Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 21 › Seite 331
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 13. Oktober 1914, Seite 331
Scan: from a 2009 DVD; the same scans are on the Internet Archive as DerLutheraner70_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
Der 2 utheraneE
331
2—
stehest, kannst du nicht zu wohl lernen; und was du wohl
lernest, kannst du nicht zu wohl leben. Glaube mir's, ich hab's
erfahren. Der Teufel ist's, die Welt ist's, das Fleisch ist's,
die wider uns wüten und toben. Darum, liebe Herren und
Brüder, Pfarrherren und Prediger, betet, leset, studieret, seid
fleißig! Fürwahr, es ist nicht Faulenzens, Schnarchens und
Schlafens Zeit zu diesen bösen, schändlichen Zeiten! Darum
brauchet eure Gabe, die euch vertrauet ist, und offenbaret das
Geheimnis Christi.“ Ich sage, wie sollten wir diese Worte
beherzigen, damit wir immer geschickter werden, zu ermahnen
durch die heilsame Lehre und zu strafen die Widersprecher, das
Wort der Wahrheit recht zu teilen und als kluge, treue Haus⸗
halter dem Gesinde Gottes zur rechten Zeit seine Gebühr zu
geben! J. W. Miller.
(Schluß folgt.) ö
————
Was können wir an unserm Gemeindeschulwesen sparen?
7.
So haben wir denn gesehen: Was können wir an unserm
Gemeindeschulwesen sparen? Nichts, rein nichts. Woll⸗
ten wir hier sparen, so würden wir am verkehrten Ende sparen.
Sparen ist an sich nicht unrecht. Laßt uns sparen, wo wir
können! Laßt uns, wenn es nicht anders geht, sparen an
unsern Häusern und der inneren Einrichtung, an unsern son⸗
stigen Ausgaben. Wir geben manchen Dollar aus, den wir
geradesogut hätten sparen können. Laßt uns aber nicht sparen
an Kirche und Schule! Das Wort Gottes, das uns so glücklich
und selig gemacht hat, soll der teuerste Schatz sein, den wir
unsern Kindern hinterlassen. Das Evangelium, durch welches
wir unsern Heiland gefunden haben, durch welches wir der
Nacht der Sünde entronnen sind, die Schrecken des Todes
überwunden haben und in himmlische Glückseligkeit versetzt
worden sind, wollen wir auch unsern Kindern als unser bestes
Vermächtnis hinterlassen, damit sie, wenn wir einst unsere
Augen im Tode schließen, uns nachfolgen in dem Glauben
unserer Väter und in gottseligem Wandel. Mit tausend Freu⸗
den wollen wir alle Opfer an unsere Gemeindeschulen wenden,
weil wir wissen, daß wir so am besten für unserer Kinder zeit⸗
liches und ewiges Wohlergehen sorgen.
Ja, anstatt an unsern Schulen zu sparen, wollen wir
lieber im Gegenteil, wo es nötig ist, noch etwas mehr daran
wenden, damit wir gute Lehrkräfte ausbilden, tüchtige Män⸗
ner an unsere Schulen berufen, hinreichend Unterrichtsmittel
anschaffen können, damit unser Schulwesen noch immer besser
wird und zu immer höherer Blüte kommt. Gemeindeschulen
müssen wir haben. Wir müssen aber auch gute Schulen
haben. Sie müssen den Namen „Schule“ auch wirklich ver⸗
dienen. Die Lutheraner sollten die besten Schulen des Landes
haben. Wir sollen nicht bloß guten Religionsunterricht er—
teilen, sondern auch in weltlichen Fächern etwas Tüchtiges
leisten. Das sind wir den Kindern, der Kirche und dem Staate
schuldig. Tun wir das nicht, steht eine Gemeindeschule in
weltlichen Fächern weit zurück, so geben wir den Feinden
Waffen in die Hand, uns zu bekämpfen, können die Ursache
sein, daß Eltern ihre Kinder aus unsern Schulen herausnehmen,
ja, wir würden selbst unsere Kinder zu Gegnern der Gemeinde⸗
schule erziehen. Haben Kinder in einer Schule mangelhaften
Unterricht genossen, so werden sie in späteren Jahren schwerlich
ihre Kinder in solche Schulen schicken. Wir graben damit uns
selbst unser eigenes Grab. Wir müssen darum eifrig sein und
die Zeit auskaufen. Wir müssen dahin arbeiten, daß unsere
Schulen immer noch verbessert werden. Das ist rechter Fort⸗
schritt. Wir würden es mit Freuden begrüßen, wenn alle
unsere Schulen dahin gebracht würden, daß unsere Kinder bei
ihrer Entlaͤssung aus der Gemeindeschule ohne Examen in die
Hochschule aufgenommen werden, wie das an vielen Plätzen
bereits der Fall ist, oder doch, daß die begabten Kinder unserer
Schulen wenigstens imstande sind, ihr Examen zu bestehen,
wo ein solches verlangt wird.
