Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 17 › Seite 265
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 18. August 1914, Seite 265
Scan: from a 2009 DVD; the same scans are on the Internet Archive as DerLutheraner70_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
uUnd ich sahe einen Engel
F liegen milten durch den
Himmel; der hatte ein cwig
CEvangelium, zu verkiündigen
denen, die auf Erden sißen
und wohnen, und allen Hei⸗
den, und Geschlechtern, und
ISprachen, und Dölkern, und
sprachi mil groher Siimme:
Kürchter Golt. und geber —
imn die Chre; denn die Zeit ◻
stines Gerichts ist Kommen, ö
und betel an den. der gemiacht
hai Himmel, und Erde, und
Mier, und die Wasser⸗
Vrunnen. Offb. Joh. 14, C.
Berausgegeben von der Beutschen Evangelisch⸗Lutherischen Synode von Missouri, Ohio u. a. Staaten.
Redigiert von dem Lehrerkollegium des theologischen Seminars in St. Louis.
—
70. Jahrgang.
St. Louis, Mo., den 18. Kugust 1914.
Nr. 17.
—
—
Lutherworte über den Krieg.
Als der österreichische Thronfolger, Erzherzog Ferdinand,
und dessen Gemahlin am 28. Juni durch Mörderhand fielen,
stieg ob dieser Bluttat in allen Landen ein Schrei des Ent⸗
setzens auf. So furchtbar aber dieser Mord auch war und so
sehr man als Folge desselben Störungen im Frieden der Völ⸗
ker befürchten zu müssen glaubte, so hat doch kein Mensch die
welterschütternden Ereignisse voraussehen können, die sich an
diese Tat geknüpft haben, und auf deren Entwicklung jetzt,
kaum sechs Wochen nach der Untat des Serben, das entsetzte
Auge der ganzen Welt gerichtet ist. Der große Weltkrieg,
so lange befürchtet, so oft mit knapper Not noch abgewandt,
ist nun entbrannt. Von einem Ende Europas zum andern
rüsten sich die Völker zum Kampf, schon stehen Millionen von
Streitern im Feld, und wenn diese Zeilen den Leser erreichen,
haben die verderbenbringenden Geschütze der neuen Kriegs⸗
kunst schon auf dem Land, auf der See und in den Lüften
ihre Opfer gefordert. Wie wird's wohl enden? — ist die
Frage, die vieler Millionen Herzen mit Bangigkeit erfüllt.
Welchem Christen fällt da nicht das Wort des Heilandes
ein, daß in der letzten Zeit, in der Zeit vor dem Jüngsten
Tag, sein werde viel Krieg und Geschrei von Kriegen?ꝰ Man
hat uns allerdings gesagt, die Welt sei besser geworden, die
Menschen seien nicht mehr so von ihren blinden Leidenschaften
beherrscht, daß sie gegeneinander in den Krieg zögen. Man
hat ein Friedensgericht eingesetzt, dem alle Völker ihre Strei⸗
tigkeiten vorlegen sollten, und von dem man die Hoffnung
hegte, daß es dem Krieg auf Erden, wenigstens unter zivili⸗
sierten Nationen, ein Ende machen werde. Wie hat man sich
geirrt! Wie ein Spinngewebe sind diese Vorrichtungen zur
Erhaltung des Weltfriedens zergangen, und was wohl, seit
die Welt steht, noch nicht geschehen: innerhalb einer Woche
erklärten einander sechs Nationen den Krieg. Es muß wohl
wahr bleiben — Krieg und Geschrei von Kriegen sollen bis
Nans Ende der Welt dem abtrünnigen Geschlecht der Menschen
nicht erspart sein. Erst wenn das große Feldgeschrei am Tage
der Zukunft des HErrn erschallt, wird Spieß und Bogen zer⸗
brochen und auf der neuerschaffenen Erde der Friede ausge⸗
rufen werden, der kein Ende nehmen wird, wie der Prophet
Jesaias davon schreibt.
Die Welt weiß viel zu sagen über die Ur sachen des
großen Unglücks, das über die Völker Europas hereingebrochen
ist. Vom Standpunkt der Vernunft läßt sich wohl auch dar⸗
über reden, weshalb diese und jene Nation das Schwert zum
Krieg entblößt hat. Doch täuscht sich die kluge Welt gar sehr,
wenn sie meint, sie habe alles erklärt und den letzten Grund
angegeben, wenn sie etwa auf die Bündnisse der Völker, auf
die äußeren Umstände, die schließlich zum Krieg geführt haben,
hingewiesen hat. Wir Christen wollen uns dadurch nicht irre⸗—
machen lassen. Wir wissen, daß die Welt auch in der Beurtei⸗
lung solcher Ereignisse die Hauptsache übersieht, die Tatsache
nänilich, daß es einen obersten Kriegsherrn gibt, der die Ge⸗
schicke der Völker lenkt, ohne dessen Zulassung es nicht zum
Kriege kommt, vor dem die größten Herrscher nur armselige
Maden, die Inseln ein Stäublein sind, der auch im geheimsten
Kriegsrat der Feldherren wie im Donner der Schlachten seinen
Willen walten läßt. Darüber spottet die Welt. Und wenn sie
nun auch in Kriegsläuften sich mit ihrer Afterweisheit brüstet
und vorgibt, daß sie alles ergründen kann, so soll sie uns damit
doch nicht beirren. Wir wissen, daß wir als Christen auch
vom Krieg anders zu urteilen haben als die Welt. Und damit
wir uns nun ins Gedächtnis zurückrufen, was ein Christ hier⸗
über nach Gottes Wort zu glauben hat, so haben wir hier einige
Lutherworte zusammengetragen, die vom Krieg und vom Krie⸗
gerhandwerk handeln. Es ist auch in diesem Punkt keiner so
tief wie Luther in die Lehre des göttlichen Wortes eingedrun⸗
gen, und keiner hat wie er so klar die Gedanken vorgetragen,
die uns Gottes Wort über diese Materie an die Hand gibt.
Luther weist, um an das zuletzt Gesagte anzuknüpfen, auf
eine Gefahr hin, der auch ein Christ bei der Beurteilung dieser
Sache nicht so leicht entgeht, daß er nämlich nach Weise der
English translation
Not yet translated.