Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 10 › Seite 160

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 12. Mai 1914, Seite 160

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S er utheraner

8500; 855: 8200. Dazu schreibt P. Sauer, dem wir diese
Angaben über Nord⸗Illinois verdanken: „Bemerkenswert ist, daß
die Hälfte der achtzehn Gemeinden in den letzten Jahren Kirchen
erbauten, manche sogar Kirche, Schule und Pfarrhaus, und da⸗
durch in Schulden geraten sind. Zudem sind diese Gemeinden ja
sehr für das Lehrerseminar in Anspruch genommen worden. Aber
durch Unterrichten der Leute über die Bedürfnisse der Mis⸗
sionen und durch Benutzung von Kuverten ist trotz anderer großer
Ausgaben die Mission viel reichlicher bedacht worden.“ G.
über die Bedeutung unserer Gemeindeschulen schrieb kürz⸗
lich ein Gemeindeglied in einem Lokalblättchen so köstliche Worte.
daß wir sie gerne an alle Gemeinden der Synode weitergeben
möchten. Es sei ein Abschnitt des Artikels hier abgedruckt.
„Wenn ein Mann“, lesen wir da, „einen schönen Fruchtgarten
pflanzen und erhalten will, so legt er zuerst eine Baumschule an,
zieht und pflegt die jungen Bäumchen, schützt sie vor Stürmen,
behackt, beschneidet und stützt sie, sorgt auch dafür, daß sie Licht
und Luft bekommen. So ist es mit der christlichen Gemeinde⸗
schule. Sie ist des lieben Gottes Baumschule, wo für den Garten
Gottes die Bäumchen gezogen werden so recht nach seinem Herzen.
Der Lehrer ist der Gärtner, das Evangelium ist der Sonnen⸗
schein und Regen, und durch das Gesetz werden die Bäumchen
umgraben und beschnitten. Und der Segen? Ja, mein lieber
Freund, wenn du und ich schon längst im Garten Gottes dort
oben stehen werden, dann werden diese Kinder unsere Stelle hier
einnehmen und das Werk des SErrn weitertreiben. q‚Ja“, sagt
mancher, „es ist ja alles wahr, was du sagst, aber die Schule
kostet nur so viel Geld!“ Freilich, das ist wahr; aber sie ist die
Kosten auch reichlich wert. Wenn du stirbst, dann kannst du dein
Gold und Silber nicht mitnehmen, aber dein Werk, das du an
diesen Kindern getan hast, wird dir nachfolgen. Wenn du nun
reichlich zum Unterhalt der Schule beigesteuert und deine Kinder
fleißig zum Besuch derselben, zum Hören und Lernen des Wortes
Gottes angehalten hast, dann wisse: „Es ist noch Raum da“ und:
Nötige sie hereinzukommen“, die noch draußen sind, spricht der
SErr, „auf daß mein Haus voll werde.“ Und wenn du am Sonn⸗
tag das allgemeine Kirchengebet mitbetest, dann sprich zum HErrn:
„Und gedenke auch in Gnaden an unsere Schule!“' Und wenn du
die zweite Bitte des heiligen Vaterunsers betest, so wisse, daß
gerade auch durch die christliche Gemeindeschule das Reich Gottes
gefördert und gebaut wird.“ G.
Hauptsächlich dem „fanatischen Luthertum dieses Landes“
gibt ein Artikel im „Friedensboten“ die Schuld dafür, daß „die
weltliche Presse es wagt, das deutsch⸗evangelische Kirchentum so
frech zu ignorieren“. „An Zahl und Einfluß stark“, heißt es da,
„macht es (nämlich das Luthertum] durch seinen Fanatismus
und seine Exklusivität die Kirche verächtlich in den Augen von
vielen gebildeten Deutschen.“ Wenn derselbe Schreiber dann
ausführt, daß die „starke Einheit und die ausgesprochene Loya⸗
lität gegen ihre Kirche der katholischen Kirche ein Gewicht in
den Zeitungsredaktionen verleiht, das diese nicht geringzuachten
wagen“, so scheint er sich nicht bewußt zu sein, daß er, im Grunde
genommen, gerade das als eine Schwäche der lutherischen Kirche
hinstellt, was er bei der römischen Kirche als einen Grund ihrer
Macht anerkennt. Was er bei den Papstknechten als „Loyalität“
bezeichnet, gilt ihm im Falle der Lutheraner als „Exklusivität und
Fanatismus“. Das heißt mit ungleichem Maß messen. Man
fege doch vor der eigenen Tür und besinne sich darauf, ob nicht
die reformierten Kirchen mit ihren auf Sensation berechneten
Methoden ihr Teil dazu beitragen, daß die Kirche in manchen
Kreisen verachtet wird. Das neueste Stück derart wird aus
Fresno, Cal., berichtet. Dort kamen die Sektenprediger kürz⸗
lich darin überein, einen Sonntag ihre Kanzeln den Knaben
der Gemeinden einzuräumen. Am 22. Februar hielten dann im
Abendgottesdienst halbwüchsige Burschen Vorträge über Themata

