Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 12 › Seite 194

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 9. Juni 1914, Seite 194

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchengemeinſchaften 2

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194

S Ver 2„Tutherane

des Sünders mit Gott nötig —, leugnet die Notwendigkeit der
Buße und der Bekehrung und lehrt ihre Anhänger, daß das Ge⸗
bet der Christen zu Gott nicht helfen könne, weil es ja keinen
persönlichen Gott gebe. So leugnet die Christian Science-
Religion nicht nur einige Artikel des Christenglaubens, sondern
berwirft alle Lehren des Christentums und setzt das Eddysche Evan⸗
gelium: Es gibt keine Schmerzen, es gibt kein übel, es gibt keinen
Tod, an deren Stelle. Das sagen die Propheten des Eddyismus
ihren Schülern allerdings nicht so direkt vor den Kopf. Dann
würden sie ja keinen Erfolg erhoffen können. Nein, wie alle
falschen Lehrer es machen, wie es auch der „Pastor“ (mit Gänse⸗
füßchen) Russell macht, so sagen auch die Christian Science-Leute
jedem, den sie ins Garn locken wollen: Wir bringen euch die
Lehre' von dem Sünderheiland IEsu Christo; ihr braucht euren
Glauben an ihn auch nicht aufzugeben; wir wollen euch nur
lehren, wie ihr die Religion JIEsu eigentlich zu verstehen habt.
Auch reden sie zu den Christen, als ob sie die Kraft des Gebets
sehr hoch schätzten und die Kranken durch das Gebet heilten.
Haben sie sich erst einmal auf diese Weise Gehör verschafft, so
träufeln sie in kleinen Dosen ihr Gift den Seelen der Betörten
ein, bis das Christentum im Herzen ertötet und der Eddysche Irr⸗
wahn an dessen Stelle eingewurzelt ist. Daß ihnen dieses bei
so vielen gelingt, erklärt sich eben daraus, daß die Christian
Science-Religion dem sündlichen Fleische ungemein behagt. Wer
sich einreden läßt, daß es keine Sünde, keinen gerechten Gott,
keinen Tod, keine Hölle gibt, kann ungestört sündigen. Wie
furchtbar muß aber für solche das Erwachen sein, wenn der Tod
sie vor den Thron des Richters stellt, der ihnen für den Abfall
von der einst erkannten Wahrheit das Urteil spricht! G.

———. —.

Kannst du auch in Trübsal danken?

Ich weiß wohl, was ich für Gedanken
über euch habe, spricht der HErr, näm⸗
lich Gedanken des Friedens und nicht
des Leides. Jer. 29, 11.

Traurig zog einst ein jugendlicher Wandergesell seinen Weg;
denn er hatte viel Schweres und Schmerzliches erlebt, und er
dachte an das Wort, daß die Wolken nach dem Regen wieder⸗
kehren. Seine Augen standen voll Tränen, und tiefes Weh lag
auf seinem Herzen. Da kanner an einen Schmelzofen und sah
das Gold im Feuer glühen, und der Goldschmied formte Spangen
und Ringe und Schalen und Becher daraus; aber ein Stück legte
er wieder und wieder ins Feuer, daß es gar weich wurde. Da
fragte der Wanderer, warum dies geschehe. „Gleich sollst du es
sehen“, war des Meisters Antwort, als er das Gold eben wieder
aus dem Feuer nahm. Er formte eilend das weiche Metall mit
kunstvoller Hand und bald hielt er eine goldene Blume in die
Höhe mit feinem Kelch und zarten Blättern. „Siehe“, sagte er,
„aus dem plumpen Stück Gold habe ich diese liebliche Blume
gemacht. Darum mußte ich es oftmals in des Feuers Gluten
schmelzen; nun aber wird die Blume des Heiligtums Geräte
schmücken.“

Da zog der Wanderer seine Straße fröhlich. Er hob den
tränenden Blick in die Höhe und das gesenkte Haupt empor; denn
er dachte an das Wort: „Ich habe dich auserwählt gemacht im
Ofen des Elends.“

Das war eine schöne Erkenntnis, die dem betrübten Wande⸗
rer aufging. Nicht jedem geht sie auf und manchem erst spät
nach vielem Seufzen und Murren und Klagen.

