Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 21 › Seite 337

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 13. Oktober 1914, Seite 337

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8 er utheranehe

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gingen, daß ich wohl sah, die christliche Religion wäre die rechte,
und daß die Juden ganz unverschämter⸗ und gottloserweise aus
Halsstarrigkeit Christo widersprechen; und weil ich noch mit mir
selbst zu streiten hatte, wiewohl ich an der Wahrheit der christ⸗—
lichen Religion nicht mehr zweifelte, so verharrte ich ein ganzes
Jahr in tiefem Nachdenken und las die Bücher Alten und Neuen
Testaments Tag und Nacht, bis ich endlich, ungeachtet aller Ge⸗
fahr und Not, meine Eltern, Geschwister und Verwandten ver⸗
lassen, mich nach Wien gewandt und mit meinem Weib und vier
Kindern zum christlichen Glauben mich öffentlich bekannt und durch
die heilige Taufe der christlichen Kirche bin einverleibt worden.“
Hieraus erhellt zur Genüge, daß Gottes Wort, welches in
den prophetischen Schriften enthalten, ein helles Licht und gött⸗
liche Kraft sei, die Finsternis des menschlichen Herzens in Lehre
und Leben zu vertreiben, dahin auch der heilige Apostel zielt,
wenn er seinem Timotheus schreibt: „Die Heilige Schrift kann
dich unterweisen zur Seligkeit; sie ist von Gott eingegeben und
nütze zur Lehre, zur Strafe, zur Besserung, zur Züchtigung und
Unterweisung in der Gerechtigkeit, daß ein Mensch Gottes sei
vollkommen, zu allem guten Werk geschickt.“ C. Z.

Ein denkwürdiges Zusammentreffen.

In dem letzten deutsch⸗französischen Kriege waren mehrere
verwundete deutsche Offiziere und Soldaten in dem Schlosse einer
französischen adeligen Dame untergebracht worden. Die Be—
sitzerin des Schlosses, eine bejahrte Witwe, ließ ihren Gästen nicht
nur durch ihre Untergebenen die liebevollste Pflege angedeihen,
sondern überzeugte sich häufig in eigener Person von dem genauen
Vollzuge ihrer Anordnungen, reichte ihnen selbst Speise. Trank
und andere Gaben, tröstete bei ihren Besuchen die der französischen
Sprache Mächtigen durch beruhigende Worte, die Sprachunkun—
digen durch freundliche Blicke und Gebärden und unterzog sich
selbst auch mancher beschwerlichen Verrichtung am Krankenlager.
Die Verwundeten verehrten sie wie eine zweite Mutter. Manch
heißes Gebet für das Wohlergehen dieser seltenen Menschen⸗
freundin stieg gen Himmel empor.

Ein junger Offizier, der ein eigenes Zimmer erhalten hatte,
fragte sie einst, nachdem sie einen neuen Verband an seine Wunde
gelegt hatte, mit unverkennbarer Rührung: „Warum, gnädige
Frau, überhäufen Sie gerade die Feinde Ihres Vaterlandes mit
so viel Güte und Wohltaten?“ Die Gefragte antwortete weh—
mütig: „Mein Sohn ist französischer Offizier, wurde leicht ver⸗
wundet und geriet in Kriegsgefangenschaft. Da erbarmte sich
seiner eine deutsche Mutter. Den Verwundeten pflegte sie mit
Aufopferung, nahm ihn unter ihr gastliches Dach auf, nicht nur
für kurze Zeit, sondern für die Dauer seiner Gefangenschaft.
Durch die zarteste Schonung, durch die aufmerksamste Behandlung
milderte sie sein hartes Los, fern vom Vaterlande, sern von der
Mutter leben zu müssen. Ich handle nur nach dem Vorbilde dieser
braven deutschen Mutter.“ Tränen glänzten in den Augen der
Sprechenden. Der Offizier schwieg, seine Gedanken entführten
ihn in seine traute Heimat zu seiner guten Mutter, für die er
auch im fremden Lande liebevollen Ersatz gefunden hatte.

Da trat ein Diener ein und überreichte der Dame einen
Brief. Diese schaute flüchtig auf die Adresse und löste hastig das
Siegel. „Gott Lob!“ rief sie freudig erregt, „meine und meines
Sohnes Wohltäterin hat meine Bitte erfüllt und mir ihre Photo—
graphie gesandt.“ Der Offizier hatte kaun einen Blick auf das
Bild geworfen, als er in die Worte ausbrach: „Das Porträt
meiner Mutter!“ „Ihrer Mutter!“ wiederholte die Dame mit
zitternder Stimme. Dann sank sie auf die Knie und betete:
„Gott, du hast mir den Sohn meiner Wohltäterin anvertraut;
ich danke dir aus tiefster Seele!“

tl —
Todesanzeige.

