Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 12 › Seite 192

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 9. Juni 1914, Seite 192

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Verein 2

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S VuthsraneS

unverständlich, wenn wir nicht wüßten, daß er unter dem Ein⸗
fluß des Sektengeistes aufgewachsen ist. Schwärmerei steckt an.
Es ist wirklich recht schade, daß die Lutheraner Amerikas sich in
so mnanchen Stücken durch den Sektengeist narren lassen, wäh⸗

rend sie in allen Fragen der Lehre und des Lebens das helle Licht

der Schrift haben könuten, das Gott durch Luther, den Refor⸗
mator der Kirche, wieder auf den Leuchter gestellt hat. Luther
wird auch in der englisch⸗-amerikanischen Kirche viel gepriesen.
So lasen wir vor einigen Jahren im Lutheran oder im Lutheran
Observer, daß Luther der modernste Schreiber sei, das heißt, auf
alle Fragen der Gegenwart aus Gottes Wort das beste Licht
werfe. Das ist trefflich ausgedrückt und durchaus wahr. Aber
wie biele studieren wirklich Luthers Schriften? Hätte man diese
große Gabe Gottes an die Kirche wirklich gebraucht, so wären so
beklagenswerte Außerungen in bezug auf die Lehre vom freien
Willen, Bekehrung und Gnadenwahl, wie wir sie kürzlich aus
dem Lutheran, Lutheran Observer und dem Buch von Leonhard
Keyser vernommen haben, einfach eine Unmöglichkeit gewesen.
Einen erfreulichen Bericht konnte die Kommission für die
Allgemeine Kirchbaukasse unserer Synode unterbreiten. Noch nie
seit ihrer Gründung im Jahre 1902 hat die Kasse eine solche Zu⸗
nahme zu verzeichnen gehabt wie in den verflossenen drei Jahren.
Zur Zeit der Waltherfeier im Jahre 1911 flossen 840.000 in
diese Kasse. Dadurch war die Kommission in den Stand gesetzt,
einer großen Anzahl Missionsgemeinden, namentlich im Nord⸗
westen unsers Landes und in unserm großen Missionsgebiet im
westlichen Canada, durch zinsfreie Darlehen gegen gute Sicher⸗
heit herrliche Dienste zu leisten, so daß im Laufe der Zeit über
70 Gemeinden beim Kirchbau unterstützt worden sind, die sich
auch im allgemeinen bemühen, ihre Rückzahlungen zu machen.
In runder Summe wurden den Gemieinden seit Gründung der
Kasse Darlehen in einem Gesamtbetrag von §100,000 gemacht.
Der Segen wäre aber noch größer gewesen, wenn die Kommission
noch mehr Geld in der Kasse gehabt hätte, denn leider konnte sie
nicht alle Bittgesuche befriedigen, und die Kommission war ge⸗
nötigt, hie und da Geld zu borgen, um der schreiendsten Not ab⸗
zuhelfen. Die Kommission bittet daher die lieben Christen und
Gemeinden unserer Synode recht herzlich, diese Kasse mit ihren
Gaben auch in Zukunft reichlich zu bedenken, sei es durch eine
jährliche Kollekte, sei es durch Geschenke, zinsfreie Darlehen, Legate
oder Vermächtnisse. Unsere Delegatensynode unterstützte diese
Bitte durch den Beschluß, „mit vollen Kräften darauf hinzuarbei⸗
ten, durch Kollekten und zinsfreie Darlehen diese Summe mög⸗
lichst bald um ein bedeutendes zu erhöhen in Anbetracht der sich
fort und fort mehrenden Bittgesuche“. Die Kommission erinnert
noch daran: „Dies Geld, das in unsere Kirchbaukasse fließt und
armen Gemeinden zinsfrei geliehen wird, fließt ja nach einigen
Jahren zurück in die Kasse und wirkt und zirkuliert weiter, wenn
auch die gütigen Geber schon längst im Grabe schlummern wer⸗
den, und trägt tausendfache Zinsen für die Ewigkeit. Auch hier
gilt das Wort des HErrn: „Ihre Werke folgen ihnen nach', Offenb.
14, 13. Das sind aber die vornehmsten Werke der Christen, daß
sie Gottes Wort und Reich ausbreiten und zu dem Ende Kirchen
und Schulen bauen helfen; damit setzen sie sich die herrlichsten
Denkmäler für die Ewigkeit.“ Bei Gelegenheit des Reforma⸗
tionsjubiläums im Jahre 1917 soll laut eines Beschlusses, den
die Vertreter unserer Gemeinden auf der Delegatensynode faßten,
ein großer Fonds für die Allgemeine Kirchbaukasse gesammelt
werden. G.
über die Zugehörigkeit zu weltlichen Vereinen lasen wir
kürzlich in dem Kirchenblatt unserer Glaubensbrüder in Austra⸗
lien einen Artikel, der sich zwar in erster Linie mit einem deutsch⸗
australischen Verein, dem „Deutschen Klub“, beschäftigt, dessen

