Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 17 › Seite 266
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 18. August 1914, Seite 266
Scan: from a 2009 DVD; the same scans are on the Internet Archive as DerLutheraner70_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
266
Sr„TutheranesA⸗
Welt in waffenstarrenden Heeren, im Todesringen der Schlacht,
in der Vernichtung geschlagener Feinde, kurz, im ganzen Hand⸗
werk des Kriegers etwas Herrliches sieht, wohl selber viel⸗
leicht nach Schlachtenruhm begehrt. Das, sagt Luther, ist
ganz falsch. Er nennt die Dichter und Schriftsteller, die den
Krieg verherrlichen, „die allerbluttriefendsten und grausamsten
Anstifter, Anreizer und Lobredner von Mördern“. Allerdings,
„ein Christ möchte etwa auch die Neigung zu diesem blutigen
Ruhm einsaugen und sich ergötzen an so großem Mord des
menschlichen Geschlechts“C. Aber „welch eine große Finsternis
ist das, daß man sich über das Niedermetzeln, die Niederlage,
das Blut, den Mord und den ganzen, großen Haufen des Un⸗
glücks, das der Krieg mit sich bringt, sogar freuen, singen und
loben kann, wo es sich geziemte, alle mit blutigen Tränen zu
beweinen“. (St. Louiser Ausgabe IV, 893.) Nein, ein
Christ hat nicht Lust am Krieg. Gäbe es nur Christen auf
der Welt, so käme es nie zum Krieg. „Wo die Herzen durch
einerlei Glauben zu einem Geist miteinander vereinigt sind,
da kann gewiß kein Krieg sein.“ (VI, 167.) Besonders über
die Schrecknisse, die durch den Gebrauch von Geschützen seit Er⸗
findung des Schießpulvers in die Kriegsführung hineingekom⸗
men sind, spricht sich Luther aus. Er sagte einmal zu seinen
Tischgenossen: „Büchsen und das Geschütz ist ein grausam,
schädlich Instrument, zersprengt Mauern und Felsen und führt
die Leute in die Luft. Ich glaube, daß es des Teufels in der
Hölle eigen Werk sei, der es erfunden hat. Gegen Büchsen
hilft keine Stärke noch Mannheit; sie bringen Tod, ehe man
sie siehet. Wenn Adam das Instrument gesehen hätte, das
seine Kinder gemacht, er wäre vor Leid gestorben.“ (XXII,
1440.) Was würde Luther erst sagen, wenn er zu unserer
Zeit lebte und von Schnellfeuergewehren, von Kanonen, die
ihre Geschosse fünf Meilen weit schleudern, und von den furcht⸗
baren Sprengstoffen der neuesten Kriegskunst Kunde erhielte!
Daß es Krieg auf Erden gibt, „ist Gottes Zorn über die
Bösen“. (III, 247.) „Gott will Frieden haben und ist feind
denen, so Krieg anfangen und Friede brechen.“ (X, 516.)
Aber „der größte Teil der Welt bleibt gottlos und ungläubig.
Da nun also die Welt durch ihre Gottlosigkeit und durch die
unbezähmbare Zügellosigkeit ihres verderbten und lasterhaften
Lebens Gott beleidigt, daher kommt es, daß entweder
gar kein Friede oder doch selten und geringer Friede in der
Welt ist. Und das ist die Belohnung, welche der Welt für ihre
Gottlosigkeit und Bosheit gegeben wird. So wird sie von
Gott gestraft“. (VI, 168.) „Ich glaube nicht“, sagte
Luther einst über Tisch, „daß unsere Nachkommen werden Frie⸗
den haben. Gott wende seinen Zorn gnädiglich von uns ab,
denn der Krieg ist der größten Strafen eine, als der zerstört
und nimmt weg die Religion, weltlich und häuslich Regiment.
Alles liegt danieder. Teuerung und Pestilenz sind wie Fuchs⸗
schwänze, ja nicht zu vergleichen mit Krieg.“ Als im Jahre
1539 ein Kriegswetter in Deutschland im Anzug war, sprach
er: „Ach daß wir doch nicht so böse wären! Wir haben, Gott
Lob! eine gute, gerechte Sache; aber leider, wir sind un⸗
dankbar und böse, daß Gott wird die Frommen mit den Bösen
visitieren und strafen.“ (XXII, 1442.) Ist das heute weniger
wahr als damals?
