Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 12 › Seite 189
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 9. Juni 1914, Seite 189
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Sozialismus
Sr „Tutherane
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Delegatensynode zur Annahme, resp. Verwerfung oder Ver⸗
besserung, vorlegt.
3. Die Wahlkollegien für die Seminare bilden der Allge—
meine Präses, resp. einer der Vizepräsides, die Aufsichtsbehörde
des betreffenden Seminars mit einer Kollektivstimme sowie fünf
Personen, die von der Allgemeinen Synode selbst aus ihrer Mitte
heraus gewählt werden.
Für die Lehrerseminare sollen zwei der genannten fünf Per—
sonen Lehrer sein.
Schulbücher.
Beschlossen: 1. daß jede der Kommissionen für Schulbücher
hinfort bestehen soll aus zwei Professoren unserer höheren Lehr⸗
anstalten und aus drei im praktischen Schulamt stehenden Lehrern;
2. daß die Glieder der einzelnen Kommissionen nahe bei⸗
einander wohnen;
3. daß jede der in Frage stehenden Kommissionen instruiert
werde, die Herausgabe notwendig werdender neuer Schulbücher
sowie auch Verbesserungen an den bereits vorhandenen zu be⸗
antragen;
4. daß bei Herausgabe einer neuen Serie englischer Lese⸗
bücher die wirklichen Mängel beseitigt werden;
5. daß eine „Biblische Geschichte für gemischte Schulen“ aus⸗
gearbeitet werde.
Reformationsjubiläum.
Beschlossen, im Jahre 1917 eine große Reformationsjubel⸗
feier zu veranstalten und bei dieser Gelegenheit einen großen
Fonds zu sammeln für die Allgemeine Kirchbaukasse.
Protest.
Die Synode beschloß, a. beim Präsidenten unsers Landes
vorstellig zu werden betreffs seiner Beteiligung an der römischen
Messe, da Kirche und Staat in diesem Lande streng geschieden sein
sollen; b. als Gesamtkörperschaft zu protestieren bei dem natio⸗
nalen Kongreß gegen die Erhebung des sogenannten Columbus
Day zu einem Nationalfeiertag; c. den Allgemeinen Präses unse⸗
rer Synode zu beauftragen und zu bevollmächtigen, im Namen der
Synode bei dem Präsidenten des Landes vorstellig zu werden,
sobald wieder ähnliche Bestrebungen, durch welche Staat und Kirche
vermengt werden, ans Tageslicht kommen.
Verschiedenes.
Beschlossen: 1. daß die Namen der Lehrer unserer Synode
auch in der zweiten Liste unsers Kalenders, und zwar gleich nach
dem Namen des Pastors, an dessen Gemeinde sie stehen, er⸗
scheinen sollen;
2.»'daß Schulbücher an Waisenhäuser zwar nicht frei, aber
doch so billig als möglich geliefert werden;
3. daß das „Statistische Jahrbuch“ hinfort nur alle drei
Jahre erscheine statt alljährlich;
4. daß der Bericht über die Delegatensynode, wo möglich,
sechs Wochen nach Schluß der Shnode fertiggestellt werde;
5. daß das Concordia Publishing House instruiert werde,
nochmals einen energischen Versuch zu machen, die rückständigen
Synodalbeiträge einzukassieren;
6. daß die Synode die Bitte ausspricht, daß doch alle Kun⸗
den unsers Verlagshauses nicht allzulange warten möchten mit
der Bezahlung ihrer Schulden.
Ein Komitee soll der Synode in drei Jahren den Entwurf zu
einer neuen Synodalkonstitution vorlegen.
Gottesdienste.
Am Freitagabend fand ein Missionsgottesdienst statt, in
welchem P. C. F. Dietz über Luk. 5. 1—11 predigte. Er er⸗
munterte zu treuer Arbeit im Werk der Inneren Mission und
stellte die Jünger als Vorbild hin in ihrem Gehorsam, ihrer
Geduld, ihrer Demut und ihrem Vertrauen.
