Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 10 › Seite 162
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 12. Mai 1914, Seite 162
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Tanz 8
162
SEer „utheraned
ich mußte noch aus einem andern Grunde ins Zimmer eintreten:
ich bedurfte gewisser Papiere, die sich dort befanden.
Ich kann nicht beschreiben, was nun folgte. Der Gram der
Eltern war herzzerreißend.
Kreuz ist, einen ungeratenen Sohn zu haben. Es war nicht
möglich, in Eile meinen Auftrag zu erledigen. Ich blieb wohl
eine halbe Stunde; ich mußte den in den Staub gebeugten alten
Leuten menschliche Teilnahme zeigen. Dabei durfte ich Zeuge
sein, wie ein Lichtstrahl der göttlichen Gnade in das Dunkel fiel:
aus dem Schluchzen und Jammern rang sich ein Laut des Glau⸗
bens und der Hoffnung empor. Zuerst ließ sich nichts als Klage
über Klage vernehmen; dann aber äußerte der greise Vater:
„Sei nur stille, Frau! Gott wird doch noch unsere Gebete er⸗
hören.“
sehen können, sein gutes Werk in dem Herzen des Sohnes an⸗
gefangen. Ich denke, er wird es auch vollführen.
(Zionsbote.)
—3——9————
— —
„Vor einem bösen, schnellen Tod —.“
Die Mormonen lieben den Tanz und haben auch nichts da⸗
gegen, wenn ihre Jugend und ihre kleinen Kinder tanzen. Des
öfteren werden ihre Kirchen in einen Tanzsaal umgewandelt,
indem die Bänke beiseitegeschoben werden. Jede Gottlosigkeit
zeitigt aber ihre Früchte. Und so auch hier.
Unlängst gingen einige junge Leute von Ashton, Idaho, nach
dem acht Meilen entfernten Chester, um dort einem Tanz bei⸗
zuwohnen. Gegen zwei Uhr morgens machten sich die acht jungen
Leute auf den Heimweg. Der Mond schien, die Landstraße war
eben, der vorderste Sitz wurde umgedreht, die Leinen angebunden
und die Pferde sich selbst überlassen. So fuhren sie im“Mormon
hack“, auch white top“ genannt, weil er von weißem Zelttuch
überzogen ist, nach Hause. In der Nähe Ashtons mußten sie die
Bahn kreuzen. Um 3.40 morgens rollte der schwerbeladene
Lellowstone Special-Passagierzug mit einer Geschwindigkeit von
dreißig Meilen die Stunde daher und pfiff auch, ehe er an die
Kreuzung kam, aber die Tänzer, wahrscheinlich vom Schlaf über⸗
mannt, hörten es nicht. Die Pferde gingen vorwärts, und mit
jedem Augenblick kamen Lokomotive und Fuhrwerk näher zusam⸗
men. Im nächsten Nu war das Unglück geschehen. Die Pferde
retteten durch einen Satz ihr Leben, aber die wie im Gefängnis
eingesperrten Jünglinge und Jungfrauen wurden blitzschnell vom
Stahlroß dahingerissen. Vier wurden zur Seite geschleudert und
vier vom Viehräumer aufgefangen und mit nach Ashton ge⸗
nommen. Dort erst erfuhr das Zugpersonal von dem Unglück.
Den letzten Berichten zufolge sind drei tot und zwei dem Tode
nahe. Das war es, warum man an dem Abend so viel lautes
Weinen auf dem Bahnhof zu Ashton hören konnte. „Ist auch ein
Unglück in der Stadt, das der HErr nicht tue?“ Amos 3, 6.
Der HErr behüte uns vor einem solch bösen, schnellen Tod!
Wer möchte unmittelbar von dem Tanzboden vor den Richterstuhl
Christi gestellt werden? J. A. S.
— 2*
Komm, wie du bist!