Ausführungen sich aber auch auf unsere Verhältnisse anwenden
lassen. Es gibt auch in unserm Lande Vereine, von denen man
nicht gerade sagen kann, daß der Anschluß an dieselben an und
für sich Sünde ist, die aber doch für den Christen, der sich ihnen
anschließt, große Gefahren mit sich bringen. Von vielen ameri⸗
kanisch⸗deutschen Vereinen gilt, was in diesem Artikel über den
„Deutschen Klub“, der in Australien besteht, gesagt ist, daß die
meisten Glieder derselben nicht nur kirchlos, sondern gar kirchen⸗
feindlich sind. Die Gefahr, die daraus für Christen entsteht,
die sich solchen Vereinen anschließen, wird dann in diesen Wor⸗
ten geschildert: „Es ist leider eine traurige Wahrheit, daß unter
denen, die von Deutschland kommen, es nur verhältnismäßig
wenige gibt, die für die Kirche ein warmes Herz haben. Die
meisten sind der Kirche entfremdet und wollen nichts von der
Kirche wissen. Schließen sich diese dem Deutschen Klub' an, so
ist das Klubhaus ihre Kirche, in der sie alles finden, was sie für
ihr Fleisch gebrauchen. Die Erfahrung lehrt — auch dies gilt
insonderheit von größeren Städten —, daß, wo sich jemand dem
„Deutschen Klub' anschließt, wenn er vorher noch sich zur Kirche
gehalten hat, er gar bald der Kirche verloren geht. Da die mei⸗
sten Glieder kirchlos sind, ja kirchenfeindlich, kann es nicht aus⸗
bleiben, daß, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet, über die Kirche
und ihre Glieder gespottet und gelästert wird. Kann ein luthe⸗
rischer Christ das mit anhören? Kann er sitzen, wo die Spötter
sitzen, und schweigen, ohne seinen Glauben zu verleugnen? ‚Wohl
dem“, spricht der Psalmist, „der nicht sitzet, da die Spötter sitzen.“
Jeder Klub hat neben seinen eigentlichen Klubräumen auch eine
Klubhalle, die vom Klub selbst benutzt oder an andere vermietet
wird, die sie benutzen wollen. Wozu aber sind denn diese Hallen
insonderheit gebaut? Um dem Götzen der Welt, der Fleischeslust,
zu dienen. Der Klub gebraucht die Halle selbst, um darin Tänze
und Maskenbälle abzuhalten, und vermietet sie zu eben diesem
Zweck. Das Geld, das dadurch eingenommen wird, ist Sünden⸗
geld, Blutgeld; denn es klebt das Blut der Seelen daran, denen
durch diese Sünden Argernis gegeben worden ist. Ein Christen⸗
kind, das verführt wird, zum Tanz zu gehen, nimmt Schaden an
seiner Seele; es kann die Welt liebgewinnen und der Kirche ver⸗
loren gehen. Tausende von Kindern Gottes sind vberloren ge⸗
gangen, weil sie die Welt liebgewonnen haben. Wer will es auf
sein Gewissen nehmen, schuld an der Verdammnis einer Seele
geworden zu sein? Diese Schuld aber trifft mehr oder weniger
alle, die Glieder eines Klubs sind, der seine Halle zu weltlichen,
sündlichen Vergnügungen gebraucht oder vermietet. Zudem ist
auch der intime Umgang mit den Gliedern solcher Klubs für den
Christen gefährlich. Beim Glas Bier oder Wein, bei Karten oder
andern Spielen werden manche Reden geführt, die sich für ein
christliches Ohr nicht passen. Dabei wird denn oft berleugnet.
Wer sich dem Klub anschließt, läuft Gefahr, ein stehender Gast
oder Besucher des Klubs zu werden, das Klubzimmer zu seinem
Wohnzimmer zu machen, seine Familie darüber zu vernachläs⸗
sigen, seinen sauer verdienten Lohn zu verschtvenden und dadurch
Not und Elend über seine Familie zu bringen. Daß diese Ge⸗
fahr vorhanden ist, lehrt die Erfahrung. Wie manche Mutter
sieht mit Angst und Sorge, daß der heranwachsende Sohn das
Klubgehen liebgewinnt und den sauer verdienten Lohn, anstatt
zu sparen, vertrinkt und verspielt. Wie manche Gattin, die sich
müde gearbeitet hat, sehnt sich danach, früh zur Ruhe zu gehen,
aber sie bleibt auf, denn sie findet doch keinen Schlaf, da sie weiß,
daß ihr Mann vor 11 Uhr doch den Klub nicht verläßt. Wie
mancher Geschäftsmann ist durch den Klub, das heißt, durch sein
beständiges Klublaufen, durch sein Trinken im Klub, an den
Bettelstab gekommen! „Ja“, sprichst du, warum verbieten andere
lutherische Gemeinden ihren Gliedern nicht, zum Klub zu ge⸗
hören? Warum sind nur die Gemeinden in unserer Synode so

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