Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 12 › Seite 193
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 9. Juni 1914, Seite 193
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchengemeinſchaften 3
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streng?' Die Antwort lautet: Wir richten uns nicht nach dem,
was andere Gemeinden tun oder lassen, sondern nach dem, was
wir aus Gottes Wort als Gottes Willen erkennen. Andere Ge⸗
meinden nehmen auch ohne weiteres Logenbrüder in ihre Mitte
auf, denen in unsern Gemeinden das Abendmahl verweigert wor⸗
den ist. Das darf uns nicht bekümmern. Die Regel und Richt⸗
schnur, nach der wir uns richten, ist Gottes Wort. Wenn man
sich in andern Gemeinden nicht nach Gottes Wort. richtet, wenn
man höchstens wider das Weltwesen zeugt, aber keine Zucht übt
an denen, die sich der Welt gleichstellen, so haben wir dafür nicht
die Verantwortung. Das aber wissen wir: nur unerschütterliches
Festhalten an Gottes Wort baut die Gemeinde. Wo keine Zucht
geübt wird, wo man zwar die Sünde straft, aber den Sünder
nicht in Zucht nimmt, da wird schließlich die Gemeinde ein zucht⸗
loser Haufe. Das lehrt die Erfahrung.“ — Was hier über die
Gefahren des Vereinswesens gesagt ist, könnte nicht besser gesagt
werden. Der Artikel gibt zu erkennen, mit welcher Entschieden⸗
heit man in unserer australischen Schwestersynode gegen das Welt⸗
wesen Front macht und nicht nur in der Lehre, sondern auch in der
Praxis Gottes Wort regieren läßt. 6.
Von dem sogenannten ArronrioxuENTI- oder Asseßmentplan
zur Erhebung von Beiträgen für allgemeine kirchliche Zwecke
kommt man in den reformierten Gemeinschaften immer mehr ab.
Der Vorsitzer des Finanzkomitees der Presbyterianer veröffent⸗—
lichte kürzlich das Ergebnis, zu dem man in dieser Gemeinschaft
in bezug auf den Apportionment-Plan gekommen ist. „Der
Apportionment-Plan“, heißt es da, „wonach man die Gesamt—
summe der zu erhebenden Gelder auf die verschiedenen Gemein—
den verteilt, hat sich nicht bewährt. Zwei große Zweige der
Presbyterianerkirche haben ihn probiert und lassen ihn jetzt als
durchaus unbefriedigend wieder fallen. Man ist auf folgende
Schwierigkeiten gestoßen: Es hält sehr schwer, die zu erhebende
Gesamtsumme so auf die verschiedenen Gemeinden zu verteilen,
daß jede Gemeinde mit der von ihr erwarteten Summe zu⸗
frieden ist. Wer kann das auch entscheiden, wieviel jede Ge⸗
meinde geben kann? Viele Gemeinden wollen sich auch nicht
von andern sagen lassen, wieviel sie geben können. Sodann sieht
das Apportionment zu sehr wie eine Taxe aus. Manche Ge⸗
meinden, die mehr geben könnten, sind zufrieden, wenn sie die
von ihr erwartete Summe abgeliefert haben.“ Der Plan, den
die Presbyterianer jetzt einführen werden, läßt jeder Gemeinde
die Freiheit zu entscheiden, wieviel sie für Missionen und andere
außergemeindliche Zwecké geben will. Jede Gemeinde wird er—
sucht, eine Summe anzugeben, die sie im kommenden Jahre für
diese Zwecke aufzubringen gedenkt. Auch von diesem Plan er—
hofft jedoch der Vorsitzer jenes Finanzkomitees keinen Erfolg,
wenn die Gemeinden nicht fortwährend über den Stand der Kassen
wie auch über das Anstaltswesen und die Bedürfnisse der ver⸗
schiedenen Missionen unterrichtet werden. G.