Freventlich sündigen die, welche Krieg anf angen. Das
schärft Luther an vielen Stellen ein. „Es ist billig, daß der ge⸗
schlagen oder doch zuletzt gestraft werde, der am ersten das Messer
zuckt. Darum laßt euch sagen, ihr lieben Herren, hütet euch
vor Krieg, es sei denn, daß ihr wehren und schützen müßt, und
euer auferlegtes Amt euch zwingt zu kriegen.“ (X, 513. 516.)
Schon zu Luthers Zeit traten Schwärmer auf, die alles
Kriegführen, auch den Soldatendienst, als Sünde verwarfen.
Ihnen antwortet Luther also: „Es muß der Irrtum derer ge⸗
straft werden, welche meinen, daß den Christen der rechtmäßige
Gebrauch der Waffen verboten sei, wie die Wiedertäufer es nicht
allein für gottlos halten, daß Krieg geführt werde, sondern
auch meinen, es sei eine lobenswerte Heiligkeit, wenn jemand
ohne Wehr und Waffen einhergehe. Aber erstlich steht fest,
daß der Prophet an dieser Stelle (Micha 4, 3) nicht von der
bürgerlichen Obrigkeit handele, sondern vom Reich Christi. Er
läßt daher der weltlichen Obrigkeit ihr Regiment unangetastet,
damit der gemeine Friede erhalten werde, dessen auch die Kirche
vonnöten hat. Ferner kann der Friede nicht ohne Waffen er⸗
halten werden. Und die Kriege werden zu dem Zwecke geführt,
damit nicht allein dem Unrecht gewehrt, sondern ein beständiger
Friede hergestellt werde. Die Schrift legt der Obrigkeit die
Pflicht auf, die Untertanen wider ungerechte Gewalt zu ver⸗
teidigen und den Frieden zu erhalten. So verteidigte Abra⸗
ham den Lot mit Waffen, und die Historien der Könige zeigen,
daß gottselige Könige nicht allein sehr große Kriege geführt
haben, sondern daß auch Gott ihren Ratschlägen Gedeihen ge⸗
geben habe. Und klar ist der Spruch in der Predigt Johannis
von der Buße (Luk. 3, 14), wo er den Kriegsleuten befiehlt,
daß sie sich begnügen lassen sollen an ihrem Solde. Denn er
billigt den rechtmäßigen Gebrauch der Waffen, der von der
Obrigkeit entweder zugelassen oder auch geboten ist; er ge⸗
bietet nicht, daß man die Waffen fortwerfe.“ (XIV, 1068.)
Eine wichtige Schrift unsers Reformators trägt den Titel:
„Ob auch ein Kriegsmann im seligen Stand sein kann“, das
heißt, ob auch ein Christ als Soldat in den Krieg ziehen kann.
Luther beantwortet diese Frage auf Grund der Schrift mit Ja.
Fürsten haben die Pflicht, ihr Volk zu schützen. „Ein jeglicher
Herr und Fürst ist schuldig, die Seinen zu schützen und ihnen
Frieden zu schaffen. Wenn er siehet, daß man seine Untertanen
angreift, oder findet das Messer gezuckt mit der Tat, so wehret
er dann, soviel er kann, soll und muß.“ (X, 514.) So sind
denn auch Untertanen „ihren Oberherren verpflichtet, mit Leib
und Gut beizustehen und ihrem Aufgebot zu folgen“. (X,
522.) Denn „da wir nun nach dem äußerlichen Menschen
unter der Obrigkeit sind, so müssen wir den Befehlen der Obrig⸗
keit gehorchen und auch in den Krieg ziehen, wenn es die Not
erfordert“. (VI, 168.) „Wenn sie (die Christen) von welt⸗
licher Obrigkeit zum Streit gefordert werden, sollen sie und
müssen streiten aus Gehorsam, nicht als Christen, sondern als
Glieder und untertänige, gehorsame Leute nach dem Leibe und
zeitlichem Gut. Darum wenn sie streiten, tun sie es nicht für
sich noch um ihretwillen, sondern zu Dienst und Gehorsam der
Obrigkeit, Tit. 3, 1.“ (X, 497.) „Ein Christenmann, er sei
wie und wer er wolle, soll das Schwert führen, wenn er dazu
gefordert wird.“ (III, 248.) Und zwar sollen, „die mit Krieg
umgehen“, „nicht ansehen der Feinde Schuld oder Unschuld,
sondern allein darauf, daß es Gott also haben will, ohne daß
man allemal je so streite, daß es geschehe den Unsern zu Schutz,
welche die Not belangt“. (III, 249.) „Darum“, erinnert
Luther, „liest man von vielen heiligen Märtyrern, die auch
unter ungläubigen Kaisern und Herren in Krieg gezogen, wenn ö
English translation
Not yet translated.