Zum Schluß nun noch eine Frage: Wie wollen wir
das Geld für unsere Schulen aufbringen? Daß
die Gemeinde dem Lehrer Gehalt bezahlen muß, ist klar. Aber
wie soll das Geld zusammenkommen? Das gehört freilich auch
zu den Mitteldingen, über die uns Gott keine Vorschrift ge⸗
geben hat. Darum geht auch die Art und Weise in unsern
Gemeinden etwas auseinander.
Manche Gemeinden bringen Lehrergehalt oder einen Teil
davon zusammen dadurch, daß sie Schulgeld erheben. Das
geht an manchen Orten, hat aber auch oft manche Nachteile.
Eltern lassen ihre Kinder zu früh konfirmieren, um das Schul⸗
geld zu sparen. Manche halten ihre Kinder ganz zurück, die sie
sonst schicken würden. Man sagt ihnen zwar: „Wenn Sie
auch nicht bezahlen können, schicken Sie nur Ihre Kinder!“
Aber wie manchen geht das gegen ihr Ehrgefühl. Sie wollen
nicht als arm gelten. ö
An andern Orten werden die Sommerferien verkürzt, weil
man noch einen Monat Schulgeld herausschlagen muß. Es
haben darum, durch diese und andere Gründe bewogen, schon
manche Gemeinden es für das beste gefunden, ihre Schule frei,
frei für alle Kinder, zu machen.
In andern Gemeinden, wo auch das Schulgeld nicht recht
zusammenkommen will, veranstaltet man ein Schulfest, damit
noch etwas Geld für Lehrergehalt zusammenkommen soll. Den
Reingewinn eines Schulfestes kann ja freilich die Gemeinde für
die Schulkasse verwenden, aber schlecht ist es bestellt, wenn eine
Gemeinde darauf angewiesen ist.
Die beste Weise ist die, daß es die Gemeindeglieder machen
wie mit dem Pfarrgehalt, daß am Anfang des Jahres die Liste
herumgeht, und jeder seinen Beitrag zeichnet, bis die Summe
zusammen ist. Und das ist nicht bloß Sache derer, welche
Schulkinder haben. Niemand soll sprechen: Ich habe keine
Kinder; was geht mich die Schule an? Dann wäre der Lehrer
nicht mehr Diener der Gemeinde, sondern mur Stellvertreter
derer, welche Kinder zu ihm in die Schule schicken. Die Schule
zu erhalten, ist nicht Sache eines Schulvereins innerhalb der
Gemeinde. Das wäre nur im Notfall zu tun, wenn andere
ihre Schuldigkeit nicht tun wollen. Die Schule soll nicht zu
einem selbständigen Institut gemacht werden. Jeder soll dazu
beitragen. Die Schule ist Missionsanstalt auch für die, die
draußen sind. Den Heiden in Indien wollten wir Schulen
bauen und unserm Nachbar nicht? Wir überlassen auch die
Unterhaltung der Staatsanstalten nicht bloß denen, welche
Brüder, Schwestern oder Eltern im Zuchthause oder in der
Irrenanstalt haben, sondern unterstützen sie alle. Mancher
möchte denken: Diejenigen, welche die meisten Kinder in die
Schule schicken, sollten doch auch das meiste dafür tun. Abar
English translation
Not yet translated.