Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 12 › Seite 191

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 9. Juni 1914, Seite 191

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Sozialismus

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S. V utherane

191

Nur noch ein Wort von Charles H. Kerr, der „in der
Partei und für sie arbeitet'. In seinem Heft What to Read
on Socialism“ (1913, Seite 19) sagt er: „Eine Revolution
ist eine Veränderung in den Gesetzen und Einrichtungen, ge⸗
macht von einer neuen ökonomischen Klasse, welche die vorigen
Herrscher stürzt und Besitz ergreift von dem politischen und
ökonomischen Bau der Gesellschaft. Die Soorsr PARTV in
Amerika und sonstwo ist nicht für Reformation, sondern für
Revolution, da sie dafür hält, daß die Regierung der kapitalisti⸗
schen Klasse zum Ende kommen muß und die Arbeiter die
Herrscher werden müssen. Was die Mittel betrifft, wodurch
die Revolution herbeigeführt werden soll, so ist die einzige
Frage von Wichtigkeit die, welche Mittel am zweckmäßigsten
sind.“ „So0IALTISOT PARrY“ ist von Kerr selbst hervorgehoben
worden.

Das ist also außer Frage, jeder verständige Sozialist gibt
das prahlend zu: Der Sozialismus setzt sich wider die göttliche
Ordnung der Obrigkeit. Ist es da noch nötig zu fragen: Kann
jemand ein treuer Bürger des Landes sein, ein redlicher Un⸗
tertan seiner Obrigkeit und doch auch zugleich ein Eiferer für
den Sozialismus? Oder kann jemand ein Christ sein und
zugleich auch ein Sozialist in der Lehre von der Obrigkeit und
in seinem Ver halten gegen die Staatsregierung? Unmöglich!
Hier heißt es entweder — oder. L. Schulze.

Sur kirchlichen Chronik.

Als auf unserer Synodalversammlung in Chicago eingehend
über unsere Mission im Ausland und im Inland gehandelt wurde,
gedachte man insonderheit auch der treuen, eifrigen, opferwilligen
und selbstverleugnenden Missionare und beschloß, ihnen allen
einen herzlichen Gruß zu senden. Das Komitee, das darüber zu
berichten hatte, brachte selbst folgende Fassung des Grußes ein,
die am schnellsten durch den „Lutheraner“ unsern Brüdern in
Südamerika, Canada. Neuseeland und Indien übermittelt werden
kann: „Die zurzeit in Chicago versammelte Synode entbietet
ihren fleißigen, treuen Arbeitern auf dem weiten Felde der Innern
Mission im Ausland ihren herzlichen Synodalgruß. Besonders
in diesen Tagen eilen wir im Geiste über Land und Meer nach
dem fernen Brasilien, Argentinien und andern Staaten und er⸗
innern uns in herzlicher Teilnahme, wie sie treu und tapfer unter
manchen Beschwerden und Hindernissen aushalten, und in großer
Freude auch dessen, wie ihre treue Arbeit bereits solch schöne
Früchte gezeitigt hat. IEsus Christus, der Erzhirte seiner Kirche,
erfülle ihre Herzen mit seiner Liebe je mehr und mehr, in seiner
Reichsarbeit, in praktischer, vernünftiger Verwertung der geistigen
und körperlichen Kräfte, die er ihnen geschenkt hat, fleißig fort⸗
zufahren und an den Posten, die er ihnen zugewiesen hat, treu
auszuharren. Wir aber wollen unter Gottes des Heiligen Geistes
Beistand beraten und beschließen, das in Südamerika und andern
Orten begonnene Werk rüstig weiterzutreiben, und erbitten jetzt
und in Zukunft, daß der reiche Gott unsere Arbeit und unsere
Arbeiter segnen und zu diesem und allen unsern großen Werken
die Mittel darreichen wolle. Amen. Das walte Gott! Amen.“

Unsere Delegatensynode und das Kruzifix auf dem Altar.
Der Lutheran Observer berichtet in sehr freundlicher Weise über
die diesjährige Versammlung unserer Delegatensynode in Chi⸗
cago. Er sagt: „Die große Kirche an der Belmont⸗Avenue war
bis zu den Galerien hinauf dicht besetzt. Jedermann schien regen

wegschütten und die Weiber umbringen? Nicht also!