Der Prediger Ulbrig sagt einmal: Luther hat recht, wenn
er jeden Pfarrer einen Hospitalmeister nennt; denn eigentlich ist

die ganze Erde ein Hospital. Die Hospitalmeister haben viel an
Krankenbetten zu trösten und zu helfen. Aber nicht allzuoft
finden sie Kranke, die das rechte Verständnis haben. Die meisten
sehen in ihrem Leiden nicht eine Heimsuchung, durch die Gott sie
heimzuholen sucht, sondern ein unabwendbares Geschick. Vor
allem erfährt man immer wieder die Tatsache, daß der Mensch
wohl in der Not zu Gott getrieben wird, nach Erfahrung der
göttlichen Hilfe aber in seine alte Kälte und Gleichgültigkeit
zurückfällt. Mit Recht sagt ein Christ dazu: Das Menschenherz
ist wie ein Ball; drückt eine Last auf denselben, so schmiegt und
biegt er sich, um im nächsten Augenblick wieder aufzuschnellen,
wenn sie weggenommen ist. So ist das Herz fügsam unter dem
Druck der Trübsal. Wendet sie Gott, so ist es gewöhnlich das
alte hoffärtige Ding wie zuvor.

So soll es nicht sein. Ein Christ soll wissen, daß die
Trübsal aus Gottes Hand kommt, und daß Paul Gerhardt recht
hat, wenn er sagt:

Seine Strafen, seine Schläge

Sind auch herzlich wohlgemeint;

Sie sind, wenn ich's recht erwäge,

Nichts als Zeichen, daß mein Freund,
Der mich liebet, mein gedenke —
Und mich von der schnöden Welt,

Die uns hart gefangen hält,

Durch das Kreuze zu sich lenke.

Alles Ding währt seine Zeit,

Gottes Lieb' in Ewigkeit.

Wer so alle Schickung aus Gottes Hand entgegennimmt, der
wird es auch lernen, ihm aus vollem Herzen dafür zu danken.

Kannst du auch in Trübsal danken? Das ist die Frage,
die dir folgende Geschichte ans Herz legen will, die uns Kaiser
erzählt: In unserm Gesangbuch steht das schöne Lob⸗ und Dank⸗
lied „O daß ich tausend Zungen hätte!“ Es ist eine Perle der
Lieder und ein jubelvoller Lobgesang. Jeder Pulsschlag des
Leibes und jedes Gräslein auf dem Felde wird aufgerufen, Gott
die Ehre zu geben. Man sollte darum meinen, der Mann, der
das gemacht hat, müsse ein überaus glücklicher Mann gewesen
sein, und es werde gewiß ein ganz erhebender, fröhlicher Augen⸗
blick seines Lebens gewesen sein, in welchem er das niederschrieb.
Aber nein! In einer Gesangbuchsausgabe finden wir unter
diesem Liede die kurze, aber vielsagende Anmerkung: „Gedichtet
im Jahre 1704, als dem Verfasser sein Haus bis auf den Grund
niedergebrannt war.“ Aus rauchenden Trümmern ist solch ein
köstlicher Lob und Dank gestiegen.

Kannst du in Trübsal danken?
sie eine Quelle reichen Segens werden.

Als dem Hofprediger Emil Frommel einmal von jemand
geklagt wurde über allerhand Prüfungen und schwere Lebens⸗
führung, antwortete er in seiner sinnigen, ernsten Weise: „Wenn
der HErr deinen Lebensbaum schüttelt, daß die Blätter herunter⸗
fliegen, was will er anders, als daß du durch die kahlen Aste
und Zweige den lichten Himmel um so besser siehst? Und wenn
er dir ein schweres Kreuz auferlegt hat, dessen Last dich nieder⸗
drücken will, so denke dabei: Es ist nichts anderes als das Ge⸗
wicht am Fuße des Tauchers, das ihn hinabzieht auf den Meeres⸗
grund, damit er da in der Tiefe viele edle Perlen finde und ans
Licht emportrage.“

Wer es kann, dem wird

Je größer Kreuz, je näher Himmel,
Des Kreuzes Weg führt uns zu Gott;
Bei lauter Lust und Weltgetümmel
Vergißt man Hölle, Fluch und Tod.
— O selig ist der Mensch geschätzt,
.... Den Gott in Kreuz und Trübsal setzt.

English translation

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