Ich habe einmal von einem Künstler gelesen, der ein Bild
des verlornen Sohnes malen wollte. Er fragte in allen Irren⸗
häusern, Armenhäusern und Gefängnissen nach einem Menschen,
der elend genug aussehe, um den verlornen Sohn vorzustellen,
aber umsonst. Eines Tages aber begegnete er einem Bettler auf
der Straße, den er brauchen zu können dachte. Er sagte zu dem
armen Burschen, er wolle ihm einen guten Lohn geben, wenn er
morgen in sein Haus komme und sich malen lasse. Der Bettler
Nun wußte ich, was das für ein
In jener Stunde hat der HErr, soweit Menschenaugen
sagte vergnügt zu. Zur bestimmten Stunde erschien der Bettler
im Atelier des Malers. Als man ihn in das Arbeitszimmer ge⸗
wiesen hatte, sagte er zu dem Künstler: „Sie haben mich be⸗
stellt.“ Der Maler sah ihn an und sagte: „Ich habe Euch noch
nie gesehen. Kann Euch nicht bestellt haben.“ „Doch“, er⸗
widerte dieser, „Sie haben mich auf 10 Uhr bestellt.“
müßt Euch irren. Ein anderer Maler muß es gewesen sein, der
Euch bestellt hat. Ich erwarte einen Bettler zu dieser Stunde.“
„Der bin ich“, sagte der Bettler. „Ihr?“ „Ja.“ „Was habt
Ihr denn gemacht?“ „Ach, ich dachte, ich wolle mich ein wenig
putzen, ehe ich mich malen lasse.“ „Dann kann ich Euch nicht
brauchen“, sagte der Künstler. „Ich wollte Euch haben geradeso,
wie Ihr waret; so kann ich Euch nicht brauchen.“
Geradeso will Christus jeden armen Sünder ganz, wie er ist.
— Es ist mir, als hörte ich jemand sagen: „Aber mein Herz ist
gar zu hart.“ Gerade deswegen solltet ihr kommen. Hättet ihr
kein hartes Herz, dann hättet ihr keinen Heiland nötig. Meint
ihr, ihr könntet euer Herz erweichen? Könnt ihr euch selbst ein
zerbrochenes Herz geben? Hat nicht Gott Sünder mit steinernen
Herzen geladen? Ist nicht Christus gekommen, um selig zu
machen, was verloren ist? Gerade weil Menschenherzen so hart
sind, brauchen wir einen Heiland. Diese Ausrede gilt also gar
nicht. Gott läßt euch einladen, und ihr wollt sagen, ihr habt
seine Einladung nicht annehmen können, weil ihr ein so hartes
Herz habt? Er läßt einladen und ausrufen: „Wer da will“,
und du darfst dein hartes Herz mitbringen geradeso, wie es ist.
Gesund heimgekommen.
Es war Abend geworden, als die Klingel an meiner Haus⸗
tür noch einmal gezogen wurde. Ich weiß nicht, zum wievielten
Male es an diesem Tage war, ich weiß nur, daß ich recht ärgerlich
öffnete und den draußen stehenden Mann nach seinem Begehr
fragte, vielleicht auch in etwas scharfem Tone. Da erkannte ich
an der Stimme einen frommen Arbeiter meiner Gemeinde, mit
dem ich oft über seinen ältesten Sohn geredet hatte, der seit
Jahren auf der Wanderschaft war. Der Vater hatte mir oft
seine Sorge geoffenbart, daß nur sein Sohn nicht das „gute
Teil“ verlieren möchte in der Fremde. Unsere Sorgen hatten
sich wohl auch ab und zu zu gemeinsamen fürbittenden Gebeten
gestaltet. Nun kam der Vater, und Freude leuchtete in seinen
Augen, als er erzählte: „Herr Pastor, heute nachmittag ist mein
Sohn von der Wanderschaft heimgekommen. Wie groß und stark
er nun geworden ist und wie gesund er aussieht! Ich freute mich;
aber vollkommen wurde meine Freude erst heute abend. Die
Mutter deckte den Tisch und trug die Kartoffeln auf. Ich dachte:
Was wird der Junge machen? Wissen Sie, was er machte, Herr
Pastor? Vater“, sagte er, „Vater, Ihr denkt, ich hätte es in der
Fremde verlernt! Ich hab's nicht verlernt, Vater!“ Und nun
stand er auf und faltete die Hände und betete, wie er vor vier
Jahren zuletzt gebetet hatte bei uns und in seiner Kindheit stets.
Da habe ich geweint vor Freude und Dank, und die Freude
mußten Sie auch haben, daß mein Junge gesund aus der Fremde
gekommen ist.“
Nach diesen Worten schämte ich mich meines Urgers. Welche
Freude hatte mir da der HErr noch auf den Abend aufgehoben!
Es war eine neue Lektion über das alte, dem alten Menschen so
schwer eingehende Thema, daß Gottes Segen zumeist auf den
Wegen liegt, die unserm natürlichen Herzen unbequem sind. —
In die Fremde müssen sie alle ohne Unterschied hinaus. Davor
ein Kind behüten wollen, wäre töricht gehandelt. Sorgt nur,
ihr Väter und Mütter, und betet, daß eure Kinder „gesund aus
der Fremde heimkommen“, zuerst vielleicht ins irdische, zuletzt
ins ewige Vaterhaus. (Rhein.⸗Westfäl. Wochenbl.)
„Ihr 4
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