Anteil an den Verhandlungen zu nehmen. Viele saßen vorwärts
gebeugt da, um jedes Wort, das gesprochen wurde, zu vernehmen.“
Pastoren⸗ und Laiendelegaten, mit Einschluß ihrer Kleidung,
haben dem Schreiber im Lutneran Observer gefallen. „There
was no distinction of dress to distinguish the clergy from the
laymen.“ Aber ein Ding war ihm recht anstößig und ärgerlich.
Er schreibt: „Das einzige, was an das Nittelalter erinnerte,
war der Hochaltar mit Lichtern und Kruzifix. Wie ein solches
Bild des Gekreuzigten über dem Altar mit dem ersten Gebot in
Einklang gebracht werden kann, ist einigen von uns ein Ge⸗
heimnis.“ Wenn der Observer erlaubt, wollen wir ihm das
„Geheimnis“ auflösen und den Anstoß beseitigen. In seinem
Kampf wider Carlstadt und andere „Bilderstürmer“ erinnert
Luther immer wieder an folgendes: Wie es keine Sünde ist,
daß die Heilige Schrift uns an Hunderten von Stellen das Bild
des Gekreuzigten in Worten vorhält und deshalb auch christ⸗
liche Prediger bemüht sind, mit vielen Worten allen ihren
Zuhörern das Bild des Gekreuzigten vor Augen zu malen, damit
es im Herzen hafte, so ist es auch sicherlich keine Sünde, dasselbe
Bild des Gekreuzigten auch auf Papier gemalt oder in Erz ge⸗
gossen vor Augen zu haben, damit es durch die Augen ins Herz
komme und im Herzen hafte. Es gibt keinen schöneren und nütz⸗
licheren Schmuck für christliche Kirchen, christliche Schulen und
christliche Privathäuser als Bilder des Gekreuzigten und andere
biblische Bilder. Luther schreibt: „Wir möchten es daher nicht
allein für eine Barbarei, sondern auch für eine außerordentliche
Unwissenheit halten, daß an vielen Orten auch die Bilder Christi
und der Apostel ohne allen Unterschied aus den Kirchen geworfen
worden sind. Denn wer sieht nicht, daß, gleichwie gottselige
Historien ohne Sünde auch zum Nutzen der Zuhörer erzählt
werden, solche Historien auf diese Weise um der Ungelehrten
willen auch gemalt und geschnitzt werden können, nicht
allein in Privathäusern, sondern auch an öffentlichen Orten,
damit ... so auch die Einfältigen überall erinnert werden
möchten an ihre Seligkeit, an die Wohltaten Gottes, an die
Strafen, welche an den Sündern vollzogen sind, und was sonst
etwa zur Erbauung nütze ist.“ (St. L. XIV, 998.) Freilich
die Römischen mißbrauchen Bilder und Kruzifixe zur An⸗
betung und Abgötterei. Diesen Mißbrauch muß die
christliche Kirche verwerfen. Aber der Mißbrauch hebt den rechten
Gebrauch nicht auf. Luther schreibt in bezug auf diesen Punkt:
„Wir müssen nicht so bald zufahren, wenn ein Mißbrauch eines
Dinges vorhanden ist, daß wir dasselbige Ding umreißen oder
zunichte machen wollten. Denn wenn wir alles wollten ver⸗
werfen, des man mißbraucht, was würden wir für ein Spiel
zurichten? Es sind viel Leute, die die Sonne, den Mond und
das Gestirn anbeten; wollen wir darum zufahren und die
Sterne vom Himmel werfen, die Sonne und den Mond herab⸗
stürzen? Ja, wir werden es wohl lassen. Der Wein und die
Weiber bringen manchen in Jammer und Herzeleid, machen viel
zu Narren und wahnsinnige Leute; wollen wir darum den Wein
Gold und
Silber, Geld und Gut stiftet viel Böses unter den Leuten; soll
man darum solches alles wegwerfen? ... Lieber, was wollten
wir wohl anrichten, wenn wir ihm also täten? Nichts Gutes
wollten wir anrichten, sondern alles zu unterst und oberst um⸗
kehren. Es ist gewißlich der Teufel vorhanden; aber wir sehen's
nicht.“ (St. L. XX, 30 f.) Kruzifixe haben oder nicht haben,
ist ein Mittelding, das heißt, ein Ding, das in christlicher Frei⸗
heit steht. Aber den Gebrauch von Kruzifixen schlechthin ver⸗
werfen und daraus eine Sünde wider das erste Gebot machen,
ist ein sehr böses Ding und steht einem Lutheraner übel an.
Wie der wohlmeinende Schreiber im LutMeran Observer dazu
kommt, sich in der angeführten Weise zu äußern, wäre uns fast

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