Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 17 › Seite 272

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 18. August 1914, Seite 272

265 266 267 268 269 270 271 272 273

Scan: from a 2009 DVD; the same scans are on the Internet Archive as DerLutheraner70_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription machine transcription, uncorrected

⤓ Download .txt · copy text

272

S er Tutherane

körperlichen Gebrechen behaftet sind, oder in der Verbesserung
sozialer übel. In den sehr eifrigen und oft großartigen Wohl⸗
tätigkeitsbestrebungen vieler Kirchen unserer Zeit und unsers
Landes tritt die Verkündigung des Evangeliums von dem Hei⸗
land der Sünder und seiner seligmachenden Lehre stark in den
Hintergrund zum großen Schaden der armen, verlornen Mensch⸗
heit. Andererseits darf aber die Kirche, eingedenk der Rechen⸗
schaft, die der Richter am Jüngsten Tage von allen fordern wird,
die Werke der dienenden Liebe und Barmherzigkeit nicht ganz von
sich abweisen als nicht zu ihrem Beruf gehörend. Sie soll viel⸗
mehr jede Gelegenheit und jede zweckdienliche Weise ergreifen, um
Seelen zu Christo zu führen. Die lebhafte Besprechung, die sich
in dieser und einer späteren Versammlung an diesen Vortrag
knüpfte, und der Beschluß, diesen Gegenstand auf der nächsten Ver⸗
sammlung weiter zu besprechen, bekundeten das große Interesse,
das die Delegaten an dieser wichtigen Frage nahmen, die Glauben
und Leben der Christen betrifft. — Die zweite Sitzung wurde
völlig in Anspruch genommen durch Beantwortung von Kasual⸗
fragen. In wenigen Minuten waren an zwanzig verschiedene
Fragen angemeldet, in denen sich die Fragesteller Rat von der
Konferenz erbaten. Diese Fragen ließen sonderlich Außenstehende
einen Einblick tun in hunderterlei Schwierigkeiten, vor die ge⸗
wissenhafte Arbeiter im Wohltätigkeitswerk fortwährend gestellt
werden. Bei der Beantwortung der vorgelegten Fragen bekam
man von mancher lehrreichen Erfahrung zu hören, die dieser oder
jener in seiner Arbeit gemacht hatte. Hier konnte einer vom
andern lernen, wie eine Sache anzugreifen sei oder wie nicht.
Am Abend des ersten Sitzungstages fand ein Gottesdienst in der
Kirche der gastlichen Zionsgemeinde statt, in welchem Prof. Dau
von St. Louis, P. Rudi, Superintendent des lutherischen Hospi⸗
tals zu St. Louis, und P. Wolter, Waisenvater des lutherischen
Waisenhauses in Fremont, Nebr., kurze Ansprachen hielten. Der
Vormittag des zweiten Sitzungstages war fast ganz einem höchst
lehrreichen und überaus praktischen Vortrag Herrn Rünzels ge⸗
widmet. Derselbe redete über „Buchführung mit besonderer Be⸗
rücksichtigung unserer Wohltätigkeitsanstalten“. Bei diesem Vor⸗
trag ging die Konferenz gleichsam in die Schule und ließ sich
von dem Vortragenden an der Wandtafel zeigen, wie man richtig,
übersichtlich und vollständig Buch führt über die Gelder und Gaben,
die von unsern Christen für die Werke der Wohltätigkeit gestiftet

werden. Manche ernste Erinnerung knüpfte sich an die einzelnen
Ausführungen. Der Nachmittag dieses Tages war einer Be⸗

sichtigung der Kinderheimat und des Altenheims in Wauwatosa.
einer Vorstadt Milwaukees, gewidmet und der Abend einer ge⸗
mütlichen Zusammenkunft im Park der lutherischen Hochschule. —
Die Sitzung des letzten Tages zeichnete sich aus durch einen fesseln⸗
den Vortrag Herrn Kreisrichter Backus' von Milwaukee über die
erfolgreiche Methode, die der moderne Staat bei den unter Parole
stehenden Verbrechern befolgt. In der Schlußsitzung am Nach⸗
mittag erstatteten die verschiedenen Wohltätigkeitsanstalten, son⸗
derlich die Hospitäler und Altenheime, Bericht über ihre Arbeit,
und P. Wolter legte einen statistischen Bericht über die Wirk⸗
samkeit aller Kinderfreundgesellschaften ab. Nahezu 5000 Kinder
sind von diesen Gesellschaften seit ihrer Gründung in lutherischen
Familien untergebracht worden. Die Konferenz beschloß, hinfort
jährlich eine genaue, systematisch geordnete Statistik ihrer ganzen

