehr zu ver⸗
derben seien“! Und wenn man auf der Konferenz des Sittlich⸗
keitsvereins in Breslau klagte, das Publikum wolle keine an⸗
ständigen Stücke mehr, es ziehe die schlechten Stücke zu hohen
Preisen den besseren Stücken zu halben Preisen vor, so stimmt
das mit der Beschreibung der Zustände in unserm Lande, wie
sie uns in den angeführten Aussprüchen von Schauspielern,
Theatereigentümern und freimütigen Kritikern vorliegen. Man
wird diesen Leuten wohl nicht „Engherzigkeit“, narrowness,
oder Unkenntnis vorzuwerfen wagen.

Mit diesem Urteil über moderne Theaterstücke stimmt auch,
was man über die Personen, die es auf der Bühne zur Berühmt⸗
heit gebracht haben, wie über das Schauspielerleben überhaupt
vernimmt. Wer sind die Schauspielerinnen, die auf das Volk
die größte Zugkraft ausüben? Es sind gemeine Buhldirnen,
die zum Teil durch ihr Lasterleben eine Art Weltruf erlangt
haben. Wir erinnern nur an die Massen, die sich letzthin her⸗
zudrängten, um die infame Dirne zu sehen, die den Namen
des früheren Königs Manuel von Portugal vor einigen Jahren
stinkend machte, und an die Zugkraft, die eine Evelyn Nesbit
Thaw entwickelte, als sie auf die Bühne ging. Die Einnahmen
des letztgenannten Weibes betrugen §28,000 die Woche.

Schrecklich steht es um die Moral unter dem Schauspieler⸗
volk überhaupt. Eine Schauspielerin schrieb vor einem Jahre
einen Brief an die CVIãαiνο Daily Neus, aus dem wir fol⸗
gende Sätze anführen: „Indem ich aus fünfjähriger Erfahrung
rede, wage ich zu sagen, daß die Befürchtung, daß Schauspiele⸗
rinnen ein liederliches Leben führen, nur allzuwohl begründet
ist. Tatsächlich steht es viel schlimmer, als das Volk im all⸗
gemeinen ahnt. Manche dieser Mädchen versuchen eine Zeit⸗
lang, ein ordentliches Leben zu führen, halten aber nicht stand.
Sucht man nach OQuellen der Unzucht, so übersehe man nicht das
Theater.“ Bestätigt wird diese Aussage durch das oft ange⸗
führte Urteil des französischen Dramendichters Dumas des
Jüngeren, der in einem öffentlichen Brief erklärte, daß die
Schauspielerinnen unfehlbar moralisch zugrunde gehen müßten,
und daß, von dieser Seite angesehen, das Theater „unwider⸗
sprechlich durchaus unmoralisch“ sei, „gleichviel was für Stücke
zur Vorstellung kämen“. Die Pariser Zeitung Le Figaro ver-
öffentlichte vor etwa zehn Jahren einen Brief Dumas' aus
dem Jahre 1892, der an eine Dame gerichtet war, deren Tochter
die Bühnenlaufbahn betreten wollte, und der folgenden Wort⸗
laut hatte: „Wenn ein Mädchen aus den allerniedrig⸗

sten Volksschichten diese Laufbahn betreten will und Talent
zu haben scheint, gebe ich ihr Unterstützung. Doch verweigere
ich jede solche Unterstützung, wenn das betreffende Mädchen
aus guter, anständiger Familie stammt; denn für sie wäre
alles, selbst der Tod, einem solchen ehrlosen Dasein vorzuziehen.“
Und einem Freunde gegenüber tat Dumas die Außerung: „Ich
habe zwei Töchter. Wenn die sich berufen fühlten, auf die
Bühne zu gehen, wenn ich sie nicht davon abhalten könnte, und
sie mich ersuchen würden, sie einem Theaterdirektor vorzu⸗
stellen, so würde ich mit ihnen gehen, aber nicht im Wagen,
sondern zu Fuß. Ich würde mit ihnen dem Seinefluß entlang
eilen und sie da hineinstoßen, wo die Strömung am stärksten
ist, und dann würde ich mich den Gerichten ausliefern und
vor Gott und Menschen bekennen: Meine Hände sind rein von
aller Schuld. (1) Tausendmal lieber auf dem Grund der
Seine als in dem Pfuhl der Verworfenheit, in welchem das
Theater die Schauspielerinnen untergehen läßt.“

In dem „Lutherischen Kirchenboten für Australien“ stand
am 25. April 1907 folgendes zu lesen: „Kann ein Schau⸗
spieler ein Christ sein? Diese Frage hat neulich eine gewesene
Schauspielerin, Frl. Ada Ward, ganz entschieden mit Nein be⸗
antwortet. Diese Ada Ward war bis vor kurzem eine Schau⸗
spielerin, die auf den Bühnen der Theater in den Großstädten
Englands und anderer Länder bekannt war und die von der
Welt gelobt und gerühmt wurde, die aber nun dem Bühnen⸗
leben den Abschied gegeben hat, da sie, wie sie bekennt, jetzt zu
Christo bekehrt sei. In Melbourne hat diese Ada Ward meh⸗
rere Vorträge gehalten. In dem einen hat sie ihren Lebens⸗
lauf erzählt. Wie sie darin bezeugt, ist das Schauspielerleben
ein Leben in Sünden. Das heutige Theater sei eine Brutstätte
der Leidenschaften des Fleisches. Sie selbst habe gelebt in
allen Genüssen, welche die Welt dem Fleische bieten könne, und
sie habe viel Jammer und Elend gesehen, deren Ursache das
Theaterspiel und der Theaterbesuch gewesen sei. In einem
andern Vortrage hat sie erklärt, daß kein Schauspieler ein
wahrer Christ sein könne.“ Dazu bemerkt der „Kirchenbote“:
„Ein wahrer Christ, der seinen Heiland liebt und ihm zu Ehren
leben will, kann das Theaterspiel nicht gutheißen. Weder kann
er selbst auf der Bühne des Theaters als Schauspieler auf⸗
treten, das Gewerbe eines Schauspielers treiben, noch kann er
ein Theaterbesucher, ein Theaterliebhaber sein. Im Schauspiel

werden die größten Laster als Tugenden dargestellt, oder wer⸗

den doch beschönigt. er die Theater besucht, besucht die
Schulen des Unglaubens und der fleischlichen Wollust. Daß
man in der Schule des Theaters Bildung und Gesittung lerne,
ist eine Lehre des Teufels, der damit die Menschenkinder in
den Pfuhl der gemeinsten Sünden zieht.“

Diesem Urteil wird der christliche Leser seine Beistimmung
nicht versagen. Das Theater ist eine der „Gelegenheiten zur
Unkeuschheit“, vor der unser Katechismus warnt. Während das
sechste Gebot sagt: „Du sollst nicht ehebrechen“, werden im
Theater die Sünden der Hurerei, der Unzucht und des Ehe⸗
bruchs als leicht verzeihliche Dinge hingestellt und die fleisch⸗
liche Lust durch alle nur erdenklichen Künste erregt. Tritt daher
die Welt mit ihren Lockungen an uns heran und will sie uns
zu demselben unordentlichen Wesen verleiten, so sollen wir uns
der Schriftworte erinnern: „Stellet euch nicht dieser Welt
gleich“, Röm. 12, 2. „Mache dich nicht teilhaftig fremder
Sünden“, 1 Tim. 5, 22. „Habt nicht lieb die Welt, noch

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