Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 10 › Seite 158

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 12. Mai 1914, Seite 158

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158

S Der G„Tuthieranedse⸗

Kurze Nachrichten aus unsern Missionen.

Innere Mission. Canada. Jedes Jahr kommen viele
unserer Lutheraner von den Vereinigten Staaten nach dem west⸗
lichen Canada, um dornt ihren Wohnsitz aufzuschlagen. Im
Jahre 1912 waren es nicht weniger als 190,000 Einwanderer,
die von dorther nach Canada kamen, und wie viele unserer
Leute mögen nicht darunter gewesen sein! Aber wo sind sie?
Das westliche Canada ist groß, mehrmals so groß als das ganze
Deutsche Reich. Unsere Reiseprediger arbeiten ja fleißig; sie
scheuen keine Mühen und Strapazen, solche zerstreute Luthe⸗
raner zu Gemeinden zu sammeln oder ihnen doch so oft als
möglich die reine lutherische Lehre zu predigen. Aber wie viele
bleiben trotz alledem oft jahrelang in irgendeinem entfernten
Winkel verborgen! Ungetauft, ohne Unterricht, ohne Kirche
wachsen ihre Kinder auf, verheiraten sich später mit Anders⸗
gläubigen und gehen so der lutherischen Kirche für immer ver⸗
loren, ja gehen selber vielleicht gar ewig verloren. Und immer
wieder macht man die traurige Erfahrung, daß Leute, die ein⸗
mal längere Zeit ohne Kirche und Gottes Wort fertig geworden
sind, sich nur schwer gewinnen und nur selten wieder ganz daran
gewöhnen lassen. Und wieviel Zeit, Mühe und Geld könnte
außerdem der Mission gespart werden, wenn Leute nicht gar so
leichtfertig in der Auswahl ihrer neuen Heimat wären, wenn
sie nicht bloß fragten: Ist da gutes Land, gutes Wasser, ein
guter Markt? sondern auch: Ist da eine lutherische Kirche oder
doch wenigstens Aussicht, daß eine solche gegründet werden
kann? Leute anderer Kirchengemeinschaften handeln hier oft
viel weiser. Mormonen findet man meistens in Gruppen, nur
selten einzelne Familien; Mennoniten ebenfalls; auch die Ka⸗
tholiken trachten danach, sich mehr in Kolonien anzusiedeln.
Aber wir Lutheraner versäumen es hierin gar häufig. Wenn
darum im kommenden Jahr Lutheraner nach dem westlichen
Canada zu kommen gedenken — und es werden wohl viele dort⸗
hin ziehen —, so mögen sie doch nicht vergessen, daß man auch
in Canada nicht ohne Gott und Gottes Wort recht leben und
selig sterben kann. Und was hülfe es dem Menschen, so er die
ganze Welt gewönne, falls er noch so viel billiges Land be—
käme, und nähme doch Schaden an seiner Seele? Wer darum
zu kommen gedenkt und wissen will, wo sich Lutheraner oder
eine lutherische Kirche findet, der bestelle sich den „Missions⸗
freund“, ein Blatt, das von den Pastoren des westlichen Canada
herausgegeben wird. Für Leser in den Vereinigten Staaten
kostet es 45 Cents und kann bei Rev. P. Ross, 694 College Ave.,
Winnipeg, Man., Can., bestellt werden.

Alfred Rehwinkel.

Taubstummenmission. Chicago. Die kleine Taubstum⸗
mengemeinde in Chicago, die wirklich als eine arme Gemeinde
gelten muß und längst noch nicht selbständig ist, hat ein reges
Interesse an der Sache der Synode. Für das Jahr 1914 hat
sie sieben Extrakollekten für sechs Synodal⸗ und Wohltätigkeits⸗
zwecke angesetzt. Vor einigen Jahren hat die Synode diese
Taubstummenmission angefangen. Das Werk wurde gesegnet,
und die Früchte zeigen sich gerade auch insofern, als diese Leute
nun am gemeinsamen Strang ziehen und die Sache des Reiches
Gottes för dern. N. P. Uhlig.