wie: „Around the House“, On the Job“,At Church“, With

the Bunch“, „In Business“ usw. Meint man, daß eine solche
Kniehosenvorstellung auf der Kanzel etwa der Kirche die Achtung
des Volkes erwirbt? Wenn der Verfasser jenes Artikels aber
besonders die „gebildeten Deutschen“ erwähnt, so übersieht er
offenbar, daß die lutherische Kirche einen solchen Unterschied von
„gebildeten“ und „ungebildeten“ Gliedern nicht kennt, sondern
nur von Leuten weiß, die das Evangelium annehmen, und von
solchen, die es verwerfen. Und wer das Evangelium verwirft,
der trägt, sei er „gebildet“ oder nicht, selber den Verlust davon.
G.

Gerade vor der „Exklusivität“ unserer Kirche hat selbst die
Welt Respekt. Dafür einen Beleg aus jüngster Zeit. In Illmo,
einem Städtchen des südöstlichen Missouri, baute vor einigen
Jahren der dortige katholische Priester eine Kirche. Um diese
Kirche zu bauen, machte er es, wie es die Priester zu machen
pflegen: er sammelte Geld, wo er es kriegen konnte, vor allem
bei den Geschäftsleuten des Städtchens, die für bazaars, fairs
und andere Vorführungen massenhaft Tickets kaufen und „do-
nations“ machen mußten. Man wußte — weigerte man sich, so
verhing der Priester den Boykott. So wurde die katholische Kirche
gebaut. Ein wenig später bauten die Methodisten eine Kirche,
und wieder wurden die Geschäftsleute mit Bitten um Geschenke
angelaufen, wieder mußte das ganze Städtchen durch Anteil⸗
nahme an allerlei Veranstaltungen die neue Kirche bezahlen
helfen. Jetzt fing unsere dortige Gemeinde an, vom Kirchbau
zu reden. Davon hörten die Geschäftsleute Illmos, und es wurde
ihnen schwül. Sie erwarteten natürlich, wieder um ihre Mit⸗
hilfe bestürmt zu werden. Als unsere Leute aber ans Werk gingen
und mit großer „Exklusivität“ unter sich das Geld aufbrachten —
an die §10,000 — und keinen Menschen sonst um Hilfe angingen,
da atmeten die Leute, die eine dritte Rupfung befürchtet hatten,
auf. Sie wurden diesmal tatsächlich verschont! Aus Dankbar⸗
keit dafür, und wie sie ausdrücklich betonten, um den Lutheranern
ihre Achtung zu bezeigen, sammelten sie ganz freiwillig, ohne
unsere Gemeinde zu fragen, einige hundert Dollars, ließen eine
Turmuhr bauen und ohne viel Zeremonie in den Turm hin⸗
einsetzen, als der Bau so weit gediehen war. Einen ähnlichen
Vorfall berichtete der „Lutheraner“ vor etwa einem Jahre aus
Mattoon, Ill. G.

Die Episkopalkirche legt sich in den letzten Jahren für die
Vereinigung aller christlichen Gemeinschaften sehr ins Geschirr.
Sieht man jedoch die Uneinigkeit an, die gerade in der Episkopal⸗
kirche herrscht, so möchte man den Leuten raten, doch einmal zu
beweisen, daß sie in der eigenen Mitte Einmütigkeit erzielen
können, ehe sie andern sagen, wie man das macht. Ein Episkopal⸗
prediger, Rev. Royden Keith Yerkes in Philadelphia, beschrieb
die Zustände in seiner Gemeinschaft kürzlich mit diesen Worten:
„Wenn ein Episkopale eine Kirche seiner Gemeinschaft in einer
fremden Stadt besucht, weiß er nie, was für eine Art Religion
er dort zu hören bekommen wird. Er weiß nicht, was für eine
Lehre seinen Kindern in der Sonntagsschule vorgetragen wird.
Es kann sein, daß sie unterrichtet werden, es gäbe zwei Sakra⸗
mente, oder auch, daß es ihrer sieben sind. Es kann sein, daß
sie belehrt werden, Christus sei gegenwärtig im Brot und Wein,
oder auch, daß dieses geleugnet wird. In einer Kirche hat man
Ohrenbeichte, in andern nicht. In einigen wird gefastet, in andern
nicht. In einigen wird die geweihte Hostie angebetet, in andern
wird gelehrt, das sei Götzendienst. So verschieden“, sagt schließ⸗
lich Rev. Herkes, „sind die Ansichten, die unsere Pastoren haben,
daß jetzt jeder gerade lehrt und tut, wie es ihm gefällt.“ So
steht es unter den Leuten, die das große Wort führen in der
Vereinigungsbewegung. Nimmermehr kann daraus eine Ver⸗
einigung in der Wahrheit werden. G.

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