Tätigkeit zu veröffentlichen und sich im nächsten Jahre in Fort

Wanne zu versammeln. Die Beamtenwahl ergab folgendes
Resultat: P. Ph. Wambsganß, Präsident; P. F. Herzberger,
Vizepräsident; P. J. Baumann, Sekretär; Herr A. Freese, Fort
Wayne, Ind., Schatzmeister. D.
Die 22. Nationalversammlung der Waltherliga tagte vom
19. bis zum 23. Juli in der Schulhalle der Immanuelsgemeinde
zu Cleveland. O. Der Eröffnungsgottesdienst am Sonntagnach⸗
mittag war so stark besucht, daß eine zweite Versammlung in der

Schulhalle einberaumt werden mußte.
waltungsrates ging hervor, daß die Zahl der zur Liga gehörenden
Vereine um 55 und die der Glieder um 2200 sich vermehrt habe.
Es wurde ferner berichtet, daß Unterhandlungen mit andern Ver⸗
einigungen junger Leute innerhalb unserer Gemeinden im Gange
sind, und es steht zu erwarten, daß auf der nächsten Versammlung
in Los Angeles, Cal., über weiteren großen Zuwachs berichtet
werden kann. Im ganzen gehören jetzt 191 Vereine mit einer
Gliederzahl von 12,006 jungen Leuten zur Waltherliga. Das

Wohl der Liga wurde in drei Vor⸗ und drei Nachmittagssitzungen

eingehend beraten. An Stelle des ausscheidenden Präsidenten,
E. A. Ehlert, wurde Lehrer O. Gotsch von Elyria, O., erwählt.
Sonst sind alle früheren Beamten wiedererwählt worden. Gebe
Gott, daß die Waltherliga den Pastoren und Gemeinden, in deren
Mitte sie sich befindet, eine mächtige Stütze in der Jugendarbeit
sei und bleibe! F. W.

Heidentum in der deutschen Landeskirche. Nach einer Mit⸗
teilung des Blattes „Kirchlich Liberal“ hat Herr Pfarrer Imig
in Berlin in einem Vortrag geäußert: „Somit ist für uns Liberale
die Erlösung nichts weiter als Selbsterlösung. Wir brauchen keine
Sakramente, keine Mittler zu Gott; wir sind und müssen uns
selbst genug sein. Auch IEsus hat sich selbst geläutert und erlöst.“
— Das ist doch nichts anderes als der blanke Abfall vom christ⸗
lichen Glauben.
Geistlicher; der preußische Oberkirchenrat läßt ihn ruhig im Amt.
Wenn man solchen Leuten den Unterricht der Jugend anvertraut,
braucht man sich nicht zu wundern, daß es mit dem Christentum
in Deutschland reißend bergab geht. (Freimund.)

———

Hanna Faust.

Eine schlichte Frau aus dem Volke und doch eine der Großen
im Reiche Gottes ist am 16. Dezember 1909 in Elberfeld mit
Hanna Faust aus dem Leben geschieden. Bei hoch und niedrig
in christlichen Kreisen war sie als „Tante Hanna“ wohlbekannt.
Still und einfach in dienender, hingebender Liebe hat Hanna
Faust, die schon in der Jugend den Heiland gefunden hatte, wohl
mehr als fünfzig Jahre gearbeitet, um Seelen zu erretten und
den Namen Christi zu verherrlichen. Sie war eine treue Magd
und eine fürbittende Priesterin, wie es wohl wenige in unserer
Zeit gibt. Zuerst bekannt geworden ist „Tante Hanna“ eigentlich
in der Cholerazeit. Wenn Männer zurückschreckten und niemand
mehr helfen wollte, dann war sie noch auf dem Posten. In jener
Zeit hat sie besonders viel Not gesehen. überhaupt hatte sie auf
ihrem Lebenswege viel Kreuz. Ihre Ehe blieb kinderlos und an
ihrem kranken Manne hatte sie manches Schwere zu tragen. Er
ging ihr mehrere Jahre in die Ewigkeit vorauf. Aber gerade des⸗
halb, weil sie selbst in der Kreuzesschule stand, konnte sie die
Not anderer so gut verstehen. Und sie hatte das Vertrauen der
Leute, so daß viele auch in seelsorgerischer Hinsicht ihren Rat ein⸗
holten und ihr Herz ihr ausschütteten. Als Hauptwerk ihres
Lebens und als sichtbares Denkmal steht im Elendstal eine ein⸗
fache Kapelle mit schlichtem, großem Saal.

— —

Eine Erinnerung.

Ein kleines Mädchen rief kürzlich, als sie — zum erstenmal

in ihrem jungen Leben — von den Mohammedanern und ihrem

Glauben hörte, empört aus: „Warum geht denn da niemand hin
und sagt den Menschen, daß das alles falsch ist?“ Das ist natür⸗
lich sehr kindlich geredet. Das kleine Ding wußte noch nicht, daß
allerdings schon viele „hingegangen“ sind, auch zu den Mohamme⸗
danern, und ihnen gesagt haben, daß das alles „falsch“ ist. Und

—— —

Aus dem Bericht des Ver⸗

Aber Pfarrer Imig ist und bleibt evangelischer

r-. —

—Eeeeee

I—r .—

—

English translation

Not yet translated.