Seemannsmission. Philadelphia. Nach Angabe der
hiesigen Hafenbehörde kamen und gingen im Jahre 1913 5870
übersee⸗ und Küstenschiffe mit einer amtlich auf 42,000 ge⸗

schätzten Zahl von Seeleuten. Von diesen Schiffen wurden 366
besucht, 265 Frachtdampfer (Passagierdampfer nur ausnahms⸗
weise) und 101 Segelschiffe. Die Predigtgelegenheiten mehrten
sich in erfreulicher Weise. Es konnte besonders in der letzten
Hälfte des Jahres morgens und abends fast jeden Sonntag
auf Schiffen gepredigt werden. Schiffe, die nicht über Sonn⸗
tag im Hafen blieben, wurden während der Woche abends be⸗
dient. Die Zahl der Gottesdienste betrug 99; von diesen wur⸗
den 91 englisch und 8 deutsch gehalten. Die Zahl der Zuhörer
belief sich auf 868. Drei Gottesdienste wurden durch unflä⸗
tiges Betragen und Reden so gestört, daß abgebrochen werden
mußte. Unter den Zuhörern waren 31 Nationalitäten in nach⸗
folgenden Zahlen vertreten: Englische: 204, Norweger: 156,
Deutsche: 106, Schweden: 53, Letten: 4, Belgier: 7, Fin⸗
nen: 34, Dänen: 15, Russen: 7, Spanier: 27, afrikanische
Neger: 8, Araber: 30, Portugiesen: 36, Italiener: 19,
Singhalesen: 1, amerikanische Neger: 55, Hawaianer: 3, Hol⸗
länder: 9, Türken: 7, Griechen 9, Argentinier: 1, Esten: 1,
Indier: 36, Litauer: 1, westindische Neger: 10, Franzosen: 5,
Isländer: 1, Chinesen: 7, San Blas⸗Indianer: 3, Flamlän⸗
der: 1, Malaien: 12. An diese, mit Ausnahme der San Blas⸗
Indianer, wurden 2212 Testamente oder Sonderevangelien in
ihnen verständlichen Sprachen verteilt. Die Seeleute aus stock⸗
katholischen Ländern, zum Beispiel Griechenland, Spanien,
Italien, Portugal, erwiesen sich als die begierigsten Empfänger.
Neben vielen Nummern des „Lutheraner“, „Zeuge und An⸗
zeiger“ und Lutheran Pioneer wurden 1412 für diesen Zweck
sorgfältig gewählte Traktate in deutscher und englischer Sprache
verteilt. In den Hospitälern wurden 73 Seeleute seelsorgerlich
besucht; einer starb im Glauben an seinen Heiland und wurde
christlich bestattet. Für Schwerkranke und Verletzte wurden ihre
Briefe an die Angehörigen in der Heimat geschrieben. In der
Missionarswohnung wurden 64 Seeleute empfangen und be⸗
raten. Das Segelschiff „Glamis“, auf dem wiederholt Gottes⸗
dienste abgehalten worden waren, scheiterte ohne Verlust an
Menschenleben auf einem Felsenriff in Westindien. Der Eisen⸗
erzdampfer „Malmberget“, unter dessen Mannschaft vor der
letzten Fahrt die Heilige Schrift verteilt wurde, ging mit 47
Mann im Sturm an der Küste Norwegens unter. Keiner ret⸗
tete das Leben. Christ, Kyrie, erbarm' dich aller auf See!
A. H. Winter.

Argentinien. Die vier in Argentinien arbeitenden Pasto⸗
ren bedienen gegenwärtig 24 Gemeinden und Missionsposten.
Davon entfallen auf den Unterzeichneten acht, auf P. Nicklas
(Lucas Gonzalez) vier, auf Stadtmissionar P. Rüsch (Buenos
Aires) zwei und auf Reiseprediger P. Schröder zehn.

O. B.

London: Dreieinigkeitsgemeinde in Tottenham. Im Jahr
1913 wurden in unserer Mitte 59 Gottesdienste abgehalten,
die durchschnittlich von 35 Zuhörern besucht wurden. Nach
Ostern wurden die Bibelstunden Mittwochabends wieder einge⸗
führt, denen zwölf bis fünfzehn Zuhörer beiwohnten. Das letzte
Jahr war insofern für uns ein trauriges, als wir zu Ostern
unsere Gemeinde⸗ und Missionsschule, die schon über dreizehn
Jahre bestanden hatte, wegen Mangels an Kräften haben ein⸗
gehen lassen müssen. Um den Kindern einigermaßen einen
Ersatz zu bieten, führten wir eine Samstagsschule ein, in der
Religionsunterricht wie auch Unterricht in der deutschen Sprache
erteilt wird. In der Samstagsschule sind gegenwärtig zehn

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