Daß Staat und Kirche getrennt sein müssen, wenn nicht beide
Schaden leiden sollen, ist ein Grundsatz, den auch die Reformierten
anerkennen. Doch hat es auch in jüngster Zeit nicht an Beispielen
gefehlt, aus denen klar hervorgeht, daß die reformierten Kirchen—
gemeinschaften eigentlich eine sehr mangelhafte Erkenntnis dessen
haben, worin diese Trennung besteht, und daß sie deswegen auch
nicht die Leute sind, die dem Papsttum in seinem Streben nach
weltlicher Macht die Spitze bieten können. Immer wieder lassen
sich die Reformierten selber Vermischungen von Staat und Kirche
zuschulden kommen. So wurde in Syracuse, N. Y., dem Bürger⸗
meister dieses Jahr von den Pastoren der reformierten Kirchen
ein Gesuch vorgelegt, er möchte am Karfreitag die Glocke auf dem
Turm der Stadthalle läuten lassen. Dieser Bitte kam der Bürger—
meister nach, und am Karfreitag wurde mittags die Stadtglocke
dreiunddreißigmal angeschlagen. Was würden dieselben Pastoren
wohl sagen, wenn nächsten Herbst die Juden mit der Bitte kämen,
daß der Stadtmayor den Vorabend des jüdischen Neujahrstages
durch ein Freudengeläute zur Kenntnis des Volks bringen möchte,
oder wenn die Katholiken etwa den Todestag des heiligen Nepomuk
auf ebendieselbe Weise eingeläutet wünschten? Als in Chicago
vor einigen Monaten ein katholischer Priester starb, wurden auf
verschiedenen Freischulen die Flaggen zum Zeichen der Trauer
auf Halbmast gezogen. Dagegen protestierten, und zwar ganz
mit Recht, eine Anzahl reformierter Pastoren. Nur sind gerade
die reformierten Sekten durchaus nicht abgeneigt, auch die öffent—
lichen Freischulen in ihre „Bewegungen“ mit hineinzuziehen. So
beschlossen vor einiger Zeit die reformierten Kirchen in Peru, Ind.,
gemeinschaftlich, für ihre Gemeinden einen Wiederbelebungsver⸗
such (revival) anzustellen, und luden dazu den Erweckungsprediger
Sam Jones ein. Die Erweckung nahm ihren Anfang. An
einem Abend waren die Stadtväter eingeladen, an einem andern
die Logen, ein anderer Abend wurde den Freimaurern als Ehren—
gästen zugewandt, und auch für die Schulkinder wurde eine be—
sondere Veranstaltung gemacht. Das Komitee, welches das
revival leitete, kam in die öffentlichen Schulen und lud die Kinder
ein, die Lehrerinnen unterstützten das Gesuch, und die Kinder
ließ man nach dem Gebäude, in dem die Bekehrungsversuche an—
gestellt wurden, hinmarschieren. Zwei Kinder zwang man gegen
den Willen ihrer Eltern zum Mitmarschieren. In der Hochschule
hielt Sam Jones eine Ansprache an die Schüler. Gegen diesen
ganzen Unfug erhob der Pastor einer unserer Gemeinden in Peru
in einem englischen Tageblatt Protest und erinnerte den Schul-⸗
superintendenten sowie die reformierte Geistlichkeit an das Un-
amerikanische ihres Verfahrens. Diese Berufung auf die Lehre
von der Trennung von Kirche und Staat erregte Aufsehen und
wird nicht ohne Frucht geblieben sein. Auch wo sonst obrigkeitliche
Beamte ihre Stellung zugunsten irgendeiner Gemeinschaft, Sekte
oder religiösen Bewegung ausnutzen lassen, müssen wir mit unserm
Bekenntnis'an die Öffentlichkeit treten und gegen die Vermischung
von Kirche und Staat Front machen. Die Erfahrung lehrt, daß
die römische Kirche von solchen Verletzungen der religiösen Frei⸗
heit immer den größten Nutzen davonträgt. G.
Eine Anhängerin der CiInIsIIXIN ScIENICE fand vor einigen
Monaten Aufnahme im Allegheny General Hospital in Pitts⸗
burg. Sie litt am Krebs. Da sie die Lehre der Frau Eddy an⸗
genommen hatte, nach der ja alle Krankheit nur ein „Irrtum
des sterblichen Geistes“ ist, also gar nicht existiert, hatte sie keine
ärztliche Behandlung gesucht, als sich das Krebsleiden bei ihr
einstellte. Als sie dann merkte, daß es mit ihr bergab ging, ließ
sie sich doch überreden, einen Arzt zu Rate zu ziehen. Dieser
ordnete sofort eine Operation an. Der Befund war, daß das
Krebsgeschwür, das bei zeitigem Eingriff hätte entfernt werden
können, schon so weit um sich gegriffen hatte, daß keine Rettung
möglich war. Als der Patientin dieses mitgeteilt wurde, er⸗
kannte sie den Betrug, den die Christian Science an ihr geübt
hatte, und trat aus der Gemeinschaft der Eddyisten aus. Sie
sah nun zu spät ein, daß eine „Kirche“, die den Leuten einredet,
daß man sich an keine Schmerzen kehren solle, weil sie ja doch
nur Einbildung seien, nicht nur baren Unsinn lehrt, sondern auch
durchaus ohnmächtig ist, ihre Anhänger vor den Folgen der Krank⸗
heiten zu schützen. — So schrecklich aber auch der Betrug ist, den
die Christian Science an den Kranken, die bei ihr Hilfe suchen,
begeht, noch viel ärger ist das geistliche Verderben, in das die⸗
jenigen geraten, die sich durch die Lügenpropheten dieser Sekte
betören lassen. Es ist ja in unserm Blatt schon des öftern nach⸗
gewiesen worden, daß die Christian Science-Religion auch jede
einzige Lehre der Schrift verwirft. Sie leugnet die Gottheit
Christi, leugnet sein Versöhnungsopfer — denn es gibt ja nach
Frau Eddys Lehre keine Sünde, also ist auch keine Versöhnung
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