Am Sonntagvormittag predigten in allen lutherischen Kirchen
der Stadt auswärtige Pastoren.
Am Sonntagnachmittag fand die große Feier des goldenen
Jubiläums der Lehranstalt in River Forest statt.
Am Montagabend war wieder Gottesdienst. Mehrere Taub—
stummenmissionare hielten Ansprachen in der Zeichensprache.
Im Gottesdienst am Dienstagabend hielt P. J. A. Friedrich
eine Ansprache und Missionar Kellerbauer einen Vortrag über
Heidenmission in Indien.
Am Donnerstagabend war Gottesdienst mit Feier des hei⸗
ligen Abendmahls. Die Beichtrede hielt P. G. Jung, die Predigt
Prof. G. Mezger über 1 Kor. 15, 58. Letzterer zeigte, daß es
des HErrn Werk ist, in dem wir stehen, daß wir aber darin auch
zunehmen wollen, weil die Arbeit nicht vergeblich ist.
Wahlen.
Allgemeiner Präses: P. F. Pfotenhauer; erster Vizepräses:
P. J. W. Miller; zweiter Vizepräses: P. P. Brand; dritter
Vizepräses: P. H. Speckhard; vierter Vizepräses: P. J. Hilgen⸗
dorf; Sekretär: P. R. D. Biedermann; Kassierer: Herr E.
Seuel, Concordia Publishing House, St. Louis, Mo.
Das Andenken des verstorbenen treuverdienten Kassierers,
Herrn J. F. Schuricht in St. Louis, wurde durch Aufstehen geehrt.
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—— —
Der Sozialismus setzt sich wider die göttliche Ordnung
der Obrigkeit.
Die weltliche Obrigkeit ist nicht eine bloß menschliche, son⸗
dern eine göttliche Einrichtung. Gott hat diese Einrichtung
getroffen. Die Art und Gestalt, ob Einzelherrschaft oder Volks-
herrschaft, oder wie man die Form nennen mag, hat Gott nicht
bestimmt, auch wählt er nicht vom Himmel herab die Personen
für die obrigkeitlichen Amter, das hat er den Menschen über⸗
lassen; aber Gott will, daß eine Obrigkeit sei, daß diese Ge⸗
walt habe und übe, daß fie regiere und herrsche, daß sie
Gesetze mache und durchführe, daß sie von den Unwilligen Ge—
horsam erzwinge, daß sie die übertreter zur Rechenschaft ziehe
und strafe, daß sie das alles tue zum Besten des Volks, zur
Unterdrückung des Bösen, zur Förderung des Guten.
Die oberste Obrigkeit und Majestät über das alles ist Gott
selbst. Die unvernünftige Kreatur regiert er allermeist selbst
unmittelbar durch seine Macht, nach seinem Willen; die ver—
nünftige Menschenwelt aber regiert er zum großen Teil mittel—
bar, durch einzelne Menschen. Die Häuser regiert Gott durch
Hausväter und Hausmütter; der Elternstand ist die Grund—
lage aller Regierungsgewalt auf Erden. Die Städte regiert
Gott durch Stadtväter, die Völker durch Landesväter. Daß
dies gut und nötig ist, daß das Menschengeschlecht ohne solche
Regierungsgewalt nicht bestehen und gedeihen könnte, daß es
ihm sonst gehen würde wie einer Herde ohne Hirten, wie einem
Schiffe ohne Steuermann, sieht schon unsere Vernunft. Darum
hat man denn auch schier unter allen Heiden, auch unter den
verkommensten, je und je etwas von obrigkeitlicher Gewalt ge—
funden. Und die Heilige Schrift preist den obrigkeitlichen
Stand als einen sehr hohen und bezeichnet den Ungehorsam
und die Auflehnung gegen denselben als eine schwere Sünde;
sie gebietet den Christen, daß sie auch gottloser und tyrannischer
*
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