P. Karl Anton Dautenhahn ist am 5. September
eingegangen in die Ruhe, die noch vorhanden ist dem Volke Gottes.
Am 5. Februar 1845 zu Oberschlema im Erzgebirge geboren, be⸗
suchte er zunächst die Volksschulen Schneebergs. Wie vielerorts,
so herrschte auch in dieser Gegend Deutschlands in den Kirchen
der rationalistische Geist. In einem Verein ernster Christen aber,
der zurzeit noch besteht, suchte und fand er geistliche Erbauung.
Im Lesezimmer dieses Vereins fielen ihm auch Schriften aus
unsern Kreisen in die Hände, durch die er die geistliche Not so
vieler in der Neuen Welt kennen lernte. Sie ging ihm so zu
Herzen, daß er sich entschloß, mit Gottes Hilfe derselben steuern
zu helfen. Er trat daher zunächst in die Vorbildungsanstalt
Pfarrer Fr. Brunns in Steeden ein und wanderte im Jahre 1872
nach Amerika aus, um in St. Louis seine Studien zu vollenden.
Er bediente zunächst etwa vier Jahre lang die Gemeinden zu
North Judson und Gundrum, Ind. Im Jahre 1887 leistete er
einem Berufe der Gemeinde bei Antonia, Mo., Folge. Im Dienste
dieser Gemeinde verzehrte er seine besten Kräfte, denn über ein
viertel Jahrhundert lang hat er ihr mit größter Treue und Selbst⸗
verleugnung und mit immer neuem Eifer in Kirche und Schule
die frohe Botschaft von Christo, dem Sünderheiland, verkündigt.
Amn 27. April des Jahres 1913 erlitt er während des Gottes⸗
dienstes, kurz vor der Predigt, einen Hirnschlag, infolgedessen seine
rechte Seite fast gänzlich gelähmt blieb. So dienstunfähig ge⸗
worden, zog er nach Wentzville, Mo., wo er von seinen Kindern
unterhalten wurde. Obgleich er noch viel an den Folgen des
Schlaganfalls leiden mußte, hat er doch schließlich einen sanften
Tod gehabt. — Durch den Tod des Heimgegangenen ist ein zwar
schlichter, aber tapferer und eifriger Streiter aus dem Streiter—
heere des Herzogs unserer Seligkeit geschieden. Noch während
seiner Krankheit kämpfte er bis zuletzt durch häufiges, inbrünstiges
Beten für alle Menschen, besonders aber für die Kirche Christi.
Seine Liebe zur Sache des Reiches Gottes bekundete er auch da⸗
durch, daß er trotz seines recht kärglichen Gehalts die Entbehrungen
nicht scheute, die ihm durch die Ausbildung vier seiner Söhne
zum heiligen Predigtamt auferlegt wurde. Der müde Leib wurde
am 7. September auf dem deutschen Gottesacker zu Wentzville
zur Ruhe gebettet. Im Hause amtierte P. F. Rupprecht, in der
Kirche hielt sein Seelsorger, P. H. J. Müller, eine Rede über
Joh. 8, 51, und am Grabe rief ihm sein früherer Amtsnachbar,
P. H. H. Wallner, noch einige passende Worte nach auf Grund
von Phil.

Glauben nach! P. M. D.

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Neue Drucksachen.

Alle an dieser Stelle angezeigten Bücher, Musikalien, Bilder usw. kön⸗
nen durch das Concordia Publishing House, St. Louis, Mo., zu den bei⸗
gefügten Preisen bezogen werden. Wo eine andere Bezugsquelle angegeben
wird, wolle man, bitte, bemerken, ob zu besorgen, falls nicht vorrätig.

Handbuch der deutschen Nationalliteratur von ihren ersten Anfängen
bis zur Gegenwart. Zum Gebrauch für den Unterricht in den
oberen Klassen höherer Lehranstalten sowie zum Selbstunterricht
bearbeitet von Otto Hattstädt, Professor am Concordia⸗
Gymnasium zu Milwaukee, Wis. Zweite, verbesserte Auflage.
Concordia Publishing House, St. Louis, Mo. 512 Seiten 649.
Preis: 5l.75.

Dieses Handbuch für das Studium der deutschen Literatur ist in
erster Linie für die studierende Jugend bestimmt. Daß Prof. Hattstädts

„Handbuch“ sich als Leitfaden im Unterricht bewährt hat, ist aus dem Um⸗

stand ersichtlich, daß eine zweite Auflage schon jetzt — die erste erschien im

Jahre 1906 — nötig geworden ist. Doch verdient dieses stattliche Werk

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